» »

Oh weh! Verliebt in den Therapeuten

Fsliede-rgolxd


In meiner Therapie gehts um Ängste, auch die Angst davor sich zu öffnen und dass ich so gemocht werde wie ich bin. Auch, dass ich mich gerne in Schwärmerein begebe, die aber nichts echtes sind, nur etwas, das ich gerne aus der Ferne beobachte. Dass mir das mit einem Menschen passiert, der sonst so völlig aus meinem gewohnten "Schema" fällt, unterstreicht diese Theorie meines Therapeuten natürlich nochmal. Ich denke also schon, dass ich es in dem Zusammenhang ansprechen könnte. Es könnte vielleicht sogar helfen meiner Angst vor Beurteilung und dem "sich fallen lassen" nachzugehen. Andererseits ist es nichts was mich belastet, sondern mich diese Schwärmerei eher ein bisschen trägt. Und ich hätte dann doch Angst mich damit bloßzustellen und unsere Therapeut-Patient Beziehung zu gefährden, wenn das immer im Raum stünde.

@Soroman mit keine Herzchen malen meinte ich das eher in dem Sinne von, dass ich mir da keine Illusionen mache, dass das jetzt ne Liebesgeschichte wird. Aber ja ich wünsche mir von ihm gehalten und aufgefangen zu werden und er berührt mein Herz - das habe ich ihm sogar mal gesagt bzw. geschrieben.

Mwur+txel


Sich in den Therapeuten zu verlieben ist ganz normal. Unnormal wäre es nur, wenn er es erwidern würde. Dann solltest du davonlaufen.

M[ongaxta


Hi Fliedergold,

im Alter von 19 bis 24 war ich in Psychotherapie bei einem Therapeuten. Nach dem ersten Jahr in der Therapie hatte ich mich ebenfalls unglaublich in ihn verliebt (obwohl älter, obwohl unmögliche Chancen).

Ich habe das irgendwie gebraucht. Ich habe abgenommen, um eine bessere Figur zu machen, ich habe mich demonstrativ mit kluger Buchlektüre ins Wartezimmer gesetzt, ich habe sehr viel kokettiert und versucht, "zu landen". ABER ich habe mich auch ganz eigenverantwortlich, nach den ersten sieben Wochen der ultimativen Verliebtheit, in die Therapiestunde gesetzt und gesagt, wie's ist. Dass ich total verknallt sei. Dass ich mir Gedanken um Übertragung und Gegenübertragung gemacht hätte. Dass ich es nun aber kaum mehr aushalte. Ich habe mir dann drei Wochen Therapiepause gewünscht.

Danach war ich zwar immernoch verliebt, aber ich bin damit offen umgegangen und habe mich in meiner Verliebtheit ausgetobt. Und irgendwann kam in mir das Gefühl totaler Abhängigkeit hoch. Ich war es auf einmal leid, ihm gefallen zu wollen, mich so peinlich aufzuführen und mich lächerlich zu machen. Dem Gefühl folgte Hass auf die Abhängigkeit. Es folgten noch viele weitere Phasen und als ich mich meinem Therapeuten gegenüber gefühlsmäßig emanzipiert hatte, da hatte ich plötzlich auch die Sicherheit, insgesamt ein wesentlich bindungsfähigerer und stabilerer Typ zu sein.

Mein Therapeut hat das alles respektiert, war nie übergriffig oder verletzend und ich hatte dadurch die Chance, mir nachhaltg etwas ganz Tolles dadurch zu erarbeiten.

FSlie:dergxold


Mongata, ich finde mich in deinen Beschreibungen wieder! Vielleicht ist es auch Teil des Prozesses, vielleicht kann es mich voran bringen. Denn auch bei ihm versuche ich manchmal meine Maske zu wahren, damit er mich mag, versuche ihm zu gefallen. Das ist ein Muster, was ich von anderen Situationen auch kenne. Und vielleicht würde das etwas aufbrechen. Ich schätze meinen Therapeuten auch rein rational gesehen auch so ein, dass er das niemals ausnutzen würde und dass er mit mir einen guten Weg der Bearbeitung finden würde. Mal abgesehen davon, dass er das sicher eh schon spürt, er kann mich echt wie ein offenes Buch lesen.

[...] (Beitrag auf Wunsch der FS anonymisiert)

SForOom:axn


In meiner Therapie gehts um Ängste, auch die Angst davor sich zu öffnen und dass ich so gemocht werde wie ich bin.

Das halte ich für gewollt so. Dass quasi das Problem, mit dem man anfangs zum Therapeuten kam, in der Beziehung Patient-Therapeut erneut wieder auftritt. Diese Parallel-Instanz zwischen Patient und Therapeut lässt sich bearbeiten. Und das Ziel ist, dass damit auch deine Einstellung zum Ursprungsproblem eine gewisse Entwicklung erfährt, die für dich als Patient günstig im Sinne deiner Therapieziele ist. So habe ich Psychotherapie verstanden.

Ich denke also schon, dass ich es in dem Zusammenhang ansprechen könnte. Es könnte vielleicht sogar helfen meiner Angst vor Beurteilung und dem "sich fallen lassen" nachzugehen.

2x könnte - das ist Konjunktiv. Also träumerisches Überlegen/Spekulieren. Vielleicht lohnt sich da ja der Realitätsabgleich? "Ich probier das mal mit dem Ansprechen, und schau mal wohin es führt."

Andererseits ist es nichts was mich belastet, sondern mich diese Schwärmerei eher ein bisschen trägt.

Kein Konjunktiv => hier sprichst du von einer realen Erfahrung. Mehr davon!

Aber wieder "nichts, was mich belastet". Wieder mit der Negation. Aber dahinter steht das echte: diese Schwärmerei trägt mich ein bisschen. Zusammen: du merkst was dir gut tut, aber die Zweifel bleiben. Denn es belastet dich schon.

Und ich hätte dann doch Angst mich damit bloßzustellen und unsere Therapeut-Patient Beziehung zu gefährden, wenn das immer im Raum stünde.

Hätte, stünde. Und wieder 2x Konjunktiv. ;-) Spricht was gegen ausprobieren? Es gibt ja für den Fall der Fälle noch andere Therapeuten. Ja, das dauert dann etwas, aber es ist ja ein möglicher Ausweg. Die wenigsten Therapeuten wollen, dass sich ihr Patient von ihnen abhängig macht. Ich finde es mutig, Beziehungen auch mal zu gefährden. Sonst passt man sich doch immer an, ohne dass man weiß, ob es überhaupt nötig ist.

@Soroman mit keine Herzchen malen meinte ich das eher in dem Sinne von, dass ich mir da keine Illusionen mache, dass das jetzt ne Liebesgeschichte wird.

Ich habe dich schon verstanden. Mir ging es um die Wortwahl.

Denn du drückst es so aus. Wieder als Negation "keine". Aber an sich steht da was von "llusion, dass das eine Liebesgeschichte wird." Anstatt zu sagen: "Aus Angst, dass er eine engere Beziehung ablehnt (was sehr wahrscheinlich ist), unterdrücke ich meinen Wunsch und probiere es gar nicht erst aus."

Aber ja ich wünsche mir von ihm gehalten und aufgefangen zu werden und er berührt mein Herz - das habe ich ihm sogar mal gesagt bzw. geschrieben.

Find ich normal. Zu der gedanklichen Intimität, die in der Therapie gebraucht wird, kommt der Wunsch nach körperlicher Nähe. Total normal. Ich habe das meiner Therapeutin auch gesagt (viel direkter und unverblümter, aber trotzdem mit Charme, wie ich fand ;-) ), sie hat dann als Reaktion den freundlichen körperlichen Kontakt (Hand geben beim Begrüßen und Verabschieden) reduziert und dann ganz vermieden. Und mich so körperlich indirekt abgewiesen. Das hat bei mir stark gewirkt. Ja, ich habe dort wieder Ablehnung erfahren, aber sie blieb mir ja mit ihren Worten erhalten. Dann habe ich das angesprochen und sie hat mich auf die Begründung geleitet. Ich fand sie sehr schlau und rücksichtsvoll.

Die Kunst des Therapeuten ist dann, deinen Wunsch nach körperlicher Nähe an sich zu akzeptieren (denn ich denke, dieser Wunsch ist günstig für dich), nur eben dieser Wunsch an ihn ist für dich ungünstig. So kann er fördern, dass du auf andere Menschen mutiger zugehst. Und deshalb wird er dich auch nicht achtkantig rausschmeißen und die Therapie schlagartig abbrechen, sondern das als Therapieinhalt mit einfließen lassen. Aber auch nach einigen Sitzungen diesen Punkt wieder verblassen lassen, wenn es eine Weiterentwicklung bei dir gegeben hat. Du als Patient bestimmst ja wesentlich die Inhalte.

