» »

Richtigen Therapeuten erkennen? Gruppen- oder Einzeltherapie?

Myop.p)en hat die Diskussion gestartet


Ich bin auf der Suche nach einem Psychotherapieplatz. Nun hatte ich in den letzten beiden Wochen zwei Termine, die recht unterschiedlich waren.

Der erste war in einer Gemeinschaftspraxis von 5 Therapeuten. Die Psychotherapeutin war mir sympathisch, ich fühlte mich verstanden und gut aufgehoben. Ich habe zwei weitere Termine bekommen: einen zu einer PC-Testung, um Persönlichkeitsanteile, depressive, psychosomatische Anteile zu testen, einen für die Auswertung des Tests.

Der Nächteil: sie bieten nur Gruppentherapie an, haben derzeit auch keinen Platz sondern nur einen Platz in der "Vorbereitungsgruppe", in der alle sind, die auf einen Platz in ihrer (dann) Stammgruppe warten. Ich weiß nicht, ob ich mich in einer Gruppentherapie sehe. Und ich wüsste auch im Voraus nicht, bei welchem Therapeuten die Gruppe dann ist, weil es primär darum geht, dass man in die Gruppe passt.

Der zweite Termin war bei einem männlichen Therapeuten, der Einzeltherapie macht. Es war okay, aber ich habe mich nicht sofort so gut gefühlt wie bei dem anderen Termin. Ich habe allerlei Fragen mitbekommen, die ich schriftlich ausarbeiten soll. Wenn ich die reingereicht habe, machen wir den nächsten Termin und sprechen die Ausarbeitungen durch, klären für ihn noch offene Fragen.

Das ist jetzt ganz doof für mich. Ich bin nicht grad die entscheidungsfreudigste Person. Ich möchte erstmal beide Sachen machen. Die Termine bei der Gruppentherapie-Praxis und die Kennenlernphase bei dem Einzel-Therapeuten. Kann ich das oder steigt mir dann die Krankenkasse aufs Dach? Gibt es irgendwelche Überlegungen, die mir bei einer Entscheidung helfen können? Hat jmd hier Erfahrung mit Gruppentherapie? Doof gefragt: kommt man da als Einzelner nicht zu kurz?

Antworten
SWi~lbxer


Zum Thema Krankenkasse kann ich leider nichts sagen, damit kenne ich mich nicht aus.

Doof gefragt: kommt man da als Einzelner nicht zu kurz?

Naja, irgendwie schon...hängt wohl davon ab, was man benötigt und wie gross die Gruppen sind. Ich hatte Gruppentherapie sowohl stationär als auch in der Tagesklinik und da wars meist so, dass man in der Runde geschaut hat, ob wer ein Thema hat, und das wurde dann besprochen, z. B. haben andere von eigenen Erfahrungen mit dem Thema berichtet, man hat versucht, Lösungsvorschläge zu finden etc. Gruppentherapie hat also den Vorteil, dass man andere Betroffene kennenlernt, sich austauschen kann.

In der Einzeltherapie hast du hingegen deutlich mehr Zeit, nur für dich zu schauen.

Wenn sich herausstellt, dass von der Krankenkasse aus beide Therapieformen möglich sind, würde ich das machen.

Sollte es nicht gehen: Was ist denn deine Symptomatik bzw. weswegen möchtest du eine Therapie machen?

Hast du denn noch weitere Möglichkeiten für Einzeltherapie oder ist da alles ausgebucht? Da du vom zweiten Therapeuten nämlich nicht sooo begeistert warst (so liest sich das), würde ich mich eher noch umschauen. Es sollte für dich gefühlsmässig schon stimmen, das ist wichtig.

sTchne7cke^198F5


Also, ich schreib jetzt mal was zur Gruppentherapie:

Wie auch in der Einzeltherapie gibt es auch in der Gruppentherapie verschiedene Ansätze. Ich habe einen Ansatz erwischt, der in die psychoanalytische Richtung ging, d.h. der Therapeut saß 99% der Zeit da und hat die Teilnehmer machen lassen. Was mich am meisten abgeschreckt hat, ist, dass es eine gemischte Gruppe war, d.h. es saß vom Borderliner über Depressive bis hin zum Bipolaren alles drin. Das empfand ich als sehr, sehr unangenehm.

In einer Gruppe mit gleichem / ähnlichen Krankheitsbild kann ich mir einen Austausch schon deutlich gewinnbringender vorstellen. Weil man dann halt in ähnlichen Situationen ist, ähnliche Gefühlslagen durchlebt und dadurch auch mehr Mitgefühl und Tipps zusammenkriegt.

Mir persönlich war in der Gruppe zu wenig Therapeutenzeit. Bei uns dauerte eine Sitzung 90 Minuten und wir waren 10 Teilnehmer. Rein hypothetisch hatte also jeder 9 Minuten Sprechzeit. Gerade, wenn es einem akut schlecht geht, dann ist das wirklich unbefriedigend. Zudem muss in einer Gruppensituation eben alles in der Gruppe (mit Wildfremden) besprochen werden. Mir fiel es prinzipiell lange Zeit sehr schwer, mich nur einer Person zu öffnen und in der Gruppe war das für mich ein Spießrutenlauf. Teilweise war das auch ein bisschen, wie den Wölfen zum Fraß vorgeworfen zu werden: Da sitzen halt Kranke, die andere Kranke therapieren sollen (so war es in der psychoanalytischen Ausrichtung) und das kann (Stichwort: Re-Traumatisierung) ganz heftig in die Hose gehen.


Mein Fazit: Ob Gruppe oder Einzeltherapie würde ich von verschiedenen Faktoren abhängig machen:

- Schwere der Erkrankung ("leichtere" Sachen wie Phobien sind in so einem Setting eher behandelbar als eine akut suizidale Krise)

- Vertrauen / Fähigkeit, sich zu öffnen: Wenn man vielleicht schon Therapieerfahrung hat oder sehr reflektiert in Bezug auf sich selber ist, dann kann eine offene Diskussion funktionieren und gewinnbringend sein

- Themen der Therapie: Sexueller Missbrauch und andere, tiefe Traumata gehören für mich nicht in eine Laien-Gruppensituation. Das kann durchaus begleitend gemacht werden, aber Gruppentherapie alleine wäre mir bei solchen Themen zu gewagt. Fängt ja schon dabei an, dass z.B. Opfer sexuellen Missbrauchs mit Männern in eine Gruppe gesetzt werden, obwohl die Patienten das nicht aushalten können.

- Schwerpunktsetzung der Gruppe (alle die selbe Krankheit oder verschiedene Krankheitsbilder)

- Therapieform (psychoanalytisch vs. verhaltenstherapeutisch)

- Größe der Gruppe und Dauer der Gruppenstunde (in kleineren Gruppen hat man mehr Sprechzeit, als in großen)

Das sind nur ein paar Anregungen, die mir spontan eingefallen sind. Mein Fazit meiner Gruppenerfahrung ist dementsprechend schlecht, was aber v.a. an der beschissenen Organisation des Gruppensettings (verschiedene Krankheiten / schweigender Therapeut / große Gruppe / merkwürdige Gruppendynamik usw.) lag. Ich persönlich würde Gruppentherapie v.a. als begleitendes Angebot machen oder dann, wenn man schon ein bisschen Therapieerfahrung hat.

Nochmal: Das sind meine persönlichen Erfahrungen *:)

MnoppIen


Ich danke euch beiden schon mal für die Antworten.

Schnecke

Deine Schilderungen über die Gruppe decken sich so in etwa mit meinen Befürchtungen, muss ich sagen. ":/

Silber

Es geht um irgendwas zw Burnout und Depression resultierend aus nem Mangel an Abgrenzungsfähigkeit resultierend aus dem psychischen Missbrauch durch meine Mutter sowie einer Anpassungsstörung.

sVchnecwke19x85


Ach, Moppen :)_ Ich wollte dich nicht verschrecken :)_

Ich denke mir halt: Zu einer Selbsthilfegruppe kann man auch kostenlos gehen. Mir hat z.B. ein Selbsthilfe-Forum für eine bestimmte Zeit sehr gut getan.

Es ist - wie immer - eine Gefühlsfrage. Ich kenne dich nicht und ich kenne auch deine genaue Problematik nicht. Das heißt, du kannst am besten einschätzen, was bei dir funktionieren könnte und was nicht. Ich persönlich würde bei Traumata / Missbrauch (egal, in welcher Form) erstmal eher zur Einzeltherapie raten.

Bei uns in der Gruppe ging es teilweise auch recht ruppig zu, d.h. es gab eine Arschloch-Teilnehmerin, die selber immer als erstes theatralisch rumgeheult hat und dann anderen volle Kanne verbal in die Fresse getreten hat, wenn die down waren oder sie deren Probleme nicht verstehen konnte. :(v :(v

Was für eine Richtung fährt denn dein Einzeltherapeut?

Ich fand es in der verhaltenstherapeutischen Einzelstunde richtig toll, weil da für mich maßgeschneiderte Lösungen entworfen wurden. Das ist in einer Gruppe so einfach nicht möglich. Gruppe würde ich also am ehesten dann machen, wenn Gruppensituationen (z.B. Sozialphobie) eines der Hauptprobleme wären. Oder wenn der Patient stark unter sozialer Isolation (warum auch immer) leidet. In meiner Gruppe gab es auch ein paar wirklich liebe Leute. Wir haben dann auch einige Freizeit-Aktivitäten ins Auge gefasst. Leider bin ich ausgestiegen, bevor wir zur Umsetzung kamen.

Insgesamt war es für mich einfach der falsche Zeitpunkt. Heute würde ich sicher mehr aus einer Gruppenerfahrung profitieren, weil halt die akuten Krisen mittlerweile weg sind und ich in der Gruppe an meinen sozialen Fähigkeiten feilen könnte. Weil ich stabil genug bin, um nicht wegen Kritik oder unsanfter Herangehensweise ins bodenlose Loch zu fallen.

EdheDmaslige1r Nutzper (#5u65974x)


Ob du eine Einzel- oder eine Gruppentherapie machen solltest, hängt wohl von deinen Problemen und Erwartungen ab.

Wenn du eine intensive Therapie für ein (für dich) schwerwiegendes Problem suchst, ist eine Gruppentherapie kaum sinnvoll. Und natürlich gibt es da auch viele kostenfreie bzw. günstige Angebote, die nicht über die Krankenkasse finanziert werden müssten - falls das nicht möglich wäre.

Wenn du allerdings eher geringere Probleme hast (z. B. Liebeskummer, negativer Umgang mit Stress, Schüchternheit) und nicht so viel Redebedarf hast, wäre eine Gruppentherapie sicher keine schlechte Idee. Dort können dir andere Mitpatienten Anreizen geben, man kann manchmal auch einfach nur zuhören und oft entwickeln sich auch wunderbare Freundschaften. Gerade wenn es eine geschlossene Gruppe ist, bei der die Therapeuten darauf achten, dass man zu den anderen passt, sollte es auch keine Probleme mit anderen Mitpatienten geben.

Eahemalig$er N?utzer x(#565974)


Übrigens - wenn du sehr sensibel bist und schlecht mit div. schlimmen Erzählungen umgehen kannst, würde ich dir auch eher von einer Gruppentherapie abraten.

Zumindest bei einer "freien" Gruppentherapiegruppe. Da kann es durchaus vorkommen, dass etwas schwierigere Themen aufkommen.

MLoLppxen


Ich habe mich gg die Gruppentherapie entschieden, da sich schon mein ganzes Leben um andere Menschen und ihre Befindlichkeiten dreht. Ich danke euch für die Denkanstöße hier.

Mit dem Einzeltherapeuten bin ich nach dem jetzt 2. Aufeinandertreffen auch gar nicht mehr so unzufrieden, ich denke, ich kann mit ihm warm werden, wie man so schön sagt.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH