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depressiver Normalzustand

Clipnnamxon4


Die Kritik an Medikamenten finde ich zwiespältig - zum einen wird da sicher vorschnell verschrieben, zum anderen sind sie für viele Leute wirklich sehr hilfreich und notwendig. Ausserdem sind sie ja oft nur ein Einstieg in eine Therapie, eine erste Gehhilfe.

Genau das meinte ich ja :)z . Manchmal sind sie notwendig, oft werden sie aber auch (zu) schnell verschrieben. Alternative Behandlungsmethoden werden, abgesehen von der Psychotherapie, oft außer Acht gelassen. Das stört mich, nicht die Gabe von Medikamenten an sich.

Was mir bei euch beiden auffällt, ist ein starker Bezug zur Aussenwelt - was "normal ist", was von einem erwartet wird, dass man funktionieren soll. So als würder der Antrieb zum nicht-depri-sein primär daherrühren, dass andere es von einem erwarten, dass man gut drauf ist und geschmeidig funktioniert.

Nein, das meinte ich nicht. Ich meine, dass das Depri-Sein durch die Außenwelt verursacht wird. Manchmal funktioniert man eben einfach nicht, manchmal wird man wütend, manchmal ist man faul. Das ist aber mehr als unerwünscht und unter diesem gesellschaftlichen Druck zu funktionieren kann man schon zusammenklappen.

Das geht mir anders, mich belasten einfach die doofen Gefühle und ich find das einfach doof ;-). Und beruflich funktionieren ist natürlich erstrebenswert, aber nicht weil man damit irgendein gesellschaftliches Ideal erfüllt sondern weil es für einen selber besser ist.

Bei den doofen Gefühlen mag ich dir zustimmen, wobei ich nicht will, dass sie weggehen, sondern besser mit ihnen umgehen lernen möchte. Ob es erstrebenswert ist, beruflich zu funktionieren, ist halt so eine Frage. Kommt sicherlich auch auf den jeweiligen Beruf an.

Domians Buch - "richtig leben". Ja, finde ich empfehlenswert, aber man sollte nicht zuviel erwarten. Es ist irgendwo zwischen "Weisheit" und "Küchentischpsychologie" angesiedelt. Ein nettes kleines lesenswertes Buch mit vielen interessanten Gedanken und Anregungen, aber sicher keine neue Bibel. Die sehr ambivalenten Kritiken bei amazon wundern mich. Ich find es weder supertoll noch total doof und trivial.

Danke für die Rückmeldung :)z .

Cjionnamxon4


* ... gesellschaftlichen Druck, zu funktionieren, kann man schon zusammenklappen.

Ergibt sonst keinen Sinn ^^.

JWan7x4


Nein, das meinte ich nicht. Ich meine, dass das Depri-Sein durch die Außenwelt verursacht wird. Manchmal funktioniert man eben einfach nicht, manchmal wird man wütend, manchmal ist man faul. Das ist aber mehr als unerwünscht und unter diesem gesellschaftlichen Druck zu funktionieren kann man schon zusammenklappen.

Ich glaube, das hängt aber auch stark damit zusammen, unter welchen Druck man sich selber setzt und was man sich selber da so zugesteht. Man kann durchaus offener zu sich selber stehen, als viele so denken. Ich hab ja selber die Erfahrung gemacht dass a) ich gar keine Alternative dazu hab, denn wenn ich nicht "funktionieren", dann tu ich das nicht, das kann ich dann auch nicht mehr vorspielen, und b) die Leute da verständnisvoller reagieren als man so denken mag (und das berichten mir auch viele andere).

A=liceg\egenWund=erlanxd


@ Jan

Da kommt es wohl immer auf die Menschen an, auf die man trifft. :(v Ich habe auch schon viele schlechte Erfahrungen gemacht. Einfach weil ich auch im gesunden Zustand nicht "funktioniere.

Das geht mir anders, mich belasten einfach die doofen Gefühle und ich find das einfach doof . Und beruflich funktionieren ist natürlich erstrebenswert, aber nicht weil man damit irgendein gesellschaftliches Ideal erfüllt sondern weil es für einen selber besser ist.

Ich denke dass man die doofen Gefühle als Teil von sich akzeptieren sollte! Jeder hat dir mal und wenn sie oft da sind ist das nunmal so...

Andererseits finde ich es auch echt fies, dass zu mindestens von mir so wahr genommen, ältere Menschen oft mehr Verständnis bei doofen Gefühlen bekommen.

Will jetzt aber niemand verletzt oder etwas unterstellen!

J=an7x4


Klar, ich hab auch viele schlechte Erfahrungen gemacht, aber es liegt ja auch an einem selber, die entsprechenden Leute auszusortieren. Wobei das beim Job natürlich nicht immer so einfach ist.

Andererseits finde ich es auch echt fies, dass zu mindestens von mir so wahr genommen, ältere Menschen oft mehr Verständnis bei doofen Gefühlen bekommen.

Ja, meine liebe Oma, die sagte, ach Jan, in Deinem Alter darf man alle diese Probleme doch gar nicht haben (bzw o-Ton "in Deinem Alter hat man doch noch gar keine Nerven").

Hass.

A]lvicegbegenWun;derxland


Klar muss man aussortieren aber wie du so schön schreibst: das geht leider nicht immer.

Aber ich Ecke eh immer an %:| Bin halt als Freigeist in einem 4000 Seelenkaff eher die Ausnahme.

Ja, meine liebe Oma, die sagte, ach Jan, in Deinem Alter darf man alle diese Probleme doch gar nicht haben (bzw o-Ton "in Deinem Alter hat man doch noch gar keine Nerven").Hass.

Desto jünger man ist umso geringer das Verständnis >:( Und dann auch noch diese komischen Einstellungen...

Ich denke immer nur: Ich bin nicht verrückt oder gestört also behandelt mich bitte nicht so!!!

SYunfl2ower__7x3


Ich glaube kaum, dass Frauen angeblich häufiger betroffen seien.

Ist aber so. Mit Ausnahme schizophrener Erkrankungen sind bei ALLEN psychischen Erkrankungen Frauen mehr oder weniger deutlich betroffen. Und das hat nix mit "Männer sagen es nicht" zu tun. Man vermutet u.a. hormonelle Einflüsse (und und und).

Die Sex-Hypothese ist in meinen Augen ein schlechter Scherz. Aber sowas von. Zumal bei stärkeren Depressionen auch gerne mal Störungen der Sexualität (Unlust, Dysfunktionen) auftreten.

Der Zshg. mit Arbeitslosigkeit und niedrigem Einkommen ist zudem direkter: Existenzängste, Perspektivlosigkeit etc. AN SICH reichen aus. Fehlendes Geld für Prostituierte als Grund, dass in diesen Bevölkerungsgruppen mehr Depressivität herrscht: :(v

SpunfTloxwer_73


@ Jan:

Worauf man auch achten sollte: Muss man alles pathologisieren? Oder ist man halt einfach der nachdenklichere, grüblerische Typ? Wie weit kann man sich selber als best. "Typ" akzeptieren und ab wann (und warum genau DORT?) hält man etwas für krankhaft?

Und grundsätzlich, egal ob Typ oder krankhaft: Fazit ist einfach, mehr von dem, was gut tut, im Leben unterzubringen. Und die Dinge, die einen runterziehen (Grübelzeit, Depri-Musik,..) zu minimieren.

Und vielleicht auch einfach mal die wertende Selbstbeobachtung bleiben lassen.

J,an74


Worauf man auch achten sollte: Muss man alles pathologisieren?

Kommt auf den Leidensdruck an!

Und grundsätzlich, egal ob Typ oder krankhaft: Fazit ist einfach, mehr von dem, was gut tut, im Leben unterzubringen. Und die Dinge, die einen runterziehen (Grübelzeit, Depri-Musik,..) zu minimieren.

yes.

Die Sex-Hypothese ist in meinen Augen ein schlechter Scherz.

Bist Du siiiicher?

A+licege4ge_nWuLnderlanxd


Also ich kann die Sex-Hypothese nicht glauben...

Mir ging es mit fester Partnerschaft und viel Sex nicht besser. Könnte aber daran liegen, dass ich echt keine Lust drauf hatte %:|

Cainnaxmon4


Eine feste Partnerschaft bietet Halt und hilft so gegen Depressionen; ich glaube nicht, dass der Sex dabei im Vordergrund steht bzw. stehen muss.

