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Ein leben voller falscher Entscheidungen

b*lumxan hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen

Ich bin weder auf der Suche nach Aufmerksamkeit, noch will ich Mitleidstropfen sammeln. Ich will momentan einfach nur loswerden, was mir über die Leber kriecht. Und das kriecht nun schon eine Weile.

Ich muss mit dem ständigen Gedanken leben, alle wichtigen und folgenreichen Entscheidungen falsch gefällt zu haben. Alles was ich heute bin, mache, habe und eben auch nicht bin, nicht mache und nicht habe basiert auf Entscheidungen, die ich in der Vergangenheit getroffen habe. Leider bereue ich fast alle diese Entscheidungen. Ich mag die Person nicht sonderlich, die ich heute bin. Man sagt ja immer man solle mit seiner eigenen Vergangenheit zurechtkommen, da man sowieso nichts ändern kann. Eigentlich kann ich der Anekdote nur zustimmen. Doch gleichwohl kann ich nicht aufhören mir auszumalen was jetzt wohl wär, hätte ich andere Wege eingeschlagen. Wo würde ich heute stehen? was wäre besser als die momentane Lage? Was könnte ich alles erreichen? Diese Fragen schwirren mir (seit kürzerem wieder) täglich durch den Kopf und das nagt an meiner Lebensqualität.

Vielleicht motze ich auf hohem Niveau. Das mag zwar sein, wenn man Probleme eines Menschen in Relation mit Probleme Anderer setzen darf. Aber das bezweifle ich.

Kurz gesagt: ich traf Fehlentscheidungen bei der Wahl der schulischen Laufbahn, darauf aufbauend bei der Wahl des Studiums, bei der Jobwahl, bei allen bisherigen Angelegenheiten mit Frauen und beim Verhältnis zu Familie & Freunde. am folgenreichsten war wohl der Entscheid, mit Gras zu experimentieren. Auf dieser Entscheidung basieren eigentlich alle Fehlentscheidungen abgesehen von der ersten aufgeführten, da kiffte ich noch nicht. Lächerlicherweise bin ich auch überzeugt, kleine Entscheidungen wie Computer kaufen, Reisen buchen, Parties besuchen, Essen kochen, usw falsch getroffen zu haben. Einfach alles

Wenn ich diese Einstellung reflektiere, komme ich zum Entschluss, dass alles was mich ausmacht - alles was mich als Person definiert - auf Entscheidungen beruht, die ich allesamt bereue. Und das tut weh. Ich kann und will so nicht weitermachen. Diese Diskrepanz zwischen dem was ich bin und dem was ich sein möchte ist wie eine offene Wunde für mich. sie macht mich antriebslos, traurig und es befeuert mein Suchtproblem, was unter anderem weiter meine gestörten Beziehungen zu Frauen, meiner Familie und zu einigen Kollegen verschärft. Ich hasse mich schon alleine dafür, dass ich nicht zufrieden bin, in einem stabilen Land, ohne Krankheiten, mit einer gewissen Attraktivität und einem hinreichenden IQ leben zu dürfen.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich wäre dankbar um jeden Tipp oder jede Methode

Einen schönen Abend wünscht euch bluman @:)

Antworten
D!ie SCe?herxin


ich habe gerade in deinem alten faden einen sehr interessanten satz von dir gelesen:

Unterm Strich glaube ich, ich musste nicht total weg vom Gras kommen, um meine Lebensqualität zu steigern. Ich musste meinen inneren Frieden finden. Ich wurde durch den Auszug viel unabhängiger, freier und erwachsener. Ich bin wirklich zufrieden mit der Wendung! Ich glaube es war ein riesenschritt für mich, den Unterschied zwischen kurzfristiger und nachhaltiger Glücklichkeit zu kapieren. Denn diese beiden Formen stehen sich oft gegenüber – mehr als es sich lieb ist.

wo ist diese erkenntnis geblieben?

S(tatuTsQuo^Vadins


Das schöne an Entscheidungen ist aber doch, dass man jeden Tag neue Entscheidungen treffen kann, und wenn eine Entscheidung in der Vergangenheit falsch war, kann man einen neuen Weg einschlagen...Natürlich kann man nicht alles einfach so revidieren oder ungeschehen machen, aber jeder macht Fehler und das gehört einfach zum Leben dazu. Viel schlimmer, als sich falsch zu entscheiden ist es doch, sich gar nicht zu entscheiden oder...

