» »

Schicksal - oder vom "zulässigen" Maß an Ungerechtigkeit...

pKelzEtiexr86 hat die Diskussion gestartet


...Natürlich ist es völlig irrational zu glauben, dass es überhaupt ein "zulässiges" Maß an Ungerechtigkeit gebe; ein Blick in die Nachrichten sagt dem Verstand, dass dafür keine Grenze existiert. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass selbst ein sich über die Irrationalität dieser Annahme bewusster Verstand dem Gefühl der maßlosen Ungerechtigkeit unterlegen ist. Welchen Sinn hat es allerdings noch gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen und Mitleid für Menschen zu empfinden, wenn es (rational gesehen) keine Grenze für widerfahrenes Leid und Ungerechtigkeit gibt, gleichzeitig jedoch das Gefühl vorliegt, dass es eine geben müsse und man selbst jene "maßlose" Ungerechtigkeit des eigenen Schicksals empfindet? Warum sollten "die anderen" weniger leiden und weniger Ungerechtigkeit erfahren als man selbst?

Aus Gründen des Eigenschutzes muss man annehmen, dass man kein Einzelschicksal ist, sondern nur eines unter vielen, das keinerlei Einzigartigkeit aufweist. So gesehen hat das Einzelschicksal keine Bedeutsamkeit, und man kann und muss ihm wie Mutter Natur indifferent begegnen. Die Alternative wäre lediglich, jedes Einzelschicksal individuell zu betrachten und ihm eine individuelle Bedeutung zu geben. Das wiederum würde zu einem schwerwiegenden Gewichtungsproblem führen, weil nun einmal Schicksale nicht gleich sind, ja sein können, und man müsste sich dann fragen: ist mein Schicksal wichtiger als das der anderen? Oder ist das Schicksal eines anderen gewichtiger, bedeutsamer als das meinige? Beantwortet man die erste Frage mit "Ja", so muss man sich wiederum fragen, worin die Bedeutsamkeit liegt, und was der Sinn des eigenen Schicksals ist, welcher oftmals nicht zu erkennen ist, wenn man sich nichts vormacht. Beantwortet man jedoch die zweite Frage mit "Ja", dann muss man zwangsläufig annehmen, dass das eigene Schicksal eine Art Bestrafung darstellt, welches eine Annahme ist, die mit psychischer Unversehrtheit nicht in Einklang zu bringen ist. Zwischen diesen Alternativen existiert keine dritte Antwortmöglichkeit, wenn die Voraussetzung sein soll, dass ein Einzelschicksal bedeutsam sein soll.

"Die" Juden haben sich als "Kollektiv" für den ersten Weg entschieden, und sich erfolgreich eine besondere Bedeutung als Volk, als Gottes auserwähltes Volk, eingeredet. Das hat dem Judentum sicherlich die Identität trotz ständiger Verfolgung und Diaspora bewahrt, und vielen Juden das Ertragen des eigenen Schicksal erleichtert sowie ihren Schicksalen einen Sinn gegeben.

Der zweite Weg führt über kurz oder lang in die Psychiatrie.

Bleibt also eigentlich nur, die Bedingung für die Überlegung zu ändern, nämlich die Bedeutsamkeit eines Einzelschicksals.

Was bedeutet: mein Schicksal ist ebenso scheißegal wie das Schicksal meines Nachbarn, der zum zweiten Mal eine Ehefrau verloren hat, oder das Schicksal des am Hungertod sterbenden Babys in Afrika. Leben an sich hätte dann keinen besonderen Sinn, um nicht zu sagen gar keinen. Noch nicht einmal den Sinn der Existenz. Es ist einfach da - oder eben nicht. Mehr nicht.

Wohlgemerkt: ich spreche hier nicht von der Bedeutsamkeit des Menschen und seines Schicksals für einen nahestehenden Menschen. Dann sieht die Sachlage natürlich anders aus.

Nein, ich beziehe mich auf die "große Bühne", auf die metaphysische Ebene.

Und das natürlich nicht ohne einen gewissen emotionalen Bezug, weshalb man mir eventuell vorhandene argumentative Fehler und das Zusammenwerfen verschiedener Aspekte, die man unter Umständen separieren könnte um zu einer anderen Schlussfolgerung zu gelangen, verzeihen möge. In letzterem Fall kann es jedoch auch eine Diskussionsgrundlage sein.

Was nichts anderes heißt als: wie sehen andere dieses Problematik? Sehen andere überhaupt eine Problematik?

Wer Lust hat etwas beizutragen, kann das gerne tun...

auch wenn ich aus Erfahrung weiß, dass vermutlich einige wieder nichts oder nur wenig mit dem Inhalt des Textes und/oder dem Schreibstil werden anfangen können...

p.s.: nur zum besseren Verständnis: Schicksal definiere ich hier meist konkret als das Widerfahren von negativen Ereignissen.

Antworten
Ejhemcali"ger 'Nutzerx (#530218)


Für mich kann beides gut vereinbar nebeneinanderstehen:

Dass Einzelschicksale insgesamt betrachtet auf das Kollektiv bezogen bedeutungslos sind (so wie das Leben einer einzelnen Ameise im Ameisenstaat), und dass gleichwohl auf das Individuum bezogen dessen Lebensschicksal einen hohen Wert hat/haben kann.

Das wiederum würde zu einem schwerwiegenden Gewichtungsproblem führen, weil nun einmal Schicksale nicht gleich sind, ja sein können, und man müsste sich dann fragen: ist mein Schicksal wichtiger als das der anderen?

Für dich ist dein Schicksal von zentraler Bedeutung oder nicht? Du lebst es ja jeden Tag, jede Stunde, jede Minute ... .

Das behindert sich nicht damit seine eigenen Belange vorübergehend zu Gunsten anderer Einzelschicksale zurückzustellen. Es steht dir ebenso frei dich für andere zu opfern, wenn du das tun willst.

Oder ist das Schicksal eines anderen gewichtiger, bedeutsamer als das meinige?

Mein Schicksal ist mir mehr oder weniger wichtig, für andere muss es nicht wichtig sein. Für die ist deren Schicksal (mehr oder weniger) wichtig/zentral ohne dass es das auch für mich sein muss.

R`al:ph_OHH


Hui. Ein tolles Thema. Ganze Religionen, Philosphien gründen darauf.

Ich würde nicht vom Schicksaal im eigentlichen Sinne sprechen, denn das suggeriert irgendwie, daß das vorherbestimmt ist, gelenkt, daß man eine Bahn einschlägt, die unabänderlich ist. Ich halte das ganze Leben für mehr oder weniger zufällig. Angefangen von der Geburt. Der eine wird in ärmlichsten Verhältnissen im Dreck geboren, der andere im puren Luxus. Das setzt sich fort über die Gesundheit, tragische Unfälle, ungleich verteilten Reichtum bis in den Tod, wo einer jahrelang leidet, während der andere einfach tot umfällt.

Diese Ungerechtigkeit schreit zum Himmel und ich habe dabei ein grosses Stück meinen Glauben verloren. Im christlichen Glauben erzogen, konfirmiert, kirchlich geheiratet, immer gläubig, habe ich mich irgendwann gefragt: Kann das sein? Kann es einen Gott geben? Was soll die Geschichte von Daniel in der Löwengrube, der im unendlichen Gottvertrauen überlebt, während heute in der Welt unschuldige Kinder ermordet, vergewaltigt, versklavt werden? Wenn es Gott gibt, ist ihm das alles egal? Dann ist er nicht anbetungswürdig.

Nach dem Sinn zu suchen ist sinnlos. Es ist so, es wird sich nie ändern. Ich versuche mir immer wieder bewusst zu werden, daß wir ein unendliches Glück haben, hier im Frieden und Wohlstand zu leben und eigentlich keinen Grund haben auch nur über irgendetwas zu schimpfen.

Was mir allerdings nicht in den Sinn kommt, ist ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich freue mich über mein Glück, ich bemitleide die armen Wesen, die nichts haben, aber ich schlafe dennoch ruhig. Ich bemühe mich meinen Teil dazu zu tun, daß ich niemanden ausbeute. Wobei ich oft denke, wenn 50% meines Gehaltes für Steuern und Sozialabgaben anderen zu gute kommen, dann ist das eh schon eine Menge.

pvelz`tier8/6


Für mich kann beides gut vereinbar nebeneinanderstehen:

Dass Einzelschicksale insgesamt betrachtet auf das Kollektiv bezogen bedeutungslos sind (so wie das Leben einer einzelnen Ameise im Ameisenstaat), und dass gleichwohl auf das Individuum bezogen dessen Lebensschicksal einen hohen Wert hat/haben kann.

Für dich ist dein Schicksal von zentraler Bedeutung oder nicht? Du lebst es ja jeden Tag, jede Stunde, jede Minute ... .

Natürlich empfinde ich mein Schicksal als zentral, und daher empfinde ich auch eine maßlose Ungerechtigkeit meines Schicksals. Aber mir geht es hier bei der Problematik nicht um eine Empfindung, sondern um eine möglichst "objektive" Beurteilung, quasi so, als versuche man sich selbst von außen oder im Spiegel zu betrachten (was natürlich nur bedingt funktioniert).

Wenn ich mein Schicksal als zentral empfinde, dann gebe ich ihm Bedeutung aufgrund dieser Empfindung, nicht aber aufgrund eines Zustands, der "beim Blick in den Spiegel" vorhanden wäre - auch wenn man sich losgelöst vom Kollektiv betrachtet.

Das behindert sich nicht damit seine eigenen Belange vorübergehend zu Gunsten anderer Einzelschicksale zurückzustellen.

Natürlich behindert die hohe Gewichtung des eigenen Schicksals nicht dabei das Schicksal der anderen ebenso oder zeitweise gar mehr zu gewichten.

Aber das wären ja schon zwei Schritte, die ich gar nicht gehen kann, weil ich dafür keine Begründung in der "Außenperspektive" finden kann. Nicht weil ich ich bin (dann wäre es ein Problem von mangelndem Selbstbewusstsein), sondern weil mein Schicksal, wenn ich mich von außen betrachtete (jedoch nicht aus der Perspektive des Kollektivs) einfach keine Bedeutung hat.

Die einzige Bedeutung, die es haben könnte, wäre eine Bedeutung, die ein Gott ihm zuspricht.

Und wenn man einen Gott als Bedingung benötigt, werden die Probleme nicht kleiner, sondern eher größer - siehe Ralphs Post.

Und wenn ich wiederum meinem Schicksal keine Bedeutung zusprechen kann, dann ist auch das Schicksal anderer bedeutungslos - nicht nur für mich persönlich, sondern auch aus der "Metaperspektive". Aus der emotional-egozentrischen Perspektive ist natürlich das eigene Schicksal immer das Gewichtigste, zumindest für die meiste Zeit des Lebens, und ich messe den Schicksalen anderer unterschiedliche Bedeutung bei. Das tangiert aber nicht den Kern der Problematik.

Selbst wenn ich (oder irgendwer sonst) allein auf der Welt wäre und somit kein Kollektiv als Bezugsgröße vorhanden wäre, hätte mein Schicksal trotzdem keinerlei Bedeutung, wenn ich mich von außen betrachten würde - solange ich nicht von einem Gott ausgehe, der mich mit Intention erschaffen hat und der sich um mein persönliches Schicksal schert.

#sfc-5bohnePnloxs


Selbst wenn ich (oder irgendwer sonst) allein auf der Welt wäre und somit kein Kollektiv als Bezugsgröße vorhanden wäre, hätte mein Schicksal trotzdem keinerlei Bedeutung, wenn ich mich von außen betrachten würde - solange ich nicht von einem Gott ausgehe, der mich mit Intention erschaffen hat und der sich um mein persönliches Schicksal schert.

pelztier86

So gesehen hat die gesamte Menschheit keine Bedeutung, egal von wo aus man die Sache betrachtet und egal, wie es den Menschen geht. Selbst wenn die Erde vergehen würde, wäre das für das All egal. Das würde weiterbestehen.

Also für das All sind wir bedeutungslos. Hat für das All überhaupt irgendwas eine Bedeutung? Das All IST einfach und verändert sich ständig, im All sind die Veränderungen nicht richtig oder falsch, nur Fakt und halt Veränderung.

Ich denke auch immer wieder über diese Theorie der ständigen Wiedergeburt nach. Die hat auch keinen Sinn, könnte aber trotzdem Fakt sein, wie vieles andere, was es wirklich gibt und keinen Sinn hat. Ab wann hat überhaupt irgendetwas einen Sinn?

Unsere Existenz scheint keinen Sinn zu haben...Sinn gibt es nur auf kleinen Strecken, da, wo es einen Willen gibt und bestimmte Ziele erwünscht sind, z.B.: wenn ich im Regen nicht nass werden will, macht es Sinn einen Schirm zu benutzen.

Solche Dinge zum Beispiel.

Bei Themen dieser Art kann man sich grün und blau denken und kommt doch nirgendwo wirklich an.

EVhDemalige0r Nuqtzer (z#53x0218)


Was stört dich denn daran, wenn dein Schicksal von Außen betrachtet keine Bedeutung hat? (Es wirkt so auf mich als ob du irgendwie mit etwas daran hadern würdest)... Hat es ja auch nicht, wenn man nur weit genug rauszoomt von der eingenommenen "objektiven" Perspektive her.

Brauchst du einen von Außen verliehenen Sinn und eine Wertigkeit sowie Wichtigkeit für deine einzelne Existenz und um Anteil an deinem Einzelschicksal zu nehmen?

Ich schätze ich verstehe deine Problematik nicht. Aber vielleicht ist ja Nihilismus etwas für dich? ... Ich finde manches davon sehr interessant.

E-hema6liger mNutzer (m#53021;8)


*nicht nur dein Schicksal, sondern auch das anderer

p4elztiLexr86


Brauchst du einen von Außen verliehenen Sinn und eine Wertigkeit sowie Wichtigkeit für deine einzelne Existenz und um Anteil an deinem Einzelschicksal zu nehmen?

Im "Normalfall" würde ich den vermutlich nicht brauchen. Aber es liegt in der Natur des Menschen Dinge erklären zu wollen, auch (gerade) die, die eigentlich nicht zu erklären sind.

Wenn ich (aufgrund meines Schicksals) keinerlei Voraussetzungen mehr habe, mit denen ich meinem Leben einen Sinn geben könnte, dann ist die einzige Bedeutung, die mein Leben haben kann, eine, die tatsächlich und immer vorhanden ist bzw. von außen gegeben wird - im letzteren Fall nicht durch näherstehende Menschen, sondern durch eine metaphysische Ebene.

Letztlich ist es doch so: auch wenn ich die Bedeutsamkeit allen Seins, und erst recht meiner Existenz, negiere, dann wünsche ich mir trotzdem zugleich, dass diese Verneinung widerlegt wird, und dass es doch eine Bedeutung gibt, die nur gefunden werden muss. Die dann unter Umständen eine Erklärung für mein persönliches Schicksal wäre.

Das ist das ewige Dilemma dieser Fragen, ein ewiger Kampf zwischen Verstand und Emotionen.

Der Nihilismus hat mich in der Tat schon beschäftigt; allerdings muss man bei ihm quasi zwangsläufig depressiv werden, insbesondere, wenn man keine gute Ausgangslage hat.

S0. walVlixsixi


Aber vielleicht ist ja Nihilismus etwas für dich?

Musst ich auch dran denken, aber vielleicht wär's auch "gefährlich" - Ich glaube Nihilismus kann erleichternd oder verzweifelnd wirken. Religiosität wär sicher sicherer.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass selbst ein sich über die Irrationalität dieser Annahme bewusster Verstand dem Gefühl der maßlosen Ungerechtigkeit unterlegen ist.

Ja, es gibt eine Grenze an Leiderfahrung deren überschreiten einen plattwalzt. Ich schätze viele Menschen überschreiten sie nicht nur einmal, sind also wieder aufgestanden und ein "mehr ertrage ich nicht" wurde damit erweitert für den nächsten Mist. Manchmal ist vielleicht auch keine Kraft mehr da.

Welchen Sinn hat es allerdings noch gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen und Mitleid für Menschen zu empfinden, wenn es (rational gesehen) keine Grenze für widerfahrenes Leid und Ungerechtigkeit gibt, gleichzeitig jedoch das Gefühl vorliegt, dass es eine geben müsse und man selbst jene "maßlose" Ungerechtigkeit des eigenen Schicksals empfindet? Warum sollten "die anderen" weniger leiden und weniger Ungerechtigkeit erfahren als man selbst?

Wie kommst du auf andere? Sie und ihr eigenes Leid oder Nicht-Leid sind doch für's eigene Leid ziemlich unerhebeblich. Also ich meine man könnte natürlich neidisch sein, aber das wäre ja letztendlich auch nur eine Auslagerung dessen mit dem eigenen Leid nicht klarzukommen.

Aus Gründen des Eigenschutzes muss man annehmen, dass man kein Einzelschicksal ist, sondern nur eines unter vielen, das keinerlei Einzigartigkeit aufweist.

Und worin liegt daran Eigenschutz?

Die Alternative wäre lediglich, jedes Einzelschicksal individuell zu betrachten und ihm eine individuelle Bedeutung zu geben. Das wiederum würde zu einem schwerwiegenden Gewichtungsproblem führen, weil nun einmal Schicksale nicht gleich sind, ja sein können, und man müsste sich dann fragen: ist mein Schicksal wichtiger als das der anderen? Oder ist das Schicksal eines anderen gewichtiger, bedeutsamer als das meinige?

Das individuelle Betrachten scheint mir äußerst sinnvoll, v.a. dahingehend das eigene als völlig losgelöst von anderen Schicksalen zu betrachten. Das werten dagegen bringt nichts bzw nichts gutes. Also..

Beantwortet man die erste Frage

am besten gar nicht^^ Du scheinst nach Logik zu suchen, aber ich fürchte du wirst da keine finden außer denen die zum übernehmen schon vorgekaut sind, Religion und Co also.

Der zweite Weg führt über kurz oder lang in die Psychiatrie.

Ich schätze es gibt manche die auch damit klarkommen könnten, aber meistens wird das wohl sicher kein gesundes Lebensgefühl erzeugen andere als deutlich wichtiger (sinnvoller, lebensberechtigter) als sich selbst anzusehen.

Ich persönlich versuche da Logik etwas außen vor zu lassen, oder gegenteilige, sich (vermeintlich oder tatsächlich) wiedersprechende Aussagen gleichzeitig als wahr anzunehmen oder Lösungen zu finden um solche Gegensätzlichkeiten zu erlauben. Z.B.: Zwei (mehrere) Personen sind der Mittelpunkt der Welt obwohl es nur einen Mittelpunkt geben kann. Also denke ich entweder gar nicht weiter drüber nach und nehm einfach hin dass trotzdem beides stimmt oder erkläre einfach dass es halt soviele Welten wie Menschen gibt. Im Prinzip ist es nicht wichtig wieso warum. Wichtig ist dass es sich richtig anfühlt und sozusagen zufrieden macht, manchmal brauch ich ne Erklärung und manchmal nicht. Mir scheinen es aber jedenfalls in einigen Fragen eher relativ unlogische Modelle zu sein die zufriedenstellen.

Nein, ich beziehe mich auf die "große Bühne", auf die metaphysische Ebene.

Hm, das lässt doch jede Menge Spielraum, oder nicht? Also da kann man sich doch praktisch alles ausdenken um Lebensbrechtigung zu generieren :-D

Ich hab da seit einiger Zeit so ein Gefühl das mir sagt dass es für mich persönlich das Höchste wäre das nicht zu tun, weder irgendwie spirituell noch weltlich, und versuche auch dementsprechend mein Leben eben nicht extra zu rechtfertigen. Ist aber gar nicht so leicht und möglicherweise gehe ich auch irr und die menschliche Psyche hat sowas definitiv und unausweichlich nötig, ich werd's vermutlich feststellen^^

Leben an sich hätte dann keinen besonderen Sinn, um nicht zu sagen gar keinen. Noch nicht einmal den Sinn der Existenz. Es ist einfach da - oder eben nicht. Mehr nicht.

"Es ist einfach da" - so ist es :-) "oder eben nicht" - so ist es ganz offensichtlich nicht ;-) Leben und seine Verbreitung ist sich meiner Meinung nach selbst der Sinn. Und wir als Menschen können darüber in mehrerlei Hinsicht auch noch entscheiden.

Dem Einzelnen und v.a. dem Leidgeplagten hilft das unter Umständen leider nur außerordentlich wenig. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht ob mir das reicht wenn mir noch irgendein größerer Scheiß passiert, bis dahin finde ich es im Gegenteil sogar sehr entspannend.

Das ist ein sehr interessanter Faden aber wahrscheinlich hilft dir der Beitrag jetzt nicht so weiter. Ich glaub eigentlich wirklich Religion könnte dir hierbei am hilfreichsten sein, aber das liegt dir wahrscheinlich auch nicht so, oder? Nihilismus auch nicht wie ich inzwischen las, hm... Hast du mal beim Buddhismus reingeschaut?

p$elzotie%r8x6


"Es ist einfach da" - so ist es :-) "oder eben nicht" - so ist es ganz offensichtlich nicht ;-) Leben und seine Verbreitung ist sich meiner Meinung nach selbst der Sinn.

Nunja, individuelles Leben wird nun einmal auch immer wieder, auch im großen Maßstab, ausgelöscht, wenn auch "das Leben" bisher "überlebt" hat. ;-D

Ganz abgesehen davon könnte man sich natürlich an diesem Punkt fragen, ob das, was wir als Leben empfinden und für real halten, nicht ein bloßes Abziehbild ist, ein projiziertes Bild einer wo auch immer stattfindenden wie auch immer aussehenden tatsächlichen Realität.

Aber das nur so am Rande ;-)

Das individuelle Betrachten scheint mir äußerst sinnvoll, v.a. dahingehend das eigene als völlig losgelöst von anderen Schicksalen zu betrachten

selbst wenn ich mein Schicksal losgelöst von allen anderen von außen betrachte, ändert das nichts an meiner Schlussfolgerung. Selbst wenn ich nichts habe, mit dem ich mein Schicksal vergleichen kann, so würde ich dennoch eine maßlose Ungerechtigkeit meines für mich zentralen Schicksals empfinden, gleichzeitig mir jedoch über die Nichtigkeit meines Schicksal bewusst sein.

Ich glaub eigentlich wirklich Religion könnte dir hierbei am hilfreichsten sein, aber das liegt dir wahrscheinlich auch nicht so, oder?

Mit Religion als persönlichen Heilsbringer bin ich sozusagen durch. Auch wenn ich religiös erzogen wurde, so kann ich meine Erfahrungen in den letzten 10 Jahren nicht mit dem in Einklang bringen, was gelehrt wird und welches ungefähre Bild ich von einem "guten Gott" im Kopf habe.

