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Trauma nach Fehlgeburt - wie überstehen?

SdileXnt9x3 hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr Lieben ":/

Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich einfach mal niederschreibe was mich belastet bzw. was mir Probleme macht. Aber ich denke, dass es mir gut tun wird, mir einfach mal alles von der Seele zu schreiben und vielleicht auch die Meinungen anderer dazu zu hören. Ich warne vor: es wird ein langer Text, ich habe leider sehr sehr viel auf der Seele.

Vorweg muss ich sagen, dass dieses Jahr mein komplettes Leben auf den Kopf gestellt hat. Ich bin jetzt 22, fast 23 und stehe quasi komplett an einem Neuanfang. Ich bin Mitte diesen Jahres in eine Psychiatrische Klinik gekommen - als Notfall. Wegen starker Depression mit akuten Suizidgedanken. Mein Ex-Freund hatte mich dort "eingeliefert", weil nichts mehr ging. Ein kompletter Nervenzusammenbruch wenn man so will. Ausgelöst von der Trennung von meinem EX, wo ich notgedrungen wieder zu meinen Eltern musste. 9 Tage war ich dort bis ich abgehauen bin und zurück zu meinem Ex, weil ich nicht wusste wohin.

Ich kam in die Klinik und von da an hörte ich nie wieder was von meinem Ex. Er hatte sein "Problem" ja entsorgt. Ich kämpfte mich durch, überstand irgendwie diesen unglaublichen Tiefpunkt. Aber aus eigener Kraft, die 4 Wochen Klinik brachten nichts, im Gegenteil. Ich bekam Medikamente die nichts brachten, Ärzte und Pfleger kümmerten sich nicht.

Nachdem der Stationspsychologe spontan der Meinung war, ich wäre wieder "gesund" wurde ich von jetzt auf gleich entlassen. Mein größtes Problem: wo sollte ich so plötzlich hin? Weil ich keine andere Möglichkeit sah, ging ich wieder zu meiner Mutter und dessen Lebensgefährte. Ein Fehler wie sich später herrausstellte. In der Zwischenzeit hatte ich über eine Mitpatienten aus der Klinik einen Mann kennen gelernt. Wir verstanden uns auf Anhieb perfekt. Er hatte keine Probleme mit meiner Psyche, bei ihm konnte ich wieder lachen.

Wir trafen uns immer am Wochenende. Verliebten uns und kamen letztendlich zusammen. Bei meinen Eltern wurde die Situation zunehmend schlimmer, und ich fiel wieder in dieses depressive Loch - nur noch schlimmer. Ich fing an mich selbst zu verletzten, hatte wieder Suizidgedanken usw. Bis mein Freund mich aus purer Angst in eine andere, neue Klinik eingewiesen hat. Aber diesmal war es anders. Mir wurde geholfen, man hörte mir zu, ich war nicht mehr allein. Mein Freund stand immer hinter mir, hohlte mich für meinen Tagesurlaub ab, besuchte mich und war immer da. Ich bekam Medikamente die mir etwas halfen und schaffte es auch diesmal aus meinem Loch - nach 4 Wochen Klinik.

Da ich nicht wieder zurück zu meinen Eltern sollte, zogen mein Freund und ich zusammen. fast 3 Monate waren wir inzwischen zusammen. Für einige zu früh, für uns das Beste was wir machen konnten.

Mir ging es immer besser. Ich konnte wieder Atmen, verletzte mich nicht mehr, fand mein Lachen wieder.

Dann vor ca. 1,5 Monaten der Moment der mich wieder komplett aus der Bahn geworfen hat. Ich würde an einem Sonntag, mitten in der Nacht in ein Krankenhaus eingeliefert. Was war passiert? Ich hatte plötzliche, unglaubliche Unterbachschmerzen die so stark waren, dass mein Kreislauf versagte und ich zusammenklappte. Im Krankenhaus erfuhr ich dann, dass ich eine Fehlgeburt hatte. Ich hatte bis dato nicht einmal was von der Schwangerschaft gewusst. Mich traf dies wieder mitten in meine Schwachstelle. Obwohl mein Freund auch hier zu mir stand, zieht das bis heute arge Probleme mit sich.

Jetzt zu dem eigentlichen Problem.

Seit der Fehlgeburt kann ich keine Nähe mehr zulassen. Keine Umarmung, keinen Kuss, kein Kuscheln, nichts. Ich bekomme dann das Gefühl weg zu müssen, ich wehre mich dann. Dazu kommt, dass ich unglaublich gereizt bin. Ich streite wegen jeder Kleinigkeit, mecker nur noch und bin emotional komplett aus dem Gleichgewicht. Hinzu kommen körperliche Probleme wie Schlafprobleme, Heißhungerattaken oder komplette Appetittlosigkeit.

Ich stehe auf einer Warteliste bei einem Psychologen und warte dort auf einen Termin.

Aber vielleicht kennt das jemand, oder hat irgendeinen Tipp?

Die Feiertage stehen bevor und ich würde mich am liebsten einschließen.

Da meinem Freund die Familienfeiern aber sehr wichtig sind, werde ich hingehen.

Ihm zu Liebe und weil ich mich nicht wieder einigeln will.

Aber manchmal nützt all die Kraft nichts.

Wenn man nicht weiß, wie man sie nutzen soll.

liebe Grüße

Antworten
E5hemaliger, Nut:z9er (B#565x974)


Hallo liebe Silent93!

Ich denke, es ist wichtig, dass du offen mit deinem Partner über die Problematik sprichst.

Mich traf dies wieder mitten in meine Schwachstelle.

Darf ich fragen, was deine "Schwachstelle" ist?

Hast du eine Vermutung, warum dich diese Fehlgeburt so verändert hat?

fCalco }pelegqrinoxides


Liebe Silent,

auch ich habe eine Fehlgeburt hinter mir. Allerdings wollte ich damals nicht schwanger werden aber hinterher schmiedete ich doch Zukunftspläne mit dem Kind.

Eine Fehlgeburt kann für viele ein Trauma sein. Meine Ärztin meinte, daß es die ersten 3 Monate häufig vorkommt. Ich weiß nicht wie weit du warst? Mir ging es danach so schlecht, daß ich mir das Leben nehmen wollte. Allerdings war ich in psychologisch und psychiatrischer Behandlung.

Ich lebe nicht in Deutschland aber falls du dort lebst, dort gibt es einen sozialpsychiatrischen Dienst, vielleicht könntest du dort erst einmal Hilfe bekommen. Frage doch dort einmal nach.

Geht es dir so schlecht, weil du weißt, daß du ein Kind verloren hast? Oder weil du nicht wusstest, daß du schwanger warst?

Lg :)*

Syilexnt93


Hallo meine Lieben

erst einmal vielen Dank für eure Antworten und ein dickes Sorry, dass ich mich jetzt erst melde.

In Moment geht es mir absolut nicht gut und ich hatte nicht wirklich die Kraft für irgendetwas.

Darf ich fragen, was deine "Schwachstelle" ist?

Eine meiner größten Schwachstellen ist die Tatsache, dass ich Verluste einfach nicht verarbeiten kann, bzw anders als "gesunde" Menschen. Ich habe in in den letzten 5 Jahren meine größte Stütze (mein Pferd), meinen besten Freund (Selbstmord) und meinen Bruder verloren. Keinen Todesfall habe ich bis heute in irgendeiner Form verarbeitet, ich habe noch nicht einmal die Gräber besuchen können, weil ich es nervlich nicht schaffe. Das mit meinem Pferd mag sich für einige komisch anhören. Aber ich kann aufgrund meiner Vergangenheit (Gewalt und Missbrauch die ganze Kindheit über), nur engere Bindungen zu meinen Tieren aufbauen. Mein Pferd hat mir damals beigebracht zu vertrauen und mich wieder ein Stück weit aufgebaut, quasi Therapie.

Daher sind Verluste wie zB die Fehlgeburt ziemlich kritisch bei mir, Mir geht sowas nah und ich kann damit nicht umgehen.

Ich weiß nicht wie weit du warst? Mir ging es danach so schlecht, daß ich mir das Leben nehmen wollte. Allerdings war ich in psychologisch und psychiatrischer Behandlung.

Ich war ca. in der 5. Woche. Also noch ganz am Anfang.

In Behandlung bin ich so halb, da ich noch auf einen Termin warte. Ich stehe aber mit der letzten Klinik wo ich war in Kontankt, da ich mittlerweile den Gedanken habe, mich wieder einweisen zu lassen.

Ich bin leider sehr viel alleine und ich habe Angst, dass ich Dummheiten baue. Zumal ich in letzer Zeit auch sehr sehr unglücklich mit meiner Beziehung bin.

Das Ende des Jahres (Weihnachten und Silvester) sind für mich die schlimmste Zeit im Jahr. Ich schlafe nicht, ich esse nicht, ich igel mich komplett ein, wenn ich schlafe habe ich Alpträume bis hin zu Panikattacken (besonders Nachts). Das kommt alles noch von meiner Kindheit, da es zu dieser Zeit immer am schlimmsten war und ich nur schlechte und schmerzhafte Erinnerungen daran habe.

Ich bräuchte zu dieser Zeit eigentlich jemanden der für mich da ist. Der auf mich "aufpasst" und mir halt gibt. Doch das kann mir mein Freund nicht bieten. Entweder er ist am arbeiten oder ist nicht bereit für mich etwas abzusagen, obwohl er weiß wie schlecht es mir geht. Heute zB bin ich von heute morgen 7 Uhr bis jetzt und wahrscheinlich noch bis in die Nacht allein. Ich hab panische Angst, doch er wollte lieber auf eine Weihnachtsfeier gehen. Ich weiß durchaus, dass ich schwierig bin, dass es sehr schwer mit mir ist und das ich auch ein gewisses Maß an Zuwendung in solchen Zeiten brauche. Aber er wusste von Anfang an worauf er sich einlässt. Er kennt meine Ängste, meine Vergangenheit und alles was ich durch habe.

In Moment kommt eben alles bei mir zusammen. Meine Vergangenheit, die Todesfälle, die Fehlgeburt... Alleine schaffe ich das nicht. Vielleicht könnt ihr mich ein wenig verstehen. Ich stehe in einer Sackgasse und ich muss da ein Weg herausfinden. Ich weiß nur noch nicht wie.

E$hemaligoer NutzRer (#565974x)


Silent93

Eine meiner größten Schwachstellen ist die Tatsache, dass ich Verluste einfach nicht verarbeiten kann, bzw anders als "gesunde" Menschen.

Genau hier solltest du ansetzen.

Hattest du denn bei all diesen Verlusten eine Trauerphase? Oder hast du versucht, sie zu verdrängen?

Das mit meinem Pferd mag sich für einige komisch anhören. Aber ich kann aufgrund meiner Vergangenheit (Gewalt und Missbrauch die ganze Kindheit über), nur engere Bindungen zu meinen Tieren aufbauen.

Dass du eine sehr enge Bindung zu deinem Pferd hattest, hört sich überhaupt nicht komisch an. Ich denke sogar, dass das einige nachvollziehen können. @:)

Aber auch daran solltest du (später in einer Therapie) arbeiten, damit engere Bindungen zu Menschen wieder möglich werden. @:)

In Behandlung bin ich so halb, da ich noch auf einen Termin warte. Ich stehe aber mit der letzten Klinik wo ich war in Kontankt, da ich mittlerweile den Gedanken habe, mich wieder einweisen zu lassen.

Das halte ich für eine sehr gute Idee!

Ich weiß durchaus, dass ich schwierig bin, dass es sehr schwer mit mir ist und das ich auch ein gewisses Maß an Zuwendung in solchen Zeiten brauche. Aber er wusste von Anfang an worauf er sich einlässt.

Hm, das Thema ist natürlich schwierig. Einerseits verstehe ich deinen Wunsch, andererseits solltest du auch nicht auf seine Bedürfnisse vergessen. Er kann doch nicht seine gesamte Freizeit nur mit dir verbringen. Fraglich ist auch, ob er wirklich nachvollziehen kann, wie schlecht es dir wirklich geht. Grundsätzlich ist er aber nicht dein Therapeut und so etwas kann eine Beziehung auch auf Dauer sehr belasten. Ich kenne eure Beziehung und die genaue Situation nicht, aber ich wollte ein paar Denkanstöße geben. @:)

Ich würde das Thema auf jeden Fall vorsichtig in Ich-Botschaften ansprechen. In etwa so: "Schatz, mir geht es gerade in der Weihnachtszeit wegen xy sehr schlecht. [Ev. könntest du ihm deine Gefühle und die Situation beschreiben, damit er sich etwas darunter vorstellen kann.] Ich würde mir wünschen, dass du (z. B.) etwas mehr Zeit für mich hast."

Gibt es denn eventuell auch Freunde oder Familienmitglieder, die dir Halt geben können? Sonst auch hier natürlich das Angebot, dass du dich jederzeit an das Forum wenden kannst, wenn du z. B. jemanden zum Reden brauchst. :)*

In Moment kommt eben alles bei mir zusammen. Meine Vergangenheit, die Todesfälle, die Fehlgeburt... Alleine schaffe ich das nicht. Vielleicht könnt ihr mich ein wenig verstehen. Ich stehe in einer Sackgasse und ich muss da ein Weg herausfinden. Ich weiß nur noch nicht wie.

Ich denke, dass ein Klinikaufenthalt im Moment das beste wäre. Du bist in einem geschützen Rahmen und hast die Unterstützung, die du brauchst. :-)

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