» »

Bin ich einfach zu dumm für alles und psychisch krank?

p|erczeptoxr hat die Diskussion gestartet


Hallo

Ich werde versuchen, die Geschichte die ich erzähle möglichst kurz zu fassen, dennoch wird es wohl ein längerer Text.

Einmal zu mir:

Ich bin 23 Jahre alt, komme aus Österreich und bin seit längerer Zeit psychisch schlecht beisammen.

Angefangen hat es mit 7 Jahren, zu dieser Zeit starb meine Oma nach langer schwerer Krankheit. Ich weiß nicht, ob es damit zu tun hat, aber nahe liegen würde es dass ich seit dieser Zeit einfach immer mehr Gewicht zunahm. Seither war ich übergewichtig, ich wurde in der Schule gemobbt, gehänselt, hatte sehr viele Schlägereien (auch welche die ich wohl aus Verzweiflung gegen die Demütigungen angefangen habe und öfters auch mit Verletzungen endeten) und nicht viele Freunde.

Mit 16 Jahren fing ich eine Ausbildung an, es gefiel mir, war genau mein Gebiet und ich glaubte, endlich glücklich zu werden. Dann zeigte mir einer meiner wenigen Freunde ein Online Rollenspiel, ich war schon immer ein "Gamer", allerdings bis zu dieser Zeit im normalen Rahmen und saß nicht nur vor PC/Konsole.

Doch langsam aber sicher fing ich an, in der virtuellen Welt zu versinken, schleichend wurde die Zeit die ich investierte immer höher, die Anonymität des Internets, in der es egal ist wer ich bin, wie ich aussehe und der Rest herum war eine riesige Verlockung. Ich fühlte mich geborgen, geschätzt und hatte des Gefühl "das" war mein Planet, hier war ich richtig.

Innerhalb eines halben Jahres hatte ich meine Ausbildung gekündigt, den Kontakt zu allen Bekanntschaften abgebrochen (bis auf den der mir das Spiel zeigte) und saß meistens 16 Stunden am Tag vorm Rechner (die restlichen 8 schlief ich, meistens von Vormittag bis am Abend).

Das war von 2008-2011, teilweise war ich mehrere Wochen nicht aus dem Haus gekommen, mit meiner Familie war ich auf Kriegsfuß (logisch, meine Eltern sorgten sich sehr um mich, wussten aber weder ein noch aus).

Am schlimmsten aber sehe ich, dass ich in dieser Zeit fast 60 Kilo zugenommen habe. Das wurde mir erst im Jahr 2011 so richtig bewusst, aus irgendeinem Grund war ich mit meinem Zockerfreund auf der Kirmes, es machte spaß und ich war (keine Ahnung wie ich auf die Idee kam) mit dem Fahrrad dort.

Von diesem Tag an machte es "klick" und ich begann mein Leben zu ändern, in der Folge nahm ich schließlich bis 2012 um die 60 Kilo ab und war daraufhin bei ~85 Kilo auf 1,85m Körpergröße. Meinen Spielekonsum reduzierte ich auf wenige Stunden pro Tag, ich bekam von einem Bekannten einen Job vermittelt den ich im September 2011 angetreten habe.

Ich begann, meinen Führerschein zu machen, ging zum ersten mal in eine Diskothek, kaufte mir mein erstes Auto und hatte das Gefühl endlich einen Platz in der richtigen Welt gefunden zu haben.

Da mein heftiges Übergewicht Spuren am Körper hinterließ wurde ich im Sommer 2012 zuerst am Bauch und im Sommer 2013 an der Brust operiert, dabei wurden 3 Kilo überschüssige Haut entfernt.

Doch trotz allem Erfolges, irgendwann (ich denke es war der Sommer 2012) schlichen sich bei mir Minderwertigkeitskomplexe, das Gefühl "entstellt" zu sein (trotz der Operationen habe ich an Rücken/Hüfte/Oberschenkel noch mindestens 3 weitere Kilogramm Haut hängen), ein Versager zu sein (ich hatte einen Job, allerdings mangels Ausbildung nur einen "Depp vom Dienst" Job), zeitweise hatte ich sogar Suizidgedanken (nie extrem konkret, allerdings kamen diese Gedanken oft beim kleinsten Fehler).

Durch Zufall lernte ich im Januar 2013 meine erste Freundin kennen, mit der ich bis heute zusammen bin. Mit einem Schlag waren meine negativen Gedanken wie weggeblasen, ich war für eine Zeit der glücklichste Mensch der Welt.

Im September 2013 beschloss ich, mein Dasein als Hilfsarbeiter zu beenden, ich kündigte meinen Job und bekam vom Arbeitsamt eine Ausbildung vermittelt welche ich diesen September abschließen werde.

Es schien alles perfekt, bis auf das Problem meines Körpers (ich schäme mich für mein Aussehen nach der Abnahme), es gibt Tage an denen ich nicht aus dem Haus gehen kann, was mich und vor allem meine Freundin belastet. Ich MÖCHTE leben, ich will Wochenenden an einem See verbringen oder mich an herrlichen Sommerabenden in ein Straßencafe setzen, neue Leute kennenlernen aber es gibt da eine Mauer in meinem Kopf die sagt "Schau dich an, vergiss es". Und diese Mauer ist einfach zu stark für mich um sie einzureißen.

Mit meiner Freundin gab es schon desöfteren Streit da sie meine Scham nicht versteht und nicht immer zuhause sein möchte, ich versteh das ja und möchte es selbst nicht, aber ich kann diese Riesen Hürde die vor mir ist nicht überwinden.

Noch eine große Angst, die immer größer wird, je näher der Termin rückt ist meine Versagensangst bei der praktischen Abschlussprüfung. Seit etwa 2 Wochen übe ich im Lehrbetrieb mein Werkstück und mit jeder Stunde, mit jedem Misserfolg wächst meine Angst und mittlerweile auch Resignation.

Ich mache die einfachsten Handgriffe falsch, ich konzentriere mich (bpsw. beim Bohren mehrerer Löcher) extrem, zeichne alles sorgfältig an und am Ende stimmen wieder mehrere Maße nicht, das Teil ist zu kurz/zu lang, die Bohrungen falsch, Maße stimmen nicht mit der Zeichnung überein usw...

Mit jedem Rückschlag wächst in mir ein Unmut, ich resigniere, eine innere Stimme sagt mir "lass es, das packst du nicht, du bist einfach nur ein Hilfsarbeiter also lass es", ich hatte auch schon Gespräche mit meinem Ausbilder, dieser ist speziell pädagogisch geschult und versucht, mir Mut zu machen, zeigt mir verschiedene Kniffe, die das arbeiten erleichtern und redet mir gut zu dass die Übung den Meister macht.

Nun ist es also im September soweit, die praktische Abschlussprüfung rückt von Tag zu Tag näher. Einerseits freue ich mich darauf, ich bin kein "nichts" mehr, ich bekomme mehr Geld und darf endlich "richtig" arbeiten, bisher war "arbeiten" für mich immer das zu tun wofür sich andere zu schade waren.

Auf der anderen Seite denke ich mir ich stehe bei 0, soll in 2 Monaten das Prüfungsstück hinbekommen und es scheitert schon an Kleinigkeiten und einfachsten Handgriffen. Werde ich überhaupt Arbeit finden nach dem Abschluss? Falle ich in den Teufelskreis "Kein Job weil keine Berufserfahrung -> Keine Berufserfahrung weil kein Job? Ist es vielleicht einfach mein Schicksal, zu versagen?

Diese Angst geht auch am Privatleben nicht spurlos vorbei, ich bin öfters gereizt, habe Stimmungsschwankungen und zeitweise Zwangsgedanken an diese verdammte Prüfung.

So, ich wusste der Text wird ewig lang, vielleicht findet sich ja doch jemand der ihn lesen wird. Ich will hier auch gar kein Mitleid erregen, an der ganzen Misere bin nur ich selber schuld, aber ich bin so ehrlich und sage: Wenn ich mir den Frust von der Seele schreibe geht es mir einigermaßen besser.

Antworten

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH