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Elektroschocktherapie in der psychiatrischen Klinik

bEelighxt82


Die "heilsame" Wirkungsweise der EKT sei bis heute nicht vollständig geklärt – ein Fall von retrograder Amnesie, günstigstenfalls! Denn bis in die 50er Jahre trugen amerikanische EKT-Anwender keine Bedenken, diese eindeutig zu benennen, vor Aufkommen der öffentlichen Kritik jedenfalls. In den USA heute noch als chirurgisches Verfahren definiert, wird die EKT vom amerikanischen Psychiater Golla 1943 als "provisorische Leukotomie" beschrieben, als gewollte und gezielte Schädigung von Hirngewebe mit dem Ziel, daß der Patient seine jeweilige Krankheit (damals vorherrschende Indikation: Schizophrenie) "vergessen" sollte. Pacella führt zugunsten der EKT an, daß ". . . ein sozial angepaßtes Individuum mit geringfügiger Hirnpathologie einem psychotischen Patienten ohne nachweisliche Hirnschädigung vorzuziehen" sei, und dies ist offensichtlich auch heute der Hintergrund. Gibt nicht das folgende Zitat eines rezenten glühenden Verfechters des "Wunders der EKT", auch im freien Westen, gerade in der heutigen Situation des Gesundheitswesens zu denken, wenn dieser, damals im Blick auf den Ostblock, formuliert: ". . . Man kann die Vorstellung heraufbeschwören, daß in einem Polizeistaat sehr viele Dissidenten durch Schockbehandlungen in einen Zustand völliger Zufriedenheit und Apathie versetzt werden." (4)

Quelle: [[http://www.aerzteblatt.de/archiv/475/Elektrokrampftherapie-Schocktherapie-oder-ein-differenziertes-Behandlungsverfahren]]

Das alles klingt für mich auf jeden Fall nicht besonders "schonend vertrauenswürdig"

m4nTef


Wobei der Artikel auch 20 Jahre alt ist...

bHeli'ghtk82


in der Zeit hat sich an dem Verfahren aber nichts geändert! Und an der Erkenntnis zur genauen Wirkungsweise leider auch nicht

m~nef


Vielleicht führst du dir trotzdem mal neuere Publikationen zu Gemüte und verstehst auch, was du liest.

Sollte es dir daran gelegen sein, aufzuklären und auf Gefahren aufmerksam zu machen, stellst du dich damit jedenfalls nicht sehr gut an.

Jpan7_4


Lies doch mal den Wikipedia-Artikel dazu. Da sind auch diverse Ansätze zur Erklärung der Wirksamkeit aufgeführt.

s`cwhnecRke1x985


Also ich habe einige Patienten während / nach der EKT kennengelernt.

Eine Freundin hatte anschließend mit Gedächtnisstörungen zu leiden, sie ist aber insgesamt schwerst krank, hat viele Suizidversuche hinter sich und unzählige Therapien über mindestens ein Jahrzehnt gemacht.

Auf der Station war ich mit zwei Patienten näher in Kontakt, die gerade EKT bekamen. Die eine war extra von weither angereist und hat die EKT zum wiederholten Male gemacht. Also gehe ich mal davon aus, dass sie eine deutliche Verbesserung unter der EKT verspürt hat, sonst hätte sie es wohl nicht freiwillig mehrmals gemacht. Der andere Patient hat mir auch nichts von Nebenwirkungen erzählt. Überhaupt ging man damit relativ relaxt um - auch die behandelten Patienten. Soweit ich mich erinnere, mussten sie nur morgens nüchtern sein, danach wurden sie abgeholt, sediert und behandelt. Und sind dann anschließend auch aus eigener Kraft - also völlig normal - wieder auf die Station gelaufen.

Man bemerkte keine Wesensveränderung, Verwirrtheit o.ä..

Bei allen dreien handelte es sich um schwierige Krankheitsverläufe, mit langanhaltenden, chronischen Erkrankungen, die auf konventionelle Therapien nicht oder nur ungenügend ansprachen.

Angeboten hat man mir die Behandlung nicht. Da es mir aber sehr lange sehr schlecht ging informiert man sich halt über alle Möglichkeiten. Ich hab mit der richtigen Medikation einen Glückstreffer gelandet; ohne wäre ich nur sehr eingeschränkt lebensfähig. :-/

-hCVra?zylenxi-


Du bist aber wirklich heftig am Polemisieren

Ist er nicht. Er zeigt ein gesundes Maß an Skepsis , das ich teile. Ich würde zum Beispiel nie eine derartige Therapie in Anspruch nehmen, wenn es mir auch noch so schlecht ginge.

Frage nochmal - was bezweckst Du mit diesem Faden? Uns allen weismachen wie böse die Ärzte sind dass sie das an ihren armen Patienten ausprobieren?

Als ob Ärzte das nie tun würden. :=o Früher wurde auch noch die Malariatherapie eingesetzt. In Wien in den 1960er Jahren wurde Heimkinder absichtlich mit Malaria infiziert und zu zweifelhaften medizinischen Versuchen und Therapien gezwungen, um Persönlichkeitsstörungen zu therapieren. Freeman hat in den 50 ern auf Teufel komm raus Lobotomien durchgeführt. Mit dem Eispickel rein ins Hirn. War auch anerkannt. Oder Eisbäder. Bei solch einer grusligen Vergangenheit kann ich sehr gut verstehen, warum manche damit nichts zu tun haben wollen oder es als barbarisch empfinden. Ihr braucht diese Methode nicht krampfhaft zu verteidigen. belight hat eben eine andere Meinung dazu. Die Rückfallquote bei Elektroschocks soll übrigens höher sein als bei Medis.

bAelig@ht82


Ich kann dich ziemlich gut verstehen!

Ich hatte vorletztes Jahr zum ersten mal Panik und Angstzustände! Diese waren derartig schlimm und wuchtig, dass ich davon eine (bis heute andauernde) Hypohondrie bekommen habe! Ich glaubte damals dass es etwas organisches sei und dass ich schwer krank sei. Ich hab angefangen mich von meinen mir wichtigen Mitmenschen abzukapseln und hab fast nur noch an das Thema Tod gedacht. Das wiederum hat mich nach Monaten in eine Depression gestürtzt aus der ich so nicht mehr rauskam :-(

Ich hab auf Grund der Angsterkrankung, dem damit verbundenen, permanenten (Psycho) Stress einen bis heute andauerden Hörsturz mit 90% Hörverlust auf der rechten Seite bekommen! Dazu Tinnitus im selbigen Ohr und Bluthochdruck!

Momentan geht's bei mir wieder etwas los: Ich hab Schmerzen in der Kniekehle und bin gerade kurz davor ins Krankenhaus zu fahren, aus Angst dass es evtl eine Thrombose sein könnte! Ich hab wieder Schlafstörungen und liege fast ganze Nächte wach, dazu kommen mir morgens gegen 05:00 Uhr immer die Ängste vor einem Herinfarkt!

Ich hasse diese psychischen Quälereien - vorallem dann wenn es wieder in einer Depression münden sollte! Diese innere Hoffnungslosigkeit, dieses innere alles zusammenziehen, diese pure Schwäche die ich damals durchlebt hab hat mich wirklich bis heute als Mensch verändert! Ich bin definitiv nicht mehr derselbe wie vor der Erkrankung :-/

Aber ganz ehrlich: Ich hab aber auch Angst davor, dass ich irgendwann den Verstand komplett verliere, in einer tiefen Depression oder Angst steckenbleibe und man mir dann noch das letzte Stückchen Persönlichkeit durch z.B. eine Zwangs-EKT nimmt!

Zwangs-EKTs sind in Deutschland möglich! Ich für meinen Teil möchte das aber nicht! Vllt bin ich noch etwas altbacken aber in meinen Kopf gehören keine starken Stromschläge und 3 Vollnarkosen pro Woche! Und das möchte ich auch selber entscheiden können!

HJudipgfupxf1


Ein Bekannter von mir leidet an starken Depressionen. Er war deshalb schon öfter in stationärer Behandlung. Leider ohne Erfolg. Seine letzte Hoffnung war die Elektroschock-Therapie.

Offenbar hat man mit dieser Therapie bei starken Depressionen, bei denen sonst nichts half, grosse Erfolge erzielt.

Leider musste er nach der dritten Sitzung abbrechen, weil er beinahe nicht mehr aus der Narkose aufgewacht ist.

Er ist deshalb in ein noch tieferes Loch gefallen, weil auch seine letzte Hoffnung zerschlagen wurde.

Dies spricht aber nicht gegen die Therapie, sondern hat mit seiner Narkosen-Unverträglichkeit zu tun.

