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Sterbehilfe bei psychischen Erkrankungen

acv9bg hat die Diskussion gestartet


Liebe Mitlesende,

eigentlich weiss ich gar nicht so genau, in welches Unterforum dieser Thread passt. Aber das Thema geht mir nicht mehr aus dem Kopf und ich würde mich gern etwas austauschen.

Ein Elternteil eines früheren Kommilitonen hat mit Mitte 40 Alzheimer diagnostiziert bekommen. Auch die Grosseltern dort litten früh unter der Krankheit, vermutlich auch schon einige Urgrosseltern (damals aber noch als "verkalkt" beschrieben). Es gibt einige Fälle in der Familie, sodass zumindest ein gewisser Zusammenhang nahezuliegen scheint. Den Elternteil und die beiden Kinder belastet dies psychisch sehr, weil alle den raschen Verfall und - in gewissem Masse - das spätere Vegetieren gut kennen. Mit Mitte 40 bleiben eben auch noch oft Jahrzehnte, bis das Leben normalerweise endet bei guter Pflege und Versorgung, wie sie aber heute normal ist.

Mit meinem früheren Kommilitonen habe ich viel telefoniert, um ihm wenigstens Zuspruch zukommen zu lassen, auch wenn mir natürlich jegliche Hilfsmöglichkeit hier fehlt. Aber wenigstens Zuhören und bei Behördengängen helfen kann ich problemlos. Und das mache ich auch gern.

Auch mit dem Elternteil, den ich gut kenne, telefoniere ich hin und wieder. Aber zum eigentlichen Wunsch der Person kann und mag ich mich gerade nicht ihr gegenüber äussern, denn ich habe aktuell keine Meinung dazu und weiss nicht so recht, wie ich mir diese bilden soll. Die Person äussert den Wunsch der Sterbehilfe, da sie den Gang nicht gehen möchte, den die Grosseltern beschreiten mussten bzw. müssen. Es ist wohl die erhebliche Angst vor dieser Form des Verfalls, vielleicht auch dem Zurlastfallen gegenüber den Angehörigen. Materiell ist die Familie gut versorgt, das ist nicht das Problem.

Die öffentliche Diskussion verfolge ich natürlich zu dem Thema Sterbehilfe, ebenfalls die Bundestagsdebatten. Allerdings schliessen alle immer die psychischen Erkrankungen aus und wollen dies sehr stark beschränken auf den körperlichen Verfall kurz vor dem anzunehmenden Ende.

Eigentlich ist das sicher ein sehr persönliches Thema, aber mir geht die Situation nicht aus dem Kopf. Helfen kann ich nur organisatorisch bei den üblichen Behörden-, Krankenkassensachen. Mehr soll und kann es auch nicht werden. Mir fehlen momentan etwas die Argumente gegenüber den Betroffenen, warum es sinnvoll sein kann, auch mit einer so schweren Krankheit noch viele Jahre leben zu wollen/sollen. Aus christlicher und medizinischer Sicht bedeutet mir eben der Gedanke des Bewahrens des Lebens durchaus viel. Aus wissenschaftlicher Sicht muss ich aber anerkennen, dass es gewisse "schnörkellose" Sichtweisen gibt, die nicht unvernünftig sind und pragmatische Lösungen zu bieten scheinen. Wie oben geschrieben, ich habe mir bislang keine Meinung gebildet, vielleicht weil ich auch nicht den Mut zur Auseinandersetzung bisher hatte.

Vielleicht hat ja jemand einen ähnlichen Fall und kann mir etwas schreiben. Entschuldigt aber bitte den langen Text.

Antworten
rAa~thglose


Wieso Sterbehilfe bei psychischen Erkrankungen? Alzheimer ist nicht psychisch, das ist organisch.

jqunip7er


Julianne Moore hat in 'Still Alice – Mein Leben ohne Gestern' eine Frau mit diesem Schicksal dargestellt.

Da Sterbehilfe (nicht nur) in Deutschland kaum möglich ist, bleibt nur die Selbstötung, die aber bei größerem geistigen Verfall auch nicht mehr möglich ist. Schwieriges Thema.

Was ist menschenwürdiges Leben? Wer entscheidet das?

BLocksFhoernklxee


Es gibt, soweit man die entsprechenden Räumlichkeiten zur Verfügung hat, eine -wohl gut dokumentierte- sanfte Methode, wenn man aus dem Leben scheiden möchte. Wenn man sie finden will, findet man die.

EIhemalige@r NuAtzer (Y#5730x12)


Hallo avbg

Die Person äussert den Wunsch der Sterbehilfe, da sie den Gang nicht gehen möchte, den die Grosseltern beschreiten mussten bzw. müssen. Es ist wohl die erhebliche Angst vor dieser Form des Verfalls, vielleicht auch dem Zurlastfallen gegenüber den Angehörigen. Materiell ist die Familie gut versorgt, das ist nicht das Problem.

Ich kann den Gedanken sehr gut nachvollziehen. Ich pflege meine Mutter, die an Alzheimer erkrankt ist seit einigen Jahren. Anfangs war es ein unglaublicher Kampf, dieses nicht Wahrhabenwollen/können in der Familie , die verschiedenen Phasen von Verdrängung, Wut , Resignation meine Mutter .

Irgendwann fand ich einen Bericht bezüglich Vererbung der Erkrankung und da stand, dass Alzheimer vorwiegend von Mutter auf Tochter vererbt wird. Für mich ist der Gedanke mittlerweile sehr- hm- vertraut ,

sollte ich Alzheimer bekommen - möchte ich selber (also früh genug ) entscheiden können, das Leben zu beenden.

Auf der anderen Seite sehe ich an meiner Mutter , dass sie nach Jahren Kampf mittlerweile ihre Ruhe und den Frieden wieder gefunden hat. Sie ist emotional sehr wach und freut sich über viele kleine Dinge.

Ich würde nie für sie entscheiden wollen bzw. bin ich auch froh, dass sie diesen Wunsch in den schlimmen Phasen nicht direkt als Bitte an mich ausgesprochen hat.

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