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äpfelchen und die Klinik

dRanae`8x7


Ich will ja, dass dieser scheiß Gedanke weggeht. Macht er aber nicht.

Eben und du kannst das auch nicht zwingen. Aber du kannst darüber hinweggehen und ihm so wenig beachtung als möglich schenken, ihn gar nicht zulassen und so handeln als wäre der Gedanke nicht da. Jede Sekunde die du darüber nachdnekst ist total verschwendet.

Ja... ich sehs ja selbst ein.

Jaha, jetzt.

ä8pfelxchen


Ich denke ja kaum bewusst darüber nach, er ist einfach in mir. Mein Leben ist darauf ausgerichtet, alles, was ich tue, ist zu diesem Zweck. Das macht es ja so schwer.

Gerade ist halt auch die Essstörung wieder so präsent, d.h. alles ist darauf angelegt, dass ich am nächsten Tag weniger wiege.

Ich versuche schon dagegen zu halten und verbiete mir laufen zu gehen, wobei ich es dringend mal bräuchte, weil es für mich mehr ist als nur Kalorien verbrennen.

Ich zwinge mir essen rein, obwohl ichs nicht will.

Überhaupt, ich stehe auf, obwohl ichs nicht will und versuche mich über den Tag zu beschäftigen und vor allem unter Menschen zu gehen, wonach mir eigentlich gar nicht ist.

Im Prinzip mache ich das seit Jahren so, immer in der Hoffnung, dass der Gedanke irgendwann weniger wird oder sich irgendwas ändert, aber es passiert nichts außer, dass ich unglücklicher fühle, weil ich mich reinsteiger, immer mehr auf ganzer Linie zu versagen.

Also ich denke nicht darüber nach, der Gedanke ist nur das einzige, woran ich mich erinnern kann.

*

Ich bin ja mal so optimistisch, dass ich mir sage, dass ich es durchziehe. Ich weiß ganz genau, dass da die Stimme kommen wird, die mir sagt, wie lächerlich es wäre, wenn ich dort aufkreuze, weil ich heute nichts gegessen habe oder mich verletzen will. Da ist in mir eben noch der Gedanke verankert, dass man da hin geht, wenn gar nichts mehr geht.

Aber ich bin optimistisch, dass ichs tue. Wenn ich das nächste Mal so durchdrehe, dass ich Tavor nehmen will, dann geh ich hin.

dganaxe87


Du musst über diesen Gedanken hinweggehen wie über die Lust zu hungern. Es ist genau dasselbe, vom Konzept her. Gut, du hast nun einen klaren Indikator, mal sehen ob es dann besser geht.

äZpfelchcen


Du musst über diesen Gedanken hinweggehen wie über die Lust zu hungern. Es ist genau dasselbe, vom Konzept her.

Aber ich schaffe es doch noch nicht einmal über die Lust zu hungern hinweg? Nicht langfristig. Ich kann für den Moment essen, aber beim Essen ist der Gedanke schon wieder da. Ich ignorierte ihn so oft, was dann in Selbstverletzung oder Sport geendet hat, danach einen Tag zu fasten. Aber ich war niemals an dem Punkt, an dem ich die Essstörung losgelassen habe. Vielleicht lockerer, aber nur, um Anlauf zu nehmen und wieder - und diesmal noch tiefer - reinzuspringen.

Der Wandel, dass es besser ist (zumindest, dass ich nicht mehr erbreche und jetzt gesund, aber wenig esse und auch trinke), der kam vor knapp 2 Jahre, aber im Kopf wurde nichts besser...

Mir kommt es so vor, als müsste ich alles loslassen, alles, was ich glaube, was mich momentan ausmacht, weil alles "krank" ist und selbstzerstörerisch? Na gut, vielleicht nicht alles, aber fast...

dVan>ae87


Aber ich schaffe es doch noch nicht einmal über die Lust zu hungern hinweg? Nicht langfristig.

Es geht ja auch erstmal darum es immer mal temporär zu übergehn damit du überhaupt in die Klinik gehen kannst und da dann erzählen kannst das du eben mit diesem Gedanken so zu kämpfen hast.

Du musst das nicht alleine schaffen, ja, ich glaube nicht mal das du es alleine schaffen kannst. gerade steht dir dieser Gedanke aber schon beim Angang so im Weg das du niemanden darum bitten kannst dir dabei zu helfen diesen Gedanken langfrsitig zu überwinden. Deine Lust am hunger hängt ja auch mit dem Gedanken "bin noch nicht tief genug unten" zusammen.

Mir kommt es so vor, als müsste ich alles loslassen, alles, was ich glaube, was mich momentan ausmacht, weil alles "krank" ist und selbstzerstörerisch? Na gut, vielleicht nicht alles, aber fast...

Macht schiß mh?

ä@pfe.lchxen


Und wie sehr!

Alles, was ich bin, seit ich 15 bin. Das wird jetzt alles in Frage gestellt..

Das macht mir riesige Angst.

Auf der anderen Seite hat sich mir der Gedanke eingeschlichen, dass ich dann ja theoretisch alles werden kann, was ich will.

Wenn ich mir bei sowieso nichts mehr sicher sein kann, ob das ich bin oder die Krankheit, dann kann ich mich ausmisten?

Den Gedanken finde ich tröstlich.

Aber das klingt auch nur so leicht, sein wird es das sicher nicht.

Und irgendwo wird ja wohl auch (hoffentlich) ein Fünkchen von mir sein. Irgendwas muss ich ja sein. Und irgendwas hätte sich bestimmt auch so entwickelt, wenn ich nicht krank geworden wäre.

Ich glaube, ein paar Dinge weiß ich, aber das schmälert die Angst nur bedingt... ganz ganz bedingt.

d(anabe8x7


Fragt sich wovor du mehr Angst hast, der Veränderung oder dem Tod. Das wird nämlich am Ende entscheiden.

s3chnecake198x5


Auf der anderen Seite hat sich mir der Gedanke eingeschlichen, dass ich dann ja theoretisch alles werden kann, was ich will.

Wenn ich mir bei sowieso nichts mehr sicher sein kann, ob das ich bin oder die Krankheit, dann kann ich mich ausmisten?

Den Gedanken finde ich tröstlich.

Dieser Gedanke stand auch an meiner Therapiekarriere. Es ist schön, aber macht auch eine Scheiß-Angst.

Wer bin dich denn überhaupt, ohne die Krankheit? Ich hatte große Angst, mich selber zu verlieren. Ich kann nur sagen: Ja, da wird ein Vakuum entstehen. Aber genauso schnell, wie sich dieses angstmachende Vakuum entwickelt, wird es auch wieder viel schöner aufgefüllt.

Ich habe oft den Vergleich mit einem Affen gebracht: Der Affe sitzt am Baum, sieht in der Krone die Früchte, traut sich aber nicht loszuklettern, weil ihm keiner Brief und Siegel darauf geben kann, dass die nächsten Äste genauso gut halten. Fakt ist: Niemand (von außen) wird dir je 100%ige Gewissheit geben können, dass dich die Äste tragen.

Den aktuellen Ast loslassen und losklettern im Gedanken "Es wird nur besser", das ist schwer, aber eben auch tröstlich.

Äpfelchen, du bist weit mehr als deine Krankheit oder deine Probleme. Du bist ohne diese Kacke vielleicht mehr Mainstream, angepasster, ruhiger. Aber du bist immer noch du. Du bist nicht die Krankheit.

äjpyfe lQchen


Ja, mir macht das schrecklich Angst...

Dein Vergleich mit dem Affen gefällt mir! Ich habe mal was auch ähnlich zu der Thematik geschrieben. Ein Vogel im Käfig. Mir wurde geholfen mein Käfig zu öffnen, aber ich komme nicht raus, weil mir draußen alles Angst macht. Den Käfig, den kenne ich aber...

So ungefähr ging das vom Inhalt her, waren nur andere Worte..

Ich weiß, dass da irgendein Teil in mir ist, der wirklich ich bin. Ich weiß nur noch nicht welcher und wie groß er ist. Gut, noch denke ich darüber weniger nach, ich darf mich selbst momentan gar nicht in Frage stellen, nicht so sehr, weil das ging letztes Mal böse schief.

