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Frage zur Therapiepause

_cParvQaWtix_


Ich glaube es ist die Angst vor Ablehnung, vor nicht mehr gemocht werden, abgestoßen, verlassen sein...

Also hast du Angst durch HIV stigmatisiert zu werden? Aber mal ehrlich, glaubst du allen ernstes, dass du von jedem dem du in deinem Leben über den Weg läufst gemocht wirst, selbst, wenn du gesund bist? Du wirst in deinem Leben immer Menschen begegnen, die dich nicht mögen oder die dich verlassen (warum auch immer). Dazu braucht es keine Krankheit.

Vor Schuldgefühlen...

Die hätte ich erst, wenn ich vorsätzlich jemanden mit HIV anstecken würde.

Ich brauche am liebsten 100% Sicherheit!

Die wirst du aber nie haben, egal in welchem deiner Lebensbereiche.

Ich kann einfach nicht vertrauen.

Logisch, dass du das nicht kannst. Misstrauen schützt uns schließlich vor Gefahren und schlechten Erfahrungen. Bei dir ist es die Gefahr der Ansteckung und den daraus resultierenden Folgen. Allerdings, wann ist Misstrauen noch gesund und wann nicht mehr? Du musst einfach versuchen ein gesundes Mittelmaß zu finden.

P.S: meine Therapeutin sagt die Angst vor HIV ist ein Platzhalter für Angst vor dem Erwachsenwerden...

Ich glaube eher, dass dir Vertrauen zu dir selbst fehlt. Würdest du mehr Selbstvertrauen besitzen, dann kannst du auch mit Problemen, die auf dich zukommen könnten, z.B durch die Ansteckung mit HIV, besser umgehen. Aber du glaubst ja, dass du damit nicht umgehen kannst. Also investierst du viel Kraft, jedes kleinste Risiko, welches zu einem Problem führen könnte, zu vermeiden. Aber durch das vermeiden negativer Erfahrungen, verpasst du auch viel positives. Wie viel schöner und entspannter wäre wohl der Sex mit deinem Mann, wenn du deine Ängste nicht hättest? Stell dir das mal vor :-) DAS wäre für mich schon Anreiz genug, an den Ängsten intensiv zu arbeiten.

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P.S: meine Therapeutin sagt die Angst vor HIV ist ein Platzhalter für Angst vor dem Erwachsenwerden...

Ja, die Angst hat ihre Funktion bzw. auch ihre Ursachen. Weil du ja nicht nur unter einer HIV-Phobie, sondern auch unter zwanghaften Aspekten leidest, wird eine erfolgreiche Therapie natürlich schwerer. Zwänge sind nun mal verdammt schei*e und nicht ganz leicht zu behandeln.

In meinen Augen könnte bei dir Konfrontationstherapie durchaus etwas bringen. Zum Beispiel, mal (nach Absprache) in einer Selbsthilfegruppe oder KH-Ambulanz Zeit verbringen. Ich sehe bei Ängsten ganz oft, dass es diffuse Ängste sind. Also rein die Vorstellung, des Ängstlers darüber, wie es wäre, wenn...

Die Vorstellung und die Realität sind in der Regel aber zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. Im Angstwahn kann man sich nur den schrecklichen Moment vorstellen, in dem man in Schock erfährt, dass man xy hat.

Aber dieser Schockmoment dauert in der Regel nicht lange. Danach leben Menschen ihr Leben weiter. Meistens ganz normal. Will heißen: Nach der Diagnose ist das Leben nie vorbei, sondern es beginnt ein mehr oder weniger anderes Leben. Aber: Anders ist nicht gleich schlecht. Anders ist nicht gleich einsam, abgelehnt, von körperlichen Beschwerden gequält. Anders ist nur abweichend vom Vertrauten. Genauso, wie wenn ich heute die weißen Wände meines Wohnzimmers grün streiche. Es ist immer noch das gleiche Zimmer, es sieht anders aus und auch das Wohnklima ist anders. Aber am Zimmer ändert die Farbe nichts. :)*

c/onc8hita-baby


Vielleicht habe ich auch Angst mit Problemen (HIV z.B) alleine dazustehen. Wie früher als ich alleine damit klar kommen musste, dass mein Vater sich umbringen wollte, dass es nur rumgeschreie gab zu Hause und niemand kein einziges Mal gefragt hat, ob ich Hilfe brauche, ob es mir gut geht oder ob man etwas tun kann, dass es mir besser geht! Nichts. Ich war mit meinen Gefühlen ganz alleine, war traurig, hatte unheimliche Angst, war wütend... Ich habe mein Zimmer bis aufs letzte verkommen lassen, damit ich wenigstens dadurch mal beachtet werde, nämlich wenn geschimpft wurde. Ich war mit meiner Angst vor HIV permanent alleine, konnte mich niemanden anvertrauen. Ich habe vielleicht einfach Angst davor, wieder alleine zu sein, auch wenn mein Mann sagt, ich hätte ja ihn.

