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depressiv weil alt und überflüssig

EdsistniJezuxspät hat die Diskussion gestartet


- oder soll ich es umgekehrt formulieren: alt und überflüssig und deshalb depressiv. Es stimmt eigentlich beides. Bin nicht mehr im Berufsleben, die Kinder sind groß und führen ihr eigenes Leben. Für meinen kranken Mann muss ich noch da sein. Wenn er einmal nicht mehr ist, braucht mich eigentlich niemand mehr. Ich habe das Gefühl, dann meine Pflichten erfüllt zu haben. Niemand würde mich wirklich vermissen. Ja, vielleicht kurz, aber das kann mir eigentlich egal sein.

Es gibt auch nicht wirklich etwas, das mich freuen würde. Reisen, shoppen? Keine Lust. Außerdem plagen mich (immer schon) Existenzängste, die aber eher in meiner Vergangenheit liegen und nicht real begründbar sind. Ja, ehrenamtlich betätige ich mich in einer Schule. Aber für wirklich nützlich halte ich mich bei weitem nicht.

Wie hört sich das an? Nach einer mordsmäßigen Depression. Habe auch nächste Woche einen Termin bei einem(r) Therapeute(i)n. Antidepressiva nehm ich ohnehin (schon sehr lange), scheinen aber derzeit nicht so gut zu wirken. Hatte wahrscheinlich in letzter Zeit zu viele Probleme wegen der Erkrankung meines Mannes.

Wenn ich mir so rundherum ältere Menschen anschaue frage ich mich oft: wozu braucht man uns Alte noch. Wir kosten nur und bringen nix und die Welt dreht sich auch ohne uns weiter.

Antworten
c`riech,arlixe


Mir ist nie so ganz klar, wie man seinen Lebensinhalt darin sehen kann, dass man für andere wichtig ist.

Das kommt meist so nebenbei durch die diversen sozialen Rollen, die man inne hat,

aber darauf sein Lebensziel aufzubauen?

no way.

Ist doch klar, dass man dann absackt, wenn keiner mehr da ist.

N\orDdi8x4


Ich denke der Besuch beim Therapeuten macht Sinn, es klingt schon echt nicht gesund was du da schreibst.

Kann es sein das du deine Bestätigung vorallem von Außen und durch Aufgaben bezogen hast ? Job, Kindererziehung, Pflege des Mannes... immer beschäftigt, immer für andere da. Aber wann hast du das letzte mal was nur für dich getan und bist zur Ruhe gekommen ? Egal ob es ein schönes Kleidungsstück, ein Besuch in ner Therme oder auch nur ein gutes Glas Wein im Garten / auf dem Balkon war. Einfach was bei dem du dich wohl gefühlt hast.

_/Pa<rvaVti_


Hallo Esistniezuspät,

wieso fällt es dir so schwer, das Leben einfach zu genießen ohne großartige Verpflichtungen haben zu müssen?

Wenn ich mir so rundherum ältere Menschen anschaue frage ich mich oft: wozu braucht man uns Alte noch.

Gegenfrage: Warum brauchst du das Gefühl gebraucht zu werden?

Zdw'ackx44


Hast Du einmal daran gedacht, dass Du eine Schilddrüsenerkrankung haben könntest? Kann auch zu Depressionen führen.

KSruidxo25


Es gibt auch nicht wirklich etwas, das mich freuen würde. Reisen, shoppen? Keine Lust.

Genau das ist die Folge der Depression. Die musst du in den Griff bekommen, dann hast du auch wieder Lust auf die schönen Dinge des Lebens wie Reisen. Du brauchst einen Termin beim Facharzt, ohne das wird es wohl nicht besser werden.

E,sTistnNieDzusxpät


Danke für euren Input. Ja, mir ist schon klar, dass das alles auf eine Depression zurückzuführen ist. Die Schilddrüse ist völlig in Ordnung. Depressiv bin ich schon ziemlich lange. Einerseits in Form einer reaktiven Depression nach einigen Schicksalsschlägen in meiner Familie, andererseits sind Depressionen von meiner Mutter Seite wahrscheinlich auf mich vererbt.

Ich nehme schon ziemlich lange ADs (Efektin), die nach langem Herumprobieren (natürlich unter Anleitung und Aufsicht eines Psychiaters) die einzigen waren, die sofort und fast nebenwirkungsfrei halfen. Ich war vor zwei Jahren sogar schon dabei, die Dosis schön langsam zu reduzieren, aber verschiedene Lebensereignisse führten zu einem, wenn auch relativ milden, Depressionsschub. Viele meiner dunklen Gedanken haben einerseits mit verpassten Gelegenheiten, andererseits mit Zukunftsängsten zu tun. Auch Ereignisse in meiner Familie spielen eine Rolle. Die letzten drei Monate waren besonders hart. Mein Mann bekam einen vierfachen Bypass, war danach neun Tage auf Intensiv, dann auf Normalstation und jetzt einen Monat lang auf Reha. Das alles ist natürlich ziemlich belastend, vor allem, da ich eigentlich gegen die OP war. Naja, es ist wie es ist, aber ich brauche jemanden, mit dem ich über das alles reden kann und der mir vielleicht einen anderen Blick auf die Situation zeigt. Einen ersten Termin bei einem Therapeuten habe ich schon nächste Woche. Ich hätte nämlich gerne wieder Lust auf die schönen Dinge des Lebens! @:)

mAnexf


. Niemand würde mich wirklich vermissen

Ist das Verhältnis zu deinen Kindern so schlecht?

Aber für wirklich nützlich halte ich mich bei weitem nicht.

wieso sollten sie dich sonst beschäftigen? Und wenn es so sein sollte: Wieso suchst du dann nichts anderes für dich?

Wir kosten nur und bringen nix und die Welt dreht sich auch ohne uns weiter.

Die Welt dreht sich ohne jeden weiter. Die Welt würde sich auch drehen, hätte es dich nie gegeben. Das gilt auch für jeden smarten Mitte 20-jährigen, der gerade auf der Karriereleiter rumkraxelt.

Und die Kosten kannst du direkt vergessen. Immerhin hast du die letzten Jahrzehnte auch sicherlich einiges eingebracht.

hKeute_xhier


Guten Abend Esistniezuspät!

Ein sehr schöner Name, der gegen deine Überschrift spricht.

Du bist ungefähr in dem Alter meiner Mutter (Rentnerin seit 2 Jahren).

Sie äußert mir gegenüber auch manchmal solche Gedanken.

Sie sagt, sie hat alles erfolgreich abgeschlossen. Alle Kinder sind glücklich und auf gutem Weg. Sie braucht sich keine Sorgen mehr zu machen.

Hoffentlich hast du das deinen Kindern nicht erzählt, denn es ist ein sehr harter Brocken sowas als Erwachsener von seinen Eltern zu hören. Schreib dir hier bitte alles von der Seele.

Eltern- und Kind-Rollen tauschen sich im Alter. Die Kinder kümmern sich dann um die lieben Eltern. So ist es überall auf der Welt.

Dass du eine Therapie anfängst, ist große Klasse und beweist dein Verantwortungsgefühl. Auch dass es schon nächste Woche losgehen kann, ist keine Selbstverständlichkeit.

Es ist nie zu spät ... hast du vollkommen richtig erkannt :)^

Naja, die Pflege eines kranken Mannes frisst eben auch Energie.

Wie sieht es denn mit der Reha aus? Geht es ihm jetzt besser?

Ich drück dir die Daumen und freue mich von dir wieder zu lesen @:)

E8sisntnie=zusoxt


Das Verhältnis zu meinen Kindern ist sehr gut. Meine komplizierte Familiengeschichte hier aufzudröseln, wäre hier allerdings zu schwierig. Nur soviel: Wir sind eine nicht so ganz klassische Patchworkfamilie mit insgesamt fünf Kindern, von denen zwei im gemeinsamen Haushalt von meinem Mann und mir aufwuchsen. Von den beiden ist eines das leibliche Kind von ihm (seine erste Frau mit drei Kindern aus erster Ehe war verstorben) und die jüngste unser gemeinsames Kind. Von den drei Töchtern aus der ersten Ehe seiner Frau besteht nur zu einer recht guter Kontakt. Wenn ich jetzt noch anfange, meine eigene Herkunftsfamilie (ebenfalls Patchwork) zu erklären, würde das zur allgemeinen Verwirrung nur noch beitragen.

Drum zurück zum Anfang: Unser Sohn (ja, ich habe ihn adoptiert) war immer sehr schwierig, er hatte ja auch eine sehr schwierige Kindheit. Mutter gestorben, da war er drei, sehr schwierige Verhältnisse. Ich kam dazu, da war er 8 und wurde von den bei meinem Mann lebenden Mädchen und der Großmutter (mütterlicherseits) sehr angefeindet. Heute ist er Mitte 40 und hat nicht wirklich ein Bein auf den Boden gekriegt. Keine richtige schulische oder sonstige Ausbildung, trotz aller (vor allem) unserer Bemühungen. Trotzdem habe ich immer versucht, den Kontakt zu ihm zu halten. Erst seit ca einem Monat - und wer weiss, wie lang das anhält - finanziert er seine Miete selbst. Die letzten 15 Jahre haben wir das getan, sonst hätte er längst kein Dach mehr über dem Kopf. Trotz allem ist er ein ganz Lieber, der leider nie in der Realität angekommen ist.

Unsere Tochter war und ist da ganz anders. Fast 33, mit beiden Beinen fest auf dem Boden, hat immer gewusst, was sie will und das auch immer durchgesetzt. Mittlerweile ist sie seit zwei Jahren verheiratet, hat innerhalb der zwei Jahre zwei Kinder bekommen (16 Monate und 4 Wochen alt),. Sowohl sie als auch ihr Mann sind selbständig und es gibt auch nicht wirklich eine Babypause. Unser Verhältnis zueinander ist sehr gut und war es auch immer.

Natürlich weiss ich, dass unsere Zeit auf der Erde begrenzt ist. Aber darum gehts mir gar nicht. Ich bin jetzt seit drei Jahren in Pension und habe ganz einfach das Gefühl außer meinem Mann niemandem wichtig zu sein. Nun kann man sich natürlich fragen: muss ich denn jemandem wichtig sein? Und natürlich weiss ich, dass ich den Kindern auch sehr wohl wichtig bin. Ich habe auch gute Freundinnen, aber ich will ganz einfach in dieser Depri-phase niemandem mit meinem Weltschmerz auf die Nerven gehen und ziehe mich da eher zurück. Mein Problem ist auch, dass ich mich in so einem Zustand eher wie gelähmt fühle. Keine Energie habe. Oft denke ich mir - du könntest ja dies und dies und das machen. Aber beim Denken bleibts dann oft auch. Der zweite Gedanke ist dann meist: wirst Du das dann auch schaffen? Und das mir, die immer alles geschafft hat. Schule, Studium, alles auf Anhieb und ohne Umwege. Beruflich - naja, musste zwar letztendlich meinen Traumberuf aufgeben, aber die Alternative war auch nicht schlecht. Immerhin war ich 27 Jahre in diesem Beruf, war anerkannt und beliebt. Und jetzt auf einmal trau ich mir nichts mehr zu. Ist doch pervers, oder?

Nun, ich denke, dass das alles der Depression geschuldet ist. Es gibt auch vieles, über das ich einmal reden will, aber mit niemandem kann.

Auch die Situation mit meinem Mann ist sehr sehr schwierig. Er braucht keine Pflege im eigentlichen Sinn. Aber diese verd.... OP hat ihn extrem geschwächt und verändert. Und ich fürchte, das wird nicht wirklich reversibel sein. Für mich stellt sich das so dar, dass ein aktiver, lebensfroher Mensch zu einem schwachen gebrechlichen operiert wurde. Klingt hart. Ja, klar, er hatte blockierte Herzkranzgefäße, aber eigentlich so gut wie keine Beschwerden. Mir schien es, als hätten sich Umgehungskreisläufe gebildet, die für die Herzfunktion ausreichten. Die Meinung der Ärzte war allerdings eine andere, trotz des Alters meines Mannes. Wir sind 20 Jahre auseinander und schon fast 37 Jahre verheiratet. Auch mein Mann war für die OP. Er hatte ja noch nie eine schwere OP und konnte sich auch nicht vorstellen, wie es einem danach gehen kann. Nun, die OP gelang - der Chirurg ist zufrieden ]:D - aber seine Lebensqualität ist futsch. Ich hoffe nur, dass sich die Dinge noch besser. Die OP ist jetzt bald drei Monate her.

Oje, jetzt hab ich einen ganzen Sermon geschrieben. Aber ich wollte ganz einfach die Umstände, die auch meine Depris wieder ankurbelten, etwas genauer erklären.

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