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Was ist eine psychotherapeutische Institutsambulanz (Pia)?

F4lyiLng wit'hout Kwingxs hat die Diskussion gestartet


Hallo Leute,

hat irgendjemand von euch schon mal Erfahrung mit einer psychotherapeutischen Institutsambulanz gemacht?

Ich wurde heute dahin verwiesen und irgendwie…

Was ist das überhaupt für eine Organisation, sprich: Was hat das mit der Uni zu tun?

Was unterscheidet eine PIA von einem ganz normalen Therapeuten, den ich mir irgendwo suchen kann?

Wahrscheinlich ist das von Stadt zu Stadt anders, aber was habt Ihr für Erfahrungen mit den Wartezeiten? Mir erscheint das ein ellenlanges Verfahren zu werden. Heute wurden mir erst mal gefühlte 10000 Fragebögen mitgegeben, die ich erst mal ausfüllen muss, um überhaupt auf die Warteliste zum Erstgespräch zu kommen. Danach gibt es noch mal eine Warteliste…

Und wie seriös ist das? Erst mal klingt das alles sehr kompetent, aber die Räumlichkeiten sehen eher nicht so aus, als würden sich da allzu viele Leute hin verirren…

Ich bedanke mich schon mal für die ersten Antworten!

Antworten
F!lying wqithout lwings


Das scheint nicht allzu vielen Leuten etwas zu sagen schlussfolgere ich... :)D

J1ulexy


Ich bin seit Jahren in der PIA hier.

Vorteil: du hast Ärzte und verschiedene Therapieangebote unter einem Dach. Hier wird z. B. Ergotherapie, Achtsamkeit, Körpertherapie, Kunsttherapie, Musiktherapie, usw usw angeboten. Die Wartezeit war hier auch sehr lange (dank Aufnahmestop), aber zumindest unsere PIA ist top! War auch mal in einer anderen, die boten aber ausschließlich Arzttermine an. Bei uns ist es so, dass du mind. 1 mal im Quartal zum Psychiater dort musst, um die anderen Angebote nutzen zu können. Ich bin aber momentan dort nur bei meiner Psychiaterin und in der Achtsamkeitsgruppe, für mehr fehlt mir die Zeit.

Fragebögen musste ich damals nicht ausfüllen, aber vielleicht lag das daran, dass ich dort schon oft stationär war (gleiche Klinik) und sie die Briefe hatten...?

FWlying Cwithout wxings


Hi Juley,

danke erstmal für Deine Antwort.

Ist ja schon mal gut, dass Du so zufrieden bist. Das wäre jetzt wirklich langsam zu viel, wenn das nach so langer Wartezeit wieder nicht funktioniert.

Ich weiß nicht, ob die bei uns an der PIA überhaupt Ärzte haben – hörte sich für mich erst mal gar nicht so an. Mir hat das den Anschein, als würden dort nur Psychotherapeuten arbeiten.

Aber deren Internetseite ist halt auch nicht so wirklich aussagekräftig.

J#ulexy


Ach so, dann ist das vielleicht was ganz anderes als bei uns... %:|

S4unqfjlowert_x73


Also eine PIA (Vorsicht: PSYCHIATRISCHE Institutsambulanz!) ist eigentlich immer eine Ambulanz, die an eine psychiatrische Abteilung oder ein psychiatrisches Krankenhaus angegliedert ist. Dort arbeiten Psychologen/Psychotherapeuten, Ärzte, meist auch noch Sozialarbeiter und halt einige wenige Pflegekräfte.

Eine PIA ist dazu da, um relativ schnell eine ambulante Versorgung herzustellen. D.h. ohne lange auf einen Psychiatertermin warten zu müssen oder noch länger auf einen Psychotherapeuten-Termin. Der Vorteil ist zudem, dass Medikamente verordnet werden können, eine Krankschreibung möglich ist (können Psychotherapeuten nicht). Und dass man ggf. auch sozialarbeiterische Untersttzung bei Formalien, Ämtergängen etc. bekommen kann. Es gibt manchmal auch Gruppenangebote (Entspannung, Gesprächsrunden).

Neben dieser schnellen und umfassenden "Erstversorgung" sind in einer PIA i.d.R. auch chronisch kranke Patienten angebunden. D.h. diejenigen, die keine ambulante Therapie mehr bewilligt bekommen. Die z.T. als austherapiert gelten, aber doch einen konstanten Anlaufpunkt brauchen. Das Pflegepersonal übernimmt bspw. oft die Vergabe von Depotmedikamenten. Oder die wöchentliche Medikamentenausgabe, wenn jemand nicht zu viele Tabletten zu Hause haben darf.

Eine PSYCHOTHERAPEUTISCHE (Instituts-)Ambulanz ist kein so gängiger Begriff bzw. ich musste erstmal den Unterschied realisieren. Der Tipp "Uni" brachte mich drauf. Hierbei handelt es sich vermutlich um eine psychotherapeutische (Hochschul)Ambulanz, die dem INSTITUT für Psychologie der Uni angegliedert ist. Die gibt es mittlerweile an vielen Unis; dort arbeiten wirklich nur Psychotherapeuten (bzw. i.d.R. in der überwiegenden Masse Psychotherapeuten in Ausbildung, d.h. nach dem Studium). Diese Ambulanzen dienen neben der Patientenversorgung immer auch der Forschung und v.a. auch der Ausbildung junger Psychotherapeuten (denn mit dem Diplom bzw. jetzt Master ist man therapeutisch nix wert; man muss die sog. Psychotherapeutenausbildung absolvieren, die einige Jahre dauert, viel kostet - und u.a. die Durchführung von mind. 60 ambulanten Therapiesitzungen erfordert). Diese Behandlungen erfolgen unter Supervision halt an den Institutsambulanzen.

Vorteil ist hier, dass man schnell einen Platz bekommt, nach modernsten Standards gearbeitet wird, es viele Therapeuten zur Auswahl gibt und i.d.R. auch eine umfassende Diagnostik. Ein kleiner Haken kann sein, dass es halt noch junge Therapeuten mit weniger Erfahrung sind (dafür aber aktuellstem Wissen). Aber die erfahrenen Supervisoren im Hintergrund leisten halt tolle Unterstützungsarbeit.

Die Abkürzung PIA ist für eine solche Ambulanz formell nicht zutreffend. "PIA" bedeutet in dem Kontext grob wiederum "Psychotherapeut in Ausbildung"; damit bezeichnet man die Ausbildungskandidaten v.a. während ihrer einjährigen Tätigkeit in einer Klinik, das auch zum Pflichtbestand der Weiterbildung gehört.

S|unfSlwowe;r_73


600 Behandlungsstunden, nicht 60!

JKulexy


Ups, hab mich verlesen |-o Da steht ja psychotherapeutische Institutsambulanz. Tut mir leid! Sowas gibts bei uns auch, ich war da aber noch nicht. Werde aber in Erwägung ziehen, dorthin zu gehen, falls ich keine niedergelassene Thera finde. Sorry nochmal! |-o @:)

F)lyingS without~ winIgs


@ sunflower

Vielen Dank für die Klärung der Begrifflichkeiten.

Naja – wie gesagt. Schnell scheint da auch nichts zu gehen. Zumal die sich auch vorbehalten nach dem Erstgespräch zu beschließen einen nicht zu behandeln, wenn das nicht in deren Konzept passt.

Das wären dann also wieder 2 – 3 Monate für umsonst. Und irgendwie habe ich davor schon Angst.

@ Juley

Kein Problem. Du siehst ja - ich blicke selbst nicht durch!

S@un?flow9er_73


Dann such parallel weiter. Google mal "Ratgeber Kostenerstattung Bundespsychotherapeutenkammer". Der erklärt, wie man ggf. auch bei Therapeuten ohne Kassenzulassung unterkommen kann, bei zu langen Wartezeiten. Ist immer einen Versuch wert!

Bzgl. der Wartezeit und möglichen Ablehnung:

Das Risiko besteht leider. Wartezeiten gibt es überall, wobei die dort immer noch eher kurz sind. Allerdings steigende Tendenz. Und die Ablehnung resultiert ggf. daraus, wenn die Symptomatik nicht "klar" genug ist oder zu komplex. Da zieht man halt seitens der Leitung (die die Erstgespräche i.d.R. machen) zum Schutz von Patient und Ausbildungskandidat die Reißleine, damit keine mögl. Überforderung und Therapiemisserfolg resultieren.

FRlying7 gwithou9t winxgs


Als ich dort gestern vorbei gegangen bin und die Fragebögen abgeholt habe, hat man mir auch gesagt, dass ich mich auch gerne noch weiter umsehen kann.

Danke für den Link, sehe ich mir morgen früh mal an!

Dieses ganze Auf und ab ist halt irgendwie anstrengend, aber da werde ich jetzt wohl durch müssen.

Der Psychiater, der mich dorthin geschickt hat meinte, das sei alles "ganz einfach" und mit 6 Wochen Wartezeit geregelt, was ich irgendwie ziemlich erleichternd fand. Und jetzt stellt sich gerade heraus, dass es überhaupt nicht einfach ist.

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