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Privat und beruflich völlig am Ende

L{ua1x0 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

es musste so kommen, dass ich hier schreibe und wieder mal nicht weiß, wie ich das noch länger ertrage. Ich habe aufgrund von Depressionen, (sozialen) Ängsten, Wertlosigkeitsgefühlen seit der frühen Jugend große Probleme in so gut wie allen Lebensbereichen. Letztlich ist es so weit gekommen, dass ich keinerlei Freunde mehr habe seit ein paar Jahren (vor kurzem auch den letzten Kontakt zu meinem Exfreund, zu dem ich seit dem eigentlichen Ende der Beziehung 2011 noch ein ganz krankes platonisches Verhältnis hatte), überhaupt niemanden mit dem ich mal tiefer sprechen könnte und auch zu meiner Familie habe ich nur ein schlechtes Verhältnis, teils gar keins. Ich bin also allein und die letzten Jahre habe ich sozusagen nichts gemacht, war wie gefangen und verließ auch kaum die elterliche Wohnung, war komplett abhängig, fühlte mich wie der letzte Abschaum usw., schließlich hab ich mein Langzeitstudium abgebrochen und nun letztes Jahr im August eine Ausbildung im Einzelhandel begonnen. Ich suchte die Konfrontation mit meinen Ängsten und meiner ruhigen Art und wollte etwas praxisbetontes, da mich das Studium unglücklich machte und es auf einen Bürojob hinausgelaufen wäre. Abgebrochen habe ich es aber nicht wegen schlechter Leistungen, sondern weil ich durch meine Depressionen so völlig unfähig und blockiert war, dass ich den letzten Schritt, die Diplomarbeit nicht zustande brachte.

Seit Beginn der Ausbildung ging es mir ein klein wenig besser, ich verdiene Geld und beziehe gerade auch meine erste eigene Wohnung, ich wurde auch anfangs noch ziemlich gelobt, doch heute traf es mich bei einem Gruppenmeeting mit meinen Arbeitskolleginnen unvorbereitet und hart, ich wurde reihum von allen kritisiert, ich bin zu leise, das komme gegenüber Kunden nicht gut, sie wüssten auch selbst oft nicht wo ich bin, man bekomme mich nicht mit, ich bin zu unselbstständig, würde manchmal Däumchen drehen, wirke wie ein Mauerblümchen, bin zu langsam, das gehe zu Lasten der Kollegen, man würde ja zu 100% bezahlt und könne dann nicht nur 80% an Leistung bringen. An Schnelligkeit müsse ich 100% drauflegen und dann nochmal 100%. Ob ich privat auch so ruhig sei, fragten sie. Man habe Angst mich zu kritisieren, weil man denke, dass ich gleich losheule. Ich müsse ein dickeres Fell bekommen. Ich wirke oft unorganisiert, ich müsse Biss entwickeln, man wolle meinen Willen sehen. Es war sicher noch mehr, ich kann mich nicht mal an alles erinnern. Ich habe einiges davon zugestanden und sehe es auch ein, nur nicht das mit dem Däumchen drehen. Aber ich fühle mich jetzt so wertlos und dumm wie selten zuvor. Ich bekomme von jedem das Gefühl, dass ich falsch bin, es gibt niemanden, der mir sagen würde, dass er mich mag, niemanden, dem ich meine Sorgen erzählen könnte, ich kann nicht mehr. Ich bin so allein und weiß nicht, wie ich das durchstehen soll. Ich habe keinerlei Ausgleich, der das kompensieren könnte. Es tut so schrecklich weh sich nirgends geborgen oder zugehörig zu fühlen.

Ich versuche aktiv zu sein, gehe ins Fitnessstudio, mache einen Ballettkurs, aber nirgends finde ich Zugang zu jemandem bzw. stößt man mich gleich weg: Ich habe gerade auch noch furchtbar Liebeskummer, weil es nach Jahren jemanden gab, der mich angesprochen hat, ein Mann, der so interessiert schien und plötzlich ist alles vorbei, er hat mich abgewiesen und ich kann es nur darauf zurückführen, dass mit mir einfach etwas nicht stimmt, man kann mich nicht mögen geschweige denn lieben. Ich kann mein Horrorleben in der Arbeit einfach auch nicht ausblenden, ich bekomme bei meinen Kolleginnen mit, wie sie leben, sie haben Freunde, Liebespartner, machen dieses und jenes und ich erzähle dann auch was von Freunden, mit denen ich Silvester verbracht hätte, in Wirklichkeit bin ich alleine, nur alleine, immer. Ich will mich einmal im Leben wie ein Mensch fühlen. Ich bin jetzt nur ein Phantom, niemand kennt mich, nimmt mich wahr. Woher soll ich nur die Kraft nehmen?

