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Aktuelle Diskussion - weiß nicht wohin mit mir

Sppinxnerin hat die Diskussion gestartet


Vielleicht ist es kontraproduktiv auch noch ein Thema dazu zu eröffnen, aber ich weiß nicht mehr weiter. Dies soll keine Aufforderung sein, das Thema selbst zu diskutieren! Ich erhoffe mir Tipps, wie ich besser zurechtkomme.

Die politische Situation im Land habe ich schon länger als unangenehm empfunden, aber seit Silvester ist es für mich nicht mehr auszuhalten. Das Thema triggert mich extrem, mir ist fast ununterbrochen übel und ich bin traurig und wütend und weiß nicht mehr wohin mit mir. Man wird ständig damit konfrontiert: überall Artikel, Kommentare, Diskussionen dazu, und jeder hält es für nötig einem seine Meinung unter die Nase zu reiben. Mir macht das fürchterliche Bauchschmerzen, und nicht nur sprichwörtlich. Ganz zu schweigen vom Kopfkino, ich durchlebe momentan alles ständig wieder, weil das Thema überall ist.

Als ich vor ein paar Tagen mal gesagt habe, dass ich darüber nicht reden möchte (es fällt mir immer schwer, so etwas zu sagen), wurde mir Ignoranz vorgeworfen und ich würde das verharmlosen und ich wäre mit dieser Einstellung mit schuld an den Vorfällen. Deswegen war ich zwei Tage lang völlig aufgelöst, bin nicht aus dem Haus gegangen und habe nur geweint. Es ist für mich klar, dass ich nicht mehr imstande sein werde (geschweige denn willens) jemals wieder ein Wort mit dieser Person zu wechseln. Außerdem war es in der Öffentlichkeit (zwischen Tür und Angel im Supermarkt! was ist das für eine Umgebung für so eine "Unterhaltung") und mehrere Leute haben das gehört, und ich habe furchtbare Angst rauszu gehen und jemandem davon zu begegnen.

Aber man kann und ich will mich auch nicht komplett abschotten. Für den Notfall habe ich Promethazin da, aber das will ich nicht ständig nehmen (müssen).

Wie gehen denn andere Missbrauchs- und Gewaltopfer damit um?

Antworten
NLumbper sOf TNhe BIeast


Warum triggert es dich? Warst du selber ein Missbrauchs-/Gewaltopfer? Und warum werfen dich anderer Leuts Meinung so aus der Bahn? Ansonsten kann ich dich gut verstehen, über solche Themen spreche ich auch nicht so gerne. Generell interessieren mich Nachrichten nicht mehr, weshalb ich auch schon seit mehreren Jahren kein TV mehr gucke.

Es hat meiner Meinung nach nichts mit Ignoranz zu tun, denn jeder Mensch hat nunmal sein eigenes Päckchen zu tragen - ich natürlich auch. Da ist es mir dann ehrlich gesagt erstmal egal, was sonst so in D passiert oder ich möchte, wie du, nicht über bestimmte Themen reden. Dass dein Bekannter dich in der Öffentlichkeit so bloßgestellt hat, ist echt asozial. Auch da ist es verständlich, dass du mit ihm nicht mehr reden möchtest.

h*e uVte_Ghiexr


@ Spinnerin

Hier ist eine Leidensgenossin und ich bin froh, dass ich meine Wut wieder unter Kontrolle bringen konnte. Das tut mir richtig im Herzen weh, was du beschreibst wie du leidest. Hab das nicht so stark körperlich durchleben müssen.

Vielleicht ein paar Ansatzpunkte:

- Ich habe mich informiert über alles, was in meiner Umgebung passiert ist - nicht nur über Medien, auch über Bekannte und Nachbarn. Das war nicht wenig und es hilft, die Angst-Orte (mir fällt kein anderer Begriff ein) zu lokalisieren, damit man nicht direkt unschöne Situationen herausfordert.

- Reden, reden, reden ... das hilft ungemein, um wieder auf den Teppich zu kommen. Tausch dich aus mit deinen Freunden oder Verwandten oder Arbeitskollegen, jedenfalls Leuten denen du vertraust.

Mich hat es eher wütend gemacht, dass es keine öffentliche Diskussion gab. So traurig es klingt: seit der Silvesterkriminalität gibt es diese Diskussion endlich auf allen Ebenen wie immer, erst wenn etwas passiert, wird polizeilich und politisch gehandelt und damit sind die Menschen sehr viel aufmerksamer im Alltag als zuvor. Das Ausmaß wird jetzt endlich diskutiert und im Zuge dessen auch über Sicherheitskonzepte nachgedacht.

- Ganz einfach: gehe deinem normalen Leben nach und beschäftige dich auch mit anderen Themen. Wenn es dir hilft, lass die Nachrichten mal außen vor. Ich empfinde es als einen Einschlag nach dem anderen, wenn ich mal wieder die Presse durchstreife. Das kann man getrost ein paar Tage ruhen lassen.

- Ich bewege mich nachwievor in meiner Umgebung. Zu Fuß eher weniger, auf dem Fahrrad auf der Straße fühle ich mich weniger angreifbar ... auch von sonstigen Idioten, die da so in einer Großstadt rumkurven ]:D

Vielleicht helfen dir ein paar dieser Gedanken. Würde mich für dich freuen.

Lziebex8


Wie gehen denn andere Missbrauchs- und Gewaltopfer damit um?

Bislang bin ich ganz gut klar gekommen und ich habe die Auseinandersetzung mit der Thematik auch bewusst gesucht, weil sie mir am Herzen liegt, aber ich merke, dass es mir langsam auch an die Substanz geht. Abschalten fällt schwer(er). Zwischendurch kommt immer mal wieder das Gefühl hoch, dass es mir zu viel wird. Dass ich gerne mal eine Weile nichts hören und sehen würde. Das gestatte ich mir dann auch und ziehe mich zurück. Und so wurschtel ich mich durch. Weiß aber nicht, wie lange das so funktioniert, denn im Moment ist's schon viel.

Merk ich besonders an dem Mist, den ich seit ein paar Tagen wieder träume... also da arbeitet schon einiges in mir.

M,ong$ata


Hey,

als die Berichterstattung anfing, ist mir auch beim Überfliegen der Schlagzeilen "ganz anders" geworden. Ich habe ebenfalls Übelkeit, Hilfslosigkeit und dergleichen empfunden. Ich wollte das Thema ebenfalls nicht diskutieren.

Allerdings sah ich mich dann auch dauerhaft mit dem Thema konfrontiert. Und diese Hysterie, die Ausländerfeindlichkeit und die ganzen unreflektierten Äußerungen diverser Menschen haben mich wütend gemacht. Ich fand, dass das absolut keine Art ist, mit dieser Sache umzugehen. Andererseits habe ich mich in meiner eigenen Meinungsfindung schwer getan.

Mir hat es geholfen, meinen persönlichen Film bei Kontakt mit den Vorgängen an Silvester zu stoppen, indem ich mit mir selbst eine rationale Debatte begonnen habe. Nicht mit anderen Menschen direkt, sondern nur mit mir und in mir. Ich habe nach Artikeln und Meinungen gesucht, die eher das widerspiegeln, was ich mit mir vereinbaren und gutheißen kann. Daraus resultierte dann das Gefühl, nicht allein zu sein und durch das Bilden einer Meinung auch "handlungsfähig" und "aktiv" zu sein.

Ich lasse mir von niemandem eine Diskussion abnötigen und ich habe es auch nicht nötig, meine Meinung permanent und überall an die Litfasssäulen zu kleben. Ich weiß, wann ich etwas zu sagen habe. Und in der aktuellen Debatte sagen einfach zu viele Leute irgendetwas - und das ist ermüdend und wenig zielführend.

Schützt euch gut. Ihr habt alles Recht der Welt, euch eure Gedanken im Stillen zu machen und die Dinge nicht bis ins Schmerzhafte zu euch vordringen zu lassen. Das ist einfach etwas komplett anderes, als Ignoranz oder Desinteresse. Es ist das genaue Gegenteil und das erfordert Grenzen und Schutz.

S3pi$nnferin


Danke euch, es tut gut zu wissen, dass ich nicht alleine bin. Reden kann ich leider mit niemandem. Weder habe ich jemanden, dem ich vertraue, noch könnte ich darüber reden.

Dass ihr euch mit dem Thema aktiv auseinandersetzt erstaunt mich. Habt ihr das alles schon therapeutisch bearbeitet? Bei mir ist in der Hinsicht noch gar nichts passiert, und ich habe da auch eine sehr große Blockade. Um ehrlich zu sein hatte ich erst überlegt, ob ich in die Psychiatrie gehe, einfach wegen diesem geschützten Raum was äußere Reize angeht. Aber andererseits habe ich das Gefühl, dass wenn ich ausspreche wie es mir geht oder es wie hier schreibe, dass ich dem Ganzen dadurch erst Wirklichkeit gebe. Und vielleicht habe ich mich nur in etwas reingesteigert und müsste einfach nur mal durchschlafen oder so etwas. Ich merke selbst jetzt diesen seltsamen Sog, so als wäre ich dabei Pandoras Box zu öffnen. Als ob ich die Wahl hätte, ob ich jetzt total abdrehe oder ab jetzt wieder normal werde. Box zulassen, abschließen, weggehen, alles super. Schön wär's ja.

Aber wie kann ich mich andererseits rational mit etwas auseinandersetzen, wenn ich nach einem Artikel schon unter der Dusche sitzen will, aber nicht kann, weil ich mich so angewidert und erniedrigt fühle? Gleichzeitig kommt es mir vor, als würde ich völlig übertreiben und viel zu heftig reagieren, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich mich nicht genau erinnere, was eigentlich vorgefallen ist damals. Es ist, als hätte ich gar kein Recht dazu, so zu fühlen. Also will ich es wieder einsperren und kein Wort darüber verlieren, und dann kommen aber die körperlichen Beschwerden trotzdem.

Wenn ich wenigstens sagen könnte, dies und jenes ist so und so passiert, ich bin deswegen traumatisiert, dann könnte ich eine Therapie anfangen und darüber reden. Stattdessen komme ich mir vor wie ein Hochstapler.

Versteht das jemand?

h=eute9_hYixer


Du bist keine Hochstaplerin, du bist die Dunkelziffer

Statistiken sagen nur aus, was irgendwie behördlich behandelt wurde.

Dazu gehörst du offenbar nicht.

Gestern wurde ich nach einem Theaterbesuch mit einem neuen Trick bekannt. Ich hatte nur 500 Meter von der U-Bahnstation nach Hause zu laufen. Es hielt ein Auto besetzt mit 3 Arabern neben mir an und fragte nach der nächste Tankstelle. Als ich sie ihnen genannt und den Weg dahin beschrieben habe, kam als Antwort Aral wäre zu teuer und ob sie mich nach Hause fahren könnten.

In dem Moment gefror das Blut in meinen Adern.

Wie komme ich hier weg? Wo gibt es Hilfe? Was kann ich tun?

Hoffentlich relativ selbstbewusst habe ich gesagt, dass ich das Angebot nicht brauche, denn ich muss nur noch 2 Minuten laufen.

Jedenfalls blieb ich stehen und wartete ab, wie das Auto wegfuhr.

Da ich aus einem Auto damals überfallen wurde, hatte ich sehr viele flashbacks.

Ich bin einfach weiter gelaufen.

Hab gewartet, bis das Auto außer Blickweite war.

Meinem Freund habe ich alles erzählt.

Zuerst brachte ich kein Wort raus, weil es erschüttert mich eine Situation wie diese unglaublich. Totale Hilflosigkeit und Verzweiflung. Ich war am zittern, konnte kaum meine Jacke ausziehen.

Nach einiger Zeit habe ich realisiert, dass ich in Sicherheit bin.

Ich konnte durchatmen und reden. Das hat sehr sehr gut getan.

Bringt deine Gedanke und Gefühle in Worte, damit andere verstehen, was los ist.

Was ein Scheiß - nicht mal eine kurze Strecke nach Hause laufen ohne Begleitung. Mein Magen dreht sich um.

@ Spinnerin

ich will deine Angst mit dieser Situationsbeschreibung nicht bestärken.

Vielmehr möchte ich dir mitteilen, dass es Möglichekiten gibt, so einem Mist zu begegnen.

Darüber sprechen und reflektieren ist für mich sehr hilfreich.

Die Männer bemerken dann auch den großen Unterschied, wie sie anders durch die Stadt laufen können als wir Frauen.

Trotz alledem werde ich mich der nächsten Situation wieder stellen.

Das wird mit einem höheren Aggressionspotial sein. Ich frage mich gerade, ob man Autos mit Fußtritten schaden kann. Ich würde sehr gern das nächste Mal auf das Auto eintreten.

Naja, eigentlich möchte ich ich das blöde Auto von zertreten.

Hinweise dazu nehme ich dankend auf :-D

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