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Messie, Mietrecht & Schweigepflicht.

S]ashmaxn82 hat die Diskussion gestartet


Tjaaa... Ich brauche einfach mal Meinungen, weil ich einfach nicht weiß, was ich machen soll.

Grobe Zusammenfassung:

Meine Mutter ist Messie. Ihre Wohnung ist dermaßen zugemüllt, dass sich Mitmieter über Geruch und Ungeziefer beschwerten, Mietminderung forderten und sie die Wohnung wahrscheinlich verliert. Eine Mieter-Beauftragte vom Wohnungsbau, die sowohl meine Mutter als auch mich gut kennt, hat mich - unerlaubterweise ??? - darauf angesprochen. Damit ich als Sohn vielleicht helfen und vermitteln könne. Ich habe mich da rein ziehen lassen, obwohl es mich als Sohn, der eine eigene Wohnung hat, eigentlich nicht wirklich betrifft. Heute war ich bei meinem Hausarzt, der zufällig auch der meiner Mutter ist. Er sprach mich - unerlaubterweise ??? - darauf an, dass die Mieter-Beauftragte ihn kontaktierte, damit er meiner Mutter Hilfe "besorgt". Ich solle versuchen, sie dazu zu bewegen, zu ihm zu gehen, damit er ihr Hilfe empfehlen kann. Ein sehr heikles Thema. Hätte die Mieter-Beauftragte mich überhaupt kontaktieren dürfen? Meine Mutter hat allerdings niemand anderen, was aber nicht zwangsläufig diese Indiskretion entschuldigt. Allerdings geht es auch um "alles" für meine Mutter. Denn wenn sie die Wohnung verliert, ist es sehr ungewiss, wie es für sie weiter geht, da sie auch am finanziellen Existenzminimum lebt. Und was den Arzt angeht: Schweigepflicht... natürlich WEISS ich von dem Problem meiner Mutter. Aber ich weiß, dass die Schweigepflicht sogar bei Verwandten sehr, sehr streng ist. Und über die Ausnahmen davon lässt sich streiten und wird auch immer wieder fleissig gestritten.

Das Messie-Syndrom als Krankheit allein ist vielleicht kein Grund, diese Schweigepflicht zu brechen, oder? Wie sieht es mit der Tatsache aus, dass eben die akute Gefahr des Rauswurfs besteht? Auch muss ich persönlich sagen, dass ich sehr böse Konsequenzen befürchte, wenn meine Mutter ihre Wohnung und ihr gewohntes Umfeld verliert. Nichts desto trotz... ich bin nur ihr Sohn. Ich möchte ihr helfen, möchte ihren Rauswurf verhindern. Aber ich will auch keine Grenzen überschreiten oder durch mein Einmischen gar etwas Falsches bei ihr auslösen. Hab ich wohl schon, weil ich mich hab anlabern und da hinein ziehen lassen. Ich habe keine Ahnung, wie ich weiter vorgehen soll. Ob ich vermitteln soll oder einfach komplett mich da raus halten soll. Aber mal angenommen sie verliert die Wohnung und tut sich etwas an... dann gebe ich mir doch die Schuld, dann.

Detaillierteres:

Meine Mutter ist 60, ich bin 33. Ihr Ordnungsproblem begann mir aufzufallen, als ich 14 Jahre halt war. Sprich: Aus meiner Perspektive hat sie das Problem schon fast 20 Jahre. Mein Vater, zu dem ich neulich nach über 10 Jahren wieder Kontakt gesucht habe, meinte sogar, das Problem hätte sie schon vor meiner Geburt gehabt. Im Laufe der Jahre, solange wir drei noch zusammen wohnten, beschränkte sich das Problem immer nur auf einzelne Zimmer. Meistens die Küche. Nachdem mein Vater anfing, im Wohnzimmer auf der Couch zu schlafen, ging die Unordnung auch im Schlafzimmer los. Dann kam die Scheidung und ich war mit meiner Mutter alleine. Und es wurde schlimmer, griff auf die ganze Wohnung über, mit Ausnahme von meinem Zimmer, natürlich. Meine Versuche, zu helfen oder Aufzuräumen halfen nicht. Ich wurde sogar oftmals wüst beschimpft, nachdem ich z.b. in ihrer Abwesenheit die Küche sauber machte. Mit 30 bin ich ausgezogen, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Und natürlich, weil man in dem Alter Privatsphäre möchte. Dann wurde es bei meiner Mutter noch schlimmer.

