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Keine Empathie / wenig Emotionen

s)hamkeOBnMe hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich habe das "Problem", dass ich keinerlei Gefühle für nächste Verwandte, Freunde, einfach für niemanden habe. Wenn über Katastrophen berichtet wird, wenn es Liebeskummer gab, selbst wenn jemand stirbt.. ich finde es maximal interessant - quasi als Abwechslung zur Langweile des Alltags.

Gleichzeitig weiss ich natürlich, dass von allen Seiten Empathie erwartet wird und dass sie auch einen Nutzen hat. Und so tue ich mein Bestes und schauspielere seit vielen Jahren mit. Habe auch viele Freunde und hatte einige Beziehungen, gelte in meinem Umfeld als lebensfreudig und sympathisch. Ich denke niemand würde glauben, dass mir alle egal sind.

Als Kind hatte ich sehr starke Emotionen, die gingen jedoch immer mehr zurück. Ich habe glaube ich irgendwann begriffen, dass Emotionen hauptsächlich Nachteile haben. Ich habe jedoch keinerlei traumatischen Erlebnisse in meiner Kindheit gehabt. Ich erfahre Unterstützung von vielen Menschen (und unterstütze auch - aber eben aus sozial-integrativen Kalkül). Auch sonst ist nichts wahnsinnig Schlimmes in meinem Leben passiert, was als Auslöser herhalten könnte.

Punkt 2, Emotionen: Mir fällt es sehr schwer Emotionen zu empfinden. Wenn andere sich jubelnd in die Arme fallen weil Deutschland Weltmeister wird, stehe ich daneben (obwohl mich Fussball sehr interessiert). Wenn andere wütend und enttäuscht sind, versuche ich Fehler zu analysieren. Bei einem Autounfall vor vielen Jahren, bei denen einer meiner Freunde schwer verletzt wurde, bin ich seelenruhig ausgestiegen und habe den Krankenwagen kontaktiert (damals habe ich mir mein Handeln noch mit dem erhöhten Adrenalinspiegel erklärt).

Kurz und gut..: ich habe das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, dass ich immer mehr vom Mensch zur Maschine werde. Dass diese Entwicklung auch immer stärker wird und ich immer berechnender und herzloser. Ich frage mich, wo das enden wird.. Einerseits hat es viele Vorteile, andererseits fürchte ich, dass sich irgendwann auch mein Moralgefüge destabilisiert wird und ich zum totalen egoistischen, manipulativen Psychopathen werde.

Antworten
s(ham*eOnMNe


Hab jetzt ein wenig gegooglet und bin auf Psychopath und Narzißt gestoßen. Habe daraufhin einige Tests und Checklisten (PCL-Test) gemacht und hatte überall einen hohen Score...

Und jetzt?

Ich schade ja niemanden direkt (glaube ich). Würdet ihr damit zum Arzt gehen? Gibt es hier Betroffene und was macht ihr?

HZansil8eicnc2hen


ich immer mehr vom Mensch zur Maschine werde

ja scheint so

Würdet ihr damit zum Arzt gehen?

Zum Arzt eher nicht aber da sollte an einer Lösung gearbeitet werden. Wie alt bist Du?

Was bedeutet eigentlich Dein Name "shameonme"? "Schande über mich" vermute ich mal? Ist ja auch nicht gerade "normal"...

s#hamreOEnMe


@ Hansileinchen

Bin Ende 20.

Der Name ist ironisch gemeint, weil ich für mein Empfinden wenig kann, es aber gleichzeitig einen gesellschaftlichen Tabubruch darstellt kein Mitgefühl zu haben.

Reio GBranxde


Ein sachlicher realistischer emotionsarmer Charakter ist kein Nachteil und macht noch keinen zum Psychopathen. Das bisherige Leben prägte dich so und ermöglicht dir Effektivität.

mGigu&elma3riachxi


ich habe das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt

Das haben alle Menschen, die sich Gedanken machen. Ob es an der Mitwelt oder an einem selbst oder an beidem liegt, wer weiß das schon abschließend. Ganz verallgemeinert kann man aber vielleicht sagen, dass man zuerst den Fehler bei sich vermutet, um mit zunehmendem Alter immer mehr Gewissheit zu erlangen, dass die Welt und die anderen wenigstens genauso gestört sind wie man selbst.

Ich frage mich, wo das enden wird..

Mit dem Tod üblicherweise.

Einerseits hat es viele Vorteile, andererseits fürchte ich, dass sich irgendwann auch mein Moralgefüge destabilisiert wird und ich zum totalen egoistischen, manipulativen Psychopathen werde.

Ein soziales Vertragsgefüge fürs Zusammenleben funktioniert besser und nachhaltiger, wenn man es aus rationalen Gründen anerkennt. Kalkül dafür zu verwenden, ist kein unerlaubter Wettbewerbsvorteil in diesem Spiel, auch wenn man es laut den Spielregeln wohl nicht propagieren darf. Leute, die aus dem Bauchgefühl handeln, moralische Entscheidungen nicht mit Reflexion in Verbindung bringen wollen und für welche das Leben ohnehin nur ein emotionales Meer voll "Aaah!" und "Oooh!" ist, haben wir bereits mehr als genug.

obwohl mich Fussball sehr interessiert

Dieser Punkt wiederum ist so ordinär, dass es nach der bisherigen Darstellung nun noch weniger einen Anlass gibt, sich Sorgen zu machen. Über Dinge nachdenken und reflektieren kann man auch weiterhin, aber dafür sind weder Sorgen noch Fußball nötig.

Eine Anmerkung habe ich noch. Ich möchte Dich wahrlich nicht vom Fußballinteresse abbringen. Aber einen kleinen Impuls möchte ich geben für den Fall, dass Du den Versuch nicht bereits unternommen hast: Viele intelligente und überaus rationale Menschen, denen Fußball zu gewöhnlich und anspruchslos ist, finden immer noch Zugang zur Welt der Emotionen in Literatur, Musik, bildender und darstellender Kunst. Ob als beobachtender Teil, der in scheinbar indifferenter Weise, aber mit großem kulturellen und soziologischen Interesse an den in den Werken zur Verfügung gestellten Emotionen beiwohnt, oder als empfindender Teil, der in der Oper womöglich sogar eines Tages die Träne vergießen kann, die er sich beim Autounfall des lieben Freundes nicht abringen konnte, muss jeder für sich allein entdecken.

Zcabris]kieR PoUixnt


Wie ist es mit fiktiven Situationen? Z.B ein trauriger Film? Empfindest Du da auch nichts? Oder bei Tieren?

bvrunFeJllaox15


Ich kenne selber auch eine erschreckende Gefühllosigkeit gegenüber menschen, wo das eigentlich anders sein sollte (z.B. geradezu kalt beim Tod der Großeltern). Der Grund ist aber, dass die Beziehungen zu diesen Leuten durch und durch verrottet waren, im Kern nicht gesund, und irgendein Teil von mir genau weiss, warum er da emotional so krass auf Distanz geht. Vielleicht hast Du einfach noch nicht die richtigen Leute getroffen, zu denen Du wirklich intensive Gefühle aufbaust?

s4huameOFnMe


@ miguelmariachi

Wenn man sich jahrelang mit Fussball auseinandergesetzt hat, ist auch diese Welt wahnsinnig vielschichtig. Ich habe das Beispiel aber nicht wegen seiner Komplexität gewählt, sondern weil um mich herum alle ihren Emotionen freien Lauf ließen und ich wiedereinmal nur einen Bruchteil dessen empfunden habe (zwar viel in Relation zu meinem sonstigen Empfinden, aber eben immer noch fast nichts im sozialen Vergleich).

Zu der Kunstsache: Ich spiele Instrumente und interessiere mich für Kunst, insbesondere Literatur. Allerdings konsumiere ich gerade diese durchweg analytisch (Stilmittel, Struktur, Beziehungsgeflechte, Darstellung der philosophischen Probleme...). Mir ist es auch nicht möglich, diesen Analysezwang zu stoppen, ich kann mich einfach nicht in einem Werk verlieren, sondern muss immer verstehen, reflektieren, einordnen / bewerten.

@ Zabriskie Point

Zu den fiktiven Situationen habe ich ja schon etwas geschrieben (s.Kunst).

Betr. Tiere: Ich finde Tiere interessant und belebend, aber arbeitsintensiv. Würde mir daher niemals eins anschaffen. Für einen Nachmittag beschäftige ich mich gern mit ihnen. Ein einzelnes Tier, auch diejenigen, die mich Jahre meiner Kindheit begleitet haben, bedeutet mir jedoch nicht mehr als ein anderes. Wenn ich drüber nachdenke geht es mir mit Menschen ähnlich. Das ist vielleicht auch der Grund warum ich keine tiefe Bindung zu niemanden aufbauen kann und will: Nach einiger Zeit gibt es nichts bzw. nur wenig neues zu entdecken. Mir gehen Leute, mit denen ich viel zu tun habe, meist auf die Nerven, weil sie immer die gleichen Phrasen benutzen und immer in den gleichen Bahnen agieren. Und ja, das gilt auch für meine nächsten Verwandten, ältesten Freunde und meine Partnerin. Obwohl ich weiß, dass sie mich gern haben und immer (meist :)) gut zu mir waren. Ich gebe auch mein Bestes, es ihnen nicht zu zeigen, aber so ist es nunmal.

@ Rio Grande

Ich glaube, ich habe mich in meinem Eingangsposting zu gut dargestellt. Jedenfalls habe ich auch einige Sachen weggelassen, die ich gerne nicht gesagt hätte. Aber da sie keineswegs unrelevant sind....:

Eine Zeitlang hatte ich den Drang "mehr" zu empfinden und habe dafür sehr große Risiken in Kauf genommen. So habe ich u.a. U-Bahn Surfing betrieben, Drogen konsumiert, an sogenannten "Gangbangs" teilgenommen und verschiedenen Kriminaldelikte verübt (auf die ich nicht weiter eingehen werde). Ich habe mit diesen Dingen im Alter von 11 Jahren angefangen, der letzte größere Ausfall dieser Form liegt jedoch schon drei Jahre zurück, Drogen nehme ich seit ca. fünf Jahren keine mehr. Überhaupt habe ich einen ziemlichen Erlebnishunger und möchte immer viel Erleben und Ausprobieren, gerade extreme Dinge.

Ich bin also keinesfalls durchweg rational, sonst hätte ich nicht diese impulsiven Attacken. Ich denke sie sind das Resultat, dass mir "gesunde" Emotionen und eine richtige Bindung zu den Menschen fehlt.

sdhameOxnMe


@ brunello15

Meine Familie ist eigentlich sehr herzlich, ich habe ihnen wirklich nichts vorzuwerfen. Ich fürchte das Problem liegt eher bei mir.

EQhemadligeZr NutzeMr (#530]218)


Was spricht gegen eine Therapie? Dein Zustand scheint dich ja irgendwie zu belasten.

Einiges, dass du schreibst kann ich gut nachvollziehen, aber ich sehe das für mich so wie Rio Grande.

EjhemaMliger rNuWtzers (#56?597x4)


Die Frage ist, inwieweit eine Psychotherapie sinnvoll ist.

Ich würde mich eher an einen Neurologen/Psychiater wenden oder ev. auch an einen Psychologen. Es wäre sicher vernünftig, herauszufinden woran diese Gefühlslosigkeit liegt.

Ich habe auch noch nicht ganz verstanden, wie sich das äußert. Gibt es denn Menschen/Dinge, die dir wichtig sind (und der Verlust löst keine negativen Emotionen aus) oder ist dir generell alles egal?

Gefühle empfinden zu können hat übrigens nicht nur Nachteile. Im Prinzip sind Gefühle und Emotionen das, was das Leben wirklich lebenswert macht.

s(hamejOnVMxe


@ Swanlake

Menschen und Dinge sind mir wichtig, insofern sie mir bestimmte Dinge ermöglichen. Wenn z.B. meine Freundin morgen weg wäre, wären bestimmte Bedürfnisse nicht befriedigt. Das gleiche gilt für Familie und Freunde. Sie sind "praktisch", aber nicht perfekt und eben austauschbar. Wie es ihnen geht ist mir im Grunde egal. Ich empfinde nie ehrliches Mitgefühl oder Mitleid. Ich liebe nichts und niemanden um seiner selbst Willen, ich mag höchstens ihre Funktion / Wirkung. Menschen sind wie Biomaschinen, Tiere ebenso (nur weniger komplex).

(Ich weiss wie unsympathisch und menschenverachtend das klingt).

Ehhe^maliHger NYutzer (>#565974x)


Und wie sieht es mit Emotionen aus? Kannst du Angst/Freude/Glück/Leidenschaft/Lust/Wut etc. empfinden?

Ich finde es bemerkenswert, dass du so eine hohe Moralvorstellung hast - trotz deiner Gefühlslosigkeit.

Mit welchem Alter hat sich das bei dir so entwickelt?

Was würdest du an dieser Gefühlslosigkeit ändern, wenn du könntest?

RZio G-rxande


Du hast deine Grenzen ausgelotet … andererseits: Weltklasse Opernaufführungen, Unterwasser Riffe beim Tauchen, Schwarze Wanderruten im Hochgebirge, meisterhaftes Kochen, ein Nullenergiehausbootprojekt usw. könnten beeindrucken und dir die kommenden 100 Jahre Zerstreuung bitten.

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