B+rombeerfküchlxein


@ belight82

Wie sieht denn deine Behandlung eigentlich aus?

Medis? Therapie?

E]hem&aligerX Nutze?r (#4H217x03)


Ich habe einige unpassenden Beiträge gelöscht und bitte die Teilnehmer beim Thema zu bleiben.

bme(lig0hft8x2


@ Brombeerküchlein

Meine aktuelle Therapie besteht zum einen aus Medikamenten:

-Morgens Venlaflaxin 70mg

-Abends Valdoxan 50mg

-bei Bedarf Benzol (Hab das Tavor seit der Entlassung aus der Klinik nicht mehr angerührt)

Ergänzend zu den Medikamenten ist noch eine Gesprächstherapie angeraten. Da hab ich aber leider nicht soviel Glück und warte immer noch auf einen Platz. Sollte sich da auch nicht baldigst etwas finden lassen werde ich wohl als zusätzliche Alternative beim Heilpraktiker eine Psychotherapie anstreben. Es gibt diverse Heilpraktiker die das auch anbieten.

boelig<ht82


Es sollte Benzos heißen und nicht Benzol... Shit Autokorrektur :=o

M6ongaxta


Hallo,

ich habe in dem Bereich gearbeitet und sehe hier sehr viel angstgeprägte Bilder, die mit der Realität nicht übereinstimmen.

Bei uns in der Psychiatrie wurden nur die Fälle, in Einverständnis mit dem Patienten, zur EKT angemeldet, die einen unheimlich, unheimlich, unheimlich (!!!) schweren Krankheitsverlauf hatten. Fälle von schwersten Depressionen, die nach Jahren (!) aller denkbaren Therapien (!) wirklich nur noch den Suizid als "Heiloption" gesehen haben.

Eine EKT findet unter strengster Beobachtung statt. Der Patient wird in Narkose gelegt. Der Strom wird angesetzt und die Hirnströmungen werden überwacht, so wie alle anderen Parameter (Herz, Lunge...) auch und es wird ein individueller Reiz gesetzt. Die gewollte Wirkung der Hirnströme kann direkt im Monitor gesehen und überprüft werden. Der Vorgang dauert nur 10-15 Minuten. Danach werden die Patienten in den Aufwachraum gelegt. Während der EKT sind die Patienten natürlich fixiert. Das ist zum Schutz des Patienten. Er könnte sonst von der Liege fallen.

Schade war eigentlich nur, dass die Patienten dann durch die Narkose einen Tag dösig sind und an keinen anderen Therapiemaßnahmen teilnehmen konnten. So wie man das eben nach einer Narkose ist. Aber mehrmals pro Woche findet die EKT auf keinen Fall statt. Es gibt einen Behandlungszeitraum mit einer vorgeschriebenen Anzahl von Sitzungen. Maximum ist 1 x pro Woche.

Die Erfahrung auf Station zeigte, dass die Patienten sich erstmal besser fühlten und erleichtert waren, endlich doch noch etwas gefunden zu haben, das Wirkung zeigt. Aber auch diese Methode kann sich irgendwann erschöpfen.

Fixierungen gibt es in Krankenhäusern, wenn Gefahr für andere (Patient schlägt um sich, spuckt, kratzt, beißt) oder den Patienten selbst besteht (Krämpfe, Aggressionen gegen sich selbst). Für eine sonstige Fixierung (oder Bettgitter) muss eine Einwilligung vorliegen.

Ich denke, dass jeder Eingriff in den Körper irgendwie brutal klingt, wenn man ihn sich vor Augen führt. Bei meiner Magenspiegelung bekam ich so eine Vorrichtung in den Mund geschoben, sodass ich mir wie eine BDSM-Lady vorkam... ;-D

Bei OPs im Intimbereich (Hämorrhoiden, Prolaps, Fissur, urologische Geschichten...) liegt man breitbeinig nackig auf dem Tisch und wird von bis zu 12 Personen begutachtet. All das kriegt man aber eben auch nicht mit, so wie man bei einer EKT den Strom auch nicht mitbekommt.

MEoengaxta


Heilpraktiker können und dürfen keine Psychotherapie anbieten. Die Ausbildung, die Heilpraktiker dahingehend machen dürfen, zielt auf eine Art Lebensberatung ab, die aber keine Therapie sein kann und darf. Heilpraktiker werden in ihrer Ausbildung geschult, richtige psychiatrische Fälle zu erkennen und weiterzuleiten.

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