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äpfelchen und die Klinik

Dqé.lié4e


Bisher bist du schlicht zu ängstlich und ich glaube das liegt daran das du dir immernoch diesen Gedanken "Irgendwann wird es ganz einfach weil es kick machst" erlaubst.

Ja genau, dieser Gedanke. Irgendwann wache ich morgens auf und es ist egal, dass ich nicht dünn genug bin, um Hilfe zu bekommen, es ist egal, dass ich nicht halbtot und damit wirklich krank bin, weil ich einfach für mich entscheide, dass ich leben will.

Ich frage mich manchmal, wie lange ein Mensch an sowas festhalten kann, also sich selbst so massiv belügen kann.

Jedem anderen würde ich mal vorsichtig (in Zuckerguss-Sprache ;-D ) zuflüstern, was ich dazu denke, aber mir gegenüber bin ich einfach schrecklich beschränkt.

Ich kann nicht, ich zieh das hier jetzt durch. Was ist gerade schwer

d(anaex87


Ich frage mich manchmal, wie lange ein Mensch an sowas festhalten kann, also sich selbst so massiv belügen kann.

So lange der Mensch will und bis er tot umfällt. Das ist eine Willens-Entscheidung sich zubelügen oder es zu lassen.

lwuomwarexn


Hm, vielleicht sind meine Grenzen wirklich nicht realistisch, ich weiß es nicht. Ich zweifel sowieso immer daran, dass es eine Realität gibt? Jeder empfindet doch alles irgendwie anders als andere?

Ich ordne mich nur immer bei "nicht genug" ein. Nicht dünn genug, nicht krank genug, nicht verdreht genug, aber gleichzeitig auch nicht diszipliniert genug, nicht entschlossen genug. Halt einfach nie genug.

Ich hatte ja eher von Maßstäben gesprochen. "Nicht genug" ist ein solcher Maßstab. Wenn es nicht ums Essen geht, könntest du dich mal schauen, wie du im Vergleich zu deinen Kommilitonen durchs Studium gekommen bist. Bitte einberechnen, dass die meisten keine psychischen Probleme hatten.

Ich selbst bin durch andauerndes "Nicht genug" in einen Burnout reingerasselt, weil ich immer mehr auf mich gepackt habe, um den Anforderungen zu genügen. Mir ist mittlerweile bewusst, dass ich deutlich mehr geschafft bekomme, als meine Kollegen. Trotzdem habe ich immer noch die Gefahr, dass ich für mich gesehen zu viel mache. Das "Nicht genug" alleine kann dich platt machen; vor allem versagt du ständig, selbst wenn du Höchstleistungen gebracht hast. Du könntest auch mal in die Vergangenheit schauen, um zu sehen, was du alles geleistet hast.

Ein paar Sätze noch zur Realität, an denen ich gerade herumknabbere: Ich kenne eine Frau, mit der mich super verstehe und mit der eine "gute Beziehung" führen könnte. Meine eigene Realität sagt mir auch, dass wir bestens zusammenpassen und es auch eine gute Beziehung ist. Diese Frau lebt ungefähr 8000 Kilometer von mir entfernt und ich kann sie maximal zweimal im Jahr für eine Woche sehen. Das ist ein bisschen unpraktisch, was zum Beispiel Zusammenleben anbelangt. Diese Version des Zusammenlebens ist nicht einmal für sexuelle Asketen geeignet. Das ist eine andere Form der Realität. Im "Idealfall" sind beide Versionen der Realität identisch. Wenn nicht, stimmt etwas mit der eigenen Realität nicht. Im Zweifel muss die eigene Realität dann angepasst werden.

Du könntest zum Beispiel deine Mitbewohner fragen, ob sie dich für unförmig oder undiszipliniert halten.

Konstruktionsfehler oder so.

Ich glaube, dass wir alle irgendwo einen haben. Manche habe es gelernt, diese zu akzeptieren. Manche machen aus einer Mücke einen Elefanten.

Vor essenden Menschen habe ich noch mehr Angst, weil ich dann entweder eben wieder anfangen muss, auch etwas zu essen oder, mit viel Pech, darauf hingewiesen werde, ob ich denn keinen Hunger hätte.

Wenn du etwas ändern möchtest, darfst du da auch noch durch. Ich habe nie gesagt, dass es einfach ist. Du könntest dich ja mal mit Kommilitonen auf einen Schnack in der Mensa treffen.

Boah, bin ich provokativ. ]:D

Stchil2dkrö3te00x7


Ich selbst hätte gerade kein Problem damit, nicht mehr zu sein. Die letzten Tage ging ich mir so höllisch auf den Wecker und ich hatte einzig und allein das Glück, dass meine Nichte ein Sonnenschein ist und ich sie abgöttisch liebe. Und sie mich. Wenn ich da bin, sind alle anderen egal, sie will zu mir. Mit mir spielen, mit mir kuscheln und an meiner Hand die Welt erkunden.

Das hat mich aufgebaut, für den Moment, aber diese Momente werden weniger und der Schmerz immer stärker.

Warum werden die Momente weniger? Dieser Mensch wird dich auch in 10 Jahren noch als Bezugsperson brauchen.

D@é.lixée


Oh Danae, ich haaaasse Entscheidungen so abgrundtief. Und du sagst immer wieder in so vielen Situationen, dass ich mich entscheiden muss. Maaah %:| ;-) .

Naja, bzgl. Studium. Ich würde jetzt eigentlich meine BA schreiben, so wie ein paar andere, die mit mir angefangen haben. Viele werden aber jetzt wohl eher mit mir fertig. Joa, eigentlich lief mein Studium gut, ich war immer eine der Schnelleren...

Ich selbst bin durch andauerndes "Nicht genug" in einen Burnout reingerasselt, weil ich immer mehr auf mich gepackt habe, um den Anforderungen zu genügen. Mir ist mittlerweile bewusst, dass ich deutlich mehr geschafft bekomme, als meine Kollegen. Trotzdem habe ich immer noch die Gefahr, dass ich für mich gesehen zu viel mache. Das "Nicht genug" alleine kann dich platt machen; vor allem versagt du ständig, selbst wenn du Höchstleistungen gebracht hast. Du könntest auch mal in die Vergangenheit schauen, um zu sehen, was du alles geleistet hast.

Ja, es muss immer mehr sein... aber das Problem ist ganz oft gar nicht, dass ich nicht sehe, was ich geschafft habe, sondern dass ich es nicht als Leistung anerkenne? Manchmal fliegt mir alles nur so zu, ich habe Glück und muss eigentlich ziemlich wenig lernen und wenn ich lernen würde, könnte ich um einiges besser sein, aber ich komm trotzdem irgendwie durch. Im Studium sogar ziemlich gut, aber ich sehe es eben nicht als Leistung an...

*

Das ist aber ganz schön schwer, wenn du die Frau nur so selten sehen kannst, oder? Wie willst du das auf Dauer bewerkstelligen?

*

Im "Idealfall" sind beide Versionen der Realität identisch. Wenn nicht, stimmt etwas mit der eigenen Realität nicht. Im Zweifel muss die eigene Realität dann angepasst werden.

Du könntest zum Beispiel deine Mitbewohner fragen, ob sie dich für unförmig oder undiszipliniert halten.

Na, selbst wenn ich es wäre, würden sie mir nicht direkt die Wahrheit sagen ;-) .

Aber ich weiß ja, dass ich eigentlich nicht dick sein kann, wenn ich Untergewicht habe. Und vor allem, dass sich mein Körperbild auch nicht binnen Stunden so heftig verändern kann, wie ich es sehe, wenn die Zahl sich ändert.

Aber es ist schwer zu akzeptieren, weil ich keinen Ausweg daraus sehe. Ich weiß nicht, ob ich mich jemals "richtig" im Spiegel sehen werde, aber wenn nicht, dann kann das ganz schön düster werden?

Ich glaube, dass wir alle irgendwo einen haben. Manche habe es gelernt, diese zu akzeptieren. Manche machen aus einer Mücke einen Elefanten.

Es wäre langweilig, wenn dem nicht so wäre ;-D . Aber gerade DAS hätte jetzt nicht sein müssen ;-) .

Wenn du etwas ändern möchtest, darfst du da auch noch durch. Ich habe nie gesagt, dass es einfach ist. Du könntest dich ja mal mit Kommilitonen auf einen Schnack in der Mensa treffen.

Seit ich studiere, war ich noch kein einziges Mal in der Mensa essen. Ich saß oft daneben, aber gekauft habe ich mir nie was. Dabei hat unsere Mensa einen verdammt guten Ruf und meistens sogar veganes Essen ;-D . Ich hab mir auch vorgenommen, irgendwann mal da zu essen, bevor ich mit dem Studium fertig bin. Aber da baue ich darauf, dass mir essen irgendwann wieder leichter fällt.

Boah, bin ich provokativ. ]:D

Ach wo? :=o ]:D

*

Warum werden die Momente weniger? Dieser Mensch wird dich auch in 10 Jahren noch als Bezugsperson brauchen.

Vielleicht war das unklug formuliert. Natürlich "braucht" sie mich auch in ein paar Jahren noch.

Ich meinte wohl eher, dass die Momente weniger werden, in denen der Egoismus schwächer ist als die Liebe zu den Menschen. Wenn meine Kraft da ist, für dieses Kind da zu sein, dann ist sie auch wirklich da, aber es raubt mir unheimlich viel Energie, das alles auszuhalten. Meinen eigenen Schmerz, die Angst davor, wie es weitergeht und irgendwie auch das Wissen, was für eine Welt das ist und was meine Nichte irgendwann alles - sowohl an schönen, als auch traurigen Dingen - erleben wird. Mir tut das einfach schrecklich weh und vielleicht ist das widerlich kitschig ( ;-D ), aber manchmal quält mich einfach dieser heftige Weltschmerz genau so sehr wie mein eigener und ich finde alles schrecklich und grausam.

Dieser kleine Mensch gibt mir zwar so viel, aber kann mir nicht das nehmen, was in mir schlummert. Das würde ich auch gar nicht wollen, ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll.

Ich habe Angst, dass Liebe einfach irgendwann nicht mehr ausreicht als Grund für mich, weiterzukämpfen. Deshalb werden die Momente weniger und kürzer, weil die Angst immer größer wird, dass ich das alles irgendwann verliere, weil ich mich dazu entschließe, nicht mehr leben zu wollen.

DZé.;liée


Meine Gedanken können so tragisch und kitschig und dramatisch sein, dass ich manchmal selbst ein bisschen kotzen muss ;-D

doan+ae8x7


Oh Danae, ich haaaasse Entscheidungen so abgrundtief. Und du sagst immer wieder in so vielen Situationen, dass ich mich entscheiden muss. Maaah %:| ;-) .

Es ist nur eine.

Hör auf zu schwallen. Das liest sich schlimmer als ein Groschenroman. Nenn es wie es ist: Irgendwann ist es einem scheiß-egal wie sehr die anderen leiden und der Anteil dem es scheiß egal ist und dem es nur um das eigen Ego geht, der wächst mit der Müdigkeit zusammen.

D9éj.Mliéxe


Ja, manchmal okay, nicht nur manchmal würde ich gern ein bisschen über mich, meine Denkweise, meine Weltansicht und überhaupt ein bisschen abkotzen.

Aber stimmt schon, irgendwann wird es einem egal und manchmal glaube ich, ich steuer ein bisschen darauf zu.

Eben weil die Momente weniger werden, die anderen dafür aber immer mehr.

D-éW.liPée


Das liest sich schlimmer als ein Groschenroman.

Wäre das nicht eigentlich traurig, würde ich sogar ziemlich loslachen.

Okay, ich kann gut über mich selbst lachen, deshalb habe ich ein bisschen gelacht, aber eigentlich ist das verdammt traurig.

SLchiHld9kr*öte007


Wenn meine Kraft da ist, für dieses Kind da zu sein, dann ist sie auch wirklich da, aber es raubt mir unheimlich viel Energie, das alles auszuhalten. Meinen eigenen Schmerz, die Angst davor, wie es weitergeht und irgendwie auch das Wissen, was für eine Welt das ist und was meine Nichte irgendwann alles - sowohl an schönen, als auch traurigen Dingen - erleben wird.

Du schreibst aber auch aus der Sicht eines kranken Menschen. Ich kenne diese Sicht auf die Welt. Mir ist mittlerweile klar, dass die vielen gesunden Menschen eine weitaus positivere Sichtweise haben. Es ist also gut möglich, dass deine Nichte ein anderes Leben als dein eigenes bevorsteht. Sie hat noch alle Chancen auf ein glückliches und fröhliches Leben offen.

Alleine über diese offene Möglichkeit wäre ich an Deiner Stelle sehr glücklich. Findest Du nicht, dass so etwas kein Grund zur Freude ist? Und Du kannst ihr dabei helfen.

dranaex87


Ich habe Angst, dass Liebe einfach irgendwann nicht mehr ausreicht als Grund für mich, weiterzukämpfen. Deshalb werden die Momente weniger und kürzer, weil die Angst immer größer wird, dass ich das alles irgendwann verliere, weil ich mich dazu entschließe, nicht mehr leben zu wollen.

Btw. ist das Problem das man sich zum Sterben einmal entschließt, in einem beschissenen Moment und zack war es das. Genauso wie du dich schon tausendmal in guten Momenten für das Leben entschieden hast. Nur muss man die zweite Entscheidung halt wieder und wieder treffen.

Okay, ich kann gut über mich selbst lachen, deshalb habe ich ein bisschen gelacht, aber eigentlich ist das verdammt traurig.

Über sich selbst lachen ist wichtig. Man nimmt sich in depressiven Phasen einfach viel zu ernst und zu wichtig. Irgendwas schlimmes passiert? Oh Gott, wieder hat sich das Leben und die Welt und das Universum und Gott und alles gegen einen verschworen. Klar, sicher, als hätten die alle nichts anderes zu tun als einen bestimmten Menschen zu piesacken. Na, wenn das mal nicht ein wenig narzisstisch ist. :=o :=o

Man kann aber nicht aussteigen wenn man das nicht sieht, also dies Übersteigerte. Wenn man darüber nicht lachen kann und sagen kann:"Gott, ich bin so albern." sondern sich selbst in dem Weltschmerz so badet, weil man dann ja immerhin wichtig ist, wenn auch im Negativen, dann kommt man da einfach nicht raus.

Also lach mal häufiger über dich. Mach dich darüber lustig das du glaubst das irgendwann die Erleichterung in Form eines Denkmusters das du nicht trainiert hast über dich kommt wie die Fee oder der Ritter auf weißem Pferd. Lach drüber das du immer so tust als gäbe es, genau wie in einem Märchen, die eine alles entscheidende Stelle an der es sich entscheidet. Wird unsere Heldin fehlen und in den Abgrund stürzen oder wird sie den Pfad der Weisheit wählen, alle Prüfungen bestehen und auffahren in den Olymp? *theatralische Stimme aus*

Mach das laut, mach es deutlich. Es nimmt der Angst die Spitze und Angst ist dein zentrales Motiv. Du hasst Entscheidungen weil du sie fürchtest, weil du den Fehler fürchtest. Aber auch diese Angst ist aus diesem märchenhaften richtig-falsch, schwarz-weiß, alles-oder-nichts geboren. Dabei sind die allermeisten Entscheidungen nicht so epischer Natur. Wir sind kein Helden von deren Entscheidungen das Wohl und Wehe ganzer Nationen abhängen. All diese Bedeutungsschwere kann man gut und gerne mal mit einem Witz entmachten und die Angst wie in Japan üblich weglachen. Und dann wird das auch alles schaffbar.

l%uomsaren


Das ist aber ganz schön schwer, wenn du die Frau nur so selten sehen kannst, oder? Wie willst du das auf Dauer bewerkstelligen?

Es ist nicht zu bewerkstelligen. Ich darf jetzt meine Definition von guter Beziehung neu definieren.

Das liest sich schlimmer als ein Groschenroman.

Für mich hat es eher etwas von einer Sterbeszene in einer Oper: "Adieu - ich sterb." - "Nun geh." - "Ich geh. Adieu." - "Du stirbst. Oje." - "Oje. Ich sterb." - usw. (Ich glaube ich bräuchte jetzt mal das Libretto von Rigoletto auf Deutsch.)

Es erinnert mich auch an folgenden Witz: Wie viele Country-Sänger braucht es, um eine Glühbirne auszutauschen? Zehn. Einer, der sie austauscht und neun, die besingen, wie gut die alte war.

Bestell mal die neun anderen ab.

DVé.lxiée


Schildkröte

Alleine über diese offene Möglichkeit wäre ich an Deiner Stelle sehr glücklich. Findest Du nicht, dass so etwas kein Grund zur Freude ist? Und Du kannst ihr dabei helfen.

Ich bin nicht grundsätzlich ein Pessimist. Ich glaube ja auch, dass das Leben schön sein kann, sonst würde ich ja schon längst nicht mehr versuchen, das auch zu erreichen. Aber ich sehe eben auch das Schlechte und ich rede mir nicht ein, dass ihr was schlechtes widerfahren könnte, aber ich schließe es eben auch nicht aus. Und da komme ich dann nicht drum herum, Angst zu haben, dass es ihr nicht gut geht.

Ich wünsche ihr ein schönes Leben und ich wünsche mir sehr stark, dass ich nicht ihr Vorbild bin ;-) .

Danae

Über sich selbst lachen ist wichtig. Man nimmt sich in depressiven Phasen einfach viel zu ernst und zu wichtig. Irgendwas schlimmes passiert? Oh Gott, wieder hat sich das Leben und die Welt und das Universum und Gott und alles gegen einen verschworen. Klar, sicher, als hätten die alle nichts anderes zu tun als einen bestimmten Menschen zu piesacken. Na, wenn das mal nicht ein wenig narzisstisch ist. :=o :=o

Ich nehme mich in diesem ganzen Kreis überhaupt nicht wichtig. Das ist - laut Therapeuten - ganz oft das Problem, dass ich mich selbst kein bisschen ernst nehme, schon gar nicht im Vergleich zu dem, was auf der Welt sonst noch so passiert. Genau deshalb habe ich die Hilfe ja nicht verdient (u.a.), weil andere sie viel mehr brauchen.

Ich glaube nicht, dass die Welt oder irgendwas sich gegen mich verschworen hat, das wäre in der Tat schrecklich narzisstisch, aber ich weiß, dass ich mich gegen mich verschworen habe. So ungefähr.

Das was mir passiert ist oder was ich denke, ist eigentlich so unbedeutend und egal.

Es ist vollkommen egal, was für eine Entscheidung ich treffe, das ist ziemlich lächerlich, so im großen Ganzen betrachtet.

Genau deshalb lache ich und genau deshalb wollen mich viele in meinem Umfeld manchmal gerne an die Wand klatschen.

Ich glaube auch, dass ich genau deshalb weiter an "die Grenze" will, dass ich mich selbst nicht mehr als so lächerlich empfinde. Ich soll Probleme haben? Lächerlich, vollkommen lächerlich. Da muss man nur mal durch die Klinik laufen und dann sieht man Leute mit Problemen. Menschen, die fast verhungern, Menschen, die wirklich mit dem Leben hadern und Menschen, denen es so schlecht geht, dass sie keine Hoffnung mehr haben.

Und dazwischen ich. Das fühlt sich immer so falsch an.

Du hasst Entscheidungen weil du sie fürchtest, weil du den Fehler fürchtest. Aber auch diese Angst ist aus diesem märchenhaften richtig-falsch, schwarz-weiß, alles-oder-nichts geboren. Dabei sind die allermeisten Entscheidungen nicht so epischer Natur.

Ja klar! Ich weiß aber auch, dass eine Entscheidung nicht endgültig sein muss, theoretisch. Ich hadere nur damit so stark bzgl. einer einzigen Entscheidung. Wenn ich mich jetzt dazu entscheide, die Essstörung loszulassen, weiß ich nämlich ganz genau, dass die Entscheidung nicht mehr umkehrbar ist. Natürlich könnte ich theoretisch sagen, dass ich ja einfach wieder abnehmen kann, aber da gibt es für mich eine Grenze. Das ist vollkommen lächerlich, mal wieder, weil diese Grenze nur für mich in Form einer Zahl existiert. Weil ich das schon so oft durchgemacht habe, Gewicht hoch, Gewicht runter, hin und her und mir jedes Mal dabei dachte, dass es mir reicht, gleichzeitig aber das Körpergefühl nicht ertragen konnte.

Meine Entscheidung ist nicht wirklich unumkehrbar, aber sie ist es für mich, weil ich weiß, dass ich das nicht nochmal mitmachen werde. Das ganze Theater und die Quälerei mir macht das Abnehmen nämlich nur so lange Spaß, so lange es funktioniert stehe ich nicht noch einmal durch und wenn ichs doch könnte, würde ich es nicht machen, weil ich nicht mehr will. Ich will aber auch nicht in einem Körper leben, den ich abgrundtief hasse, also will ich folglich gar nicht mehr leben, wenn ich die Essstörung loslasse und es mir nicht "gefällt".

Ja, das ist ziemlich lächerlich, das Leben wegen einer Zahl hinzuschmeißen und ich weiß noch nicht so ganz genau, wofür diese Zahl steht. Außer vielleicht Kontrolle, Macht und das Gefühl, mir etwas zu beweisen. Vielleicht steckt noch mehr dahinter, keine Ahnung.

Wie gesagt, wäre ich jetzt ganz alleine oder wüsste, dass es niemanden kümmern würde, wenn ich weg wäre, dann wäre ich eben weg, weil ich mich so nicht ertragen kann und will. Ich zehre gerade von der Liebe zu Freunden und Familie, aber wenn ich nicht in die Klinik gehe und sich das nicht bessert, dann glaube ich nicht, dass ich das noch lange will.

Ich bin nicht akut suizidgefährdet, aber latent schon. Das weiß ich.

Ich weiß auch, dass ich eine Kurzschlussreaktion bekommen kann, wenn all mein Selbstbetrug einstürzt, aber ich hoffe einfach, dass ich mich dann daran erinnere, dass die Idee aufzugeben jetzt gerade ganz beschissen wäre.

luomaren

Darauf fällt mir jetzt gerade gar nichts ein. Du hast Recht, ich klammere mich an das Alte, weil es nicht durch und durch schlecht war und besinge es immer wieder innerlich. Da war alles noch pseudotoll, aber besser pseudotoll als beschissen.

Das nach dem beschissen aber noch was kommen kann, das kann oder will ich gar nicht wahrhaben. Ich weiß es eigentlich, aber ich lasse es nicht zu.

dcanaye87


So, eine Dusche später habe ich mein Gefühl in Worte gefasst. Das wird nun deutlich und hart, selbst für meine Verhältnisse, aber ich hoffe das du es richtig verstehst. Wenn nicht, ruf an.

Ich nehme mich in diesem ganzen Kreis überhaupt nicht wichtig. Das ist - laut Therapeuten - ganz oft das Problem, dass ich mich selbst kein bisschen ernst nehme, schon gar nicht im Vergleich zu dem, was auf der Welt sonst noch so passiert.

Ich glaube das ist der Kern deines Selbstbetruges. So wie ich dich in den letzten Jahren kennengelernt habe ist das genau das was deine Ratio weiß und verinnerlicht hat. Das ist die Idee vor der du all das was in deiner Kindheit in der Erziehung gelaufen ist interpretiert hast, vor dieser Idee gab das alles irgendwie einen Sinn.

Aber da ist eine andere Kraft in dir drinne. Diese Kraft ist, so habe ich dich erlebt und wahrgenommen, gerade wenn du um deine Krankheit kämpfst, sehr stark ich-bezogen und generell ziemlich zäh. Da ist ein ICH in dir, das mit aller Macht um etwas kämpft, das etwas von der Aussenwelt einfordert, für sich.

Das schließe ich daraus das sich dein ganzes Verhalten extrem stark nach aussen richtet, so im Grundtenor. Die Magersucht, das Ritzen, die Drogen, der Alkohol. Alles Methoden damit die Aussenwelt etwas sieht und erlebt und du wirst nahezu zornig wenn dir Leute sagen das du besser aussiehst weil du zugenommen hast. Dann reichst du nicht mehr, das bedeutet das eigentliche Ziel ist die Aussenwahrnehmung.

Wenn du mich fragst streiten zwei Kräfte in dir. Ein ICH das um Mitleid kämpft und ein anerzogener Anteil der dir immer wieder sagt das Mitleid wollen etwas total abartiges ist, etwas verachtenswertes und das es andere gibt denen das Mitleid viel mehr zusteht. Nun ist dein ICH ziemlich stur, also gibt es nicht auf und fügt sich in die Selbstauflösung zugunsten anderer, sondern es geht in den Krieg. Ok, wenn ich noch dünner sein muss, wenn es mir noch schlechter gehen muss damit ich bekomme was mir zusteht, Mitleid nämlich, dann sorg ich halt dafür. Und dann gehst du mit aller Gewalt auf dich los.

Diese ganzen anderen Konstruktionen davor, dies vorgeschobene ich-bin-nicht-genug-Gefühl, dies ich-muss-für-andere-leben-Ding dient nur dazu um dir nicht einzugestehen: Hallo ich bemitleide mich selbst und ich will das andere mich auch bemitleiden. Mein Leid ist schlimm, wirklich schlimm und ich will das es anerkannt wird.

Versteh mich nicht falsch, ich glaube das es dir lange genug erzählt wurde, dass es dir eigentlich gut geht. So lange das du es geglaubt hast und dir selbst immer weiter eines vorgelogen hast, aber am Ende ist es, so wie ich dich wahrnehme, einfach eine Lüge. Du findest dich wichtig, du findest das es dir scheiße geht und du willst das man das sieht und dich bemitleidet. Und das finde ich auch vollkommen normal und in Ordnung. Nur wirst du das nie und nimmer bekommen, wenn du dich weiter selber bescheisst und das so gut, das deine Umwelt dir durch die Bank weg glaubt.

DKé.lixée


Aber da ist eine andere Kraft in dir drinne. Diese Kraft ist, so habe ich dich erlebt und wahrgenommen, gerade wenn du um deine Krankheit kämpfst, sehr stark ich-bezogen und generell ziemlich zäh. Da ist ein ICH in dir, das mit aller Macht um etwas kämpft, das etwas von der Aussenwelt einfordert, für sich.

Ja, ich weiß das. Sogar schon ziemlich lange, ich gebs nur nicht offen zu :=o .

Keine Ahnung, ob es Mitleid ist, aber ich will gesehen werden. Oder auch gehört werden. Weil ich schon viel zu oft überhört wurde. Das, was ich wollte, wurde nicht gehört, weil ich es zu zaghaft geäußert habe und stattdessen habe ich mich dann immer an das angepasst, was andere wollen. Ich habe auch zu vielem keine eigene Meinung, sondern schließe mich der der anderen an, damit ich gefalle.

Und anfangs, wenn ich geäußert habe, was nicht gut läuft, wurde es ebenfalls überhört oder runtergeredet. Ich kann nicht rausschreien, dass ich Hilfe brauche, deshalb versuche ich es zu zeigen. Durch Dünnsein. Das mit den Drogen und dem Ritzen schließe ich da nicht mit ein, weil das immer so ablief, dass es niemand mitbekommen hat.

Außer in der Klinik, da bin ich brav zum Team, wenn ich mich geschnitten habe. Einerseits, weil es so verlangt wurde, andererseits aber auch, weil ich nicht anders ausdrücken konnte, dass mir gerade alles zu viel wurde.

Wenn du mich fragst streiten zwei Kräfte in dir. Ein ICH das um Mitleid kämpft und ein anerzogener Anteil der dir immer wieder sagt das Mitleid wollen etwas total abartiges ist, etwas verachtenswertes und das es andere gibt denen das Mitleid viel mehr zusteht.

Auf der einen Seite will ich Aufmerksamkeit, aber wenn ich sie bekomme, schrecke ich zurück. Zerrede alles, mache es und mich selbst wieder klein und unbedeutend. Ja, Aufmerksamkeit haben zu wollen ist in mir negativ verankert.

Mein Leid ist schlimm, wirklich schlimm und ich will das es anerkannt wird.

Ich glaube eher, dass ich die Bestätigung von außen brauche, dass mein leid schlimm wäre, weil ich es selbst nicht so anerkennen kann. Vielleicht ist das auch anerzogen, "anderen geht es viel schlechter als Dir", aber ich glaube, dass ich deshalb auch die Erlaubnis von außen brauche. So gut wie immer. Ich erhoffe mir, dass ich mein leid irgendwann ernst nehmen kann, wenn andere es tun. Ich selbst tue es ja noch nicht wirklich. Vielleicht temporär, aber nicht konsequent, sonst würde es mir überhaupt nicht so schwer fallen, zu sagen, dass es mir schlecht genug für die Klinik geht. Ich muss mich ja irgendwie davon überzeugen, schaffe es aber nicht, also bekriege ich mich und hoffe, dass von außen jemand sagt, dass es jetzt reicht. Bloß bedenke ich dabei nie, dass es mir halt irgendwie nie reicht?

Ich will gesehen werden, aber weiß nicht, wie man mich sehen soll, wenn ich nicht durch Dünnsein rausschreie, dass ich lieber verhungern würde als mich zu ertragen.

So und jetzt bin ich gewichtsmäßig an einem Punkt, der nicht kritisch ist. Natürlich bin ich da verzweifelt und glaube, dass jetzt niemand mehr sieht, dass es mir schlecht geht. Ich kenne es ja nicht anders.

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