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Wann ist ein Aufenthalt in Psychosomatischer Klinik sinnvoll?

Gkla@sperlqenvogzel hat die Diskussion gestartet


Einen guten Sonntagnachmittag.

Ich war immer ein sehr fröhliches Kind! Und im Grunde genommen bin/wäre ich auch heute noch ein unglaublich positiver, energiegeladener, fleissiger, exakter, humorvoller, hilfsbereiter, liebevoller, gesprächiger und einfach lebensfroher Mensch!

Nichts vergöttere ich mehr als die Musik! Auch Achterbahn fahren und Schwimmen gehen liebe ich sehr! Tiere, die Natur und herzensgute Menschen sind mir heilig!

Seit etwa fünf Jahren (gegen Ende der Schulzeit, nach jahrelangen Hänseleien) habe ich grosse Mühe, durch einen normalen Alltag, durchs Leben zu gehen. Ich bin weiblich, 20 Jahre alt, habe vor einem Jahr meine Ausbildung abgeschlossen, bin seither arbeitslos und meistens isoliert zu Hause (bei meinen Eltern) in meinem Zimmer. Alleine mit meinen CDs/Musik, Computer, Büchern und meinen zahlreichen Gedanken und Emotionen! Vor vier Jahren wurde ich wegen Essstörung (Magersucht) in einem Krankenhaus behandelt, eine langfristige stützende Therapie hatte ich danach nicht. Bis vor zwei Jahren hatte ich noch ein gestörtes Verhalten zum Essen und zu meinem Körper, den ich mit viel Sport gedrillt habe und so immer aggressiv (innerlich) und einsam geworden bin!

Meine langjährige einzige beste Freundin hatte mir nach dem Schulabschluss, ebenfalls vor vier Jahren, den Rücken zugedreht, vermutlich weil ich in meiner Magersucht doch engstirniger und empfindlicher geworden bin als ich es je wahrgenommen habe. Heutzutage gibt es in meinem Leben keine Freunde mehr, eher gute Bekannte und Verwandte, mit denen ich allerdings auch nicht all meine Gedanken und Gefühle teilen teilen kann. Zumindest noch nicht. Meine ehemals beste Freundin und ich sehen uns seit 2011 maximal dreimal im Jahr, früher beinahe täglich. Möglicherweise habe ich daran noch mehr zu knabbern als ich mir eingestehen will, da sie die einzige gleichaltrige Person war, die mich durch meine gesamte Kindheit hindurch begleitet und wirklich von Herzen gemocht hat, auch wenn es immer mal wieder Reibereien gab. Durch/Nach meiner Essstörung wurde ich deutlich sensibler, nachdenklicher, emotionaler und vor allem ängstlicher,

und heute bin ich an einem Punkt, an dem ich mich vor unzähligen Alltagssituationen fürchte, am liebsten jede Herausforderung meiden und jeglichen Papierkram wegwerfen würde, weil ich noch nicht bereit dazu bin, erwachsen zu sein. Und zugleich würde ich mich als sehr reif denkend und tiefsinnig beschreiben. Nirgendwo fühle ich mich richtig dazugehörig und verstanden, immer sind da diese Versagens- und Verlustängste! Mein Fels auf/im Brustkorb tut weh, er erschwert mir inzwischen teilweise sogar das Atmen (nicht gefährlich, aber beängstigend gefangen, wie eingesperrt)! Mein Brustkorb fühlt sich des öfteren, und manchmal sogar durchgehend, warm, fast schon heiss an!