Ich habe bereits eine Therapie gemacht und war in einer Klinik, aber es bringt alles nichts wenn ich keinen sozialen Anschluss finde, ich wünsche mir so sehr Menschen, bei denen ich ich sein darf, die mich nehmen wie ich bin.

Ich muss die Ausbildung schaffen, ich bin 28. Es bleibt sonst nichts mehr. Ich bin mir aber immer sicherer, dass es nicht das Richtige ist für mich, es ist zu viel, zu viel von allem, zu viel Stress. Dieser Druck, alles muss so schnell wie möglich gehen. Warum habe ich nicht vor Jahren schon herausgefunden, was beruflich zu mir passt. Ich weiß es bis heute nicht und ich werde mein Leben lang irgendwie mich durchkämpfen müssen mit Tätigkeiten, die mich nicht erfüllen, die nur an mir zerren, mir Kräfte abverlangen, die ich gar nicht habe. Mein Leben ist ein einziger Horror, ich wünschte so sehr ich könnte irgendwie Erlösung finden

Antworten
lSucky-lxorenzo


Hallo Lua,

ich habe leider gerade nicht die Zeit ausführlich auf alles einzugehen, was du geschrieben hast, aber es schien mir wichtig, dir ein kurzes Signal zu geben, dass du hier mit deinen aktuellen Sorgen und Nöten wahrgenommen wirst.

Nur soviel in aller Kürze: Kritik, auch wenn sie dir hart und in manchen Punkten ungerechtfertigt erscheinen mag, kann durchaus konstruktiv sein. Kritik heisst nicht gleich, dass du völlig abgelehnt wirst, du nicht gemocht wirst. Nimm die Kritik (du hast selber eingeräumt, dass einiges zutrifft) als Hilfestellung. Du weisst jetzt, wo du an dir arbeiten solltest, um dich weiter zu verbessern.

Und auch, wenn es dir in deinem Empfinden vielleicht nicht weiterhilft: Viele Menschen haben nicht ihren Traumjob gefunden und kämpfen sich Tag für Tag durch mehr oder weniger ungeliebte Tätigkeiten. Das gehört leider oft ein Stückweit dazu. Ich will damit nicht sagen: Stell dich nicht so an, sodern vielmehr: Du bist nicht allein.

Und zu deiner Sorge "Ich muss die Ausbildung schaffen". Ich bin mir sicher, dass du es schaffen kannst. Du hast ein Studium soweit bewältigt, dass du kurz vor dem Diplom standest, erarbeitest dir mit deiner eigenen Wohnung die Selbständigkeit hast einen Ausbildungsplatz gefunden.... dann schaffst du auch diese Ausbildung.

Gruß

J=ens $Lovxer


Im Vergleich zum letzten Jahr hast du doch eine Menge geschafft. Du hast einen Ausbildungsplatz und eine eigene Wohnung. Darauf kannst du doch stolz sein. Nun musst du es noch schaffen, die Anforderungen im Job noch zu bewältigen. Hier musst du dir mehr von deinen Kollegen abschauen und jeden Tag probieren, ein bisschen mehr eigenständig zu bewältigen.

Statt Ballett würde ich dir Fitnessstudio empfehlen. Ich habe aus deinem vorherigen Faden entnommen, dass du nicht die schlankste bist. Da ist Ballett sicher nicht das vorteilhafteste Hobby. Im Fitnessstudio kannst du deine Belastung selbst dosieren und kommst sicher besser mit anderen ins Gespräch, außerdem bieten viele Studios Kurse an. Und für deine Figur ist es sicher vom Vorteil, wenn du ein wenig Krafttraining und Fitness machst. Zusätzlich gehe nach der Arbeit noch eine Runde laufen. Die körperliche Anstrengung macht den Kopf frei und bringt dich auf positive Gedanken.

N8umber Of5 The- Beaxst


@ Lua

Wow, ich kann mich mit deinem Text sehr gut identifizieren, stehe nun auch vor demselben Problem und verstehe gut wie du dich fühlst. Wenn du magst, können wir uns gerne per PN austauschen.

Liebe Grüße @:)

LMuax10


Lieben Dank euch für eure Antworten!

Ich versuche es so zu sehen, wie du schreibst, lucky-lorenzo, also es als Hilfestellung zu sehen, aber es ist schwer wenn man sich ohnehin schon so minderwertig und dumm fühlt wie ich und dann noch gefühlt so vernichtend von allen kritisiert wird. Und ich weiß ja auch, dass mich keiner von denen wirklich mag, da ich vom Wesen her einfach völlig anders bin als sie, ich steche einfach raus. Ich unterhalte mich mit ihnen nicht wirklich gern, da ich ihre Gespräche auch nicht sehr mag.

Ja, ich will es schaffen und nicht wieder scheitern wie in meinem Studium, ich hoffe es so sehr.

Die große Frage ist, wie werde ich selbstbewusster und wie bekomme ich ein dickeres Fell. Ich bin leider extrem sensibel und das schon immer, und das wurde ja ebenso kritisiert. Und wie baue ich ein stabiles soziales Netz auf, finde Freunde.

@ Jens Lover

Danke für deine Tipps! Du hast nur überlesen, dass ich schon ins Fitnessstudio gehe. Seit über einem Monat erst, aber es tut mir wirklich gut und ich muss dazu sagen, dass ich in den letzten Monaten und auch nochmal durch das Fitnessstudio bereits einige Kilo abgenommen habe und eigentlich fast zufrieden bin, ich bin schlank und bekomme auch Komplimente für meine Figur, also wenigstens dieses Problem habe ich nicht mehr.

@ Number Of The Beast

Können wir gerne! @ @:)

M<ehxno


Liebe Lua,

Du hast Dich durch ein Studienfach gearbeitet. Auch wenn der Abschluss fehlt: das ist eine Leistung, klopfe Dir dafür auf die Schulter. Mit der Wahl Deiner Ausbildung hast Du Dich wahrhaftig einer Herausforderung gestellt. Ich halte den Einzelhandel für eine ganz schwere Wahl. Die Leute in der Branche werden nicht gut bezahlt und müssen viel Druck aushalten. Man bekommt Druck vom Chef (wie du ihn auch geschildert hast), man muss die Arbeit schaffen in viel zu knapper Zeit schaffen und dabei muss man gegenüber Kunden noch nett und höflich sein und immer freundlich lächeln.

Nach Deiner Schilderung bringst Du wenig persönliche Anforderungen mit, die dieser Beruf erfordert. Ich sehe zwei Wege für Dich: wachse an den Herausforderungen oder wechsele die Ausbildung. Von Deinen intellektuellen Fähigkeiten wirst Du die Ausbildung schaffen. Der Lernstoff ist nicht das Problem. Ich denke, für Dich liegt das Problem an den von Dir oben genannten Softskills (so heißen die doch, glaube ich).

Es ist nicht alles Gold was glänzt - wenn Deine Kollegen über ihr Leben sprechen heißt das nicht, dass sie glücklich sind. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, meistens sieht man es nicht....

Die große Frage ist, wie werde ich selbstbewusster und wie bekomme ich ein dickeres Fell. Ich bin leider extrem sensibel und das schon immer, und das wurde ja ebenso kritisiert. Und wie baue ich ein stabiles soziales Netz auf, finde Freunde.

Das geht alles leider nicht von heute auf morgen - auch wenn Du es gerade heute benötigst. Vielleicht kannst Du Dir irgendwo einen Coach organisieren? oder bei der VHS einen Kurs belegen (Fremdbild - Selbstbild, Wie wirkte ich auf andere, etc.). Vielleicht gibt es in Deiner Nähe eine Theatergruppe? Das wäre evt. eine Möglichkeit, Leute zu finden, die Dich weiterbringen.

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