Ich denke gar nicht mehr groß. Gerade. Immer wenn ich denke, geht's mir danach mies. Ich tue jetzt die ganze Zeit Dinge, bin unterwegs und laufe einfach ganz schnell, damit ich nicht denken muss. Und damit es mir nicht wieder so schlecht geht, weil ich habe Angst, dass es mir schlechter geht, weil ich jetzt ja wüsste, was dann zu tun ist und das auch machen würde, aber ich wills ja nicht und deshalb darf es mir einfach nicht schlechter gehen und ich deshalb nicht denken.

Vielleicht kann ja tatsächlich alles nur besser werden...

dPan0ae87


Das dumme ist halt das den Vogel im Käfig niemand mehr füttert. Entweder du verhungerst in deinem Käfig oder du gehst das Risiko ein das dich draussen jemand frisst oder du nichts zu essen findest, aber mit der Option auf ein super Essen. Sicherer Tod gegen vielleicht tot. Das ich es alles anchfühlen kann weißt du, aber das nützt dir ja auch nichts.

ErhemaljigerS NutzOer (#5'094r07)


Ich denke auch, dass die Gespräche hierüber nichts mehr nützen. Es ist alles gesagt, was gesagt werden kann. Äpfelchen, ich prophezeie dir, dass wenn du jetzt permanent von A nach B rennst (Vermeidungsverhalten), dass es bald wieder PENG macht. Kümmere dich um deinen Klinikaufenthalt, damit das möglichst zeitnah losgeht. Maximal zwei Wochen! Und solange bereite dich mental und organisatorisch darauf vor (Wohnung, Freunde, Familie, Uni etc.) und versuche bis dahin die Zeit einigermaßen stabil zu überbrücken.

äppfelcDhxen


Jaha... :°(

Ich denke auch, dass die Gespräche hierüber nichts mehr nützen. Es ist alles gesagt, was gesagt werden kann.

Doch, mir. Ich weiß zwar, was ansteht und handel ja auch dementsprechend schon. Ich weiß, dass es auf ganz viele Gedanken und Dinge keine Lösung gibt und mir niemand eine solche geben kann, die macht, dass alles gut wird.

Aber mir hilft es einfach zu schreiben...

*

Ich komme gerade vom Arzt. Teil des Berichts ist in Arbeit, gewisse Untersuchungen müssen noch gemacht werden, die stehen nächste Woche an und Mitte/Ende übernächster Woche hätte ich dann den Bericht.

Ich muss nächste Woche noch in der Uni Unterlagen einscannen und wenn dann alles beisammen ist, dann schick ichs weg.

pNelzti#er8x6


Irgendwas muss ich ja sein

klar ist da etwas.

Tief in deinem Inneren bist du eine Kämpfernatur. Dein Kampfgeist ist zwar manchmal etwas fehlgeleitet; manchmal, so scheint es, kämpft du eher gegen als für dich.

Aber du hast einen Kampfgeist, sonst wärst du schon längst nicht mehr hier.

Und ich meine zu sehen, dass du dir eine Empathiefähigkeit erhalten hast, die ich bei vielen Magersüchtigen, die ich erlebt habe, völlig vermisst habe. Da eine gewisse Eogenzentrik meiner Erfahrung nach häufig zur Magersucht ab einem gewissen Krankheitsstadium dazugehört, finde ich das bemerkenswert. Ich denke, wenn du deine eigenen Dämonen besiegt hast, dann kannst du eine sehr wertvolle Arbeit im Umgang mit Menschen mit psychischen Problemen leisten.

ä pfe9lche0n


Dein Kampfgeist ist zwar manchmal etwas fehlgeleitet; manchmal, so scheint es, kämpft du eher gegen als für dich.

Aber du hast einen Kampfgeist, sonst wärst du schon längst nicht mehr hier.

Ja, das stimmt wohl. Ich bin schon ehrgeizig und relativ diszipliniert, bloß oft in die falsche Richtung.

Und ich meine zu sehen, dass du dir eine Empathiefähigkeit erhalten hast, die ich bei vielen Magersüchtigen, die ich erlebt habe, völlig vermisst habe. Da eine gewisse Eogenzentrik meiner Erfahrung nach häufig zur Magersucht ab einem gewissen Krankheitsstadium dazugehört, finde ich das bemerkenswert.

Danke!

Ich denke, ich bin wohl beides. Ich kann schon ziemlich egozentrisch sein |-o . Aber wir haben schon in der Therapie und Beratung oft rausgearbeitet, dass ich ziemlich empathisch und sensibel gegenüber meinen Mitmenschen bin.

Wundert mich nur, dass du das hier rauslesen konntest, weil ich hier sehr egozentrisch bin und ja irgendwie hauptsächlich über mich schreibe ;-D .

Ich denke, wenn du deine eigenen Dämonen besiegt hast, dann kannst du eine sehr wertvolle Arbeit im Umgang mit Menschen mit psychischen Problemen leisten.

Das wird mir erstaunlich oft gesagt. Keine Ahnung, kann schon sein.

Ich bin halt momentan schon sehr auf mich fixiert und viel im Kampf mit mir selbst und dann habe ich wenig Kraft, mich um andere zu kümmern. Wobei nein, das ist nicht mal wahr. Meistens kann ich anderen schon ziemlich weiterhelfen und Freunde kommen oft zu mir.

Deshalb spielen wir in der Beratungsstelle auch oft das Spiel, dass wir die Rollen tauschen. Ich in die Beraterrolle schlüpfe und dann mal sage, was ich denke, ohne es auf mich zu beziehen. Das ist immer ziemlich spannend, weil sobald wir das wieder drehen kommt von mir direkt: Ja aber, das ist was anderes. Ich kanns nicht auf mich beziehen. Weil mir einfach der Bezug zu mir so sehr fehlt und ich mich relativ schlecht so wirklich wahrnehme. Aber das wisst ihr ja mittlerweile. Ich kann reden und reden bzw. schreiben und schreiben, aber nicht richtig fühlen.

Aber auch von "fertigen" Sozialarbeitern wird mir oft gesagt, dass ich eine ziemlich gute pädagogische Grundhaltung habe und unheimlich viel weitergeben kann und die auch Dinge von mir lernen, wenn ich denn mal rede. Manchmal ist das schwer, weil ich zu unsicher bin, aber ja, das wurde in Reflexionen nach gemeinsamer pädagogischer Arbeit oft betont.

Dass ist auch ein Punkt, der mich noch antreibt. Die Perspektive, dass ich mich wohl in meiner späteren Berufswahl nicht komplett vergriffen habe. Zumindest in der Theorie kann ich was und wenn ich die Selbstsicherheit und das Sebstbewusstsein hätte danach auch zu agieren, dann wäre ich vielleicht tatsächlich nicht so schlecht (wie ich mich immer tue). Das soll jetzt nicht arrogant oder überheblich klingen, das sind nur wirklich die Gedanken, die mich antreiben weiterzumachen. Dass ich eine Perspektive und gewisse Aussichten habe, sogar schon halbe Jobangebote, wenn ich mit dem Studium fertig bin. Zumindest die Empfehlungen, dass ich mich auf jeden Fall bewerben soll.

Das sind Dinge, die mir sagen, dass ich nicht ganz unnütz bin und vielleicht doch was kann...

Aber das ist noch ein langer Weg, weil SO wie ich jetzt bin, bin ich nur bedingt fähig, professionell zu handeln. Weil auch immer sehr viel Eigenes mitschwingt. Wenn man bedenkt, dass ich jetzt mit dem Studium fertig wäre nach dem Semester. War aber gar nicht so schlau so schnell zu sein, mich eigentlich zu überfordern und unbedingt schneller als die Regelstudienzeit sein zu wollen (mir halt beweisen, dass ich was kann). Aber dafür habe ich jetzt ein Semester Puffer für die Klinik und zumindest finanziell geht das einigermaßen klar ]:D .

l'uoCmarxen


@ äpfelchen:

Wir sind uns ein paar Mal im Forum über den Weg gelaufen. Als ich hier den Faden gelesen habe, dachte ich, super so reflektiert wie du bist, muss es dir gut gehen. - Übrigens selbstreflektierte Menschen sind meistens auch empathisch. - Es sieht anscheinend anders aus.

Ich hätte nicht gedacht, dass du noch soviel Angst zu haben scheinst. Jede Veränderung weckt Angstgefühle, also: Fühle die Angst und tu es trotzdem. Wenn du dieselbe Energie in der Klinik aufwendest, wie du es jetzt getan hast, um das Studium duchzuziehen, kriegst du die Behandlung auch hin - egal was du dir alles nicht zutraust. Viel Erfolg!

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