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Depressiv oder ausgebrannt - brauche schnelle Hilfe

Alias 709983 hat die Diskussion gestartet


Hallo.

Ich merke es schon länger, spüre, dass es immer schlimmer wird, habe aber nie die Kraft gehabt, etwas zu machen. Aber es geht nicht mehr. Ich bin an einem Punkt angekommen, wo es so nicht mehr geht.

Ich bin völlig auf. Ich bin nur noch müde, alles ist eine Qual für mich, jede zusätzliche Belastung bringt mich zum

Weinen oder Schreien. Der Alltag türmt sich als unüberwindbar, als nicht zu schaffen vor mir auf. Ich kann nicht mehr. Ich muss aber. Ich habe zwei kleine Kinder, ich arbeite Teilzeit, ich muss funktionieren. Ich brauche Hilfe.

Wie komme ich am besten und schnellsten weiter? Hausarzt? Psychiater? Ich habe an eine Institutsambulanz gedacht, aber auch da kann ich nicht einfach hin, auch da brauche ich einen Termin. Ich habe Angst, dass es Wochen dauert und dann tue ich meinen Kindern, meinem Mann und mir das noch weitere Wochen an. Ich habe das Gefühl, ich dekompensiere. Lange schaffe ich das nicht mehr. Wie bekomme ich am schnellsten Hilfe?

Antworten
J]an74


Als erstes zum Hausarzt und krankschreiben lassen. Dann nach und nach die weiteren Schritte.

Alias 709983


Direkt krankschreiben lassen? Ich arbeite im Krankenhaus, wenn ich morgen und am WE nicht arbeiten gehe, geht es mir noch beschissener, weil ich dann noch Schuldgefühle habe, weil ich meine Kollegin hängen lasse, die dann allein arbeiten muss.

fyalcou pelegreinoi?des


Ja, aber wenn seine Kollegin in deiner Situation wäre, was würdest du ihr dann raten? Doch sicherlich, dass sie sich krankschreiben lassen soll. Denk einfach mal so, wenn du weiterhin arbeitest, obwohl du krank bist, ist keinem geholfen. Denke jetzt aber hauptsächlich mal an deine Gesundheit. Du kannst nur gesund werden, wenn du mal abschaltest. Es wird sonst nur noch schlimmer. Gibt es kein Personal, was Krankenvertretung macht?

Gute Besserung @:)

mDusicTus_6x5


Dann ist es wahrscheinlich sinnvoll, wenn Du diese drei Tage noch durchzustehen versuchst. Mache außerhalb der Arbeit nur das Nötigste. Vielleicht hat Dein Mann am WE frei und kann Dir einige Aufgaben abnehmen? (Haushalt, Einkaufen, auf die Kinder aufpassen...)

J?an7&4


Direkt krankschreiben lassen? Ich arbeite im Krankenhaus, wenn ich morgen und am WE nicht arbeiten gehe, geht es mir noch beschissener, weil ich dann noch Schuldgefühle habe, weil ich meine Kollegin hängen lasse, die dann allein arbeiten muss.

Genau solche Einstellungen und Gedanken sind es ja, die Dich dahin gebracht haben, wo Du jetzt bist.

Wenn Du nicht mehr kannst, kannst Du nicht mehr, egal wie es Dir damit dann geht und Deinen Kollegen. Du bist nicht für die Personalpolitik und Deine Kollegen verantwortlich.

Aber ok, drei Tage gehen wohl noch. Aber dann.. Zumindest ist "radikal und abrupt streß reduzieren" das einzige was man da tun kann und dringend tun sollte, als erste Maßnahme.

m-usi{cus_6x5


D'accord, Jan. Die TE braucht einfach mal eine größere Pause, eine Art "Auszeit" zur körperlichen und nervlichen Erholung.

Rein praktisch betrachtet, sollte der vorübergehende Ausfall einer Teilzeitkraft auch weniger Probleme bereiten als der einer Vollzeitkraft...

Alias 709983


Guten Morgen.

Ich danke euch für die Antworten bis jetzt. Bin heute natürlich arbeiten gegangen. Obwohl ich weiß, dass ihr Recht habt. Ich komme aber nicht aus meiner Haut raus, und denke einfach, dass es den anderen gegenüber total unfair ist, jetzt auszufallen, wo das ja eigentlich nichts akutes ist, sondern das ja alles andere als überraschend kommt. Und es ist wie immer. Wenn ich zu Aktivität gezwungen bin, dann geht es mir auf einmal schubweise doch nicht so schlecht, und ich komme immer ins Zweifeln, ob das alles wirklich so schlimm ist oder ob ich nicht doch nur dramatisiere. Und wenn es dann wieder schlimm ist, ist es gleich so schlimme, dass ich meine, ich halte es nicht mehr aus. Dieses Auf&Ab verstehe ich nicht.

BEehind TFhe Scjenes


Ich würde mir an Deiner Stelle erstmal ein gutes Antidepressivum als Soforthilfe verschreiben lassen. So, wie Du es schreibst, hört sich das für mich schon nach einer depressiven Episode an, und die Medikamente können erstmal einige Linderung verschaffen - das war bei mir damals auch so. Die Tabletten brauchen zwar zwei, drei Wochen, um ihre volle Wirkung zu entfalten, aber dann helfen sie meistens ganz gut und bringen Dich erstmal in einen therapiefähigen Zustand. So kreisen Deine Gedanken immer nur um Dich selbst, und an einer Stelle muss dieser Gedankenkreis einfach mal aufgebrochen werden. Citalopram 20mg wäre ein Mittel der Wahl, denke ich.

Alias 709983


Hattest du denn auch diese Hoch und Tiefs? Irgendwie dachte ich immer, bei ner Depression ist man nur unten.

B-eh'ind} Th'e Scexnes


Eine Depression kommt in vielen verschiedenen Verkleidungen. Du musst vielleicht sogar ein Leben lang damit klarkommen, aber es gibt zum Trost immer wieder lange Phasen der Normalität. Ich meine, wenn sich bei Dir regelmäßig manische mit depressiven Phasen abwechseln, dann könnte das natürlich auch auf eine bipolare Störung hinweisen, aber ich will mich mit Ferndiagnosen lieber zurückhalten, zumal ICD-10 oft nicht ganz trennscharf zwischen den vielen verschiedenen Diagnosen ist.

Ich meinte halt nur, dass Dir ein Antidepressivum erstmal helfen könnte, in ein "new normal" zu kommen. Es macht ja kaum etwas anderes, als den Serotoninspiegel im Gehirn auf ein normales Maß einzupendeln - und Serotonin hat schon einen enormen Einfluss auf Dein geistiges Wohlbefinden. Mir hat das damals echt enorm geholfen.

aSta#rix9


Was Dir fehlt ist Achtsamkeit Dir selbst gegenüber.

Du willst unbedingt "funktionieren"; für Deine Familie und Deine Arbeitskollegen. Aber Du funktionierst zur Zeit nicht (richtig).

Wenn Du weiterhin "funktionieren" willst musst Du auch achtsam mit Dir selbst umgehen. Ich denke die Vorredner haben recht. Krankschreiben lassen, zu Hause nur das nötigste machen, entspannen.

Du bist ziemlich tief unten. Das Auf und Ab ist nur ein Aspekt vom Ganzen. Du brauchst eine grundlegende Verbesserung Deiner Lage, sonst erreichst Du nur eine oberflächliche Verbesserung.

Ich bin zur Zeit in einer ähnlichen Phase und steuere mit Enstpannungstrainig und Psychotherapie gegen.

LG

CpomrIan


Für mich klingt das nach Burn-Out und nicht nach Depression. Wenn jeder Tropfen Mehrarbeit ein Schlag ins Gesicht ist. Wenn man glaubt, unverzichtbar zu sein und eher ein schlechtes Gewissen gegenüber den Kollegen hat als Verantwortung vor der eigenen Gesundheit.

Du solltest handeln.

Über deinen Mann erfahren wir leider nicht mehr, als dass du einen hast. Kann er dir den Rücken bei ein paar Dingen frei halten? Ist eure Belastung gleichmäßig verteilt? Weiß er, wie es dir geht und wie reagiert er darauf?

Akut empfehle ich dir auch eine Krankschreibung als Soforthilfe. Geh zum Doc, schildere ihm das, und zieh dich mal eine Woche aus dem Verkehr.

Ich bin kein Freund vom "Behandlung", wenn man selbst noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, die näherliegen. Sprich mit deinem Mann die Situation unbedingt durch und findet einen Konsens, wie ihr damit umgehen könnt. Vor allem nimm dir täglich mal für den Anfang eine Auszeit von 30 Minuten. Mach ein Ritual daraus, dass diese 30 Minuten heilig sind und du für dich allein sein darfst. Ich empfehle dir hier als Unterstützung Audio-CDs mit Entspannungsmusik oder noch besser Autosuggestionen. Unterstützung kann auch ein Tee von Kalifornischem Goldmohn bringen. Doppelte Menge, doppelte Zieh-Dauer. Sehr gut, wenn du dir deine Auszeit am Abend nimmst. Du bekommst das in Ethno-Gewürz/Kräuterläden auch im Web. Es ist rein pflanzlich, mild, und außer Schwangerschaft gibt es keine Gegenanzeigen.

