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Vertrauen im erwachsenen Alter noch erlernbar?

MKamCmupt86 hat die Diskussion gestartet


Hallo Forengemeinde,

meine Frage steht ja schon in der Überschrift. Ich frage mich das jetzt in letzter Zeit schon sehr oft. Der Grund hierfür ist, dass ich es seit meiner Jugend (oder vielleicht schon länger) nicht mehr schaffe zu jemanden ein wirklich vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen.

So wirklich bewusst wird mir das nun seit 2-3 Monaten durch meine Therapie. Wer meinen anderen Thread vielleicht gelesen hat weis das ich seit Februar wieder in einer Therapie bin und extreme Probleme habe mich zu öffnen. Seit nun schon einigen Monaten spreche ich in der Therapie nur mehr in sehr seltenen Fällen.

Ich merke, dass ich zu jedem Menschen, egal ob es meine Brüder, meine Eltern, Arbeitskollegen, Verwandte oder mein Therapeut ist, ich ein sehr großes Misstrauen hege. Großteils scheint dies auch unterbewusst zu passieren. Das Misstrauen ist zum Teil auch sehr unterschiedlich. Bei Menschen die mir jetzt nicht unbedingt so extrem nahe sind ist es so, dass ich Angst habe, dass mich mein Gegenüber anlügt und mir nur was vorspielt nur um an meine Geheimnisse zu gelangen um dann zum großen Schlag aufzuholen.

So geht es mir zum Beispiel aktuell bei meinem Therapeuten. Egal wie oft er mir sagt, dass ich ihm alles sagen kann und er mit nichts böses will und mich wegen nichts verurteilen wird, schaffe ich es einfach nicht ihm zu vertrauen. Immer wieder denke ich mir: "Und wenn du mir was böses möchtest, würdest mir das ja garantiert sagen!?"

Bei Personen die mir näher sind, wie zum Beispiel meinen Eltern, habe ich Angst sie zu enttäuschen, von ihnen nicht verstanden zu werden und im schlimmsten Fall sogar verstoßen zu werden. Dabei weis ich rational betrachtet, dass es gar keinen Grund gibt so zu denken.

Ich merke in den letzten Wochen bzw. Monaten so stark, dass ich jemanden brauche dem ich vertrauen kann und dem ich mich anvertrauen kann aber es geht einfach nicht. Hatte dieses Weihnachten vor, mich meinen Eltern anzuvertrauen. Ich wollte ihnen einen Brief schreiben, aber schaffte es nicht im Ansatz. Habe mich daher die letzten zwei Tagen aus Scham und vielleicht auch Selbsthass in meinem Bett verkrochen. Wenn meine Mutter versucht hat mich aus dem Bett zu holen wurde ich Aggressiv.

Ich sehe irgendwie keine Perspektive mehr. Es kommt mir fast schon unmöglich vor, daran zu glauben, dass sich das irgendwann mal ändert.

Der Gedanke, dass ich mein ganzes restliche Leben und ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass es noch sehr lange sein wird, bzw., dass ich mal einen natürlichen Tod erleiden werde einsam und verschlossen durch mein Leben gehen werde zieht mich extrem runter.

Danke fürs lesen.

Antworten
dTanaex87


Das ist so eine Sache die man nur lernen kann wenn man sich selbst eine chance gibt bessere Erfahrungen zumachen als zuvor. Erfahrungsgemäß sollte man damit nicht bei der eigenen Familie anfangen, es gibt ja Gründe für ein so tiefsitzendes Misstrauen. ;-) Therapeuten aber sind ein guter Anfang, sie haben keinen objektiven Grund einem schaden zu wollen. Man muss ja auch nicht gleich das ganz große Fass aufmachen, keinen emotionalen Strip hinlegen und sich blank und bloß machen sondern kann vorsichtig kleine Sachen rauslassen die einem zwar unangenehm sind, dem anderen aber keine echte Macht über einen geben.

LaichtGAmHEorizFonxt


Bei Personen die mir näher sind, wie zum Beispiel meinen Eltern, habe ich Angst sie zu enttäuschen, von ihnen nicht verstanden zu werden und im schlimmsten Fall sogar verstoßen zu werden. Dabei weis ich rational betrachtet, dass es gar keinen Grund gibt so zu denken.

Aber woher kommt die Angst? Dass man niemandem vertraut, kommt doch normalerweise von schlechten Erfahrungen.

Ich kann Dir leider nicht sagen, wie man vertraut, ich kann das selbst nicht richtig. Ich glaube aber, dass man es normalerweise im Gefühl hat, wem man trauen kann und wem nicht. Aber etwas in einem lässt das Gefühl nicht zu, es arbeitet nur noch der Verstand oder die negativen Kindheitserfahrungen. Es läuft also eigentlich darauf hinaus, dass man sich selbst nicht traut.

Vielleicht kannst Du Deinen Therapeuten mal nach Übungen (falls es so etwas gibt) fragen, um das eigene Bauchgefühl wach zu kitzeln?

E@hemalige8r NutzCer (#5=65974)


Beii diesem Misstrauen gegenüber anderen Menschen spielt das Misstrauen gegenüber dir selbst/deinen Fähigkeiten die entscheidende Rolle.

Ein Person, die sich anderen Menschen gegenüber hilflos ausgeliefert fühlt, fasst logischerweise viel schwerer Vertrauen als umgekehrt.

Das zu verändern wird ein langer Prozess, den du mit professioneller Hilfe bewältigen schaffen kannst. Hier ist der erste Schritt, dass du mit deinem Therapeuten sprichst. Das kann dir niemand abnehmen.

Wenn du dich nicht dazu überwinden kannst, wirst du noch länger mit diesem Problem zu kämpfen haben. Schlimmsten Falls für den Rest deines Lebens.

Edhem7alig;er ]Nutzerh (#{5286"11)


Nein. Kann man nicht. Nicht zu 100%. Vielleicht sogar zu 99% aber nicht zu 100%.

Urvertrauen wird schon im Säuglingsalter und als Kleinkind gebildet. Was da vermurkst wurde, bleibt vermurkst.

Nur der Grad des Misstrauens lässt sich noch ändern.

Du kannst iwann dein persönliches Optimum erreichen, aber ich bin überzeugt (eigene Erfahrungen halt), dass es nie VOLLKOMMEN sein wird, dein Vertrauen.

d(anaex87


Also vollkommenes Vertrauen halte ich auch für ein Konstrukt wie ewige märchen-LIebe. Das zu versuchen wäre total ungesund.

M[ammXut8x6


Danke für eure Antworten.

Therapeuten aber sind ein guter Anfang, sie haben keinen objektiven Grund einem schaden zu wollen. Man muss ja auch nicht gleich das ganz große Fass aufmachen, keinen emotionalen Strip hinlegen und sich blank und bloß machen sondern kann vorsichtig kleine Sachen rauslassen die einem zwar unangenehm sind, dem anderen aber keine echte Macht über einen geben.

Aber es gelingt mir ja nicht mal darüber zu sprechen was ich zum Beispiel am Wochenende gemacht habe. Wobei dies möglicherweise mit zu hohem Erwartungsdruck meinerseits zu tun hat. Wenn mein Therapeut versucht mit mir über so belangloses zu sprechen, unterstellt ein Teil von mir ihm immer versteckte Absichten. Ein Teil von mir will dann einfach nicht glauben, dass er einfach nur ein belangloses Gespräch führen will.

Aber woher kommt die Angst? Dass man niemandem vertraut, kommt doch normalerweise von schlechten Erfahrungen.

Ich kann es jetzt nicht wirklich genau sagen was das große Misstrauen ausgelöst hat, da es nicht das eine große Ereignis gegeben hat. Es waren mehr viele einzelne Ereignisse bzw. Folgeereignisse die mein Vertrauen zerstört haben oder eventuell dazu geführt haben, dass ich nie wirklich ein Vertrauen gefasst habe.

Mein Therapeut hat die Vermutung, dass schon in sehr frühen Kindheitsjahren etwas geschehen ist. Er meint daher kommt auch mein extrem großes Bedürfnis zu schweigen. Dazu fällt mir jedoch nichts ein.

Es läuft also eigentlich darauf hinaus, dass man sich selbst nicht traut.

Mit genau diesem Satz habe ich aktuelle denke ich sehr stark zu kämpfen. Es scheint so, dass ich meinen Gefühlen nicht mehr trauen kann. Aber was heißt das dann für mich? Soll ich dem Therapeuten einfach blindlings absolutes Vertrauen schenken? Also meine Gefühle ihm bzw. anderen gegenüber komplett missachten?

Es kommt mir so vor, dass ich aktuell nur zwei Möglichkeiten habe:

1. Ich missachte meine Misstrauen und gehe die absolute Gefahr ein wieder bis aufs Mark verletzt zu werden oder

2. ich lebe weiter mein Misstrauen und muss somit weiter mit meiner Einsam-, und Traurigkeit leben.

Das zu verändern wird ein langer Prozess, den du mit professioneller Hilfe bewältigen schaffen kannst. Hier ist der erste Schritt, dass du mit deinem Therapeuten sprichst. Das kann dir niemand abnehmen.

Mein Therapeut hat mich auch schon mehrmals darauf hingewiesen, dass es ein langer (mehrjähriger) Weg werden wird. Aber dies ist ein Punkt den ich nur sehr schmerzlich und langsam realisieren kann bzw. mit dem ich mich kaum abfinden kann.

Beii diesem Misstrauen gegenüber anderen Menschen spielt das Misstrauen gegenüber dir selbst/deinen Fähigkeiten die entscheidende Rolle.

Ein Person, die sich anderen Menschen gegenüber hilflos ausgeliefert fühlt, fasst logischerweise viel schwerer Vertrauen als umgekehrt.

Ja da hast du sicherlich recht. Ich schaffe es in vielen Punkten nicht mir zu trauen. Ehrlich gesagt ich mir auch über meine Absichten hier nicht ganz sicher.

Nein. Kann man nicht. Nicht zu 100%. Vielleicht sogar zu 99% aber nicht zu 100%.

Das denke ich auch. Denk Gedanken jemanden jemals (wieder) zu 100 % zu vertrauen habe ich denke ich schon aufgegeben. Dies sehe ich eher schon als schönen Traum an. Auch jemals mit jemanden eine intime Beziehung zu führen habe denke ich schon aufgegeben.

daanaxe87


Ich finde das 100% Vertrauen gar nicht schön ist sondern total blind und gruselig. Um einem Menschen 100% zu vertrauen muss man ausblenden das es sich beim gegenüber um einen Menschen mit Schwächen und Fehlern handelt und das wird vorhersehbar enttäuscht werden.

Mit genau diesem Satz habe ich aktuelle denke ich sehr stark zu kämpfen. Es scheint so, dass ich meinen Gefühlen nicht mehr trauen kann. Aber was heißt das dann für mich? Soll ich dem Therapeuten einfach blindlings absolutes Vertrauen schenken? Also meine Gefühle ihm bzw. anderen gegenüber komplett missachten?

Es kommt mir so vor, dass ich aktuell nur zwei Möglichkeiten habe:

1. Ich missachte meine Misstrauen und gehe die absolute Gefahr ein wieder bis aufs Mark verletzt zu werden oder

2. ich lebe weiter mein Misstrauen und muss somit weiter mit meiner Einsam-, und Traurigkeit leben.

So siehts aus. Das sogenannte Bauchgefühl ist ja eher unser Unterbewusstsein. Das ist nicht nur genetisch determiniert, es lernt auch aus Erfahrungen und generiert aus der Mischung ein Bauchgefühl. Meist kann man das gut aufdröseln wenn man genauer drüber nachdenkt, aber man wäre als Mensch kaum handlungsfähig wenn man das bei jedem Schritt machen würde.

In deinem fall ist dein Bauchgefühl offenbar durch ein feindliches Umfeld geprägt worden und hat noch nicht begriffen das du dich nicht mehr in diesem feindlichen Umfeld befindest, beziehungsweise nicht mehr hilflos bist, das es also auch andere Wege gäbe als zu Schweigen um sich zu schützen, Kinder sind da ja viel eingeschränkter.

Um das zu überwinden kann es erforderlich sein sich selbst zu sagen: Ja, schön, ich hab Angst wieder verletzt zu werden, aber ich bin groß, ich kann damit umgehen (lernen).

Eventuell solltet ihr in der Therapie versuchen das Pferd von dem Ende aus aufzuzäumen. Unterhaltet euch ganz technisch über Systeme um mit Verletzungen umzugehen. Wenn du da mehr Sicherheit hast kannst du dich woanders vielleicht einem Risiko aussetzen. Überhaupt könnte ich mir vorstellen das eine eher technische Vorgehensweise es dir erleichter würde. Also wenn ihr nicht über dich im Speziellen sprecht sondern über abstrakte Strukturen und Muster die bei Menschen so vorkommen.

LWichMtAVmH|orizoxnt


Mit genau diesem Satz habe ich aktuelle denke ich sehr stark zu kämpfen. Es scheint so, dass ich meinen Gefühlen nicht mehr trauen kann. Aber was heißt das dann für mich? Soll ich dem Therapeuten einfach blindlings absolutes Vertrauen schenken? Also meine Gefühle ihm bzw. anderen gegenüber komplett missachten?

Nein.

Daher riet ich Dir ja:

Vielleicht kannst Du Deinen Therapeuten mal nach Übungen (falls es so etwas gibt) fragen, um das eigene Bauchgefühl wach zu kitzeln?

Ich glaube nicht, dass Du gar kein Bauchgefühl hast. Aber eine andere Kraft ist stärker.

C2le_enxi


Hallo Mammut86,

was bedeutet denn für dich Vertrauen können?

Deine Beschreibungen wirken so, als ob du alles von anderen Personen abhängig machst und sehr stark damit beschäftigt bist, Gründe für Misstrauen zu finden. Die wird es immer und überall geben, egal wie gut du vertrauen kannst und egal wie schwer es dir eben fällt, anderen zu vertrauen.

Deine Gedankengänge - z.B. auf deinen Therapeuten bezogen - sind mir sehr vertraut. Ich stellte irgendwann fest, dass ich auch Nutzen aus diesen Gedanken ziehe: denn so lange ich mich damit beschäftige, dass jemand mir was böses will, brauche ich mich nicht mit mir beschäftigen und eben dem ungewissen Weg, des Vertrauenlernens. Du wirst keine Parameter finden, die dir einen genauen Weg zeigen und bei dem dein Wunsch erfüllt wird: nicht enttäuscht zu werden. Es kann immer vorkommen - egal ob von anderen oder von dir selbst bewusst oder unbewusst - dass dich etwas trifft, dass du enttäuscht wirst, dass du dich selbst enttäuschst. Jemand hier aus dem Forum sprach mal von "the holy uncertainty". Es wird so bleiben. Wichtig ist in meinen Augen, trotz dieser ganzen Unsicherheiten, für sich einen Weg zu finden, mit diesen Unsicherheiten und trotz dieser Unsicherheiten, Phasen zu "erschaffen", die einen selbst erfüllen und nicht alles von anderen Personen abhängig zu machen. Die von dir erwünschte Sicherheit, besser gesagt, dass von dir angesprochene Vertrauen wird dir niemand anders geben können und noch weniger, wenn du gar nicht in dich selbst guckst.

Bei Menschen die mir jetzt nicht unbedingt so extrem nahe sind ist es so, dass ich Angst habe, dass mich mein Gegenüber anlügt und mir nur was vorspielt nur um an meine Geheimnisse zu gelangen um dann zum großen Schlag aufzuholen.

So wie ich das lese, wirkt es auf mich so, dass du alles um dich herum abstecken willst und deine Energie dafür verwendest um angeblich sicher zu werden, indem du andere bis in den letzten Winkel abscannst. Glaubst du wirklich, dass es Menschen gibt, die dies können? Was macht es für einen Unterschied, wenn du weißt, dass dich einer anlügt oder ob du dir sagst, dass du es nie wissen kannst? Wichtig ist doch zu gucken, was machen diese Gedanken mit mir? Was kann ich wirklich beeinflussen?

Was passiert denn beim von dir angesprochenen "großen Schlag"? Bist du dem wirklich so hilflos ausgeliefert, wie du es befürchtest?

Egal wie oft er mir sagt, dass ich ihm alles sagen kann und er mit nichts böses will und mich wegen nichts verurteilen wird, schaffe ich es einfach nicht ihm zu vertrauen. Immer wieder denke ich mir: "Und wenn du mir was böses möchtest, würdest mir das ja garantiert sagen!?"

In den Therapiesitzungen geht es nur um dich, was hast du davon, wenn du dich mit solchen Gedanken beschäftigst? Wie nahe bist du dir da in diesen Momenten? Wie viel "Macht" gibst du dem anderen? Hat er diese wirklich? Wer hat dies in der Hand? Du oder dein Therapeut? Hast du dich mal gefragt, was du für einen Nutzen durch solche Gedanken hast?

Und klar: es kann möglich sein, es kann überall möglich sein, dass so etwas passiert. Es wird dir aber nie jemand die Garantie geben können und auch wenn dir jemand eine solche Garantie gibt, meinst du dass du dem dann vertrauen kannst? Es wirkt jedoch durch deine Beschreibungen so, als ob du diesem total hilflos ausgeliefert bist. Ist es denn so? Wenn ja, wer macht dich denn so hilflos? Dein Therapeut?

Bei Personen die mir näher sind, wie zum Beispiel meinen Eltern, habe ich Angst sie zu enttäuschen, von ihnen nicht verstanden zu werden und im schlimmsten Fall sogar verstoßen zu werden. Dabei weis ich rational betrachtet, dass es gar keinen Grund gibt so zu denken

Verstand und Gefühl können zwei verschiedene Paar Schuhe sein - oder Stiefel oder oder. Dass dir dein Verstand sagt, dass es gar keinen Grund gibt ist ja eine Seite, du merkst trotzdem, dass dein Gefühl dennoch etwas anderes dir mitteilt. Ich finde es gut, dass du auch auf dein Gefühl hören möchtest. Es wird nur keine andere Person außer dir geben, die sich da auf den Weg machen darf, um zu erfühlen, was da noch möglich ist. Wenn du dies alles von Meinungen von anderen abhängig machst, glaubst du, dass du dir dadurch näher kommen kannst? Willst du dir näher kommen? Warum willst du es allen anderen recht machen? Willst du es dir selbst auch recht machen?

Habe mich daher die letzten zwei Tagen aus Scham und vielleicht auch Selbsthass in meinem Bett verkrochen. Wenn meine Mutter versucht hat mich aus dem Bett zu holen wurde ich Aggressiv.

Dein Körper wird schon einen Grund haben, warum er so reagiert hat. Probierst du zu ergründen, warum es so ist, oder merkst du da nur den von dir angesprochenen Selbsthass? Kannst du es aushalten, wenn er so reagiert? Muss es denn immer überhaupt einen Grund geben? Kannst du auch mal etwas aushalten, ohne es gleich gegen dich zu verwenden?

Ich sehe irgendwie keine Perspektive mehr. Es kommt mir fast schon unmöglich vor, daran zu glauben, dass sich das irgendwann mal ändert.

Warum sollte es bei dir anders sein, als bei anderen, warum soll sich nichts ändern? Wozu brauchst du diese Gedankengänge? Wobei helfen sie dir? Möchtest du dich besser verstehen?

M*ammuxt86


Cleeni

Danke Cleeni für deine Antwort. Ich lese sie mir gerade zum wiederholten male durch und mir wird irgendwie gerade klar, dass mein Therapeut vieles von dem was du geschrieben hast, mir bereits seit Monaten versucht zu verklickern. Aber entweder wollte oder konnte ich es bisher nicht begreifen.

Wobei begriffen habe ich auch jetzt noch nicht alles. Ich werde mir das morgen nochmal durch den Kopf gehen lassen.

Danke

MMam'mutD86


Ich bin dem hier in den letzten Tagen ehrlich gesagt sehr aus dem Weg gegangen. Aber ich will es nun versuchen mir über den Beitrag von Cleeni genauer Gedanken zu machen:

was bedeutet denn für dich Vertrauen können?

Merke schon, dass ich allein bei dieser Frage ins stolpern gerate. Ich finde gerade nicht wirklich eine Antwort darauf. Am ehesten denke ich beschreiben die Worte "Sicherheit" und "Geborgenheit" Vertrauen für mich.

Deine Beschreibungen wirken so, als ob du alles von anderen Personen abhängig machst und sehr stark damit beschäftigt bist, Gründe für Misstrauen zu finden. Die wird es immer und überall geben, egal wie gut du vertrauen kannst und egal wie schwer es dir eben fällt, anderen zu vertrauen.

Hier hast du sicherlich (oder vielleicht sogar definitiv) Recht. Ich merke selbst, dass ich mein Verhalten sehr an meinen Mitmenschen orientiere. Es ist sogar so, dass ich größtenteils mein Selbstvertrauen von meinen Mitmenschen abhängig mache. So kann eine Person mehr oder weniger in einem Raum mein Verhalten sehr stark beeinflussen (negativ wie positiv).

Ja es kommt auch immer wieder vor, dass ich Mitmenschen gegenüber Misstrauen hege wo ich eigentlich keinen Grund habe. Beginne Kleinigkeiten zu deuten. Mache mir unnötige Gedanken über gesagtes, ob es wirklich so gemeint war usw.

Und ich denke genau hier bzw. im folgenden liegt die eigentliche Wurzel allen Übels.

Ich vertraue mir selbst nicht!

Ich mag mich größtenteils nicht!

Ich belade mich mit einer sehr großen Schuld, die ich mir nicht vergeben kann!

Deine Gedankengänge - z.B. auf deinen Therapeuten bezogen - sind mir sehr vertraut. Ich stellte irgendwann fest, dass ich auch Nutzen aus diesen Gedanken ziehe: denn so lange ich mich damit beschäftige, dass jemand mir was böses will, brauche ich mich nicht mit mir beschäftigen und eben dem ungewissen Weg, des Vertrauenlernens.

Ich denke ich verstehe was du meinst. Meine Gedanken, dass ich dem Therapeuten und den anderen Menschen in meinem Umfeld nicht vertrauen kann ist in Wirklichkeit nur ein Vorwand oder auch Ausrede um mich nicht mich selbst zu beschäftigen. Eine ausgeklügelte Selbsttäuschung.

Ich muss lernen mir selbst zu trauen!

Ich denke es gilt für mich es in der Therapie zu schaffen mich meinem fehlendem Selbstvertrauen und meinem auch vorhandenen Selbsthass zu stellen. Das mit dem Selbsthass ist mir in den letzten Tagen sehr viel klarer geworden.

Dieser scheint von der Schuld zu kommen die ich mir nicht vergeben kann. Ich spüre manchmal, dass ich gerne um Verzeihung bitten würde, aber auch, dass ein anderer Teil in mir mir diese Verzeihung nicht zusprechen will.

Ein Teil von mir möchte Vergebung und ein anderer Teil findet ich hätte es verdient bestraft zu werden, noch viel härter bestraft zu werden.

Verstand und Gefühl können zwei verschiedene Paar Schuhe sein - oder Stiefel oder oder. Dass dir dein Verstand sagt, dass es gar keinen Grund gibt ist ja eine Seite, du merkst trotzdem, dass dein Gefühl dennoch etwas anderes dir mitteilt. Ich finde es gut, dass du auch auf dein Gefühl hören möchtest. Es wird nur keine andere Person außer dir geben, die sich da auf den Weg machen darf, um zu erfühlen, was da noch möglich ist. Wenn du dies alles von Meinungen von anderen abhängig machst, glaubst du, dass du dir dadurch näher kommen kannst?

Es ist bei mir eher so, dass ich auf meinen Verstand hören möchte aber die negativen Gefühle sind meist zu stark und drängen zu stark an die Oberfläche.

Der Weg wird sein diese Gefühle genauer zu betrachten. Überhaupt zu ergründen um welche Gefühle es sich überhaupt genauer handelt und woher diese kommen, denn meist weis ich nur da ist was aber kann es überhaupt nicht benennen.

Willst du dir näher kommen? Warum willst du es allen anderen recht machen? Willst du es dir selbst auch recht machen?

Wieso ich es anderen recht machen will? Dies hat denke ich mit meiner Schuld zu tun, welche größtenteils aus meiner Kindheit und auch zum Teil meiner Jugend kommt. Aktuell ist es leider so, dass ich mich eigentlich immer an letzte Stelle setze und versuche zuvor es allen anderen Recht zu machen.

Und dies scheint nun schon lange Zeit ein großes Unbehagen in mir zu schüren was mich denke ich so extrem unglücklich macht. Immer wieder keift dieser Konflikt auf: Ich oder die anderen?


Ich kann gerade einiges nicht in Worte fassen bzw. ist es mir wieder nicht ganz klar. Ich habe irgendwie immer wieder so Momente wo mir alles so klar scheint. Diese Momente sind meist auch sehr Emotional. Aber meist sind diese nach Sekunden oder Minuten auch wieder vorbei und es scheint mir wieder alles im Nebel.

Es ist so als ob sich kurz ein Teil meiner Persönlichkeit durch das Dickicht und Nebel an die Oberfläche kämpft um um Hilfe zu rufen um dann gleich wieder verschluckt zu werden.

dNanaue8x7


Das ist oft so, echtes Begreifen und Verstehen ist ein sehr langsamer und langwieriger Prozess mit vielen Irrwegen und Rückschritten. Und gerade das Begreifen, also das was über rationales Verstehen hinausgehende teife auch im Herzen ankommende Begreifen braucht Zeit. Du hast ein Fadenende gefunden, bleib dran und taste dich daran ins Dunkel rein.

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