Ich strebe immer noch nach der Liebe meiner Eltern. Ich möchte fest in den Arm genommen werden, ich möchte, dass sie mich mal anrufen, ich möchte vielleicht einfach nur ein: ich hab dich lieb hören...

sKchneTcke1x985


PS: Ich war mein ganzes Leben lang die "Kluge" (aber arbeitstechnisch Faule) in meiner Familie. Das erste Attribut, das Fremde / Freunde an mir wahrgenommen haben, war mein Intellekt. Ich war mein Intellekt.

Dann kam die Phase der ganz, ganz schlimmen Ängste (Angst vor allem!), so dass ich weder auf der Uni noch Leistungen bringen konnte, noch das Haus verlassen. Lange Zeit habe ich mir und anderen weisgemacht, dass unimäßig alles weiterläuft. Dass ich das schaffe.

Die Situation wurde aber schließlich so schlimm (Depressionen), dass ich mich zum Studienabbruch entschieden habe. Und wundersamerweise gab es trotzdem noch Leute, die mich weiter liebten. Egal, ob ich was leisten konnte, oder nicht. Egal, ob ich klug war, oder nicht. Mit dem Studienabbruch habe ich alle gezielt enttäuscht, und habe dabei entdeckt, dass es Menschen gibt, die mich über meinen Kopf, über meine Intelligenz und meinen Studientitel mögen. Die nicht danach fragen, ob ich eine Klausur geschafft habe, sondern danach, wie es mir wirklich geht.

Ich wiederhole mich: Meistens erwachsen Ängste aus der Vorstellung von "was wäre, wenn", aber nicht aus realen Erfahrungen.

Stunflo9wer_73


Nur kurz...

P.S: meine Therapeutin sagt die Angst vor HIV ist ein Platzhalter für Angst vor dem Erwachsenwerden...

Das ist für eine Verhaltenstherapeutin schon sehr... gedeutet. Was für mich (etwas überkritisch, ich weiß) zu der Frage führt, wie verhaltenstherapeutisch die Behandlung denn ist.

Denn mir fällt auf:

Du sollst Dich zwar konfrontieren (bspw. Kondomverzicht). Aber wie gut bist Du auf diese Exposition vorbereitet? Was weißt Du über den Teufelskreis bei Angst? Was über Konfrontations- & Habituationskonzept? Wie sehr nehmt Ihr diese ganzen einzelnen Situation bis ins Detail und zum Umfallen auseinander?

Denn:

Du wirst nicht weiterkommen, wenn Du nicht den Sprung ins kalte Wasser wagst. Bspe. auf Kondome verzichtest und DANN begleitet durch die Therapie lernst, mit diesen Ängsten umzugehen. Sie auszuhalten, aber eben auch jedes "aber" im Detail zu zerlegen und abzuschmettern. Um Dich so selber zu beruhigen. Dafür brauchst Du Strategien (Verantwortung Therapeutin); am besten mit Arbeitsblättern und und und. Dafür musst DU DICH aber auch überwinden und "einfach mal tun". Wenn Du nichts riskierst, wird keine Therapie fruchten. Wenn Du aber nicht ausreichend über Angst aufgeklärt bist, nichts über das Grundkonzept von Exposition und Habituation weißt, dann wirst Du Dich kaum überwinden können. Weil es "dieselbe Qual wie immer ist", aber eben keine gezielte, geplante und vorbereitete Konfrontationsübung.

Eehema[liger kNutzerR (#5x65974)


Ich habe vielleicht einfach Angst davor, wieder alleine zu sein, auch wenn mein Mann sagt, ich hätte ja ihn.

Gut; gehen wir einfach mal von dem Worst-Case-Szenario aus. Angenommen du würdest dich mit HIV infizieren und alle (inkl. deinem Mann) würden sich abwenden.

Dann gibt es doch trotzdem die Möglichkeit, neue Beziehungen aufzubauen. Es gibt so viele Anlaufstellen, wenn man Hilfe benötigt oder einfach nur getröstet werden will. Die Chance, dass du völlig allein mit deinem Schicksal bist, ist gleich Null.

;-)

cPoncphitOabaxby


Denn mir fällt auf:

Du sollst Dich zwar konfrontieren (bspw. Kondomverzicht). Aber wie gut bist Du auf diese Exposition vorbereitet? Was weißt Du über den Teufelskreis bei Angst? Was über Konfrontations- & Habituationskonzept? Wie sehr nehmt Ihr diese ganzen einzelnen Situation bis ins Detail und zum Umfallen auseinander?

Vorbereitet bin ich nur in sofern, dass wir mir das Schlafen ohne Kondom als Übung vornehmen sollen, quasi zelebrieren. Sie möchte, dass ich zu meinem Mann sage: "Schatz, heute Abend möchte ich mit dir ohne Kondom schlafen!" Wenn die Angst währenddessen aufkommt (und das wird sie) soll ich mich einfach darauf konzentrieren, was unten rum gerade passiert...

Das ist die einzige Vorbereitung die ich habe...

Ich wäre froh, hier über das Habituations- und Konfrontationskonzept etwas zu lernen. Könnt ihr es mir erklären?

_)Parv<atix_


Ich strebe immer noch nach der Liebe meiner Eltern. Ich möchte fest in den Arm genommen werden, ich möchte, dass sie mich mal anrufen, ich möchte vielleicht einfach nur ein: ich hab dich lieb hören...

Da liegt bei dir anscheinend wesentlich mehr im Argen als ich anfangs dachte. Allerdings glaube ich, dass es wahrscheinlich weniger sinnvoll ist, sich zu sehr mit der Vergangenheit zu beschäftigen, also wie das Verhältnis zwischen dir und deinen Eltern war. Dann lieber darauf konzentrieren, wie du in Zukunft mit der Sehnsucht nach Liebe von Seiten deiner Eltern umgehen kannst. Aber meist ist es leider so, dass man das, was man als Kind nicht erhalten hat, auch nicht mehr als Erwachsener erhält.

Du bist erwachsen. Gehe deinen eigenen Weg. Deine Eltern wirst du nicht ändern können und ebensowenig deine Vergangenheit. Konzentriere dich mehr auf die Zukunft und auf das, was dich glücklich macht :-)

Ich wäre froh, hier über das Habituations- und Konfrontationskonzept etwas zu lernen. Könnt ihr es mir erklären

Das kann dir Sunflower wohl am besten erklären. Sie ist die Fachfrau hier :-)

c>onchZitabEaxby


Aber meist ist es leider so, dass man das, was man als Kind nicht erhalten hat, auch nicht mehr als Erwachsener erhält

Da stimme ich Dir leider zu! Und das ist auch das, was meine Therapeutin mir immer sagt...

Ich war heute zum zweiten Mal bei einer sehr guten Heilpraktikerin. Sie hat selbst mal unter einer Angststörung gelitten und kennt auch Panikattacken. Sie erläutert mir das ganze etwas besser und malt es mir auf!

Mein Angstpartner (so nennen wir es mal) hat ständig Hunger und braucht die Angstgedanken als Nahrung. Er steht ständig mit einem leeren Teller da und will Nachschub. So lange ich ihn füttere, wird er bleiben und nicht verhungern. Warum sollte er auch. Ist doch prima für ihn... Er hat es so gelernt! Ich habe mir meinen Angstpartner (die Störung) gesucht als Ersatz für die fehlende Liebe meiner Eltern. Dieser Partner hat mir jetzt 18 Jahre Sicherheit gegeben, auf ihn war immer Verlass! Wir beide halten aneinander fest... Zu der Zeit, als er zu mir kam, war ich aber ein Kind. Doch diesen Teddybären (Angstpartner) habe ich bisher immer mitgeschleppt! Jetzt bin ich aber eigentlich Erwachsen und muss merken, dass ich auch ohne Teddy laufen kann...

Das kann ich nur lernen, wenn ich ihn bei Seite lege und Dinge tue, für den ich ihn sonst gefühlt immer brauche (sonst sagt er ja immer: tu es nicht! Es könnte gefährlich sein)... Einfach mal mutig sein und sich sagen: ich schlafe jetzt mit meinem Mann ohne Kondom auch auf die Gefahr hin zu sterben!

S}unf!lower&_73


Ich wäre froh, hier über das Habituations- und Konfrontationskonzept etwas zu lernen. Könnt ihr es mir erklären?

Kurz und knapp (ggf. nachfragen, dann gibt's längere Erklärung):

Konfrontations/Exposition bedeutet: Siech GEZIELT und BEWUSST in die Angstsituation begeben. Dabei auf all die alten Tricks (sog. Sicherheit-/Vermeidungsverhalten) verzichten. So lange in der Situaiton bleiben, bis die Angst VON ALLEINE nachlässt. Und damit die Erfahrung machen, dass die so arg befürchtete Katastrophe nicht eintritt. Damit kann man halt viel korrigieren und die krankheitsbedingten Verhaltensweisen "abstellen".

Ds klingt so simpel, ist es aber nicht. Oft ist IN der Situation eine therapeutische Begleitung erforderlich, damit man nicht in die alten Muster verfällt (weil man sich mit dem kleinen "Trick und Kniff hier und da" den gesamten Konfrontationserfolg zerschießen kann). Das ist bspw. beim Kondomthema schwierig ;-) - umso besser muss die Vorbereitung dann halt sein.

Und:

Letztlich kann man Veränderungen nur erreichen, wenn man sich nicht in Endlosdiskussionen verfranst, sondern AKTIV wird. Es ist so ziemlich das Schwierigste im Leben, sich auf Konfrontation einzulassen. Aber es kann verdammt gut helfen. Man muss aber vorbereitet sein und verstehen, worauf es ankommt. Der Fokus ist ein anderer, als wenn man die Situationen sonst nur aushält und durchleidet.

Angewendet wird das Konzept bei allen Angststörungen (Panik, generalisierte Angst, soziale Phobie, Krankheitsängste, spezifische Phobien, z.T. Trauma). Körperdysmorphe Störung, z.T. auch Sucht.

Buchtipps, die das Thema aufgreifen:

1. [[http://www.hogrefe.de/programm/ratgeber-zwangsstoerungen.html]]

2. [[http://www.hogrefe.de/programm/ratgeber-panikstoerung-und-agoraphobie.html]]

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