Ich glaube, das hängt aber auch stark damit zusammen, unter welchen Druck man sich selber setzt und was man sich selber da so zugesteht. Man kann durchaus offener zu sich selber stehen, als viele so denken.

Klar, ich hab auch viele schlechte Erfahrungen gemacht, aber es liegt ja auch an einem selber, die entsprechenden Leute auszusortieren.

So, wie du die Sprüche deiner Oma hasst (kenne ich übrigens auch, ist echt ätzend, als junger Mensch kein Verständnis zu erhalten), hasse ich diese "aber man kann doch so viel selbst entscheiden"-Sprüche.

Es stimmt einfach nicht, dass die eigene Einstellung und die eigenen Handlungen immer sooo viel Einfluss haben.

Sicherlich sollte man sich selbst bemühen, für sein Seelenheil zu sorgen und danach zu handeln.

Aber ich finde es fies, zu jemandem, der sagt: "Ich fühle mich von ...x.... unter Druck gesetzt, zu sagen: "Du setzt dich doch nur selber unter Druck!" Denn oft genug SIND es die Umstände, die einen unter Druck setzen. Ich habe solche Sprüche als Kind auch immer gehört - versinke nicht in Selbstmitleid - etc. Damit ging es mir einfach noch schlechter. Wenn ein gesellschaftlicher oder persönlicher Umstand einfach scheiße ist, sollte man auch dazu stehen dürfen und nicht ständig bücklingmäßig sagen müssen: "Aber ich habe ja auch meinen Anteil, ich schlimmer Mensch!"

Und das hat nix damit zu tun, keine Selbstkritik zu üben!

Nur glaube ich eben, dass viele Menschen heutzutage viel zu sehr dazu angehalten werden und dann auch danach halten, die Schuld immer bei sich selbst zu suchen.

So dieses "Du kannst doch selbst entscheiden, ob du glücklich/zufrieden/im Job erfolgreich bist."

Diese Macht hat man aber einfach nur sehr begrenzt und sich einzureden, man hätte sehr viel dieser Macht , kann auch sehr unglücklich machen. Denn dann kann man fürs Scheitern nur sich selbst verantwortlich machen, obwohl es sehr oft nicht so ist und sehr viele Faktoren eine Rolle spielen, ganz oft zählt man selbst gar nicht dazu!

CDinnaxmon4


* danach handeln

JEan7x4


Obwohl sich Deine Antwort auf mich bezieht, geht es mir eigentlich nicht viel anders als Dir. Ich reg mich auch über sowas auf. Jemand verletzt einen, und dann bekommt man als Antwort "aber Du kannst selber entscheiden ob Du zulassen willst dass es Dich verletzt".

Das ist ein gutes Stück weit nur dummes blabla welches man wirklich nicht gebrauchen kann, keine Frage. Ich glaube sogar, sowas geschieht zum Teil aus unlauteren Absichten - "jetzt führe ich dem/der mal vor Augen, wie er optimalerweise sein sollte, womit ich genau weiss dass ich ihm nur zusätzlich eins auswischen, denn es ist ja klar, dass der das gar nicht kann". Das ist umso verwerflicher.

Trotzdem glaube ich dass es in Bereichen wie "so sein wie man halt ist, und dazu stehen" deutlich mehr Handlungsspielraum gibt, als viele für sich empfinden. Und gerade bei den mir persönlich bekannten, depressiven Personen ist es oft so, dass da ein relativ geringes Selbstwertgefühl kombiniert ist mit der Vorstellung, man müsse irgendwelchen Idealen entsprechen, man dürfe keine Schwäche zeigen usw usf. Das ist zum Teil wirklich nur Gehirnwäsche ohne reale Grundlage (und wäre auch Gegenstand einer Therapie, so eine Blockade zu lösen).

Ein gewisses Maß an Anpassung braucht man natürlich, das ist klar. Aber oft weniger, als man denkt und fühlt, glaub ich.