Auch mein altes Zimmer hat sie komplett zugemüllt. Erwähnenswert ist, dass sie zwar nicht wirkliche Sammelwut hat, also keine tausend Kaffeemaschinen bei sich stehen hat, aber sich nicht von Sachen trennen mag, da sie diesen Wert beimisst, die die Sachen nicht haben. Finanzieller Wert. Am Schlimmsten aber ist die völlige Vermüllung der Wohnung. Schüsseln mit Essen stehen so lange herum, bis nur noch eine breiige Masse voller Maden übrig ist. Müll, der zu Boden fällt, bleibt dort und verschwindet unter Kleidung, wird fest getrampelt. Riesige Schwärme von Fruchtfliegen schwirren in der ganzen Wohnung herum. Dies lockt Spinnen an, deren Netze überall zu sehen sind. Meine Besuche bei ihr wurden nach meinem Auszug sehr schnell sehr selten, weil sie spontane Besuche nicht mehr wollte. Nur noch Weihnachten, Silvester und ihr Geburtstag. Und irgendwann habe ich mich bei diesen Besuchen erschrocken. Ein Weihnachtsbaum inmitten von Müllbergen. Kleine Pfade durch den Dreck. Und dann irgendwann... fielen auch diese Besuche weg. Zuerst mit Ausreden: "Mir geht es nicht gut." Letztes Jahr Weihnachten haben wir bei mir gefeiert, Silvester fiel aus. Am traurigsten fand ich aber, dass wir zu ihrem 60sten nur auf einen Kaffee in der Stadt waren.

Als ich noch bei ihr wohnte, war es sehr schwer für mich. Lange habe ich die Situationen meinen Freunden verschwiegen. Irgendwann aber habe ich ihnen es erklärt und mich dennoch geschämt, wenn sie vorbei kamen. Für meine Mutter aber ist es noch schlimmer. Nach der Scheidung lernte sie einen echt netten Mann kennen und war auch einige Jahre - etwa 7 - mit ihm zusammen. Es wurde etwas besser, aber nie dauerhaft. Dann irgendwann wurde es sogar wieder schlimmer und er hat Schluss mit ihr gemacht. Es wurde wieder schlimmer. Sie ist total isoliert. Kann keine Freundinnen zu sich einladen, keine Verwandte. Ich glaube, nicht einmal ihre beste Freundin weiß von ihrem Problem. Wobei... sie durchaus selber müffelt, was normal ist bei so einer Umgebung. Sie selbst riecht es nicht mehr, ihre Nase hat sich daran gewöhnt.

Letztes Jahr hatte ich etwas Stress mit dem Wohnungsbau und infolge dessen sprach mich die Mieter-Beauftragte mal darauf an: Wie es denn bei meiner Mutter aussähe. Ich war sehr überrascht zu hören, dass es wohl Beschwerden gab. Deshalb hatte der Wohnungsbau eine Reinigungsfirma beauftragt, welche die Wohnung wohl für 1000 Euro säuberte. Auch schickte man ihr eine Therapeutin, die aber wohl nur 2 mal bei ihr war, ehe meine Mutter ihr schon nicht mehr die Tür öffnete. Im selben Zeitraum sprach meine Mutter vom Tapezieren und ich dachte, es würde endlich besser werden. Allerdings hat sich heraus gestellt, dass sie die tapezierte Wohnung wieder hat vermüllen lassen und die Reinigung umsonst war. 1000 Euro Schulden für nichts. Mir war damals schon klar, dass es irgendwann böse enden würde. Und vor einigen Wochen war es dann soweit: Ein Anruf von der Mieter-Beauftragten. Beschwerden. Ich bot meiner Mutter Hilfe an, in Form von Müll-Entsorgung. Des nachts haben wir im Schutz der Dunkelheit Müll entsorgt. Über mehrere Tage und Wochen hin, wann immer die Müllcontainer leer waren. Bestimmt 20 prall gefüllte Säcke, mindestens.

Aber sie hat den Wohnungsbau immer und immer wieder vertröstet, hat sich immer wieder Ausreden einfallen lassen, die nicht in die Wohnung zu lassen. Und nun ist der Rauswurf halt fast unabwendbar. Der Anruf beim Arzt wohl der letzte, gutmütige Versuch vom Wohnungsbau, die Hand noch schützend über meine Mutter zu halten. Das ist der Stand der Dinge.

Fazit:

Ich stehe gerade einfach zwischen zwei Fronten. Und sicher halten mich so einige hier für hinterhältig, weil ich quasi mit Dritten (Wohnungsbau und Arzt) über den Zustand meiner Mutter rede, obwohl ich eigentlich ein Unbeteiligter bin. Klar, ich bin ihr Sohn. Aber ich bin nicht für sie verantwortlich. Sie ist erwachsen. Mehr als Hilfe anbieten sollte ich vielleicht nicht tun. Und auch das ist keine Freude. Sie lässt mich nicht in ihre Wohnung, kriegt auch nach 20 entsorgten Mülltüten kaum die Wohnungstür auf. Der Gestank ist schon im Hausflur bestialisch.

Aber sie hat eben niemanden sonst. Niemand weiß davon. Zumindest nicht offiziell, immerhin spricht ihr Körpergeruch für sich. Ich möchte ihr helfen, kann mir aber vorstellen, dass meine Versuche, zu helfen und zu vermitteln sie auch bedrängen könnten. Sie schämt sich ja auch, ist unsicher. Neulich abend meinte sie zu mir, dass sie definitiv Hilfe braucht, jemanden zum Reden. Sie meinte zu mir, sie fühle sich nutzlos, "dass sie niemand braucht". Gleichzeitig aber sieht sie sich noch immer nicht als Messie und will die Unordnung alleine bewältigen.

Was soll ich also machen? Mich heraus halten und meine Hilfe auf das nötigste beschränken? Oder doch zu sehen, dass ich weiter vermittle? Versuchen, sie zu einem Arzt zu bewegen? Ich möchte mich nicht in ihre Angelegenheiten einmischen. Aber ich möchte auch nicht, dass sie die Wohnung verliert, ihre gewohnte Umgebung. Ich halte sie für stellenweise durchaus labil. Sie hat wenige Hobbies. Schon bei der Scheidung damals hatte sie suizid-Gedanken. Ich möchte nicht, dass sie sich was antut. Möchte nicht, dass sie die Wohnung verliert. Ich weiß aber auch, dass Wohnungsbau und Arzt eher unerlaubt mit mir gesprochen haben. Keine Ahnung, wie ich mich verhalten soll. Gute Absichten können ja auch ganz andere Auswirkungen auf meine Mutter haben. Nachher sieht sie mich als Feindbild an und macht gänzlich dicht.

Antworten
NUordPi84


Im Prinzip hast du recht, deine Mutter ist erwachsen und sollte in der Lage sein um Hilfe zu bitten. Ist sie aber nicht. Auf der einen Seite schämt sie sich sicher für die Zustände in ihrer Wohnung auf der anderen Seite ist sie aber auch psychisch Krank und wird alleine nicht aus dieser Krankheit raus kommen.

Ich denke das ist auch der Grund wieso der Arzt dich direkt angesprochen hat. Wenn sie nicht freiwillig zu ihm geht hat er sonst keine Chance um an sie ran zu kommen. Und kommt er nicht an sie ran und bewegt sie zu einer Therapie dann verliert sie ihre Wohnung eher Heute als Morgen.

Du musst für dich selbst wissen wie weit du hier eingreifen sollst. Ja, deine Mutter wird sauer auf dich sein weil du sie "verraten" hast, alternativ ist sie sauer weil du ihr nicht geholfen hast und sie jetzt obdachlos ist. Egal wie, du musst dich auf jeden Fall deutlich von ihr abgrenzen und darfst sie (in meinen Augen) z.B. auf keinen Fall bei dir aufnehmen wenn sie ihre Wohnung verliert. Ebenso darfst du dir mögliche Beschimpfungen (wenn du eingreifst) nicht zu Herzen nehmen, am Ende weiß sie einfach nicht was sie sagt.

Ganz klar ist: Wird ihr nicht geholfen landet sie auf der Straße und geht zugrunde. Ob die nötige Hilfe jetzt allerdings von dir, vom Amt oder vom Arzt kommen sollte musst du selbst für dich entscheiden.

cElairJet


Es ist kein Bruch der Schweigepflicht, wenn der Arzt nur möchte, dass du mit der Mutter redest, damit sie zu ihm kommt. Die Information kam ja von außen. Unter Schweigepflicht fällt erst das Gespräch, das er dann mit der Mutter führen würde.

Die Mieter-Beauftragte hat soweit ich weiß keine Schweigepflicht und sie muss halt versuchen irgendwie das Problem zu lösen. Sich an die Angehörigen wenden ist da ein logischer Schritt.

Neulich abend meinte sie zu mir, dass sie definitiv Hilfe braucht, jemanden zum Reden.

Das ist doch schon mal eine gute Basis. Vielleicht könntest du ihr wirklich einen Termin mit dem Hausarzt empfehlen. Ich verstehe, dass du dich ungern einmischen möchtest. Aber von allein wird es nicht besser und der Verlust der Wohnung wäre wohl das Schlimmste was ihr passieren kann.

ELhemaligzer NutzeBr (#5454v2x1)


Ich denke, dass hier Schweigepflicht und Fürsorgepflicht des Arztes heftig miteinander gerungen haben, und der Arzt sich dann für die Fürsorgepflicht entschieden hat... er hat schliesslich "die Verantwortung" für die Gesundheit Deiner Mom. Und dass der Zustand der Wohnung gesundheitsgefährdend ist, steht bei Deinen Schilderungen ausser Frage.

Vielleicht kannst Du versuchen, in Zusammenarbeit mit Arzt, Vermieter, evtl einer caritativen Einrichtung, psychiatrischen Fachkräften und Deiner Mom einen Weg finden, sie aus dieser Lage "zu befreien". Kann sie denn erkennen, dass sie ein Problem hat, würde sie Hilfe annehmen ?? Denn nur dann kannst Du ihr helfen.

Ich stimme Nordi zu - bei Dir aufnehmen auf keinen Fall, klare Abgrenzung zu ihrer Wohnsituation. Aber ihr zeigen und sagen.. wenn sie Hilfe will, wirst Du ihr helfen.

StunfloEwer_x73


Hier spielen letztlich zwei Aspekte eine Rolle, die man miteinander abwägen muss: 1. Ist Schweigepflicht das, was der PATIENT dem ARZT erzählt hat? DAS darf er keinesfalls weitergeben. Weitergegeben wurde hier nur eine Kontaktaufnahme und die Bitte an Dich, auf deine Mutter einzuwirken. Das Problem scheint ja zudem so öffentlich zu sein UND die Wohnungsverwaltung den Hausarzt zu kennen, dass man kaum von Bruch der Schweigepflicht sprechen kann.

Hinzu kommt zudem massiv der Aspekt der Eigen- bzw. Fremdgefährdung. "Seuchenrisiko". Auch das erlaubt einige Maßnahmen.

Worum geht es Dir eigentlich? Deiner Mutter zu helfen und die Situation mitzuregeln - oder mögliche Brüche der Schweigepflicht? WILLST Du überhaupt involviert sein? Klingt für mich im Subtext nämlich etwas fraglich...

ERhemali{ger, Nutze.r (#&4790x13)


@ Sashman82

Das Messie-Syndrom ist nicht nur persönliches Problem, das niemanden sonst betrifft, sondern es geht von so einer zugemüllten Wohnung eine erhöhte Brandgefährdung aus. Deswegen würde ich wegen Schweigepflicht usw. mal besser die Kirche im Dorf lassen, da die Mieter-Beauftragte offensichtlich auf die für deine Mutter schonendste Maßnahme aus war.

Lc.va^nPexlt


Ich denke, Du machst Dir selbst ganz schön was vor. Denn Dein Text liest sich so, dass Du ihr gar nicht helfen willst, eigentlich gar nichts damit zutun haben willst, denn Du bist ja "nur" ihr Sohn.

Ich kann mir vorstellen, dass bei Dir auch einiges im argen ist, denn es wird möglicherweise nicht spurlos an einem vorüber gehen, bei jemanden mit einer solchen Problematik aufzuwachsen. Auch, dass Du erst mit 30 ausgezogen bist, ist in meinen Augen ein Indiz dafür.

Ich möchte Dich nicht verurteilen, denn ich kenn' Dich ja nicht. Dass sowohl der Arzt als auch die Mieter-Beauftragte nur ihrer beruflichen wie menschlichen Pflicht nachgekommen sind und keineswegs ihre Schweigepflicht gebrochen haben, wurde ja bereits erläutert, womöglich bist Du gerade in einer Lebensphase, in der für Dich bedeutsam ist, Dich von Deiner Mutter abzugrenzen - wenn auch etwas spät. Nur hat diese (zwar nötige persönliche) Entwicklung zum jetzigen Zeitpunkt unter Umständen fatale Folgen für Deine Mutter.

Die Eltern meiner Geschwister und mir sind auch nicht ganz unproblematisch und dennoch würden wir bei derartigen Problemen konsequent eingreifen. Rechtlich ist es übrigens auch so, dass bei direkten Verwandschaftsverhältnis eine Unterhaltspflicht besteht - auch gegenüber den Eltern von Seiten der Kinder. Rechtlich stehst Du also ein Stück weit in der Verantwortung. Moralisch in meinen Augen sowieso.

Ich an Deiner Stelle würde mich also der Sache annehmen, aber niemals allein oder ausschließlich persönlich - denn das würde meine Fähigkeiten bei weitem überschreiten, sondern bei und mit entsprechenden Stellen.

Suunflozwer_\73


Guter Ansprechpartner wäre auch der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes. Die machen Hausbesuche (Option, kein Muss) und sind ein relativ niedrigschwelliges Angebot. Mit Zugang zu entsprechenden Hilfsangeboten und einigen rechtlichen Kenntnissen.

Ggf. werden die sogar von der Hausverwaltung informiert, wenn nichts weiter passiert und man als Vermieter nicht einfach nur jemandem rauswerfen will. Diese Mieterbetreuer sind da nämlich durchaus ein Zeichen, dass es nicht einfach um Rauswurf geht, sondern um Problemlösung. Und man halt erkennt, dass Messie-Verhalten eine Krankheit ist.

CharamCala x2


Es wurde schon vieles gesagt zur Schweigepflicht ect.

Dieser Satz hier, der sagt für mich vieles aus: "dass sie niemand braucht" Doch es braucht sie jemand und zwar sie selbst braucht sich. Wenn ich die anderen Zeilen von dir lese, Sashman, dann kann deine Mutter nur dann einigermaßen funktionieren, wenn sie für andere da sein kann, ansonsten ist ihr das Leben nicht viel wert. Das ist schlimm und es gibt nicht wenige Menschen, die ein solches Denken haben, kenne selbst welche. Sie funktionieren nur für andere, für sich selbst wollen sie nichts tun. Da kann ein guter Therapeut helfen, denn in erster Linie muss man für sich selbst ganz da sein können und erst dann kann man auch anderen etwas geben.

SJa shmSanx82


Danke für die Antworten.

Nun, natürlich möchte ich meiner Mutter helfen. Sie ist schließlich auch immer für mich da gewesen, hab sie schließlich lieb und will weder, dass sie aus der Wohnung fliegt, noch, dass sie sich als Konsequenz davon doch etwas antut oder dass ich sie mal tot inmitten von Müllbergen finde. Ich möchte, dass es ihr gut geht und dass sie ihr Problem in den Griff bekommt. Denn das ist ein Teufelskreis, der ihr Schmerz bringt und dieser Schmerz macht das Aufraffen und Aufräumen nicht einfacher.

Sie bei mir aufnehmen würde ich nicht. Aus verschiedenen Gründen. Ich brauche meine Privatsphäre, hab nicht einmal annähernd den Platz. Das würde nicht einmal kurzfristig gut gehen. Umso wichtiger, dass es nicht so weit kommt.

Bezüglich des Wohnungsbaus und der Mieter-Betreuerin und dem Arzt kann man halt sagen, dass es eben gut gemeint ist, das Ganze. Der Wohnungsbau könnte ja auch einfach auf einen Rauswurf pochen, zur Not über einen Anwalt. Mich zu kontaktieren und später noch einen Arzt ist definitiv besser als sie einfach eiskalt rauszuwerfen.