Wie du schon richtig erkannt hast suche ich nach Logik, nach einer rational ableitbaren These in dieser Problematik. Was vermutlich ein auswegsloses Unterfangen ist.

Eine Sache, die ich noch nie, auch nicht als Kind oder Jugendliche, akzeptieren konnte als Erklärung für das Leid des Individuums, ist die Hiob-Geschichte.

In den letzten Jahren machen mich diese Geschichte und der darin enthaltene erbämliche Erklärungsversuch geradezu wütend.

Was für eine Antwort ist absolutes Gottvertrauen auf einer der drängendsten Fragen überhaupt? Diese Antwort ist null und nichtig, insbesondere, wenn man sie in Einklang bringen will mit dem Menschen- und Gottesbild, das das Neue Testament vermitteln will. In dem der Mensch eben nicht als willfähriger Untertan ohne eigene Entscheidungsgewalt und ohne freien Willen beschrieben wird. Wie kann diesem aber nicht erlaubt sein, die Frage nach dem Grund und dem Sinn seines unverschuldeten Leidens zu stellen; wie kann dieser sich zufrieden geben mit der Antwort, dass Gottes Wege unergründlich seien, und er sich in absolutem Gottvertrauen üben müsse, weil Gott nur Gutes wolle?

Eine der wenigen starken Stellen der Bibel ist für mich die Erzählung des "ungläubigen" Thomas.

Das hat etwas mit der Realität zu tun, mit der Anerkennung des Menschen als (potentiell) rational denkendes Wesen. Und ist geradezu der Gegenpol der Hiob-Geschichte.

Hiob hätte allen Grund seinen Glauben an den Gott aufzugeben, der ihm nicht einmal die Bedeutung seines Leidens nennen kann, welches als "soziales Experiment" und "Wettstreit" zwischen Gott und Satan beginnt.

Ehrlicher wäre es wenigstens noch, wenn zugegeben würde, dass man das Paradoxon der Theodizee Frage nicht auflösen kann, auch nicht durch die vermeintliche Hintertür des bedingunglosen Gottvertrauens.

REalpth_HH


Gottvertrauen, Glauben hat seine Vorteile. Man ist nie wirklich allein gelassen, kann vertrauen darauf, daß jemand da ist, der die Hand über einen hält. Und man hat die Frage nach dem Sinn des Lebens zumindest ein Stück beantwortet: Man ist Teil eines grossen von Gott gebauten Puzzles. So etwa.

Aus meinen eigenen Erfahrungen müsste ich eigentlich tief gläubig sein. Zwei gesunde Kinder, die Frau dem Tod noch so eben von der Schippe gesprungen, noch zwei Elternteile im hohen Alter... Aber, da geht's mir wie Dir, die Erfahrungen im Leben lassen sich dann irgendwan mit der Vorstellung eines liebenden fürsorgenden Gottes nicht vereinbaren. In dem Fall sind es nicht meine Eigenen Erlebnisse, aber man ist ja auch durchaus in der Lage, zu sehen, was um einen rum passiert. Der Tod eines Freundes 1 Monat vor der Geburt seines 2. Kindes z.B. Der Tod eines Schulkameraden in der 2. Klasse mit knapp 10 Jahren. Wo war Gott?

Die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach Schicksaal, nach Ungerechtigkeit läßt sich damit eigentlich nur so beantworten: Es gibt keinen Sinn. Alles Zufall. Glück. Oder eben Pech. Das menschliche Dasein eine Laune der Natur. Was der Sinn Deines Lebens ist entscheidest Du selbst, mach was draus.

Am Ende kann man sich auch als Mensch einfach besser fühlen, wenn man Nächstenliebe übt, sich auf seine Mitmenschen besinnt und nicht als Egoist durchs Leben geht, dafür braucht man keinen Glauben, kein Schicksaal.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH