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Entschuldigung =/= Schwäche

r=and+om_dxawg hat die Diskussion gestartet


Warum sehen es viele Menschen als eine Schwäche an wenn man sich entschuldigt? Ich finde eine Entschuldigung eine nette Geste, um dem anderen zu zeigen dass man ihn respektiert und an ihn denkt. Ich habe manchmal das Gefühl dass je mehr die Gesellschaft solche Kleinigkeiten als eine Schwäche ansieht diese immer verkniffener wird. Die Gesellschaft in Deutschland hat sehr viele solche Dinge, die man beachten muss. Im Endeffekt distanziert man sich dadurch viel mehr von den anderen. Es geht nur noch um "das tut man nicht", "lerne endlich mal dich selbst zu lieben" usw. Ich habe zuvor in einem Land gelebt, in dem das Leben auf Gegenseitigkeit beruht anstatt auf Egoismus bzw. Fokus auf sich selbst. Ich will damit nicht sagen, dass Deutschland schlechter ist oder sonst etwas, aber dies sind eben Dinge die mir seit Anfang der Rückkehr aufgefallen sind (um es klar zu stellen: ich bin selbst hier geboren).

Letztens habe ich einen Artikel gelesen, in dem es heißt die Argentinier würden "falsche Hochzeiten" feiern, damit sie das Feeling einer Hochzeit wiederbeleben, einfach so, aus Spaß. In einem Video war zu zeigen, wie fröhlich die Argentinier sind und was für eine unheimlich nette Ausstrahlung die meisten von ihnen haben. Der Artikel war von einer deutschen Zeitschrift. In den Kommentaren konnte man dann Dinge lesen wie: "was sind das für falsche Emotionen" und ähnliches. Viele deutsche haben so wenig Vertrauen in ihr Umfeld, dass sie die positive und nette Ausstrahlung der Menschen als einen egoistischen Akt ansehen. Ich finde es traurig dass unsere Gesellschaft (nicht interfamiliär) dazu tendiert, auf Egoismus zu beruhen.

Was ist eure Meinung dazu? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder seid ihr ganz anderer Meinung? Warum?

LG

Antworten
e.sta!1


Warum sehen es viele Menschen als eine Schwäche an wenn man sich entschuldigt? Ich finde eine Entschuldigung eine nette Geste, um dem anderen zu zeigen dass man ihn respektiert und an ihn denkt.

Das sehe ich genauso. Ich gehöre auch zu den Leuten die sich entschuldigen, wenn ich es für angebracht halte.

Und es ist mir auch aufgefallen, das es Menschen gibt die sich dann sofort über einen erhöhen müssen. (Aber auch Menschen die sich freuen, das man achtsam ist.) Die Menschen die sich nie und für nichts entschuldigen, weil sie Entschuldigungen für Schwäche halten, tun mir leid, aber ich glaube die gibt es überall auf der Welt.

_NPar=vatib_


Grundsätzlich entschuldige ich mich auch, allerdings erlebe ich immer öfter, dass eine Entschuldigung einfach nicht ernst genommen und man sogar noch angemotzt wird. Da frage ich mich dann schon manchmal, warum ich mich überhaupt noch entschuldige. Egal was man macht, gegenseitigen Respekt kann man meiner Erfahrung nach nicht immer erwarten. Das hat nicht zwingend etwas damit zu tun, dass die Menschen in Deutschland egoistischer sind oder werden. Ich selbst würde mich sogar auch eher als Ich-bezogen bezeichnen, jedoch weiß ich noch, was Höflichkeit, Anstand und Respekt bedeuten.

Ich habe zuvor in einem Land gelebt, in dem das Leben auf Gegenseitigkeit beruht anstatt auf Egoismus bzw. Fokus auf sich selbst.

Egoismus ist an sich nichts schlechtes sondern meiner Ansicht nach auch sehr wichtig. Man muss hier nur zwischen gesundem und kranken Egoismus unterscheiden. Einige fallen jedoch in das ein oder das andere extrem. Also entweder sind sie zu sehr Ich-bezogen oder sie kümmern sich selten oder nie um ihre persönlichen Bedürfnisse sondern überwiegend um die Bedürfnisse anderer. Letztere landen früher oder später beim Seelenklemptner.

r5and1om_daxwg


@ _Parvati_

Klar ist ein gewisser Egoismus menschlich und ganz normal, aber hier ist es eben sehr stark. Manche Gesellschaften beruhen auf Gegenseitigkeit = jeder bekommt vom anderen (somit hat jeder genug), manche Gesellschaften sind sehr selbst-zentrierter = jeder nimmt sich (hier hat ebenso jeder genug). Allerdings sind die Menschen dadurch kälter und schüchterner weil sie Angst vor der Reaktion des anderen haben. Ein gutes Beispiel für dieses Verhalten ist der Humor. Stefan Raab z.B. ist meist sehr sarkastisch, seine Interviews sind gemein und es geht allein um Schadensfreude. In Ländern wie Argentinien beruht selbst der Humor darauf, mit anderen zu lachen und Selbstironie zu besitzen (das ist zwar ein wenig Übertrieben aber auf den Durchschnitt der Gesellschaft kann man das sehr gut übertragen).

Nhy.xxis


Ich sehe es eher so, dass heute eine Entschuldigung viel zu vorschnell und damit nahezu inflationär verwendet wird. Wie schnell sagt man "sorry dies", "sorry das" ...!? Mit einer Entschuldigung hat dieses "Sorry" für mich nichts zu tun.

BTW.: ich selbst stehe grundsätzlich zwiegespalten zu Entschuldigungen und tue es recht ungern. Nicht, weil es ein Eingeständnis von Schwäche wäre (das wäre mir recht egal), sondern weil ich den Sinn dahinter nicht ganz verstehe. Natürlich soll eine Entschuldigung aufzeigen, dass man einen Fehler gemacht hat und diesen erkannt hat ... Nur ist der Fehler schon passiert, das Kind also in den Brunnen gefallen. Die Worte allein machen das Thema nicht wieder gut. Das können nur Taten. Von daher ist es für mich sinnvoller, in zukünftigen Taten zu zeigen, dass man aus dem Fehler gelernt hat und ihn nicht erneut wiederholt, als sich x-mal zu entschuldigen ...

N6yxxis


Nachtrag: Eine Entschuldigung steht für mich auf einer ähnlichen Stufe, wie das "sich Sorgen". Grad Letzteres nutzt niemanden, macht nur ein schlechtes Gewissen bei dem, um den sich gesorgt wird und eine schlechte Zeit bei dem, der sich sorgt ...

r*an=domx_dawg


Gerade im Moment streite ich mich mit meiner Freundin, da ich mal wütend auf sie war und Dinge wie "bist du eigentlich behindert? bist du eigentlich bescheuert?" um mich geschmissen habe. Jetzt ist sie eben sehr beleidigt aber ich sehe das nicht als Beleidigungen an sondern eben als Schimpfwörter ohne Bedeutung die ich eben sage wenn ich wütend bin. In den Fall will ich mich einfach nicht entschuldigen weil ich nicht weiss wo denn das Problem liegt. Sie ist weder behindert noch bescheuert. Es spielen eben noch andere Dinge eine Rolle aber in dem Fall entschuldige ich mich erst wenn ich sie nachvollziehen kann. Sie wirft mir eben viele Dinge vor die ich nicht einsehe.

N)yx+is


Hier sollte man aber wohl mal an der Art und Weise zu diskutieren, bzw. zu streiten arbeiten. In einer liebevollen Bezieung wirft man sich meiner Mrinung nach nicht "bist Du behindert" an den Kopf ...

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