Das sind akut die Maßnahmen, damit du nicht zusammenbrichst.

Wenn du damit ein bisschen Erholung erreicht hast, musst du dich damit auseinandersetzen, wie du langfristig deine Bedingungen und deine Verhaltensweisen so ändern kannst, dass du wieder Luft zum Leben verspürst. Zur Not mit einem Therapeuten. Aber probier erst mal, wie weit du allein kommst, wenn du merkst, dass du durch die obigen Tipps die Symptome lindern kannst.

Viel Glück und Kraft. Und nicht für vermeintliche Schwäche schämen - akzeptier es, dass Körper und Seele Grenzen setzen. Du sollt daraus lernen, um größere Schäden zu vermeiden. :)* :)*

Alias 709983


**Wenn jeder Tropfen Mehrarbeit ein Schlag ins Gesicht ist. **

Das trifft definitiv so zu. Ich hatte Anfang des Monats Urlaub, und am Tag ehe ich wieder arbeiten musste, lag ich weinend auf dem Boden, weil mich allein der Gedanke daran schon jeder restlichen Kraft beraubte.

Mein Mann. Er arbeitet auch im Krankenhaus in 3 Schichten, wir sind gegenschichtig, damit die Betreuung der Kinder gewährleistet ist. Blöderweise hat er keinen Führerschein, so dass die Logistik der Familie an mir hängen bleibt. Wir hatten letztes Jahr eine Krise, waren einige Monate getrennt. Dann sind wir wieder zusammen gekommen, und daraufhin haben meine Eltern den Kontakt zu uns mehr oder minder angebrochen, weil sie schon immer gegen unsere Beziehung waren. Dabei ist mein Mann jetzt kein Schläger, Betrüger, Säufer o.ä., er ist einfach ein lieber, etwas gemütlicher Kerl, und wir haben uns im Alltag verloren, daher die Krise. Wir haben das in einer Paartherapie wieder auf die Reihe bekommen.

Bislang hat er meine Hilferufe immer bagatellisiert, aber in letzter Zeit merkt auch er, dass ich am Ende bin.

C(o'mrxan


Wir haben das in einer Paartherapie wieder auf die Reihe bekommen.

War es da vielleicht auch so, dass die Verantwortung eher asymmetrisch war? Habt ihr euch beide ausreichend aufeinander zubewegt, oder hast du dich da auch in der Verantwortung gefühlt und vielleicht mehr gegeben als zurückgekommen ist?

Ich habe diese Grenze letztes Jahr aufgrund verschiedener Belastungen zumindest in Sichtweite gehabt. Man kann das nicht nachvollziehen, was da mit einem passiert, wenn man es nicht kennt. Versuche, deinen Mann auf deine Seite zu bringen. Wenn du einen Mehraufwand aus logistischen Gründen hast, wird es genügend Schnittmengen geben, wo er dir triviale Aufgaben abnehmen kann. Und wenn es der Spülkram ist.

Wichtig für dich ist jetzt erst einmal, dass du dich wieder sicher fühlst und Boden unter den Füßen gewinnst. Mach dir klar, dass du keine Not leidest. Viele Dinge nicht zwingend notwendig sind. Manches auch mal liegenbleiben kann. Nimm dein Umfeld so wahr, wie es ist. Burn-Out hat nichts damit zu tun, dass man einfach viel Arbeit hat. Burn-Out hat damit zu tun, dass diese als Last empfunden wird und wie ein Schreckgespenst verzerrt wirkt, als wenn man schlaftrunken aufwacht und den Wecker als Bedrohung empfindet, bevor man realisiert, dass es nur der Wecker ist.

Könntest du einige Akutmaßnahmen für dich umsetzen, die ich oben empfohlen habe?

Meinst du, du wirst deinem Mann die Situation so nahebringen können, dass er es ernst nimmt?

Ich drück dich mal :)_ . Das ist nichts, was einen bleibenden Schaden hinterlässt. Wichtig ist, dass du es erkannt hast. Jetzt musst du nur noch gegensteuern. Versuche auf keinen Fall zu denken, dass die Belastung bald weniger wird und du nur bis dahin genauso durchhalten musst. Das funktioniert nicht. Du musst was ändern. Und dann kommst du auch wieder da raus.

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