J<ori


Es ist nun mal Fakt, dass man Vergangenes nicht mehr ändern kann. Niemand wird von sich behaupten können, dass alle getroffenen Entscheidungen in seinem Leben sich später als richtig herausgestellt haben. Aber das weiß man eben erst hinterher. Und dann ist meist an den alten Situationen kaum noch etwas zu ändern.

Aber man kann sehr wohl die Zukunft beeinflussen. Du kannst entscheiden, wie Du weitermachen willst. Du kannst eine sehr wichtige Entscheidung für Deine Zukunft treffen:

Will ich weiter damit hadern, was ich in der Vergangenheit falsch entschieden habe? Will ich mich weiter grämen, über das was ich getan oder nicht getan habe? Oder will ich meine Zukunft aktiv gestalten?

Reflektieren ist schön und gut. Bis zu einem gewissen Grad ist es wichtig, um nicht einen Fehler zweimal zu machen, aber nur mit Zurückblicken kommt man nicht weiter.

Investiere Deine Energie lieber in eine Vision, wie und was Du sein möchtest und mach Dich auf, das umzusetzen.

b;lumxan


@ Seherin

Das ist eine gute Frage und leider kann ich sie dir nicht so einfach beantworten. Versuchen kann ich es trotzdem: Ich konnte das Leben in der Zeit vor und nach dem Verfassen deines zitierten Texts wirklich geniessen. Ich war wohl in einer Art euphorische Phase und ich empfand den Wegzug von der Familie als gute Entscheidung. Aus heutiger Sicht war das aber nicht der optimale Zeitpunkt. Wir wurden ein Jahr nach Einzug wegen der maroden Bausubstanz wieder rausgeworfen und mussten uns eine neue, teurere Bleibe suchen. Das ist noch kein Grund etwas zu bereuen, doch ich denke, dieser Wegzug schadet(e) der Beziehung zu meinen Familienmitgliedern, am meisten zu meinem Vater. Er distanzierte sich von mir, dachte ich. Doch es war wohl umgekehrt. Wie ich aus heutiger Erkenntnis einsehen muss, habe ich eben nicht kapiert was der Unterschied zwischen kurz- und langfristiger Glücklichkeit ist. Fakt ist, ich bin in nahezu allen Bereichen unglücklich in meinem Leben.

Im von von dir zitierten Thread ging es darum, meine "zwei Ichs" zu einem zu verschmelzen. Das gelang mir gar nicht so schlecht. Ausser mit meiner Familie. Ich kann dort nicht zeigen, wer ich wirklich bin. Immer habe ich eine Fassade drauf, die mich unverletzlich macht. Meine Familie hat das Gefühl, ich sei ein glücklicher junger Mann, der stark ist und das Leben geniesst. Die Differenz von dieser Auffassung zur Realität entfremdet mich von meiner Familie. Eigentlich mag ich meine Familie, aber als Loser dazustehen mag ich nicht (da ich aber so dastünde, würde ich offen über mein Leben sprechen, mache ich das nicht). Alle meine drei Geschwister stehen voll im Leben, haben Partner, Hobbies, sind erfolgreich im Beruf oder Studium. Dann komme noch ich: Dauersingle (noch nie eine richtige Freundin), kaum Hobbies, nicht besonders erfolgreich im Studium und doch überqualifiziert für meinen Job. Und praktisch alle diese Gegebenheiten finden ihren Ursprung in einer (Kette) falsch getroffener Entscheidung(en).

@ StatusQuoVadis

Da kann ich dir nur bedingt beistimmen. Zwar kann man sich zur Entscheidungsunterstützung auf vergangene und evtl falsch getroffene Entscheidungen berufen. Aber zumindest bei mir steht das Problem meist darin, dass ich die Entscheidungen für den Moment richtig treffe, sich dann über die Zeit die Gegebenheiten verändern und sich die Entscheidung doch als Fehler entpuppt. Man kann eine Entscheidung auch nicht treffen - doch impliziert das für mich auch eine Entscheidungsfindung. Im Sinne von "Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung".

@ Jori

Du hast vollkommen recht. Danke

Ich habe mir auch schon überlegt mit meinem Leben aufzuräumen, doch habe ich keine Ahnung wo zu beginnen. Sollte ich meinen Job künden? Soll ich aufhören zu kiffen um endlich auf emotionaler Ebene reifer zu werden? ich weiss es nicht. Mir ging auch schon oft durch den Kopf, einfach ALLES hinzuschmeissen und auszuwandern. Weg von Familie, Freunden, Job, Gras, Studium....

mtond+Fsternxe


Mir geht es wohl ähnlich wie Dir. Mein Leben ist eine einzige Ansammlung von Fehlentscheidungen und verpassten Chancen.

