» »

Spätere Umgang innerhalb von Gewalt/Missbrauchsfamilien

M\edusxalem hat die Diskussion gestartet


Ich denke Betroffenen die aus Elternhäusern stammen, in denen sie von Eltern und/oder anderen Familienangehörigen misshandelt/missbraucht wurden, dürfte vermutlich die Erfahrung kennen, dass nach dem Bekanntwerden der Verbrechen die Familien regelrecht zersprengt wurden.

Zumindest finde ich mich nach Jahrzehnten noch immer in einer Situation der isolierten Ausgrenzung durch die Familie vor.

Andere wären vielleicht froh, vom familiären Ballast befreit zu sein.

Ich empfinde die Situation des Schweigens dagegen als Belastung.

Habe in der Vergangenheit immer wieder meine Angehörigen angerufen, angeschrieben, da wurde denn auch reagiert.

Angeblich freute man sich von mir zu hören, aber noch nie ist eine/r meiner Angehörigen auf die Idee gekommen von selbst mich mal anzurufen oder gar zu besuchen.

Fühle mich da regelrecht ausgestoßen.

Ich habe kürzlich gelesen, dass so ein distanzierendes Verhalten innerhalb solcher Familien gar nicht so selten sein soll.

Deshalb meine Frage, wenn ihr gleichfalls Betroffene von Gewalt/Missbrauch seid, wie sieht bei Euch die Situation aus und wie geht ihr damit um?

Normal komme ich schon ganz gut allein klar, aber irgendwie ist es als wenn ständig ein Stachel in meinem Inneren bohrt.

Antworten
v|am3p28


Schwierig. Ich bin selbst überlebende von Gewalt/Missbrauch. Ich hab kein Kontakt mehr zu meinen "Eltern". Da ich wegen der Traumatherapie keinen Kontakt zu Tätern haben darf. Was ich auch verstehe. Früher hatte ich genauso gedacht wie du, jetzt wo ich immer mehr Bewusstsein bekomme, was alles früher war, fällt es mir viel leichter standhaft zu bleiben. Freiwillig in die Hölle gehe ich nie wieder. Auch wenn es in mir da geteilte Meinungen gibt und so mancher wieder zurück möchte.

Es ist schwer sich zu distanzieren und klar tut es weh, sich immer vor Augen führen zu müssen, keine Eltern zu haben, nie gehabt zu haben. Ich hab noch zu meinen Schwestern Kontakt. Gerade nur noch mit einer, hoffe aber die andere, wird auch Einsicht bekommen. Isolieren musst du dich nicht, du kannst heute entscheiden wenn du in dein Leben lässt. Vielleicht gründest du selbst eine Familie. Ich weiß das es nicht dasselbe ist. Und ich bin auch selbst noch am Anfang, es tut jedes Mal weh und man frägt sich warum? Aber ich hoffe das wird irgendwann besser. Ich möchte keinen Kontakt haben, mein Erzeuger ist für mich gestorben. Bei meiner Mutter, keine Ahnung, ob ich irgendwann bereit dazu bin, etwas Kontakt zu auf zu nehmen.

Du siehst selbst, das sie von sich aus keinen Kontakt zu dir aufnehmen. Und du weißt auch warum. Vielleicht solltest du das ganze aufarbeiten, aber richtig aufarbeiten. Denn ein tiefer Schmerz schlummert immer noch in dir und da wäre es gut wenn du daran arbeiten würdest. Für dich, nur für dich, damit du glücklich werden kannst. Kontakt zu einer Familie aufbauen, die einen wehgetan hat über Jahre hinweg, damit wird man nicht glücklich werden. Denn das ist keine Familie...aber du hast es in der Hand, eine neue Familie zu gründen. Und zu lieben und geliebt zu werden.

sBweenyx42


Ich habe Kontakt zu meiner Adoptivfamilie. Wie ich damit umgehe ? Mal mehr mal weniger gut. Ich war in einer Langzeittherapie sonst wäre das nicht möglich. Das was passiert ist wird totgeschwiegen, meine Adoptivgeschwister wissen von dem Missbrauch nicht's. Ob ich es jemals sagen werde weis ich nicht, vermutlich nicht - sie sind die leiblichen Kinder.