Hatte gerade ein längeres Telefonat mit ihr und habe ihr einfach mal geschildert, dass ich nicht möchte, dass sie sich hintergangen fühlt, weil ich mit Wohnungsbau und Arzt gesprochen habe. Habe ihr aber auch mein bisheriges Handeln damit begründet, dass ich eben der einzige bin, der die ganze Wahrheit kennt und ihr eben helfen möchte. Und das es eigentlich gut ist, wenn ich Bescheid weiß, damit ich auch als Ansprechpartner für alle Beteiligten fungieren kann und vermitteln kann. Habe sie überredet, dass ein gemeinsamer Besuch beim Hausarzt morgen früh eine gute Idee wäre.

Da hatte sie direkt Angst, dass uns jemand sieht, der uns kennt. Aber da kann man sich ja zur Not eine Notlüge einfallen lassen, die sie überhaupt nicht betrifft. Klar, sie hat Angst, dass ihr Bekanntenkreis davon erfährt. Aber angesichts des Geruchs, der an ihrer Kleidung haftet, vermute ich, dass die eh schon etwas ahnen müssen. Ich bin sehr gespannt, ob sie morgen wirklich mit mir zum Arzt geht. Es wäre halt eine gute Möglichkeit, an Telefonnummern zu kommen, wo sie richtige Hilfe bekommt. Und den Wohnungsbau würde es wohl auch beruhigen, wenn die erfahren, dass meine Mutter sich helfen lässt.

Aber es ist auch nicht einfach für sie, Ordnung in das Chaos zu bringen. Sie arbeitet, hat noch dazu einen Nebenjob. Sie steht früh auf, hat nur Mittags ein kurzes Zeitfenster wo sie auch eher wenig schafft. Abends ist es ähnlich, da ist sie nach einem Tag voller Arbeit kaputt. Wenig Zeit, etwas im Haushalt zu machen. Sie ist "alte Garde" und geht auch noch mit Fieber arbeiten, leider. Wie viel mehr sie schaffen würde, wenn sie sich per Krankenschein mal eine Auszeit gönnen würde... Aktuell hat sie ein bös entzündetes Auge. Kein Wunder wohl, bei dieser Umgebung. All der Dreck in ihrer Wohnung, all die Fliegen. Sie meinte, die Augenärztin hätte ihr heute einen "roten Faden" aus dem Auge gezogen. Hoffentlich war es wirklich nur ein roter Faden. Meine Phantasie geht da irgendwie mit mir durch, grad.

Jedenfalls werde ich versuchen, ihr weiter zu helfen. Eure Antworten haben mir sehr geholfen, weil ich mir echt nicht sicher war, ob das Ausmaß der Kommunikation zwischen mir, dem Arzt und dem Wohnungsbau "gut" ist. Aber es ist ja tatsächlich so, dass die Gründe eben für sich sprechen. Hat mir auch mal sehr geholfen, mich detailliert mitteilen zu können. Trotz guten Willens bin ich ja auch nur ein Mensch und kein Fachmann, kein Arzt. Mal schauen, wie es weiter geht.

Auch hat sie eingesehen, dass eine regelmäßige Kontrolle wichtig ist, sei es nun durch den Wohnungsbau oder durch mich.

dXie_@nase+wei:se


Deine Mutter scheint wirklich Hilfe zu brauchen und scheinst nicht in der Position und Lage zu sein, ihr diese zu geben (was jetzt überhaupt kein Vorwurf sein soll, sondern eine Tatsache).

Ich würde an deiner Stelle eine gesetzliche Betreuung für sie beantragen. Drohender Verlust der Wohnung aufgrund einer psychischen Erkrankung ist ein Grund, sogar für eine Eilbetreuung. Ob eine Erkrankung vorliegt oder welche würde dann in einem Gutachten geklärt. Ein Betreuer hätte dann automatisch alle nötigen Vollmachten, sich um die Dinge zu kümmern.

P(lüsRchLbiesMt


Betreuung bedeutet Entmündigung.

Ob ihr das gut tut?

E!hemali(ger oNutz5er (#47P9}01x3)


Betreuung bedeutet Entmündigung.

Falsch.

Spunfl"ow#er_73


Schließe mich mit Nachdruck DoN_ an.

P^lüsc@hbiexst


Was soll es denn sonst sein?

Ein Richtet kann doch eine Betreuung anordnen und sie hätte kaum Chancen der zu entgehen.

Oder kann sie immer in jedem Fall SELBST entscheiden was passiert?

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