Die Angst ist zu meinem ständigen und einzigen Begleiter geworden, auf den immer Verlass ist, der mich immer versteht und mir mittlerweile täglich klar macht, dass ich mich endlich um mich selber kümmern soll, so zynisch das auch klingen mag. Seit Monaten habe ich Suizid-Phantasien, auch sie beruhigen mich manchmal, denn nur so spüre ich, dass ich todunglücklich bin. Ich denke mir dramatische Geschichten aus, beschäftige mich teilweise monatelang mit Schicksalsschlägen anderer und "geile mich verzweifelt damit auf", indem ich laut die passende Musik höre und das Ganze mit nicht existierenden Personen (manchmal mit mir selbst in der Hauptrolle) als Film vor meinen Augen abspielen lasse. Es gab schon einige Momente, in denen ich angefangen habe zu weinen, weil mich meine Emotionen überkamen! Allgemein bin ich ein sehr emotionaler und fantasievoller Mensch, was ich grundsätzlich als Stärke empfinde, alle Stimmungen verarbeite ich durchs Musik hören und Fantasieren. Und zugleich machen mich genau diese unzähligen Gedanken inzwischen fertig, sie verunsichern mich noch mehr als ich ohnehin schon ein selbst-zweifelndes Sensibelchen, weil ich mich mehr oder weniger ungewollt vom realen Leben losgelöst habe und in meiner eigenen kleinen Welt denke, fühle und lebe. In dieser, meiner Welt ist jedoch leider kein Platz für wirklich wichtige Gedanken, Aufgaben und Ziele. Alles verdränge ich, und mittlerweile habe ich auch kapiert, dass meine gute Laune, meine Lebensfreude auf Familienfeiern und bei Unternehmungen, meine lockere Zunge beim Fernsehen oder Grillieren im Garten, nur eine Ablenkung ist. Eine vermeintlich optimistische Denkweise, wie sie ja von uns erwartet wird, die mich letztlich aber nicht weitergebracht hat bisher. Höchstens drei Tage lang am Stück hält die neu gewonnene Zuversicht an, um dann doch wieder in den Wind geschlagen zu werden, weil ich "sowieso ein hoffnungsloser Fall" sei.

Wovor ich besonders Angst habe im Bezug auf die Aufnahme in einer Klinik: Meine gefestigte/stabile Wirkung nach Aussen.

Auf meine Familie und Bekannten dürfte ich wohl einen recht fröhlichen, gesprächigen und zuversichtlichen Eindruck machen. Natürlich fällt eventuell auf, dass ich manchmal plötzlich ruhiger und introvertiert werde, doch alle wissen von meiner Arbeitslosigkeit Bescheid, und denken womöglich, dies sei der einzige Grund für meine Verstimmungen. Wahrscheinlicher ist aber die zuerst geschilderte Vermutung. Ich wirke angeblich positiv, sehr freundlich und zurückhaltend. Mein gutes Mundwerk hilft mir wahrscheinlich oft weiter. Ich habe für meine zierliche Statur eine relativ dunkle und ernste Stimme, rede und lache gern, und irgendwie schaffe ich es noch nicht, mich auch nach Aussen/zu meiner Familie hin offen und ehrlich auszudrücken, zu sagen, wie es tatsächlich in mir ausschaut, dass ich eigentlich verzweifelt bin und sie brauche, obwohl ich auf Festen ein lustiger Wirbelwind bin, ohne die Freude gespielt zu haben.

Kennt sich jemand damit aus? Diese "Maske" setze ich ganz automatisch auf, sobald ich auf fremde oder gut gelaunte Menschen stosse. Was denkt ihr über meinen - zugegeben - eigentlich zu langen Text? Das Chaos in meinem Kopf muss geordnet werden.

Danke euch herzlich!

Antworten
ExhemTalriger@ Nutze_r (#530218x)


Wären all diese Menschen denn überhaupt solche, mit denen du über deine Probleme reden wollen würdest?

Wenn nicht, dann ist deine Maske sehr sinnvoll. Vielleicht hast du es in deiner Prägung im Elternhaus auch nicht gelernt über deine Probleme zu reden bzw. gelernt, dass darauf nicht gut reagiert worden ist von deinen Bezugspersonen. Warum dann also reden darüber?!

Mir persönlich wäre es z.B. sehr unrecht, wenn sich jemand um mich sorgen würde - oder noch ätzender: Mir (ungebeten) helfen möchte. Die überzeugende "alles ist gut"-Fassade ist daher wichtig gegenüber diesen Menschen. Und mit den anderen, den echten Vertrauensperspnen mit denen es passt, mit denen ergibt es sich, wenn es passt. (Ok, ein wenig über seinen Schatten springen braucht es schon, aber es wird einfacher und man wird authentischer letztlich.)

Wenn du das mit der Klinik wirklich möchtest, dann mach es. Für dich. ... Wie viel andere davon mitbekommen (das müsste denen ja erstmal einer erzählen) und ob du später mal darüber reden möchtest mit diesen Menschen, das kannst du doch dann entscheiden nach deinem Empfinden, wenn es soweit ist.

E+hemaliLger N-utze:r (\#57301x2)


schöner Name Glasperlenvogel :-) paßt zu Deinem Text, finde ich .

Seit etwa fünf Jahren (gegen Ende der Schulzeit, nach jahrelangen Hänseleien) habe ich grosse Mühe, durch einen normalen Alltag, durchs Leben zu gehen. Ich bin weiblich, 20 Jahre alt, habe vor einem Jahr meine Ausbildung abgeschlossen, bin seither arbeitslos und meistens isoliert zu Hause (bei meinen Eltern) in meinem Zimmer. Alleine mit meinen CDs/Musik, Computer, Büchern und meinen zahlreichen Gedanken und Emotionen!

Darf ich fragen warum Du gehänselt wurdest ? Denn Du schreibst ja, dass Du vorher ein sehr fröhliches Kind warst , sowie hilfsbereit, freundlich etca.

Vor vier Jahren wurde ich wegen Essstörung (Magersucht) in einem Krankenhaus behandelt, eine langfristige stützende Therapie hatte ich danach nicht. Bis vor zwei Jahren hatte ich noch ein gestörtes Verhalten zum Essen und zu meinem Körper, den ich mit viel Sport gedrillt habe und so immer aggressiv (innerlich) und einsam geworden bin!

finde die Idee mit der psychosomatischen Klinik nicht schlecht bzw einer Therapie.

Da scheinen noch einige seelischen Wunden in Dir zu sein .

und heute bin ich an einem Punkt, an dem ich mich vor unzähligen Alltagssituationen fürchte, am liebsten jede Herausforderung meiden und jeglichen Papierkram wegwerfen würde, weil ich noch nicht bereit dazu bin, erwachsen zu sein. Und zugleich würde ich mich als sehr reif denkend und tiefsinnig beschreiben.

Das Gefühl kenne ich , ich wollte auch lange nicht erwachsen sein , kann das gut nachfühlen.

Nirgendwo fühle ich mich richtig dazugehörig und verstanden, immer sind da diese Versagens- und Verlustängste! Mein Fels auf/im Brustkorb tut weh, er erschwert mir inzwischen teilweise sogar das Atmen (nicht gefährlich, aber beängstigend gefangen, wie eingesperrt)! Mein Brustkorb fühlt sich des öfteren, und manchmal sogar durchgehend, warm, fast schon heiss an!

Wird Zeit, dass Du Dich dem Felsen widmest um ihn langsam abzutragen :-) mit Hilfe

Wovor ich besonders Angst habe im Bezug auf die Aufnahme in einer Klinik: Meine gefestigte/stabile Wirkung nach Aussen.

Es ist leicht gesagt, aber versuche an Dich selber zu denken, Du bist jetzt wichtig nicht Dein Außenbild .

Deine Schutzmaske war notwendig, aber jetzt ist es Zeit sie abzulegen .

Sie macht auf Dauer einsam auch wenn sie manchmal nützlich ist . :-)

G$lasplerlenvoxgel


Hallo Porzellanseele (ebenfalls schöner Name, wie ich finde)

Vielen Dank für deine Antwort.....Ich kann nur unterschreiben, nachdem ich mir die Zeilen ein paar Male durchgelesen habe.Die Art wie du dich ausgedrückt hast, hat mir gut getan....

GKlaspcerleOngvogel


Snaiperskaja [VSS],

auch dir danke ich sehr für deine Antwort. Es stimmt schon: Man sollte wissen, mit wem man was teilen möchte, und wo man besser die sogenannte "Schutzmaske" aufsetzt. ;=)

SPubZnewro7x9


Hey Glasperlenvogel,

Ich weiß nicht, ob Du das hier nach der Zeit jetzt noch lesen wirst...aber wo ich deinen Beitrag gelesen hab, sind mir kurz die Tränen runter gelaufen. Ich dachte schon, dass ich einfach nur verrückt bin und ich der einzigste bin, wo es so ergeht. Ständig diese Gedanken, bin ich wirklich psychisch Krank und sollte ich zum Arzt gehen und evtl. eine Psychosomatische Klinik aufsuchen oder werde ich nur belächelt und einfach als dumm abgestempelt, falls ich mich einem Arzt oder Psychologen öffne?? Auch in mir schlummert die Angst, der sozialen Entwertung, wenn die Umgebung mitbekommt, dass man sich in winer Paychologischen Behandlung befindet. Ich bin 36 und ich weiß nicht seit wievielen Jahren mich die Ängste, Zustände begleiten. Hast Du den Schritt in die Klinik gemacht?? Danke, dass ich weiß, dass ich nicht alleine bin!!

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