Ich bin der Meinung, man sollte versuchen, aus Fehlern zu lernen. Deshalb habe ich versucht, mit anderen über meine Fehler zu reden. Aber sie haben eine andere Einstellung zu dem Thema. Für sie sind die Fehler von gestern Schnee von gestern.

Der Mensch als lernfähiges Wesen scheint also ein Konzept von gestern zu sein. Der moderne Mensch lernt nicht aus seinen Fehlern. Er macht unverdrossen weiter wie bisher.

D1i e @Seheroin


Und praktisch alle diese Gegebenheiten finden ihren Ursprung in einer (Kette) falsch getroffener Entscheidung(en).

das mag sein, aber der erhalt diese rahmenbedingungen findet ihren ursprung im verharren!

f=rosochkoNenSig027


Und ich schliesse mich an. Bin 30, habe soziale Phobien, tu mir schwer mich Gesellschaftlich einzuorndnen....bin nicht selbstständig genug, rational zu Handeln und bin auch ziemlich ratlos wie das weitergehen wird. Meine letzte Ausbildung ist schon 10 Jahre her und ich besitze nicht die Selbstdisziplin, mir Sachen gut selber beizubringen. Aufgrund meiner falschen Entscheidungen steh ich nun an einem Punkt, wo ich mein Leben auch in Frage stelle und was die Zukunft betrifft steh ich vor einer Mauer.

Ich hasse mich schon alleine dafür, dass ich nicht zufrieden bin, in einem stabilen Land, ohne Krankheiten, mit einer gewissen Attraktivität und einem hinreichenden IQ leben zu dürfen.

Das hab mir auch schon oft gedacht und was ich aus meinem Leben gemacht habe.... ":/

b~lum`an


@ Seherin

Da hast du absolut recht. ich glaube meine analytische Hirnhälfte hat das schon lange begriffen, aber der Funken ist noch nicht auf die andere Hirnhälfte gesprungen. Es ist ja schon ein Problem: Wenn ich den Thread hier durchlese, erscheint es mir rational logisch, vergangene Entscheidungen so zu akzeptieren wie sie gefällt worden sind. Da ich aber ein Mensch bin und Menschen mehr irrational denken/handeln als Vielen bewusst ist, kann ich keine solche Beziehung zu diesen Entscheidungen haben, wie ich sie möchte. Ich hoffe nun, dass ich mal an diesem Punkt angelange.

@ mond+sterne

Der Mensch als lernfähiges Wesen scheint also ein Konzept von gestern zu sein. Der moderne Mensch lernt nicht aus seinen Fehlern. Er macht unverdrossen weiter wie bisher.

Dann gehöre ich wohl noch zum Konzept von Gestern ;-) . Ich finde die Seherin hat das ganz gut erörtert. Man soll schon aus Fehlern lernen, doch man soll sich nicht von ihnen einschränken lassen. Klar, diese schmalzige Weisheit ist leichter gesagt als getan. Vielleicht können viele Leute eine gesunde Distanz zu ihren Fehltritten aufbauen. Nahe genug um sie bei künftigen Entscheidungen im Hinterkopf zu haben und doch fern genug damit sie nicht ständig in den Gedanken sind. Wie oben gesagt, ich gehöre leider nicht zu den Menschen. Aber ich schliesse es nicht aus, dass ich mich mal zu denen gesinnen kann. Eine Musterformel dazu wäre so wünschenswert wie unmöglich..

@ froschkoenig027

Da haben wir wirklich einiges gemeinsam. Ich denke Deine Selbstdisziplin würde drastisch steigen, hättest du keine "vermauerte" Zukunft. Das ist exakt die Ausgangslage mit dem Huhn und dem Ei: Was war zuerst? Genau solche "Zirkelbezüge" machen meiner Meinung nach das Aufräumen solcher Probleme extrem komplex und oft aussichtslos. Das merk ich bei mir. Ich weiss nicht, welche Baustelle ich als erstes aufräumen soll: eine grosse wie Cannabiskonsum. Oder doch lieber eine kleinere wie ein Jobwechsel? (finde es ausserdem interessant und zugleich haarsträubend, setze ich das Problem Cannabiskonsum über das Jobproblem :-| ) Ich hab mir auch schon eine Art Ontologie mit all meinen "Baustellen" darin aufgezeichnet und diese untereinander in Beziehung gesetzt. So wollte ich mir einen Startpunkt finden, um dann Knoten nach Knoten zu lösen. Bis jetzt erfolglos :(v

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