Interessant fand ich auch so Mikro-Ablehnungen: mal warten lassen beim Therapiebeginn, mal Erwartungen enttäuschen (z.B. das Therapieende vorverlegen), nicht zuhören, dich unterbrechen oder nicht ausreden lassen. Ich glaube, Psychotherapeuten sind da sehr bewanderte Menschen, die es an sich verstehen, mit allen (naja, den meisten) Situationen irgendwie zurecht zu kommen.

d)anae8x7


So wie du es beschreibst würde ich es wirklich ansprechen. Einfach damit ihr quasi die Übung am lebenden Objekt habt.

datscha

Das kann man so nicht verallgemeinern. Einer dieser Menschen hat sich selbst aufgehängt, ich denke da war der Reflex einfach zu stark, aber gesund war das sicher nicht.

d7anaxe87


Soroman

Interessant fand ich auch so Mikro-Ablehnungen: mal warten lassen beim Therapiebeginn, mal Erwartungen enttäuschen (z.B. das Therapieende vorverlegen), nicht zuhören, dich unterbrechen oder nicht ausreden lassen. Ich glaube, Psychotherapeuten sind da sehr bewanderte Menschen, die es an sich verstehen, mit allen (naja, den meisten) Situationen irgendwie zurecht zu kommen.

Das finde ich nun spannend. Ich habe in meiner Therapie gelernt all diese Dinge eben nicht als persönliche Ablehnungen zu begreifen sondern als normale Vorgänge im zwischenmenschlichen Zusammenleben. Hat deine Therapeutin dir gesagt das sie diese Dinge bewusst gemacht hat oder ist das deine Interpretation?

FMlieedergxold


Wow das scheint ja echt vielschichtiger zu sein als ich dachte. Danke für die Denkanstöße. Und ja auch hier versuche ich in meiner Wortwahl meine Coolness zu waren. So mache ich das anfangs immer. Schön wenn man mich dann durchschaut :)z Denn wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin: ja ich wünsche mir, dass er meine Gefühle erwidert, dass er mir dadurch einen Wert gibt, dass ich mich dadurch geliebt und gesehen fühle so wie ich bin. Ich glaube auch, (jetzt rückblickend betrachtet) dass er da schon Hebel drückt ohne dass ich das bewusst gemerkt habe. [...] Ich denke ich sollte das einfach mal mutig wagen und ihm vertrauen, den richtigen Umgang damit zu finden.

[...] (Beitrag auf Wunsch der FS anonymisiert)

d(anape87


Manchmal hängen solche Sachen ja auch fest zusammen.

Skoromxan


Hat deine Therapeutin dir gesagt das sie diese Dinge bewusst gemacht hat oder ist das deine Interpretation?

- danae87

Eine Mischung. Das mit dem Hand geben haben wir besprochen. In einem war meine PT recht konsequent: es waren sehr viele Fragen, in denen sie mit mir gesprochen hat. Wenn ich sie was gefragt habe, war klar, dass eine Gegenfrage kommen würde. Aber es waren richtungsweisende Gegenfragen - fand ich. ;-) Und ich habe mich gefreut, wenn sie ab und an so zwischendurch mal nicht zurückgefragt hat, sondern eben ihre Eindrücke oder Meinung geschildert hat. Ich habe sie sehr gemocht! Und zur Mitte der Therapie habe ich ihr gesagt: "Es wird mir schwer fallen, Sie in 6 Wochen nicht mehr als Therapeutin zu haben!" Mein "eigentliches Problem" dreht sich um Ablehnung und abrupte Abschiede/Kontaktabbruch. Und da war es wieder. Aber in der Therapie habe ich das besser hinbekommen. Ich hatte mehr Zeit, mich innerlich zu verabschieden. Und sie hat es mir erleichtert. Fand ich.

Das mit den Mikroablehnungen/Mikrozögern (ich nenne das mal so): war Therapieinhalt in vielen der Therapien der Gruppentherapie. Wer fängt etwas an? Wer wartet ab? Was bewirkt das jeweils bei anderen? Wer hebt sich was bis zum Schluss auf und warum? Wer bereitet sich vor und agiert aktiv? Wer reagiert eher und passt sich an? Wer ist überpünktlich und warum? Wer ist zu spät und warum? Welche Bedeutung hat Schweigen? Wieviel Schweigen halten die Gruppenmitglieder aus? Wo halte ich mich in einem Raum auf? Was deutet die Körperhaltung an? Bei wem verbinden sich äußerer Körperausdruck und inneres Empfinden? Wer ist schwe lesbar? Viele Themen. Vieles nicht direkt ausgesprochen, sondern angedeutet. Aber auch mit erklärenden Inhalten, also nicht nur meine Interpretation.

Und ja: ich bin ein dankbarer Alles-Mögliche-Reininterpretierer. ;-) Aber ich habe mir auch parallel Bücher über Psychotherapieansätze durchgelesen. Ich weiß nicht, ob das immer so pfiffig war, aber mir hat es die Therapie erleichtert. Ich fühlte mich kompetenter und dem ganzen nicht so "ausgeliefert". Aber meine Aussagen hier sind letztlich meine Meinung, meine Interpretation. Und keine abstrakte "Lehrmeinung".

[...]

Ich finde: ja. Ängste aussprechen, wenn sie noch klein sind, ist ein großer Fortschritt gegenüber für sich behalten und in sich immer größer werden lassen.

djan:ae8x7


Soroman

Ah, dachte ich mir. Denn ich habe auch immer so superviel interpretiert und wurde dadurch im Umgang mit Menschen sehr unsicher und witterte an Stellen Bedeutuung und Ablehnung wo nie welche waren. Da habe ich dann in der Therapie wenn ich solche Sachen ansprach zu hören bekommen das es ganz einfach normale Zwicschenfälle ohne jede Bedeutung wären. Das mit dem Hand geben hätte ich nun deutlich nicht dazu gehört, aber alles andere ist in meinen Augen deutlich überinterpretiert.

Fkl;ieder3gold


Mir war auch nie so richtig bewusst, dass vieles in der Beziehung zwischen mir und meinem Therapeuten auch andere Beziehungs- und Redaktionsmuster widerspiegelt, zumal das in der Therapie bisher nicht konkret thematisiert wurde. Auch weil andere Themen im Vordergrund standen.

Mir machen auch kleine Gesten der Ablehnung zu schaffen, beispielsweise wenn er nicht auf mich reagiert wie ich das erhoffe oder wenn er Mails von mir unbeantwortet gelassen hat worauf ich dann wiederum ehrlich gesagt hab, dass es mich verunsichert und gefragt habe warum er das macht.

Ich denke es ist wichtig solche Dinge in Zukunft offener zu kommunizieren, auch die Angst davor, dass wenn ich das tue Ablehnung von ihm zu erfahren. Das wäre dann vlt mal eine ganz andere Art der Beziehungsgestaltung. In Schriftform kann das natürlich zu Missverständnissen führen. Also bleibt mir eigentlich gerade nur der Weg es so zu akzeptieren und für mich selbst zu reflektieren.

mdond,+stwerxne


Denn wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin: ja ich wünsche mir, dass er meine Gefühle erwidert, dass er mir dadurch einen Wert gibt, dass ich mich dadurch geliebt und gesehen fühle so wie ich bin.

Ja genau, das konnte man sich beim Lesen Deines Eingangsbeitrags schon denken, weil solche Wünsche ganz natürlich sind.

Jetzt stellt sich die Frage, wie Du mit diesen Wünschen umgehst?

Gurotxtig


Ich finde auch das man nicht zwangsläufig alles thematisieren muss. So lange man es sich selbst gegenüber eingesteht und reflektiert. Das hat auch nicht zwangsläufig mit lügen zu tun.

Was die TE da gerade erlebt ist aber auch nicht ungewöhnlich, dass man es nicht thematisieren könnte. Das muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden, ich finde das kann man nicht pauschalisieren.

F[liedXergolxd


Es ist schon mal gut zu erkennen, was hinter diesen Gefühlen steckt und mir aber auch klar zu machen, dass das etwas ist was nicht mit Konsequenzen verbunden ist, so wie ich das sonst immer bei Schwärnereien erwarte. Fakt ist, dass er mir gut tut, dass auch das Gefühl und diese Träumereien sich gut anfühlen und dass es da auch von seiner Seite aus einen guten Austausch gibt. So empfinde ich die momentane Beziehung zu meinem Therapeuten als positiv ohne mich dabei in Illusionen zu verlieren. Schwierig wäre es dann eher, wenn dieser Austausch nicht mehr stattfindet. Dann würde ich das ansprechen oder halt aus der Situation heraus, wenn es sich thematisch ergibt. Da ich aber mutig neue Wege gehen möchte, werde ich es wagen. Vielleicht nicht so konkret und plakativ davon reden, dass ich mich zu ihm hingezogen fühle, sondern eher so vonwegen "es fällt mir auch bei Ihnen schwer mich richtig fallen zu lassen, weil Sie mir sehr nahe sind und ich Sie sehr mag". Ein tatsächliches "Liebesgeständnis" ist mir unangenehm, vorallem aus dem Grund weil ich 30 und er sicherlich schon über 50 ist und ich mich damit noch kleiner fühlen würde.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH