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Psychischer Absturz, Alkoholmissbrauch - wie Spirale stoppen?

Alias 712939 hat die Diskussion gestartet


Die Personen, um die es hier geht, wird sich sicherlich erkennen und mich auch, daher schreibe ich unter Alias, damit mein Pseudonym geschützt bleibt.

Hier die Geschichte einer (ehemaligen?) guten Freundin von uns: Ehe lief die letzte Zeit mäßig, sie war aber fixiert auf ihn. Es passte aber nicht von den gegenseitigen Erwartungshaltungen, dazu kamen (laut Ex) viele Versprechen ihrerseits, die immer wieder gebrochen wurden. Unter anderem schon ein immer wiederkehrender Kontrollverlust beim Trinken (haben wir selbst einige male als Gäste erlebt). Auf der anderen Seite konnte er ihr nicht geben, was sie sich in einer Beziehung erhofft hatte. Er hat Schluss gemacht, weil es zu belastend wurde. Seit Monaten sind die zwei in einer Trennungsphase, da sie erst noch eine Wohnung finden musste. Die letzte Zeit wurde es mit ihrem Trinken schlimmer. Sie trank auch durch die Langeweile und einmal kam sie sogar morgens mit Fahne ins Büro. Wir haben sie mehrmals ermahnt, dass sie auf sich aufpassen soll. Das war die Zeit, wo auch leere Versprechen uns gegenüber anfingen. Mehrfach hat sie beteuert, das Trinken eingestellt zu haben, und immer wieder enttäuscht. Bei ihrem Auszug war sie dann mental komplett überfordert und stand eigentlich nur betrunken im Zimmer rum, nichts funktionierte. Wir haben ihr mehrmals mit Rückzug gedroht und einmal bei einer geplanten Verabredung auch wahr gemacht, weil sie wieder voll war. Dann wieder Entschuldigungen, Beteuerungen.

Der Tiefpunkt war dann am Sonntag, als ihre Tochter (aus der ersten Beziehung) ganz in Not den aktuellen Ex anrief, weil sie von ihr körperlich angegangen wurde. Er bat mich als gemeinsamen Freund mitzukommen und nach dem Rechten zu sehen. Es kam heraus, dass sie wieder betrunken war, die Tochter ihr wohl den Alkohol wegnehmen wollte, woraufhin sie handgreiflich wurde und mehrmals zuschlug. Das Bild war einfach nur erbärmlich. Sie steht Sonntag nachmittags im Morgenmantel barfuß und betrunken in der Wohnung, es stapelt sich ungelesene Post und die Wohnung wirkt verlottert, wie wir sie improvisiert beim Umzug reingetragen haben. Wir haben versucht, sie von der Notwendigkeit eines stationären Aufenthalts zu überzeugen und wollten sie direkt in die Klinikaufnahme bringen. Ich saß allein insgesamt fast eine Stunde am Bett und habe versucht, als neutrale Bezugsperson sie zu überreden. Nach einigen Litern Tränen und Herbeisehnen der alten Beziehung war sie wenigstens einsichtig und hat zugegeben, dass sie Hilfe braucht. Aber das Versprechen, mit uns direkt in die Klinik zu kommen, hat sie dann erst gegeben, aber natürlich am Schluss nicht gehalten. Ich habe ihr dann ein letztes Ultimatum gesetzt und auch klargemacht, dass sie allein klarkommen muss, wenn wir jetzt ohne sie wieder fahren. Wieder nichts - Kopf unter die Decke, ignorieren.

Wir sind dann weg. Am Tag darauf habe ich ihr eine Nachricht geschrieben, dass wir uns vorerst zurückziehen, und geplante Unternehmungen abgesagt. Daraufhin war sie pampig, warum ich das so radikal tue, aber das war alles - nicht mal ein Wort des Bedauerns über den Vortag. Es tut weh, sie im Stich zu lassen, aber wie sonst sollen wir unsere Bedingung durchsetzen, dass ein Zusammensein nur mit ihrer Genesung möglich ist?

Die Tochter ist übrigens gerade volljährig geworden und hat sich entschieden, nicht die Polizei zu holen. Das nächste mal wird sie es vermutlich tun, in der Hoffnung, dass eine Zwangseinweisung erreicht werden kann, wenn sie selbst nicht zur Vernunft kommt. Es gibt aber noch eine minderjährige Tochter, was einen natürlich in Sorge versetzt. Aber wie so oft in einem Rechtstaat: es muss vermutlich erst was Schlimmeres passieren, bis man Maßnahmen erzwingen kann.

Was erhoffe ich mir von diesem Beitrag? Keine Ahnung. Vielleicht ähnliche Erfahrungen, Ideen, wie man die Einsicht vorantreiben könnte. Ich will eigentlich nicht abwarten, bis Schlimmeres passiert, denn sie wird ganz unten landen. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie ihr Leben überhaupt noch kontrollieren kann und den Alltag schafft. Job, Führerschein, eventuell Finanzen (durch selbstverschuldete Mahnungen) sehe ich langfristig so in Gefahr, von ihrer geistigen und körperlichen Gesundheit ganz zu schweigen. Die Menschen an ihrer Seite sind mittlerweile durch ihr Verhalten rar geworden - wir waren so ziemlich die letzten, die ihr eine Stütze in der kommenden Zeit versprachen. Aber eben nicht bedingungslos, und eine helfende Hand zieht sie nur runter anstatt sich daran hochzuziehen. Vorerst sind nun auch wir auf Abstand und sie wird mindestens 3 Wochen für sich allein verbringen (Urlaub, aber zuhause) und ich wage nicht mir auszumalen, wie schlimm es nach diesen 3 Wochen ist.

Antworten
Ethemalige6r Nutzer~ (#56597x4)


Im Prinzip könnt ihr nicht viel machen. Ihr könnt ihr nicht helfen, wenn sie keine Hilfe annehmen will. Sollte sie zur Einsicht kommen, könnt und sollt ihr sie natürlich unterstützen, wo ihr könnt. @:)

Allerdings solltet ihr das Jugendamt informieren; kein Kind soll bei einer alkoholkranken Person aufwachsen müssen.

Alias 712939


Die jüngere ist 16 und nicht unselbständig,aber halt noch minderjährig. Ich denke, sie ist reif genug, dies selbst zu tun, wenn der Zustand untragbar ist. Die Möglichkeit haben wir der älteren auch nochmal genannt, dass sie mit darauf ein Auge wirft.

Einsicht ... ja, darum gehts. Wenn diese nicht kommt, muss man sich ja fast einen Knall wünschen, dass gegen ihren Willen gehandelt werden kann.

Wenn sie jetzt morgen käme und Einsicht zeigte, dann wäre ich der erste, der sie in die Klinik fährt und paar Sachen nachbringt. Bei jeder anderen Form von Beteuerung fehlt jetzt aber sämtliches Vertrauen. Wenn sie in drei Wochen sagt, sie hätte alles wieder im Griff, dann hätten wir das schon oft genug gehört und glauben würden wir es noch lange nicht. Dieses Vertrauen wieder aufzubauen wird sehr schwer werden und die Form einer Therapie wäre etwas wo ich sagen würde: probieren wir es mal, ob es wieder funktioniert. Weil ich damit sehe, dass sie zu echten Maßnahmen bereit ist.

Wir müssen ihr abnehmen, dass es ihr ernst ist.

E(hemali'g$er Nuutzepr X(#b56597!4)


Ich weiß nicht, ob das ausreichend ist. Ich bezweifle, dass die beiden Mädchen rechtzeitig das Jugendamt informieren würden.

Das Mädchen ist zwar schon 16 Jahre alt, aber es kann trotzdem sehr traumatisch für sie sein, wenn sie hautnah miterleben muss, wie ihre Mutter immer mehr dem Alkohol verfällt. Vielleicht wäre Einschreiten des Jugendamtes auch der Knall, den es brauchen würde.

Was ist denn mit dem Vater des Mädchens?

Wie gesagt - gegen ihren Willen kann ihr nicht geholfen werden.

Ihr werdet es merken, wenn sie wirklich ernsthaft etwas an ihrer Situation ändern will. Und dann ist es wirklich gut, wenn sie Freunde hat, die hinter ihr stehen. @:)

Alias 712939


Was ist denn mit dem Vater des Mädchens?

Kein Kontakt. Das ist lange her und er weit weg.

ELheFmali2ger Nu\tzebr (#5x65974)


Gibt es sonst jemanden, der sich um sie kümmert und bei dem sie ev. unterkommen könnte?

Alias 712939


Nicht wirklich. Sie hat die letzten Monate durch ihre Stimmungsschwankungen und Unberechenbarkeit nicht gerade dafür gesorgt, dass sich ihr Umfeld in ihrer Nähe wohl fühlt. Ich glaube, wir waren die letzten engen Freunde, die für sie da sein konnten. Außerdem geht es nicht darum, sie unterkommen zu lassen. Es geht darum, dass sie professionelle Hilfe braucht.

Wir werden sie nicht im Stich lassen, wenn sie bereit ist, wirklich Hilfe zu suchen. Aber wir haben ihr mehrmals gesagt, dass wir ihr nur zur Seite stehen, wenn sie nüchtern ist. Dies hat sie mehrmals gebrochen, weswegen es vorerst keine gemeinsame Freizeitplanungen gibt. Vielleicht sollte ich ihr diese Unterscheidung nochmal schreiben. Wenn sie ernsthaft Hilfe in Anspruch nimmt, sind wir da. Zum Bespaßen erst mal nicht, bevor der erste Punkt nicht behoben ist. Ich befürchte aber, dass sie das dann so verpackt, um uns bei der Stange zu halten, aber selbst keine wirkliche Verbindlichkeit eingeht. Im guten Willen aufkreuzen und dann nach 10 Minuten wieder fahren, weil man doch nur hingehalten wird, ist keine Lösung. Es muss schon sehr konkret sein.

Ich habe mich übrigens für das Psychologie-Forum entschieden, da ich immer noch daran glaube, dass die Ursache in der Psyche liegt und die Sucht nur ein Symptom. Irgendwann wird das natürlich verschmelzen, und je länger das geht, umso weniger zielgerichtet wird eine Therapie sein. Sie gibt ihr Leben auf und kriegt keinen Boden unter die Füße. Nicht weil sie trinkt. Sondern sie trinkt, weil es so ist.

nKiumule88


Warum schreibst du denn sie ständig fett? ":/

Wenn deine Freundin sich nicht helfen lassen will, dann habt ihr überhaupt nichts in der Hand. Die Einsicht muss von ihr selbst kommen. Selbst wenn man sie zwangseinweisen würde (was ich nicht glaube) - das bringt überhaupt nichts, solange sie ihr Problem nicht einsieht... Aber es ist tragisch für die Kinder. Da würde ich auf jeden Fall beim Jugendamt nachfragen...!

Alias 712939


Warum schreibst du denn sie ständig fett? ":/

Nicht ständig ;-)

Weil in manchen Sätzen mehrere "sie"/"ihr" auftauchen, und manchmal eben die Tochter gemeint ist.

E#hemcali)ger Nultzer (I#565x974)


Ich meinte auch, dass die Tochter irgendwo unterkommen sollte, nicht die Mutter.

Und ja, mit Sicherheit gibt es psychische Defizite, aufgrund derer sie zum Alkohol greift. Aber auch hier muss sie selbst zur Einsicht kommen.

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