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Kann man Emotionale Kompetenz nachträglich erlernen?

J\ona#sK84 hat die Diskussion gestartet


Ich bin jetzt 31 und habe mit 21 schonmal eine Verhaltenstherapie wegen einer Sozialphobie gemacht, mithilfe vieler Konfrontationsübungen, die kurzfristig ganz gut geholfen haben, langfristig bin ich aber immer wieder in alte Schemata zurückgekommen.

Ich habe grundsätzlich Angst vor Nähe und gehe deshalb kaum Beziehungen ein und am liebsten nur unverbindliche. Daher habe ich wenig Freundschaften und meist nur "Kollegen". Beziehungen haben nie länger als ein paar Monate gedauert weil ich mich einfach nicht öffnen kann. Ich flüchte mich daher lieber in Affären, Liebschaften und ONS, um mich "nicht greifbar zu machen". Enge Bindungen sind nur möglich wenn absolutes Vertrauen da ist und das dauert seine Zeit. Fühle mich außerdem minderwertig gegenüber anderen und weniger erfolgreich.

Inzwischen weiß ich, dass sich wohl meine damalige soziale Phobie in eine nun vorliegende selbstunsichere Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften und passiv-agressiven Anteilen entwickelt hat.

Neulich hatte ich ein Vorgespräch bei einer Psychotherapiestation in einer Klinik. Der Doc ist gleichzeitig Transaktionsanalytiker und der Meinung, dass ich aufgrunddessen dass meine Mutter mich aus dem Kindergarten nahm und einen behutsamen Erziehungsstil verfolgte, ich nicht ausreichende emotionale Kompetenz im Kindesalter und dann auch nicht im weiteren Leben gelernt habe.

Der Doc hat mich ziemlich eingeengt mit seinen Fragen und ich habe mich sehr unwohl gefühlt im Gespräch weil er mir sehr nah kam und ich (noch) kein Vertrauen hatte. "Sie reden von sozialer Phobie. Sagen Sie doch mal was das für ein Gefühl war. Ich habe das Gefühl Sie wollen sich überhaupt nicht greifbar machen" ... Im Grunde hat er ja auch recht mit dem allen, doch ich habe keine Ahnung was das für ein Gefühl war, ich spüre es einfach nicht.

In der Klinik wird ein analytisches / tiefenpsychologisches Gruppensetting gemacht für diverse Krankheitsbilder wie Persönlichkeitsstörung, PTBS, Essstörung, Selbstwertprobleme, usw wobei man sein eigenes Erleben mit dem anderer in Verbindung bringen soll. Es soll helfen nach und nach Zugang zu den eigenen Gefühlen zu bekommen. Hierdurch erlangt man emotionale Kompetenz und kann sozusagen "nachzureifen". Allerdings muss man sich darauf einlassen, sonst bringt es nichts. Das ist der Punkt. Es werden in der Gruppe auch sehr private Dinge besprochen, die den einzelnen belasten.

Ich habe die Befürchtung dass ich mich auf diese Art der Therapie insbesondere der Gruppenform überhaupt nicht einlassen kann. Aufgrund der o.g. selbstunsicheren oder auch ängstlich-vermeidenden Persönlichkeit weiß ich schon jetzt dass ich kaum innerhalb von 6Wochen Vetrauen zum Therapeuten geschweige zu den Gruppenmitgliedern bekommen werde und mich dann selber blockiere und nicht öffnen werde. Der Psych. der die Diagnose bzgl. der Persönlichkeitsstörung nannte riet mir auch explizit zu Einzeltherapie, am besten Schematherapie.

Bevor hier alles zu lang wird komme ich zur entscheidenden Frage: Kann ich im Rahmen einer Einzeltherapie und anschließendem Training im Alltag auch Emotionale Kompetenz lernen? Oder geht das nur bei einem Transaktionsanalytiker innerhalb eines Gruppensettings? Ist es überhaupt möglich Emotionale Kompetenz nachzulernen wenn man sein ganzes Leben lang schon Probleme damit hat?

Antworten
azug2x33


Ich bin der Ansicht, dass der Begriff "erlernen" in diesem Zusammenhang nicht passt. Die Fähigkeit zu einem Mitgefühl erwirbt man meiner Ansicht nach im Umgang mit anderen Menschen, insbesondere jenen Menschen die einen nicht auf die Gefühlsregungen festlegen. Menschen also, die es vertragen, dass ich auf die gleiche Gefühlslage heute so und morgen anders reagiere. Was mich heute zu Anteilnahme veranlasst, muss es nicht zwangsläufig auch morgen tun.

Mit 31 braucht "Mann" schon die Fähigkeit emotionaler Beteiligung, wenn er nicht allein bleiben will.

m!c:fuxndae


Super Antwort, aug233!! :)^

GGing^erS123


Ja, man kann es nachlernen. Ich habe das geschafft.

g[rauxm


Wenn eine Verhaltenstherapie nicht langfristig den gewünscheten Erfolg hat, ist eine analytische/tiefenpsychologische Therapie wohl die richtige Wahl.

Ich wollte auch nicht in eine Gruppentherapie, aus den gleichen Gründen wie du. Mein Therapeut meinte aber ich gehöre da hin. ;-) Und hat es mir immer wieder angeboten, bis ich endlich ja sagte.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Gruppe mir verdammt viel gebracht hat. Weniger dass ich dort über meine innersten Geschehnisse sprechen konnte (hab ich eh nicht so gemacht) sondern ich habe viel über und von anderen gelernt , das hat mir viel von meinen Ängsten genommen.

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