E}l[ Pin/tor


Aber ich finde es fies, zu jemandem, der sagt: "Ich fühle mich von ...x.... unter Druck gesetzt, zu sagen: "Du setzt dich doch nur selber unter Druck!" Denn oft genug SIND es die Umstände, die einen unter Druck setzen. Ich habe solche Sprüche als Kind auch immer gehört - versinke nicht in Selbstmitleid - etc. Damit ging es mir einfach noch schlechter. Wenn ein gesellschaftlicher oder persönlicher Umstand einfach scheiße ist, sollte man auch dazu stehen dürfen und nicht ständig bücklingmäßig sagen müssen: "Aber ich habe ja auch meinen Anteil, ich schlimmer Mensch!"

Und das hat nix damit zu tun, keine Selbstkritik zu üben!

Nur glaube ich eben, dass viele Menschen heutzutage viel zu sehr dazu angehalten werden und dann auch danach halten, die Schuld immer bei sich selbst zu suchen.

So dieses "Du kannst doch selbst entscheiden, ob du glücklich/zufrieden/im Job erfolgreich bist."

Diese Macht hat man aber einfach nur sehr begrenzt und sich einzureden, man hätte sehr viel dieser Macht , kann auch sehr unglücklich machen. Denn dann kann man fürs Scheitern nur sich selbst verantwortlich machen, obwohl es sehr oft nicht so ist und sehr viele Faktoren eine Rolle spielen, ganz oft zählt man selbst gar nicht dazu!

Da triffst du den Nagel auf den Kopf. Wir leben in einem Zeitalter der Möglichkeiten und das vorherrschende Credo lautet eben du bist für dein Glück selbst verantwortlich, das kann eben Fluch und Segen zu gleich sein. Denn wenn du diese Möglichkeiten nicht nutzt bist du selbst schuld. Das wir in Wirklichkeit eingebettet sind in den sozialen Verhältnissen und ausgestattet sind von Geburt an mit einem bestimmten Potential versehen wird oft vergessen. Diese denke ist aus Amerika herübergeschwappt, dort (nicht nur dort) glauben sie an den "Self made Millionär" an den Jungen der es vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft hat. Daraus zu schließen wenn einer es geschafft hat können alle anderen es auch ist ein klassischer Fehlschluss.

Letztlich ist aber eben auch das eigene Selbstbild, Selbstkonzept dafür verantwortlich wie wir die Welt wahrnehmen und wie wir darin interagieren. Wenn man sich selbst als schwach und hilflos wahrnimmt, dann wird einem die Welt vorkommen wie ein reißender Fluß in dem man schwimmt aber keinerlei Handlungskontrolle hat. Ich werde mitgerißen von den Stromschnellen und fühle mich als Opfer und Ohnmächtig. Ich werde die Fließgeschwindigkeit kaum beeinflussen können aber wie ich mich darin verhalte schon. Ich habe Jahre lang diese Haltung gehabt und mich als Spielball der Verhältnisse betrachtet, bis ich erkannt habe dass ich selbst aktiv werden muss und dass dies wohl der einzige Schlüssel ist um möglichst heil an das Meer anzukommen. Oder man verweigert sich gänzlich dem System, mehr Möglichkeiten habe ich nicht. Oder man versucht sich in Fahrwasser zu manövrieren indem die Flüssläufe etwas ruhiger dahingleiten

Die These psychische Leiden, werden durch gesellschaftliche Verhältnisse hervorgerufen halte ich für zumindest umstritten und ist statistisch auch nicht belegt. Die Persönlichkeit eines Menschen welche eben auch (Denk und Wahrnehmungsmuster beinhalten) ist in hohem Maße schon genetisch determiniert. Ein Mensch mit hohen Neurozitismuswerten (Big Five) wird Schreckenszenarien aus den Medien mit mehr Aufmerksamkeit verfolgen und vorallem anders damit umgehen als jemand der eine gelassene Persönlichkeit hat den nichts aus der Ruhe bringt. Es gibt da die unterschiedlichsten Ausprägungsgrade und Variationen.

Ich will damit nicht relativistisch klingen. Seneca meinte "es sind nicht die Dinge an sich die uns beunruhigen sondern die Sicht der Dinge". Auf der einen Seite hat Seneca natürlich recht, für jeden einzelnen von uns erscheint die Welt ein wenig anders dennoch denke ich gibt es etwas was allen Dingen innewohnt, etwas das tatsächlich ist Eben etwas was jenseits jeglicher subjektiver Weltanschauung liegt

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