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Brauch mein Partner psychologische Hilfe?

bvanirspxfel hat die Diskussion gestartet


Hallo,

Ich glaube, mein Freund hat ein Problem.

Wir sind nun seit fast 5 Jahren zusammen, von Anfang an konnte er es nicht lassen an seinen Fingernägeln zu kauen, sogar bis es geblutet hat.

Seit etwa 3 Jahren nun kommt zusätzlich dazu, dass er sich Haare ausrupft. Nicht am Kopf, aber vor allem Augenbrauen und Wimpern. Manchmal auch Barthaare oder Brust-/Unterarmhaare. Meist wenn er unter Druck steht zB. wenn wir uns streiten oder er eine wichtige Aufgabe zu erledigen hat macht er das. Manchmal aber auch einfach aus Langeweile. Und es wird immer schlimmer, er sieht schon echt schlimm aus und hasst deshalb Fotos von sich. Ich ermahne ihn immer wenn ich ihn erwische aber das führt oft zu Streit.

Er selber hasst Ärzte und vor allem Medikamente, weswegen es wirklich nicht leicht ist ihn dazu zu motivieren Hilfe zu suchen. Er meint, so schlimm sei es doch gar nicht. Ich finde aber er leidet darunter, denn es ist ihm super unangenehm wenn er darauf angesprochen wird ...

Dazu kommt, dass wir eine teure Therapie nicht zahlen können, wir sind beide Studenten.

Achso, er ist nun 20 Jahre alt.

Ist das wirklich nichts schlimmes und normal oder sollte ich ihm auf die Füße stehen und ihn zum Arzt schicken?

Antworten
amug2x33


Normal - was ist normal? - ist es eher nicht; es gibt eben viele Möglichkeiten Spannungen abzubauen. Da er scheinbar selbst nicht darunter leidet, deswegen keine Nachteile hat im Alltagsleben, fehlt ihm bisher die Motivation etwas zu ändern.

Schimpfen hilft eher nicht. Aber was? Hat jemand Ideen!?

_CParvaxti_


Ich schreibe dir mal als Betroffene. Kenne beide Probleme, also Nägelkauen und Haare reißen auch nur Wimpern und Augenbrauen.. Letzteres heißt übrigens Trichotillomanie. Kannst du ja mal googeln. Beides Krankheitsbilder sind Impulskontrollstörungen und gerade die Trichotillomanie wird man nur sehr sehr schwer wieder los. Ich leide schon knapp 20 Jahre darunter. Mir konnte bisher nicht mal ein Therapeut helfen. Da war die Behandlung meiner anderen Störungsbilder wie PTBS oder diverser Angststörungen ein Klacks dagegen.

Die beste Chance sehe ich noch darin, diese Störungen so früh wie möglich behandeln zu lassen. Wenn dein Freund den WILLEN hat, sich das alles abzugewöhnen, dann sollte er sich so schnell wie möglich behandeln lassen. Ich würde da auch keine Selbstversuche starten die Angewohnheit loszuwerden, zumindest bei Trichotillomanie. Das führt oft zu nix. Das kann ich nicht nur aus eigener Erfahrung sagen sondern weiß ich auch von anderen Betroffenen.

Das Gute, zumindest bei mir als Frau ist, dass ich meine Problemstellen im Gesicht überschminken kann. Geht bei einem Mann eher schwer. Auffallen tut es trotz Schminke aber trotzdem - zumindest, wenn man genau hinschaut. Wenn dein Freund sich an anderen Körperstellen, wie eben z.B. Achseln und Bart die Haare reißt, dann würde ich das nicht weiter tragisch finden, da das ja nicht weiter auffällt. Den Bart kann man ja auch abrasieren und die Achselhaare letztendlich auch. Da wird man auch nicht mehr dazu verleitet zu reißen, denn dann ist ja nix mehr zum Reißen da. Ich hab das auch mal mit meinen Augenbrauen gemacht. Das Ur-Problem wird aber dadurch nicht behoben oder kann sogar verschoben werden. Es kann also sein, dass er sich dann noch mehr auf Wimpern und Augenbrauen konzentriert oder vielleicht gar noch die Kopfhaare ausreißt.

Aber wie gesagt: Eine Behandlung muss er auch wollen. Da kannst du noch so sehr auf ihn einreden. Wenn er nicht will, dann kannst du nix machen. Er muss selbst erkennen ob er Hilfe benötigt. Wenn bei ihm der Leidensdruck hoch genug ist, wird er sich auch Hilfe suchen. Wenn du ihn aber zu etwas drängst, was er (noch) nicht will, dann bringt die beste Therapie nix.

Was du auch nicht machen darfst ist, ihn ständig darauf hinzuweisen, dass er wieder gekaut oder gerissen hat. Dadurch setzt du ihn nur noch mehr unter Druck, was wiederum dazu führt, dass er noch mehr kaut und reißt. Am besten so gut wie gar nicht darüber reden.

Du kannst nicht mehr als Hilfe anbieten und du kannst ihm auch sagen, dass er mit dir über seine Probleme reden kann. EINMAL anbieten und gut ist. Dann weiß er, dass er zu dir kommen kann, wenn er wirklich bereit ist über seine Probleme zu sprechen.

Mehr kann ich dir auch nicht raten. Aber ich hoffe, das hilft dir vielleicht ein wenig.

_+Pa=rvatxi_


Dazu kommt, dass wir eine teure Therapie nicht zahlen können, wir sind beide Studenten.

Wenn ihr in Deutschland lebt, dann trägt die Krankenkasse die Kosten für eine Therapie. In Österreicht sieht das, glaube ich, wieder anders aus.

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