Mir hat es sehr geholfen ihnen zu verzeihen. Das ist nicht ganz einfach ,war für mich aber der einzige Weg um meinen inneren Frieden zu finden.

M`eduJsalexm


Hallo vamp28

Erst einmal hat mich der Teil Deiner Antwort erschreckt, in dem Du davon sprichst noch immer aufarbeiten zu müssen um glücklich zu werden. Denn Du wirst lachen, ich bin mit wenigen Abstrichen schon lange glücklich verheiratet und habe mich schon viele viele Jahre mit meiner Vergangenheit auseinandergesetzt.

Ja, jetzt auch ein freundliches Hallo an sweeny42, habe in gewissen Maße sogar meinen einstigen Peinigern vergeben, weil ich anerkennen musste, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach gleichfalls Opfer ihres Familiären Umfelds waren. Die Hauptverantwortlichen meiner einstigen Qualen sind bereits verstorben. So dass ich keine Gedanken an deren möglichen Nähe verschwenden muss. Aber es gibt da ein weiteres engeres Familienumfeld, von dem ich mich bis auf eine einzige Ausnahme rigoros ausgegrenzt sehe.

Und selbst diese Ausnahme beschränkt sich auf ein bis zwei Telefonkontakte im Jahr, während ich den größten Teil teils schon seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen oder gesprochen habe.

Normal sollte ich sie gar nicht mehr benötigen. Schließlich habe ich längst meine eigene kleine Familie gegründet.

Anfangs hatte ich zwar auch noch gewohnheitsgemäß versucht meine Erwartungen gewaltbetont durchzusetzen, was mir im Nachhinein sehr leid tut. Aber ich kam wenigstens von allein darauf, wie hilflos und entwürdigend für beide Seiten meine Durchsetzungsversuche ausfielen.

Also insofern spielt Gewalt und Missbrauch schon gar nicht im Leben meiner eigenen Familie eine Rolle.

Habe recht gut geratene Kinder und könnte insoweit mit allem Erreichtem glücklich und zufrieden sein.

Wenn, wenn da nicht noch dieser beständige Stachel bohrte, der mich immer mal wieder mit trauernder Wehmut erfüllt.

Um dieses Gefühl der Trauer zu überwinden sollte ich heute noch mehr aufarbeiten?

Erscheint mir nicht plausibel, denn eigentlich müssten all die anderen Aufarbeiten, um zu erkennen, was sie zumindest mit angerichtet haben.

vamp28 ich verstehe natürlich, dass Du diese Nähe zu Deinen einstigen Tätern/Eltern noch nicht aufsuchen kannst.

Ich denke, dass ist erst nach einem sehr langen eigenem Läuterungsprozess möglich, um mit angemessener Distanz auszuloten, inwieweit Deine eigenen Täterschaften inzwischen ein Unrechtsbewusstsein entwickeln konnten. So lange dieses nicht gegeben ist, kann es keine Annäherung mehr geben denke ich.

Was aber nicht ausschließt, dass Du ihnen dennoch vergeben würdest, aber um Deines eigenen Selbstschutzes wegen weiterhin eine gesunde Distanz bewahrst.

Wobei es mir fast wie eine Anmaßung erscheint, dass sich weniger die Täterschaften als vielmehr deren Opfer später auf den mühevollen Weg machen müssen die einstigen Tragödien in ihren Ursachen und Wirkungen zu ergründen, während sich die Täterseiten in selbstgerechter Schuldabweisung in ausgrenzendes Schweigen hüllen.

v&amNp%2x8


Ich habe auch erst angefangen auf zu arbeiten. Mache noch nicht lange die Traumatherapie, gerade fast zwei Jahre. Aber immer noch stabilisierung. Noch keine Traumaarbeit. Es ging all die ganzen jahre nur darum, mich am Leben zu erhalten. Naja egal.

Ich denke jeder muss selbst wissen was er tut oder was ihm hilft. Ich könnte keinen Kontakt haben, zu meiner Mutter vielleicht irgendwann, zu meinem Vater auf keinen Fall. Und verzeihen kann ich ihm auch nicht, muss ich auch nicht. Für manche ist es der einzige weg um zu heilen, für manch anderer ist es nicht der richtige Weg. Ich weiß selbst für mich, das ich mich nur abgrenzen muss, mein eigenes Leben führen muss und mich selbst trösten, für das was uns angetan wurde. Das ist aber noch weit entfernt. Aber ich denke das wird der richtige Weg sein. Ich denke meiner Mutter werde ich verzeihen müssen, um ab zu schließen.

Jeder geht anders damit um. Und es ging mir gar nicht darum, das du noch weiter auf arbeitest. Wenn du das schon getan hast und du gut klar kommst, ist es ja in Ordnung. Nur ich hab das Gefühl, das etwas vergessen wurde...nämlich die Gefühle. Dieser Schmerz brodelt immer noch in dir. Vielleicht wäre es wichtig da noch einmal nach zu schauen. Es muss nicht mehr unbedingt in die tiefe gehen, sondern mehr im hier und jetzt, wie du dich fühlst. Den Schmerz raus lassen, ihm Raum geben, aber auch dafür sorgen, das er langsam abklingen kann.

s*tuef>fel


Man muss berücksichtigen, dass es sich um zwei separate Probleme handelt.

1. Therapie der erlittenen Schädigungen und die Frage, wie man mit den diversen Problemen, die daraus erwachsen, umgeht

2. Gestaltung des Kontakts mit den Angehörigen-Tätern

Hier scheint mir beides vermischt zu werden.

Szpionnerixn


Was mir angetan wurde hatte ich bis letztes Jahr komplett verdrängt. Die Angelegenheit wird und wurde in der Familie totgeschwiegen, vorsichtiges Herantasten ans Thema wurde mit "erinnere ich mich nicht dran", "du übertreibst", "du steigerst dich da in etwas rein" quittiert. Wie immer stimmt mit mir etwas nicht, wie immer bin ich schuld. Jeder noch so kurze Kontakt entzieht mir jetzt alle Energie.

MReduesalem


Nun ich denke auch, dass die Behandlung, bzw. Aufarbeitung der einstigen Verbrechen, weniger mit der Frage zu tun haben, welchen Umgang Betroffene heute mit ihren Familienangehörigen pflegen.

Insbesondere jenen die nicht selbst von den einstigen Widrigkeiten direkt betroffen, oder gar verantwortlich waren.

Mich interessiert einfach nur mal die Frage, wie andere Betroffene den Umgang mit ihren Familienangehörigen heute erleben/empfinden.

Mich würde es zumindest nicht überraschen, wenn andere Betroffene ähnliche Erfahrungen gemachen.

Deshalb ja meine Frage, wie ihr damit umgeht.

Betroffene die noch in der Anfangsphase der Aufarbeitung stehen, dürften sich vermutlich in Bezug auf den familiären Umgang erst recht in einer Zwickmühle befinden.

Wenn sich die Wogen aber erst einmal geglättet haben, wächst da nicht doch wieder der Wunsch Teil der einstigen Familie zu sein, aus der man zuvor Ausschweigend isoliert wurde?

sAweeny_42


, aus der man zuvor Ausschweigend isoliert wurde?

Das trifftes bei mir nicht wirklich. Ich hatte meinen Mann kennengelernt, da war ich 16. Als wir uns zum ersten Mal begegnet sind war es Liebe auf den ersten Blick. Kurz danach hätte der Missbrauch eine neue Dimension angenommen und ich habe mich das erste Mal überhaupt gegen meinen Vater verbal zur wehr gesetzt. Daraufhin hat er mir so eine geknallt das ich dachte mein Kiefer sei gebrochen. Ich habe rot gesehen und zurückgeschlagen und ihn angebrüllt das es jetzt Schluss ist und er mich nie mehr anfassen wird, das werde ich nicht mehr zulassen. Dann bin ich mit dem was ich am Leib trug zu meinem Mann (damals Freund ). Mein Gesicht war rot und geschwollen und er wollte natürlich wissen was passiert ist. Seit dem Zeitpunkt kennt er meine Vergangenheit. Ich hatte dann ein paar Jahre keinen Kontakt zu meiner Familie, das kam später und ging von mir aus.

M)eduVsaxlem


Meine Hochachtung sweeny42. Das war ein extrem mutiger wie auch wichtiger Schritt und Befreiungsschlag in Dein nunmehr selbstbestimmtes Leben. Einfach wird es dennoch nicht für Dich gewesen sein. Aber wenigstens hattest/hast Du einen verständnisvollen Mann, der Dich mit all Deiner Verletztheit aufzufangen vermochte.

Und Du hast das Kapitel schon soweit abschließen können, um ihnen zu verzeihen und den Umgang wieder zu ihnen zu suchen?

Wenn Du dort nicht auf Mauern der Ablehung gestoßen bist umso besser. Erlaube mir bitte die Frage: Haben sich die Verantwortlichen Deines Leids jemals mit ihren (Un)taten aktiv auseinandergesetzt?

s5wee{ny4x2


Medusalem

Dankeschön für deine schönen Worte @:)

Es war nicht einfach, ganz im Gegenteil. Ab dem Zeitpunkt war ich erwachsen. Ich hatte keine Kindheit und Jugendzeit auch nicht. Als ich damals gegangen bin war ich mit einem Schlag erwachsen. Ich habe nie das gemacht was Teenager so tun, darum habe ich mich später als meine Kinder in der Pubertät waren da etwas schwer getan. Ich habe da aber auch nicht's vermisst, das ist bis heute so.

Aber wenigstens hattest/hast Du einen verständnisvollen Mann, der Dich mit all Deiner Verletztheit aufzufangen vermochte.

Ja, mein Mann ist einfach nur der allerbeste Mann der Welt. Er war und ist immer an meiner Seite x:) Die Zeit als ich in Therapie war, war für ihn auch kein Zuckerschlecken. Ich war manchmal schon mit einem Fuß über dem Abgrund ,er hat mich aufgefangen, gehalten, getröstet und getragen.

Während meiner Therapie habe ich meinen leiblichen Vater gesucht. Er war mit meiner Mutter verheiratet gewesen, wir waren 3 Kinder. Den Kontakt zu meiner Mutter wollte ich nicht,zu meinem Vater schon und ich habe ihn auch gefunden. Wir haben uns getroffen und ich hatte ja auch viele Fragen. Wochen später hat er mir eröffnet das mein Bruder ein Inzestkind ist, sprich der Sohn meiner Mutter und ihrem Vater. Ich war so von der Rolle, da mein Bruder und ich uns so ähnlich sehen. Ihn hatte ich Jahre zuvor kennengelernt und auch Kontakt zu ihm. Natürlich wollte ich das dann genau wissen. Mein Vater hat mir versichert das ich seine Tochter bin. Ich hab ihn so oft angerufen, total verzweifelt und ihn gefragt ob er sich sicher ist. Mit meinem Bruder habe ich darüber gesprochen. Wenn er so ein Kind war, dann ich auch, wir sehen aus wie Zwilling (er ist etwas älter) . Diese Erkenntnis hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Wie sollte ich diese schreckliche Wahrheit meinem Mann beibringen. :°(

Ich hab's ihm also gesagt und wollte mich trennen um ihm diese "Schande " zu ersparen. Er aber hat mich in den Arm genommen und mir gesagt das egal wer ich bin oder wo ich herkomme er mich so unendlich liebt und wir auch das gemeinsam durchstehen.

Wochenlang habe ich mich mit der Vorstellung gemartert ,es war grausam. Immer wieder hab ich bei meinem Vater nachgefragt, versucht auch dieses Schicksal anzunehmen. Dann habe ich meine Mutter kontaktiert, nach fast 40 Jahren. Da hat sich rausgestellt das mein Vater gar nicht mein (unser )Vater ist. Mit ihm wurde sie zwangsverheiratet, wir Kinder sind allesamt von einem Mann - ihrer großen Liebe. Der war aber schon verstorben und ich wollte wissen ob sie mir die Wahrheit sagt. Also habe ich seinen Bruder (meinen Onkel ) gesucht, von meiner Mutter wusste ich von ihm. Mit ihm und meinem Bruder habe ich eine Verwandtschaftsfeststellung gemacht, die Kosten habe ich getragen. Ergebnis- meine Mutter hat mir die Wahrheit gesagt. :)z :)^ Daraufhin habe ich meinem "vermeintlichen" Vater angerufen und ihn mit dem Ergebnis konfrontiert. Ich habe ihn gefragt warum er mich angelogen hat und mir das angetan hat. Was habe ich ihm getan. Ich habe den Kontakt zu ihm sofort abgebrochen.

Und Du hast das Kapitel schon soweit abschließen können, um ihnen zu verzeihen und den Umgang wieder zu ihnen zu suchen?

Den Kontakt habe ich wieder gesucht als mein Mann und ich anfingen Nachwuchs zu planen. Ich wollte das meine Kinder Großeltern haben.

Haben sich die Verantwortlichen Deines Leids jemals mit ihren (Un)taten aktiv auseinandergesetzt?

Mein Adoptivvater hat sich bei mir mal "durch die Blume " entschuldigt, ich habe diese angenommen. Immer wieder hatte ich versucht die Geschehnisse auf den Tisch zu bringen, erfolglos. Auch wenn wir da nie drüber geredet haben, sie haben sich sehr positiv verändert. Meine Eltern waren an meiner Seite als die Kinder geboren wurden. Viele Jahre konnte ich mit meinem Vater nicht alleine sein, geschweige denn eine Berührung zulassen. Das ist jetzt möglich. Vielleicht kannst du mich nicht verstehen, aber es war mir ein Bedürfnis meine Eltern zu haben, es waren (damals zumindest) )die einzigen Eltern die ich hatte. Ich war so jung gewesen als ich gegangen bin, ich hätte sie gebraucht.

Trotz allem was passiert ist liebe ich sie. Ich habe ihnen verziehen und nur dadurch ist es möglich Kontakt zu haben. Nur manchmal ist es schwierig, da holt mich die Vergangenheit ein und dann ziehe ich mich zurück und nehme ich mir die Zeit die ich brauche.

Vir kurzem habe ich in einem ähnlichen Faden geschrieben. Da kam alles mit ganzer Wucht zurück. Mir ging es sehr schlecht darum habe ich's sein lassen. Mittlerweile bin ich wieder fest im Sattel ,darum schreibe ich hier .

Ich hoffe das es für dich in Ordnung ist das ich so viel geschrieben habe. @:) Es ist ein kleiner Einblick in meine Geschichte, damit möchte ich dir und anderen Mut machen. Egal was wir erlebt haben ,wer wir sind oder wo wir herkommen- man kann es schaffen. :)z.

Für mich war es ganz wichtig meine Vergangenheit aufzuarbeiten, das habe ich auch gemacht. Ich bin heute sehr glücklich und zufrieden. Durch meine Suche nach meiner leiblichen Familie hat sich so viel ergeben, das hätte ich nie für möglich gehalten.

SK. wlalliszi,i


Habe in der Vergangenheit immer wieder meine Angehörigen angerufen, angeschrieben, da wurde denn auch reagiert.

Angeblich freute man sich von mir zu hören, aber noch nie ist eine/r meiner Angehörigen auf die Idee gekommen von selbst mich mal anzurufen oder gar zu besuchen.

Fühle mich da regelrecht ausgestoßen.

hm, wie sicher bist du dir da keiner subjektiven Interpretation zu unterliegen? Ich meld mich eigentlich auch fast nie bei jemandem von mir aus und ich hoffe mal stark der letzte Familienrest denk deshalb nicht so (glaub eigentlich nicht, sie kennen mich ja^^). Wär's abwegig ihnen das einfach zu glauben dass sie sich freuen wenn du dich meldest?

Ich denke Betroffenen die aus Elternhäusern stammen, in denen sie von Eltern und/oder anderen Familienangehörigen misshandelt/missbraucht wurden, dürfte vermutlich die Erfahrung kennen, dass nach dem Bekanntwerden der Verbrechen die Familien regelrecht zersprengt wurden.

Das kann passieren, es kommt aber auch vor dass noch ewig aufeinander gehockt wird und das mit erstaunlicher Fähigkeit zur Ignorierung des Passierten.

Um dieses Gefühl der Trauer zu überwinden sollte ich heute noch mehr aufarbeiten?

Erscheint mir nicht plausibel, denn eigentlich müssten all die anderen Aufarbeiten, um zu erkennen, was sie zumindest mit angerichtet haben.

das klingt als würde dich in nicht unwesentlichen Anteil der Wunsch nach Entschuldigung bewegen und es klingt ein bißchen opfermäßig (nicht böse gemeint (und hoffe das wäre eh klar))

Mein Vater hat sich glaube ich auch nie entschuldigt (lange her) und ich kann mich noch erinnern dass ich das empörend fand um's milde auszudrücken^^ Inzwischen glaub ich nicht dass mir das überhaupt was gebracht hätte denn der Wunsch danach war zum einen Teil die unterbewusste Hoffnung damit würde etwas geheilt werden was so natürlich nicht gewesen wäre und zum anderen einfach der Wunsch dass er (im übertragenen Sinne) kriecht, vllt mit der Absicht die Vergebung dann zu verweigern oder sowas in der Art Richtung Rache halt. Das soll jetzt keine Ich-Botschaft sein und dir dasselbe unterstellen, aber weil du dich für andere interessiert. Ich glaub bei dir eher wirklich dass da entweder verarbeitungstechnisch noch was übrig ist und/oder du dir eine Entschuldigung wünscht, aus welchen Gründen auch immer (wär ja nicht verwerflich) - sonst würdest du doch einfach den Kontakt forcieren (rate ich dir auch, könnte Klarheit bringen oder falls ich zu dramatisch denke sogar schlicht und einfach das schaffen was du dir wünscht), und das "opfermäßig" weil: Auch wenn ich natürlich extrem gut verstehe dass du dir wünscht dass die "anderen" (wie/wer war's bei dir eigentlich?) aufarbeiten, was hat ihre eventuelle Aufarbeitung mit deiner Trauer zu tun?

Zum Thema Familienversprengung kann ich nicht wegen des Missbrauchs was schreiben (als ich endlich darüber redete gab's eine wenig spektakuläre Konfrontation mit ihm und danach bis zu seinem Tod kein Kontakt mehr und die Familie seinerseits kannte ich eh nicht), der Rest besteht aus 4 Personen incl. mir. Mit meiner Mutter (dem Rest schon, aber nicht ständig, hin und wieder halt) gibt's seit längerem mal wieder keinen Kontakt, ist schizophren und sehr sehr unumgänglich insofern kann ich was zu der Wehmut/Sehnsucht/Trauer (vllt gibt's auch eine Wehwut^^) schreiben... aber naja, ist vllt nicht so erhellend weil ich da selber noch dran bin.

Was ich bisher denke ist dass solche Trauer einfach nicht schnell gehen kann, da ist ja niemand tot und was womoglich aber so langsam stirbt ist lediglich ein Bild und zwar nicht mal unbedingt ein reales sondern eins dass man sich wünscht oder damals gewunschen hätte. Für mich gibt's mehr Gründe keinen Kontakt zu haben aber selbst das alleine wäre ausreichend denn solange diese Bild noch existiert wäre neuer Kontakt einfach mit falschen Hoffnungen die nicht erfüllt werden können verbunden.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH