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Stationäre Behandung - Depressionen, Gereizthei, Kontrollverlust

BzuHxu hat die Diskussion gestartet


Hallo Leute,

ich spreche mal im Allgemeinen. Spielt ja keine Rolle ob das geschilderte nun ich bin oder wer anders.

Fakten:

Depressionen

Schnell gereizt und gleich auf 180, Wütend werden

Kein Nervenkostüm, jede Kleinigkeit regt auf und da wird sich reingesteuert bis hin zum Kontrollverlust.

> Nicht gänzlich aber es ist unglaublich schwer, da irgendwie wieder runter zu kommen

Auch auf Arbeit. Alle Nerven. Kollegen sowie Kunden. Was stört kann nicht gesagt werden (Aufgrund der Persönlichkeit - niemanden vor den Kopf stoßen wollen)

Aktuelle Situation:

Keine Psychologen gefunden und jetzt Stationär in einer renommierten Psychosomatischen Abteilung eines großen Universitätsklinikums.

Was jetzt Stört bzw. Interessiert:

Nun ist der Aufenthalt da im 5. Tag.

Morgens aufstehen

Frühsport

Frühstück

Keramikarbeiten, Basteln, Lichttherapie

1x in der Woche Gespräch mit dem Therapeuten bzw. der Ärztin.

Nun steht die Frage im Raum:

Wie soll all das helfen? Vor Ort wird sich nicht aufgeregt, weil die ganzen Stressfaktoren ja nicht da sind.

Wie kann man sich also eine Behandlung bzw. die Ergebnisse Vorstellen? Wie soll das Arbeiten mit

Ton einem dabei helfen?

Ich meine das nicht böse oder abwertend. Es besteht nur die Frage in wie fern das wirklich hilft und oder ob es nicht andere Sinnvollere Möglichkeiten gibt.

Antworten
J)uley


Ich kann mir nicht vorstellen dass es dort nicht mehr Angebot gibt. Vielleicht wollen sie dich am Anfang nicht gleich überfordern...

Was wünschst du dir denn von der Klinik?

B)uHu


Hallo Juley,

natürlich gibt es auch mehr, was man machen kann um sich zu beschäftigen. Man bekommt ja einen Tagesplan. Da ist dann unter anderem eben Keramik, Lichtherapie, Sport, Schnitzen etc. dabei. Aber es ist eben nicht das, was man sich so vorstellt, wenn man in eine Stationäre Therapie kommt.

Man stellt sich immer vor, das man dann Gespräche mit Psychologen hat die die Probleme aufarbeiten und die Gründe finden etc.

Das alles ist indies nicht der Fall. Naja nicht ganz. Einmal in der Woche eben.

Deswegen steht die Frage im Raum, in wie fern all das was man so die Woche über macht bei der Genesung und Verarbeitung hilft.

cHhi


In der ersten Woche passiert da generell nicht viel. Wirst du auf ein Medikament eingestellt?

Jmulexy


Das ist aber beinahe in jeder Klinik so, dass man nur 1 mal in der Woche Einzeltherapie hat. Wenn du ambulant Therapie machst, findet das im Normalfall auch nur einmal in der Woche statt.

J;ulexy


Das ist aber beinahe in jeder Klinik so, dass man nur 1 mal in der Woche Einzeltherapie hat. Wenn du ambulant Therapie machst, findet das im Normalfall auch nur einmal in der Woche statt.

B&enirta2Bx.


Kommt ja auch drauf an, in wieweit du Dich da einbringst. Gibt doch sicher auch Gruppentherapie und man erlernt Strategien zur Bewältigung genau der Dinge, die man an hat...

In der Klinik, in der ich war, war man pausenlos in Therapien eingebunden. Und man macht mit Ton ja auch etwas, was vorgeben ist, ein Thema, was dann innerhalb der Stunde besprochen wird.

Da ist auch viel Eigeninitiative gefragt. Kenne aber auch Patienten, die kriegen das Maul nicht auf und kurz vor der Entlassung wird ihnen bewußt, sie haben ihre Chance, selbst etwas zu ändern, vertan.

BauH%u


Es wird alles mit gemacht. Auch wird nicht immer im Zimmer gegessen und geheult. Eine weitere im Doppelzimmer befindliche Person stellte sich als äußerst nett raus. Man versteht sich und hat die gleichen Symptome.

Medikamente werden nicht eingestellt. Keine ADs oder sonstige Medikamente.

Es wird sich auch eingebracht und viel selbst gemacht. Lange weile besteht indes kaum. Es ist durchaus bewusst, dass man freiwillig da ist und es wird als Privileg gesehen. Insofern kann man sagen, dass alles mit offenen Armen aufgenommen und konform durchgeführt wird.

Gruppentherapien gibt es wohl, sind im Moment jedoch nicht angesetzt.

@ Juley

Das ist aber beinahe in jeder Klinik so, dass man nur 1 mal in der Woche Einzeltherapie hat. Wenn du ambulant Therapie machst, findet das im Normalfall auch nur einmal in der Woche statt.

Genau, das ist wohl einer der Punkte die falsch interpretiert wurde.

Bisher gibt es keinen Unterschied zwischen einer Ambulanten und Stationären Therapie.

Bisher wurde angenommen, dass die stationäre Behandlung eben etwas intensiver ist.

@ BenitaB.

In der Klinik, in der ich war, war man pausenlos in Therapien eingebunden.

In wie fern "Pausenlos"?

Hattest du das Gefühl, dass Dir die Therapien da explizit geholfen haben? Oder waren sie nur zum Zeitvertreib mehr oder weniger nützlich?

Wobei es natürlich bei dem Therapieplan immer auf die Symptome ankommt.

scch;neck^e1x985


Ich setze mal ein Lesezeichen. :)_

Mich hat die Perspektive "psychosomatische Klinik" ziemlich abgeschreckt. Ich habe mir mal eine angesehen, fand das Angebot aber nicht besonders gut - für meine (eigenwillige) Persönlichkeit und meine individuellen Probleme.

Meine stationären Aufenthalte waren in der Psychiatrie und dort fand ich Ton eigentlich immer ganz geil, um bei Bedarf mit aller Kraft drauf einzuhämmern.

@ BuHu

Was ich mich bei dir gefragt habe: Ist die Wut wirklich Teil deiner Persönlichkeit (dann wird dir das beschützte Umfeld in der Klinik m.M. nach nicht so viel bringen), oder ist es Ausdruck deiner Krankheit? Wie warst du früher, also im Normalzustand?

Ich erlebe Wut gerade an einer mir sehr nahe stehenden Person, und da ist es defintiv Teil von psychischen Beschwerden à la: Ich bin einfach mit den Nerven runter und deshalb schon bei Kleinigkeiten aggressiv.

Ich hatte mal ähnlich explosive Symptome, dich ich als "Vulkanausbruch" beschrieben habe. Mein Therapeut meinte damals: "Dann müssen wir den Druck aus dem Vulkan sukzessive in kleinen Entladungen herauslassen". Es hat lange gedauert, bis ich die Instrumente für temporären Druckabbau gefunden habe, aber in den letzten Jahren funktioniert das ganz gut. Ich denke, der Aufbau eines individuellen Leitfadens für den kontinuierlichen Druckaufbau ist die Lösung, aber die Erarbeitung dieses Katalogs dauert halt. Bei mir wirkt z.B. Sport in dieser Hinsicht überhaupt nicht (obwohl das in psychologischen Leitlinien immer empfohlen wird), dafür aber Sachen wie töpfern/nähen/zeichnen.

Was insgesamt an einer Klinik wichtig ist: Sie sollen dich bei individuellen Lösungsstrategien unterstützen! Das finde ich das A und O einer guten Behandlung.

(Ich bin v.a. deshalb nicht in die besichtigte psychosomatische Klinik eingetreten, weil Gruppentherapie dort einen sehr wichtigen Raum einnimmt. Damit kam ich aber (zu dem Zeitpunkt, schon ausprobiert) überhaupt nicht zurecht, es machte mich aggressiv. Im Vorgespräch der Klinik hieß es dann: "Aufgrund deiner Diagnosen bist du sicherlich schwierig und wir braten keine Extrawürste für dich." Will heißen: Beim Besichtigungsgespräch habe ich schon gemerkt, dass Null auf meine persönlichen Schwerpunkte Rücksicht genommen wurde.

Insgesamt würde ich aber schon raten, dir noch die zweite Woche dort anzuschauen. Die Anfangszeit in einer Klinik ist wohl allgemein ziemlich ruhig, aber das kann sich in der zweiten Woche noch stark ändern. :)*

BLenixtaB.


Mich hat die Perspektive "psychosomatische Klinik" ziemlich abgeschreckt. Ich habe mir mal eine angesehen, fand das Angebot aber nicht besonders gut - für meine (eigenwillige) Persönlichkeit und meine individuellen Probleme.

Es gibt auch selten dämliche Kliniken. Meine bot das:

Verhaltenstherapie mit: Reizkonfrontationen für Patienten mit phobischem Vermeidungsverhalten, Selbstsicherheitstraining für unsichere Patienten, verschiedene Entspannungstherapien für alle psychosomatisch Erkrankten, sexual- therapeutische Interventionen bei Paarstörungen, Kommunikationsübungen für chronische Konflikte innerhalb von Paarbeziehungen, systemische Intervention zur Veränderung der Familieninteraktion bei Ablösungsschwierigkeiten und anderen Familienproblemen, kognitives Bewältigungstraining für die bessere Bewältigung von Stresssituationen, kognitive Verhaltenstherapie oder interpersonale Therapie bei depressiven Störungen, Expositionstraining bei Angststörungen, Hypnose, körperorientierte Selbsterfahrung, provokative Therapie bei sozialen Phobien und gehemmt depressiven Patienten, systematische Desensibilisierung, Angstüberflutung, Meditation, Trauerarbeit, Training sozialer Kompetenzen, Neurolinguistisches Programmieren, Kombinationstherapie (Pharmakotherapie und Psychotherapie) bei Depression, Angststörungen, Zwangsstörungen, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, interaktionelle Gruppen.

Therapeutenwechsel jederzeit möglich während der Therapie.

Rhhzelia


Du bist jetzt den 5. Tag da, davon 2 Wochenendtage.

Es läuft in der Regel langsam an und die Therapien werden sich steigern. Die Therapeuten müssen dich auch erst kennen lernen und sehen, was du brauchst.

Klar sieht man zunächst nicht den Sinn in Sport und Töpfen. Es ist erst mal Beschäftigung, aber beides sind Methoden, um eben auch Druck abzubauen. Vielleicht ist es auch nicht das richtige für dich und du musst erst verschiedenes ausprobieren.

Hast du denn für dich klare Ziele definiert, was du in dem stationären Aufenthalt erreichen möchtest?

Es gibt eine Behandlungsplanung, indem Ziele und Maßnahmen definiert und geplant werden.

Bringe dich da aktiv ein und sage, was du dir wünscht, was du erreichen möchtest.

Ja, und die wöchentliche Therapie wird auch Arbeit für dich werden. Es ist ja nicht so, dass du dort einfach nur redest, sondern du erarbeitest mit dem Therapeuten Lösungsstrategien, die du im Alltag erproben und umsetzen musst. Das sind dann Hausaufgaben bis zum nächsten Termin. Von daher sind die wöchentlichen Termine in der Regel ausreichend.

In der Klinik wird es Situationen geben, die dich belasten, wütend machen oder frustrieren. Damit wird dann auch "gearbeitet".

Entlastende Gespräche kannst du zwischendurch noch einfordern. Hast du eine feste Bezugspflegeperson? An diese kannst du dich immer wenden.

Wichtig ist einfach, dass während des Aufenthaltes aktiv bleibst und dich nicht passiv von Angeboten berieseln lässt.

Vielleicht ist es für dich hilfreich ein kleines Tagebuch anzulegen, damit du selbst deine Fortschritte, wenn es auch nur kleine sind, nachvollziehen kannst.

M_e9tUte5MaXrixe


Hallo Buhu,

ich kenne die von dir beschriebenen "Symptome" selbst von mir und war deshalb im Sommer zwei Monate in einer psychosomatischen Klinik am Chiemsee. Mit den Fortschritten, die ich dort erreicht habe, bin ich sehr zufrieden. Natürlich waren die Therapieangebote in den ersten zwei Wochen relativ überschaubar. Ich fand das nicht schlecht, denn ich musste ja auch erstmal dort ankommen und die Therapeuten mussten sich ein Bild von mir machen. Danach hatte ich wöchentlich die folgenden Anwendungen:

- 2x 50min Einzeltherapie (bin Privatpatient; Kassenpatienten nur 1x)

- 3x 100min Gruppentherapie

- 2x 100min Depressionsbewältigungsgruppe (insgesamt 8 Sitzungen)

- 2x 100min Bewältigungsgruppe Soziale Phobie (insgesamt 8 Sitzungen)

- 2x 100min Soziale Kompetenz Gruppe (insgesamt 8 Sitzungen)

- 1x 100min Frühsport plus zwei andere Sportgruppen, jeweils 1x 60min wöchentlich

- 1x 100min Gestaltungstherapie

- 1x 100min "Aufbau positiver Aktivitäten"

- 2x15 min Entspannung auf dem "MediStream" (Wasserbett mit Düsen)

- und wegen meiner somatischen Beschwerden noch Wärmeanwendungen und Manuelle Therapie.

Alle Anwendungen waren verpflichtend und man konnte sich nur mit einer "Begründung" entschuldigen. Mit einem "Ich habe heute keine Lust/keinen Antrieb", ist man nicht davongekommen.

Ich hatte dort eine Panikattacke, sehr heftig und zum ersten (und bisher einzigen) Mal in meinem Leben. In meiner nächsten Einzeltherapie habe ich sofort Strategien erhalten, eine Panikattacke frühzeitig zu erkennen und abzuwenden oder wie ich mir bei schweren Attacken selbst helfen kann (natürlich mit dem Hinweis, ab wann man einen Arzt holen muss).

Die gestaltende Therapie ohne therapeutischen Hintergrund ("Aufbau positiver Aktivitäten") hat zum Ziel, dass die Patienten wieder Erfolge erleben und lernen, ihre freie Zeit sinnvoll zu gestalten. Viele depressive Menschen haben das Gefühl, dass ihnen nichts mehr gelingt und immer zu versagen. Diesem Eindruck kann mit kleinen Gestaltungsarbeiten entgegen gewirkt werden. Außerdem kann durch die Arbeit mit den Händen eine gewisse Entspannung bewirkt werden.

Ich habe festgestellt, dass diejenigen Patienten, die sich auf die Angebote eingelassen und nicht in Frage gestellt haben, die größten Fortschritte erzielt haben. Außerdem finde ich es wichtig, sich zu öffnen und die Sachen anzusprechen, die einen wirklich bewegen/belasten. Der Therapeut kann schließlich nur das "therapieren", was der Patient preisgibt. Aus meiner Sicht erlernt man in einer Klinik hauptsächlich die Theorie, was man in seinem Alltag ändern kann, um in bestimmten Situationen anders ("besser") zu reagieren oder anders/besser damit umgehen zu können. Die Herausforderung bleibt dann natürlich, dies im Anschluss an die Maßnahme "allein" in seinem Alltag umzusetzen.

Aus meiner Sicht ist es gerade ein Vorteil der Klinik, dass man eben nicht mehr diese ganzen stressigen Faktoren um sich hat und sich erstmal entspannen und zur Ruhe kommen kann. Für mich war es wirklich sehr hilfreich, dass ich mich "nur" um mich und nicht auch noch um meinen Haushalt, meinen Arbeitsplatz, meine Ernährung etc. kümmern musste.

Ich empfehle, noch etwas Geduld zu haben. Gerade wenn man sehr tief in einer Krise steckt, ist es nicht so einfach, einen Sinn zu erkennen. Das braucht einfach Zeit, bis die Psyche sich soweit entspannen kann, dass man erste Effekte/Veränderungen bewusst wahrnehmen kann.

Ich wünsche der betroffenen Person ganz viel Mut und Kraft, die Therapie weiterzumachen und sich so weit öffnen zu können, dass sich am Ende der Maßnahme das Gefühl einstellt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben :)*

P.S: Da es sehr schwierig ist, einen Platz in einer ambulaten Therapie zu bekommen, empfehle ich, schon jetzt nach einem Therapeuten zu suchen, um die lange Wartezeit zumindest ein wenig mit der stationären Therapie überbrücken zu können.

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