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Der Mutter "verzeihen"

Cvurrxl hat die Diskussion gestartet


Hallo alle Zusammen,

jetzt war ich schon echt lange nicht mehr, wäre aber an Euren Meinungen zu einem nach wie vor brandaktuellen Thema von mir interessiert. Hintergrund ist, dass ich schon immer eine große Wut auf meine Mutter hatte. Eine Zeitlang dachte ich, dass das einfach der Versuch der Abnabelung war, weil sie oft sehr "übergriffig" wurde - auf emotionaler Ebene. sprich - zuviel Raum in unserer Beziehung eingenommen hat (sie neigt zur Egozentrik). Nachdem wir kürzlich einige Tage recht dicht aufeinander gedrängt bei meiner Verwandtschaft in einer Wohnung verbringen mussten, war ich danach echt fix und alle, sogar mein Mann hat sich da mit ihr "angelegt" (er ist normalerweise die Diplomatie in Person). Und so kam es, dass ich mich seitdem sehr stark mit meiner Beziehung zu ihr auseinandersetze.

Meine Mutter ist eine sehr vielgesichtige Person. Sie kann sehr aufopfernd sein und liebevoll. Gleichzeitig extrem egoistisch und überheblich und aufmerksamkeits"geil". Es gab in der letzten Zeit auch oft Situationen, in denen ich - im Nachhinein betrachtet - extrem enttäuscht war. Weil sie eben NICHT die Mutter ist, die ich eigentlich gebraucht hätte oder wollte. Ich sollte vielleicht kurz dazu sagen, dass ich fast 35 bin und selbst Mutter einer 6-jährigen bin. Dadurch werden mir diese ganzen Sachen nur noch bewußter, weil ich oft da stehe und mir denke "Ich liebe mein Kind viel zu sehr, als dass mein Egoismus da eine Rolle spielt" (und ich spreche bewußt nicht von Kleinigkeiten, denn ich gehöre Gott sei Dank zu den wenigen, die sich nicht über ihre Mutterrolle definieren). Ich kann meiner Tochter sagen, wenn ich stolz bin und ich kann Fehler eingestehen. Und ich kann ihr ihren Freiraum lassen. Und Platz, um sich zu entwickeln. All das ist für meine Mutter scheinbar sehr schwer. Auch läuft bei ihr sehr viel über schlechtes Gewissen "Du könntest auch mal....ich habe Dich/Dir immer..." usw.

Ich habe letztends sogar festgestellt, dass ich nie wütend oder verletzt sein durfte, weil sie dann immer dermaßen den Spieß umgedreht hat und dann immer SIE das Opfer war und verletzt und traurig und enttäuscht und ich das böse Kind, das undankbar ist... also habe ich mich immer entschuldigt... Gut, wundert mich im Nachhinein also nicht, woher diese ständige unterschwellige Aggression gegen sie kam, die ich ja nie rauslassen durfte.

Es zählt nun mal nur ihre Meinung. "Das ist so!" und aus.

Bisher bin ich immer so damit umgegangen, dass ich alles geschluckt habe, des Friedens willen. Ich habe mich stark von ihr distanziert, obwohl wir eigentlich recht eng waren. Ich halte sie komplett aus meiner Familie raus - vor allem aus der Beziehung zwischen meinem Mann und mir. zu meiner Tochter hat sie natürlich innigen und auch viel Kontakt.

Jetzt ist es aber so, dass es mir nicht gut tut, diesen Umgang mit ihr zu haben. Ist sie um mich rum, bin ich automatisch schlecht drauf, einerseits, weil sie mich einfach nervt (egal, was sie tut), andererseits weil es für mich (weiß der Geier wieso) wie ein Zeichen der Schwäche ist, wenn ich in ihrem Beisein gut drauf bin. DAS wiederum ist jetzt aber wieder eine andere Sache, die noch tiefer gehen würde und für diesen Thread auch keine Rolle spielt.

Fakt ist - ich muss einen Weg finden, ihr zu verzeihen. Für die Unfähigkeit, die Mutter zu sein, die ich gebraucht hätte und mir wünschen würde (Klar, Leben ist kein Wunschkonzert - aber sag das mal einer meinem kleinen inneren Kind!) und auch, diese Enttäuschung zu überwinden. Ich meine, ich habe nur diese eine Mutter. Und ich will auch nicht immer der Arsch sein, der sich für ihr Leben nicht interessiert (was im Moment aufgrund meiner immer vorhandenen latenten Wut und Habachtstellung Dauersituation ist)...

Jetzt bin ich mir sicher, dass ich nicht die einzige bin, die eine schwierige Beziehung zu ihrer Mutter hat und mich würde mal interessieren, wie andere das gelöst haben und lösen :)*

Antworten
Sb. Gwallixsii


Fakt ist - ich muss einen Weg finden, ihr zu verzeihen. [...] und auch, diese Enttäuschung zu überwinden.

ich fürchte ersteres geht frühestens* wenn zweiteres passiert ist. Weiß nicht ob solches Verarbeiten ohne wenigstens ein wenig Abstand geht, wahrscheinlich schon aber wird vielleicht ein gutes Stück schwerer.

(*=es geht natürlich versuchsweise schon vorher, aber es wäre wahrscheinlich nicht echt und würde vermutlich auf Selbstunterdrückung basieren (die Genervtheit wär hier ein guter, wenn vermutlich auch nicht absolut verlässlicher, Indikator))

Warum eigentlich die Formulierung Fakt & müssen? Ich vermute Zwang wär da nicht grad hilfreich.

Es gibt in letzter Zeit, aber auch schon früher, häufiger Fäden zu ähnlichen Themen: z.B.: [[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/706669/]] oder [[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/702533/]]

Vielleicht denkst du bei solchen Fäden ach so krass ist sie ja auch wieder nicht, aber die Themen Abgrenzung usw bleiben ja die gleichen.

maond+]s}terxne


Jetzt bin ich mir sicher, dass ich nicht die einzige bin, die eine schwierige Beziehung zu ihrer Mutter hat und mich würde mal interessieren, wie andere das gelöst haben und lösen :)*

Ja das stimmt. Ich versuche auch, den Weg des Verzeihens zu gehen. Ich muss zugeben, es ist sehr mühselig, es dauert schon lange, und ich weiß nicht, ob es jemals von Erfolg gekrönt sein wird.

Ich bin jedoch vom Grundsatz her fest davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist.

Ich schreibe mal ein paar Dinge zusammen, die es mir schwer machen.

Zunächst einmal gibt es nichts Konkretes, was zu verzeihen wäre. Wenn meine Mutter mir irgendwann einmal meine Lieblingstasse kaputt gemacht hätte, könnte ich es ihr verzeihen. Aber um so etwas Konkretes, Greifbares geht es nicht.

Es geht um dieses riesengroße Gefühlsding, das im Detail vermutlich ganz anders aussieht als bei Dir, aber so grob betrachtet gibt es da sicherlich auch viele Ähnlichkeiten. Nur das lässt sich leider nicht greifen. Ich habe versucht, es an verschiedenen Dingen symbolisch festzumachen. Aber das ist mir bisher nicht gelungen, weil sich dann immer die Frage stellt, warum man aus so einer kleinen Sache so ein Riesending macht.

Ich müsste eigentlich erstmal für mich herausfinden, was genau eigentlich die Verletzung ist, die ich meiner Mutter verzeihen möchte. Das weiß ich bis heute nicht genau. Es geht um seelische Verletzungen. Nur so viel ist klar.

Intuitiv geht es mir so, dass ich versuchen möchte, es zusammen mit meiner Mutter herauszufinden. Dafür reden wir viel miteinander. Ich versuche ihr zu sagen, was ich als verletzend empfinde, und ich würde mir wünschen, meine Mutter könnte es verstehen. Von den professionellen Helfern wird mir regelmäßig von diesem Weg abgeraten, weil meine Mutter zu alt ist, und weil es alles Schnee von gestern ist.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob das der richtige Weg ist. Denn verzeihen tut man letztlich im Herzen. Dafür braucht man kein Gegenüber. Aber mir kommt es wie Verzeihung zweiter Klasse vor, wenn ich es alles nur mit mir selbst ausmache.

Deshalb habe ich es auch schon mit professionellen Helfern als Gegenüber versucht. Aber das bringt meiner Erfahrung nach nichts. Wenn man ein gestörtes Verhältnis zu seinem Vater hat, dann kann man sich in einer Therapie ganz prima auskotzen. Im Bezug auf die Mutter geht das nicht. Schon an diesem Punkt scheitert es also, bevor es überhaupt richtig losgegangen ist. Ich weiß nicht genau, woran das liegt.

J*an7x4


Ich glaub, das ist alles noch viel schwieriger als Du denkst.

Verzeihen ist natürlich gut, aber ich hab nicht den Eindruck dass Du schon so über den Dingen stehst, dass das wirklich aufrichtig möglich wäre.

Ich hab eher den Eindruck, Du spürst, dass da im Grunde nix zu gewinnen ist, fühlst Dich aber auch nicht in der Lage, einen radikalen Bruch durchzuziehen, und suchst nun nach irgendwelchen Tricks, die eigenen Einstellungen so hinzudrehen, dass sie Dich einerseits nicht mehr so tangiert, Du andererseits ums "harte Abgrenzen" drumrum kommst (was auch die Trauer über den Verlust der Mutter bzw Eingeständnis, dass sie nie so war wie Du es Dir erhofft hast) verbunden ist.

Wenn sie wirklich so eine manipulative Egozentrikerin ist (wonach es ja klingt) gibts nur die beiden Wege, das entweder zu ertragen (was schwierig sein dürfte) oder radikal Grenzen ziehen. Da auch letzteres in der Regel nicht zu Einsicht führt, wars das dann. Und DAMIT muss man klarkommen, das ist der Punkt, der weh tut. Aber so ist das nunmal.

So in Kurzfassung ;-)

JYann74


Ich meine, ich habe nur diese eine Mutter. Und ich will auch nicht immer der Arsch sein, der sich für ihr Leben nicht interessiert (was im Moment aufgrund meiner immer vorhandenen latenten Wut und Habachtstellung Dauersituation ist)

Warum solltest Du Dich für jemanden interessieren der Dich nur herablassend und instrumentalisierend behandelt?

J=anx74


und Du fragst ja explizit nach Stories anderer Leute. Ich hatte versucht, einen "Sammelfaden" zu dem Thema zu eröffnen, da gibts zumindest diverse Schilderungen von Leidensgenossen und -Genossinnen (das permanente Hickhack was da leider auch stattfindet besser ignorieren und aufs sachliche konzentrieren)

[[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/702533/]]

w~interTsonne 0x1


Fakt ist - ich muss einen Weg finden, ihr zu verzeihen. Für die Unfähigkeit, die Mutter zu sein, die ich gebraucht hätte und mir wünschen würde

Ich habe mal einen guten Satz zu diesem Thema gelesen:

"Du warst die beste Mutter, die du sein konntest."

Wenn du das schaffst du denken, wenn du eben akzeptieren kannst, dass das Leben kein Wunschkonzert ist, dass man sich eine Mutter nicht zusammenbasteln kann, nach dem Motto: was wäre schön ?.... dann hast du viel geschafft.

Das heißt ja nicht, ihre Fehler wortlos aushalten zu müssen. Nur grenze dich nicht nur still ab, sondern sage ihr, was dich stört. Aber nicht mit dem Ziel, sie ändern zu wollen, (Mutter/Tochter Vehältnis ist genau wie die Ehe keine Erziehungsanstalt ;-) sondern als Abgrenzug für dich.

Und klar Konsequenzen muss sie dann schon tragen, wenn sie eben so ist wie sie ist...dass du ihr weniger erzählst, dich seltener triffst und dafür brauchst du kein schlechtes Gewissen zu haben.

Also ein realistisches Bild und kein Sehnen nach einer Wunschvorstellung von Mutter könnte dir ev. helfen. ":/

CturrUl


@ wintersonne,

ja, so in etwa sieht's aus. Der Satz ist ziemlich treffend. Denn es ist bei weitem nicht so, dass meine Mutter nur manipulierend und egozentrisch ist. Sie hat mehrere Seiten und da gibt es auch sehr gute Seiten. Nur eben AUCH die anderen. Und früher konnte ich mich dagegen eben nicht wehren. Heute schon. und nach diesen intensiven paar Tagen, wo wir so aufeinander saßen, sind mir diese einfach noch mal extrem aufgefallen und klar geworden.

für mich ist immer am schlimmsten, dass ich nicht mit ihr darüber sprechen kann. Sie selbst ist "psychologisch versiert" insofern, dass sie Ergotherapeutin war (jetzt in Rente) und viel mit Psychologie gemacht hat usw. Dadurch psychologisiert sie aber auch alles und jeden und steckt viel in Schubladen. Nur bei sich selbst klappt das gar nicht. Ergo - Selbst -und Fremdwahrnehmung ist extrem unterschiedlich. Und man kommt nicht an sie ran. DAS frustriert mich am meisten. Ich habe kein Problem damit, Menschen zu sagen, was mich stört. Nur ist es bei ihr einfach vergeudet. Was ich lernen müsste ist, ihr IN der Situation zu sagen, was Sache ist. DAS kann ich noch nicht. Im Nachhinein dann, wenn ich was sage, kommt immer der gleiche Satz. "Das hast Du falsch wahrgenommen". Ihrer Meinung nach verstehe ich ja immer alles falsch und erlebe es auch anders. Totschlagargument. Im Zweifel hab ich's also jedes Mal nur falsch verstanden bzw. wahr genommen. Wie kann man nur so sein?! Ich kenne keinen Menschen, der so unantastbar ist. Ich selbst habe kein Problem damit, meiner Tochter einzugestehen, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Bin ja auch nur ein Mensch. Aber meine Mutter macht keine Fehler. Grundsätzlich nicht. Wie soll man denn als "Kind" mit so einer Mutter umgehen? Die so unantastbar ist? Ständig so "über allem erhaben" ist!? Ihr merkt, ich bin noch mittendrin in der Problematik. Und das mit 35. Faszinierend... :-/

BramZbiene


Dadurch psychologisiert sie aber auch alles und jeden und steckt viel in Schubladen. Nur bei sich selbst klappt das gar nicht. Ergo - Selbst -und Fremdwahrnehmung ist extrem unterschiedlich.

Und genau das kannst du zum Thema machen. So nach dem Motto: Mama ich muß mit dir reden, bitte hör mir zu, ohne mich zu unterbrechen und ohne mich mit deinen vorgefertigten Sprüchen auszubremsen.

Und dann sag ihr wie sehr es schmerzt, dass sie dir in jeder Situation den Schwarzen Peter zuschiebt und was das mit dir macht. Es macht dich unglücklich. Will sie das? Was ist ihr wichtiger, eine glückliche selbsbewußte Tochter, oder bei jedem Wortgefecht "Recht" zu behalten?

Schreib dir einige Punkte die dich stören auf, bitte deinen Mann um Unterstützung und such das Gespräch. Gib ihr konkrete Beispiele und bitte sie erst mal ein paar Tage nachzudenken bevor sie was dazu sagt.

Und bring ihr bei, dass es weniger verletzend ist, in ICH-Sätzen mit dir zu reden. Es ist viel einfacher im Gespräch auf Augenhöhe zu bleiben, wenn sie sagt "Oh, da hab ich mich wohl nicht richtig/verständlich ausgedrückt, ich meinte...blablabla", als wenn sie deine Wahrnehmung kritisiert.

Manchmal ist es hilfreich, auch der eigenen allwissenden und neunmalklugen Mama mal den Spiegel vorzuhalten und vor allem ihr klar zu machen, was ein paar dahingesagte Worte von ihr bewirken können. Einen Versuch ist das wert! :)*

"Du könntest auch mal....ich habe Dich/Dir immer..."

Hach, wie bekannt solche manipulativen Sätze klingen! Nicht nur von der eigenen Mutter, sondern auch von anderen Müttern und Schwiegermüttern! ;-D

Mit einem mal so dahingesagten "Du könntest auch mal wieder die Fenster putzen" hat meine Mutter vor vielen Jahren das Faß bei meiner Schwägerin zum überlaufen gebracht. Sie wohnten im selben Haus. Kurz darauf hat mein Bruder die Arbeit gewechselt und sie sind ca 3 Autostunden weit weg gezogen. Seither ist es auffällig, dass meist nur mein Bruder meine Eltern besucht. Meine Schwägerin hatden Kontakt auf große Zusammentreffen reduziert und pflegt eine oberflächlich-höfliche Beziehung zu meinen Eltern. So leben alle viel entspannter.

"Du warst die beste Mutter, die du sein konntest."

Den Satz merke ich mir. Auch in abgewandelter Form ; ich bin die beste Mutter die ich sein konnte und sein kann.

E#hemalLiger N|utzer .(#56997x7)


Meine Mutter ist ähnlich. Ich habe vor etwas mehr als drei Moanten den Kontakt zu ihr abgebrochen. ich habe ihr so oft verziehen und so oft Chancen gegeben. Aus Erfahrung kann ich Dir sagen dass sich das nicht bessern wird. Ob es das wird wenn sie (noch) älter ist, weiß ich nicht. Ich glaube es aber irgendwie nicht.

Auch hat meine Mutter immerzu den Spieß rum gedreht und sie war das Opfer. Ich bin mal so "dreist" und wage zu behaupten dass das narzistische Züge sind.

Vielleicht hilft Dir das hier ja weiter:

[[http://www.narzissmus.org/eigenschaften-narzisstischer-mutter.php]]

[[http://www.narzissmus.org/]]

@:)

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