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Ist das psychisch? (Achtung sehr lang)

Eqlmqe"lla hat die Diskussion gestartet


Hallo Foris,

ich habe ein Problem, das inzwischen mein Leben eingenommen hat. Das Problem ist, dass ich es so gar nicht einordnen kann. Die Symptome geben sich die Klinke in die Hand, deshalb fürchte ich, wird der Text auch etwas länger. Entschuldigt ;-)

Alles fing relativ harmlos vor ca. 1,5 Jahren(+) an. Genau lässt sich der Beginn nicht datieren, denn es begann so schleichend, dass ich es sicher am Anfang gar nicht wahrgenommen habe/schon wieder vergessen habe. Zu diesem Zeitpunkt ca. ereignete sich auch ein für mich sehr belastendes Ereignis (Krankheit eines Angehörigen). Ich sage das, weil ich, die psychische Komponente nicht außer Acht lassen möchte, kann aber nicht zu 100% sagen, dass die Symptomatik damit begonnen hat. Könnte schon vorher da gewesen sein bzw erst Wochen später eingetreten sein, wie gesagt, ich kann mich nicht daran erinnern, da ich es vermutlich anfangs als harmlos, unwichtig abgetan habe (z.B. "Kreislauf").

- Nunja irgendwann fiel mir dann vermehrter Schwindel auf, der nur ab und an mal auftrat, aber unangenehm war. Meiner Meinung nach entwickelte ich darauf hin eine mittelstarke Agoraphobie an bestimmten Orten. Ab zum Psychotherapeuten und wir begannen daran zu arbeiten. Mit der Zeit wurde der Schwindel unangenehmer, teilweise heftig und absolut nicht mehr klassisch phobisch, da er auch z.B. zu hause alleine ohne Panikattacke (also im absoluten Ruhezustand) auftrat.

- Auch hatte ich immer öfter dieses Herzstolpern beim Einschlafen, von dem man im Inet häufiger liest. Also genau in dem Moment des "Weggleitens" in den Schlaf das Gefühl, das Helz stockt/stolpert gefolgt von einem kurzen Gefühl der Atemnot und dem Bedüfnis sich aufzurichten und ganz tief Luft zu holen. Das konnte sich so lange wiederholen, bis ich vor Erschöpfung eingeschlafen bin oder auch nur einmal. Manchmal war es mehrerer Nächte in Folge, manchmal hatte ich eine Woche Ruhe – ich konnte nie ein Muster erkennen.

Langsam begann ich mich zu sorgen und begann meine Ärzte Karriere.

Der Kardiologe schallte das Herz und machte die üblichen Tests, zusätzlich bekam ich ein langzeit EKG – kurz gesagt: Ohne Befund.

Der Neurologe machte auch einige Tests in der Praxis (vergessen was das alles war) und schickte mich durchs CT. Befund: Eigentlich keiner > Psychosomatischer Schwankschwindel (oder so).

Zu der Zeit konnte ich trotz allem mein Leben noch ganz gut schaffen. Zur Uni gehen, lernen, Freunde treffen. Durch die Agoraphobie leicht eingeschränkt, aber daran arbeitete ich konsequent.

Die belastende Situation von damals hatte sich erledigt (Alle wieder soweit gesund).

Das lief so eine Weile. Ich traute mich zu keinem anderen Arzt mehr und akzeptiere es als psychisch. Im Laufe der Zeit (2-3 Monate) verschwand die Agoraphobie an den meisten Trigger-Orten ziemlich spontan und ist seither nicht wieder aufgetaucht.

Dafür verschlechterte sich das Allgemeinbefinden. Ich fühlte mich abends öfter fiebrig, bzw heiß im Gesicht. Fiebermessen ergab immer Normaltemperatur (immer so ca. 36,9/37).

Das Herzstolpern hatte sich dafür über die Monate komplett erledigt und trat nicht mehr auf.


Es folgte eine weitere emotional Belastende Situation (Erneut Krankheit nahen Angehörigens) und quasi direkt auf dem Fuß eine weitere Verschlechterung, allerdings eher schleichend.

Ich konnte mich immer schlechter konzentrieren (sei es auf Lernstoff oder sogar auch Gespräche usw), das heiße Gesicht trat auch tagsüber auf, ich war oft müde und fühlte mich einfach ko, irgendwie ausgelaugt, hatte Sehstörungen (verschwommen) und ein matschiges Gefühl im Kopf, Druck hinter den Augen. Nie über längere Zeit aber doch immer mal wieder, unabhängig von Ort und Zeitpunkt. Die Lebensqualität minderte sich also noch einmal erheblich.

Weiterhin war ich mir aber sicher, dass das schon alles wieder gut würde. Die Laune war stabil, abgesehen davon dass man ja immer mal nachgrübelt, was es sein konnte.

Dann irgendwann begannen mir die Haare auszufallen. Das war der erste krasse Schlag. Irgendwie lustig, dass man sich mooooonatelang hoffnungsvoll mit stark geminderter Lebensqualität durchkämpf, aber kaum geht es an die äußeren Attribute schlägt es auf die Stimmung.

Naja, Frauenarzt testete Hormonspiegel, plus großes Blutbild wegen der anderen Beschwerden. Stellte fest, dass das Blut unauffällig war, aber ein Hormonungleichgewicht vorlag, das den Haarausfall verursachte. Verschrieb Pille.

Dadurch nahm der Haarausfall auch tatsächlich ab, wurde innerhalb 1-2 Wochen fast wieder normal, was mich ungemein beruhigte.

Inzwischen hatte sich auch die 2. Belastende Situation zum Guten gewandt und gab objektiv gesehen keinen Anlass zur Sorge mehr. Der Allgmeinzustand blieb jedoch.

Darauf hin ließ ich noch einmal Blut abnehmen, diesmal ausführlicher. Die Schilddrüse wurde genaustens auseinandergenommen, Diabetis, Borreliose, dieverse Vitamine usw....

Ergebnis: Alles ok bis auf Leberwerte und einige Vitamine. Da die Leberwerte einen Monat vorher beim Frauenarzt noch normal waren, schließe ich dies als Grund für die Beschwerden aus. Vermutlich war es die Pille.

Naja im 3. Monat der Pille begann der Haarausfall trotz ordnungsgemäßer Einnahme wieder. Ich wartete bis der Zyklus zu ende war, holte mir dann aber keine neue Packung (erstmal die Leber erneut kontrollieren. Macht ja keinen Sinn diese weiter zu belasten, wenn der Haarausfall trotzdem weitergeht).

Dann kam eine weitere Stresssituation, die jedoch rein äußerlich war. Also nix emotional Belastendes, sondern ganz klassische Stresssituation gebündelt auf ein paar Stunden.

Einen Tag später kippte mein Zustand total. Ich hatte abends nach dem Essen einen heftigen Anfall von Luftnot. Der kam ziemlich aus dem Nichts. Ich war entspannt, wollte gerade noch etwas fernsehen. Hatte definitiv keine Symptome einer Panikattacke oä.... Über Stunden hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen bzw schwer Luft zu bekommen, nur langsam besserte es sich. Ein normaler Mensch hätte sicher den Notarzt gerufen...aber ich hatte Angst als Simulant abgestempelt zu werden.

Die nächsten Tage darauf (ab dem Aufwachen) war die Luftnot zwar nicht so akut, aber ein "beklemmendes" Gefühl im Hals/Brustbereich blieb konstant, auch das Gefühl, tief Luftholen zu müssen. Am 2 Tag ging ich dann zum Hausarzt. Lungenfunktionstest war ok und der wusste auch nicht so recht weiter. Pille und Rauchen (bin Raucher) sind natürlich keine gute Kombi und Lungenembolien liegen bei uns in der Familie, darum überwies er mich zu einem Test in der Uniklinik (oder so etwas. Man kann anscheinend eine Veranlagung zum Thrombosen haben).

Dazu kam es allerdings nicht. Mein Zustand wurde nach einigen Tagen so schlecht, dass ich quasi bettlägerig war. Die Lungenprobleme waren weg, aber ich war so schwach wie man es z.B. von einer schweren Grippe kennt. Alles war extrem kraftraubend. Der Gang zur Toilette oder in die Küche, machte mich schlapp und kurzatmig. Ganz genau wie ich es von schweren Grippen kannte – nur ohne Husten, Fieber, Heiserkeit.

Ab da bekam ich dann langsam und auch das erste Mal richtige (Todes)Angst. Ich wusste nicht was das war und wohin das führen sollte. Zwar hatte ich über die letzten 1,5 Jahre im Detail gesehen immer schwankend gute und schlechte Tage gehabt, aber aufs Grobe gesehen war es in Schüben nur schlechter geworden. Und nun lag ich da, konnte mich kaum noch bewegen vor Erschöpfung und heulte und war mir sicher, dass der nächste Schritt konsequenterweise nur der Tod sein könne.

Eigentlich wollte ich gerne ins Krankenhaus, aber die Angst war immer noch da, dass nichts gefunden würde. Also wurde ich von der Familie abgeholt und nach Hause gebracht.

Dort besserte sich nach einer Weile die krasseste Symptomatik aber die generelle heftige Schwäche blieb. Tagesformabhängig kann ich mal mehr mal weniger (für mich) anstrengende Dinge tun. Ob der Tag gut oder schlecht wird/ist entscheidet sich mMn willkürlich. Ich suche ja immer nach Mustern, aber erkenne keine... Naja aber auch an guten Tagen ermüde ich weiterhin relativ schnell, muss mich hinsetzen, bin neblig im Kopf...

Auch die Schlafqualität an sich verschlechterte sich. Dass man bei Sorgen schlechter einschläft ist vermutlich relativ normal, aber neu war, dass ich teilweise nach 5-6 Std Schlaf am frühen morgen aufwachte nur um mich elend zu fühlen. Dann irgendwann schlief ich wieder ein. Das ist seehr untypisch für mich, da ich immer Durchschläfer war.

Letzte Nacht kam plötzlich vor dem Einschlafen wieder das beklemmende Gefühl in der Brust und das Gefühl schlecht Luft zu bekommen, dazu klopft das Herz ganz deutlich spürbar (bei normaler Sauerstoffsättigung und völlig unauffälligem Puls - sagt Pulsoximeter). Dieses Mal sehe ich wirklich keinen Auslöser. Ganz im Gegenteil, hatte einen schönen Abend gehabt, viel gelacht usw...

Und heute, am nächsten Tag, bleibt das Gefühl (wie letztes Mal) latent bestehen...

Und da stehe ich nun. Bin langsam (der Situation entsprechend) verzweifelt, ängstlich und verunsichert. Mal glaube ich dass es psychisch sein kann – so traue ich mich natürlich zu keinem weiteren Arzt – aber ich war im Bezug auf Laune und Stimmung immer ganz gut drauf. Hatte trotz aller Einschränkungen keine Anzeichen einer Depression oder Schlimmerem (vom Psycho bestätigt) auch versteh ich nicht, warum es konstant schlechter als besser wird, obwohl doch die Stressfaktoren sich erledigt haben. Trauma?

Dann denke ich, es könnte doch körperlich sein, aber wo ansetzen?

So kann mein Leben nicht weitergehen. An guten Tagen kann ich solche Dinge wie in den nahegelegenen Supermarkt fahren. Das ist für mich wie eine kleine Weltreise und (positiv) aufregend.

Ich brauche mein Leben wieder, meine Kraft und Ausdauer. Der Wille ist ja noch da und der Humor und die Hoffnung (die aber in den letzten Wochen Kratzer bekam).

Vllt hat jemand hier eine Idee wie ich weiter vorgehen könnte/sollte.

Ich bin unendlich dankbar für jeden Rat.

Lieben Gruß

Antworten
JranG74


Hmm..

so leer hier, ich schreib mal was ;-).

Einiges was Du schreibst erinnert an chronische Hyperventilation, da könntest Du Dich mal informieren.

vielleicht hast Du heftige Verspannungen im Rücken, Wirbel usw? Das kann auch einen Teil der Probleme erklären, denke ich.

Oder, das ist allerdings nicht so ermutigend, cfs..

Krasse Sache irgendwie, Du Arme..

E\lmexlla


Vielen Dank für deine Antwort. Bin gewöhnt, dass sonst niemandem mehr wirklich etwas dazu einfällt. x)

Naja die Hyperventilation würde tatsächlich fast alles erklären, es wäre zu schön...aber dagegen spricht wohl, dass die Sauerstoffsättigung immer (auch während der Atemnot) im mittleren Normalbereich liegt (immer ca. 97% - normal sind glaube ich 95-99%) dh ich habe folglich nicht auffällig viel Sauerstoff im Blut.... und auch das Herzklopfen ist nicht echt, denn der Puls liegt nie über 100, obwohl es sich so anfühlt als würde das Herz fast davonrennen.

Und cfs... da war ich auch schon. Hatte mir sogar einen Fragebogen angeschaut. Leider kickt mich hier die Tatsache raus, dass ich keine (nennenswerten) Schmerzen habe. Das scheint aber ein wichtiges Kriterium.

Verspannungen wären auch noch eine meiner Hoffnungen - aber da vermisse ich auch die Schmerzen - und die Schwäche würde das wohl auch nicht erklären. Aber Orthopäde sollte vllt doch mal abgeklappert werden - sobald ich wieder selbstbewusst genug bin für einen Aztbesuch ;-)

Jtanx74


EBV wurde sicher auch getestet?

Naja, dann versuch mal bewusst auf die Atmung zu achten und geh zum Orthopäden.

Bist Du zu sportlichen Aktivitätenin der Lage oder was passiert dann?

Eclm6ellPa


Ja EBV positiv, aber Arzt meinte, das sei bei 80 % der Leute über 20/25 der Fall.

Naja, da mich momentan so ziemlich alles Körperliche anstrengt, habe ich mich nicht mehr an richtigen Sport getraut.

Aber da ich mir an guten Tagen nicht erlaube, rumruliegen (da schlägt auch zu sehr auf die Stimmung) mache ich schon öfter Dinge, die mich anstrengen, z.B. längere Runden mit dem Hund gehen oder Rasen mähen (über 800qm) etc.

Erfahrungsgemäß bringt das langfristig weder erkenntliche Verbesserung noch Verschlechterung. Kurzfristig tut es manchmal ganz gut, dh ich kann ziemlich lange durchhalten wenn ich einmal "eingearbeitet habe" , manchmal mache ich zwar weiter aber am generellen Zustand ändert sich nichts...und manchmal wird es so unangenehm, dass ich es lasse.

Wie gehabt, kein Muster :(v

J\amn7&4


Also bei cfs wärs wohl so dass Du von körperlichen Anstrengungen (800 qm Rasen mähen ist ja nicht so ganz wenig) danach total kaputt und erschöpft wärst. Wenn das keinen großen Einfluß hat, ist das schonmal ein gutes Zeichen.

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