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Sehr schlechtes Verhältnis zum Vater welches ich ändern möchte

K%reispYunkxt hat die Diskussion gestartet


Hallo,

um mein Problem genauer zu verstehen muss ich erst einmal etwas über mich erzählen.

Ich bin mittlerweile 23 Jahre alt, Student und komme aus einer Arbeiterfamilie. Seit knapp einem Jahr wohne ich nicht mehr zu Hause und zu meiner Mutter pflege ich mittlerweile ein sehr gutes Verhältnis. Leider kann ich das zu meinem Vater nicht behaupten, selbst es als distanziertes Verhältnis zu beschreiben passt nicht.

Ich habe einen ein Jahr älteren Cousin (väterlicher Teil der Familie) mit welchem ich in meiner Kindheit leider viel zu tun hatte. Er war schon immer sehr verletzend und intrigant, hat gelügt und um des Familien Friedens Willen wurde jede Situation in der ich mich im Unrecht fühle so gedreht, dass ich der Schuldige war. Früher musste ich nach dem Kindergarten und der Grundschule oft zu meiner Oma wo er leider auch war, wurde dort körperlich verletzt und einmal im Grundschulalter hat er sogar versucht mich sexuell zu belästigen. Desweiteren wurde ich bis ins Jugendlichenalter vor der Familie von ihm vorgeführt und niedergemacht. Alles wurde immer so gedreht, dass es meine alleinige Schuld war.

Etwa ab der 7. Klasse entwickelte ich große Probleme mit der Ehrlichkeit, fing an Schularbeiten nicht mehr vorzuzeigen, Unterschriften zu fälschen und Briefe aus Angst abzufangen. Jedes mal gab es zuhause großen Ärger. Bis heute habe ich Schwierigkeiten meinen Mitmenschen ehrlich zu begegnen - ich würde mich selbst auch als pathologischen Lügner bezeichnen, habe mir jedoch vorgenommen dieses Problem Anfang des Jahres in Anspruch zu nehmen. Absprache mit dem Hausarzt wurde gehalten und ein Therapeut wird noch gesucht. Bin da zuversichtlich und hoffe mich zu bessern.

Meine Eltern haben mich zwar gestützt jedoch nie wirklich unterstützt, ich war immer ein neugieriges Kind, was mehr in den Wolken hing als auf dem Boden der Tatsachen war, hatte viel kreative Energie und habe früh angefangen eigene Geschichten zu schreiben. Diese fanden bisher auch immer sehr positive Resonanz, selbst von Fremden in Internetforen etc. .

Leider entwickelte ich auch in der Schule eine große Perspektivlosigkeit, wurde faul weil ich keine Motivation und Lebenssinn hatte und habe angefangen zu glauben nur im naturwissenschaftlichen/ingenieursbereich etwas erreichen zu müssen. Vor allem auch weil mein Vater mich ständig dazu zwang mich für alles was ich getan habe oder tun wollte zu rechtfertigen. Er ist selbst Techniker und hat auf dem Gebiet doch schon viel Ahnung hat aber leider sonst einen sehr beschränkten Horizont und ist intolerant.

Die eingeredeten Schuldgefühle usw führten dazu, dass ich nach dem eher mittelmäßigen Abitur (weil ich glaubte einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt zu wählen, weil sonst ja nichts vernünftig ist und Mathematik leider eine meiner großen Schwächen ist) auch ein naturwissenschaftliches Fach studierte. Dieses brach ich aber nach 3 Semestern ab und tat danach 1 weiteres Semester so als würde ich studieren. Ich fuhr, weil ich noch zuhause wohnte, jeden Tag mit der Bahn 4-6 Stunden durch die Gegend um den Anschein zu erwecken noch zu studieren und fasste erst danach den Mut meinen Eltern zu erzählen, dass ich mein Studienfach wechseln möchte.

Ich fing an etwas im Gesellschaftlichen Bereich zu studieren, habe das erste Semester aber auch verhauen. Während der Zeit habe ich den Mut gefasst mal zu arbeiten, durch mein schlechtes Selbstbewusstsein habe ich mich aber nicht getraut meine Stunden abzurechnen und fälschte Kontoauszüge um meinen Eltern stolz mein Gehalt zu zeigen. Mein Vater reagierte da aber auch nicht wirklich drauf.

Da mein Studium wieder Gefahr lief im Sand zu verlaufen überlegte ich ob etwas nicht mit mir stimmt und suchte mir psychiatrische Hilfe. Der erste Psychiater verstand mich nicht (wahrscheinlich weil ich mich auch nicht traute etwas zu sagen) und so suchte ich mir einen Neuen und präsentierte mich so als wäre ich Schizophren. Ich bekam dort auch Neuroleptika (Abilify 15mg), welche ich Aufgrund der starken Nebenwirkungen nach 3 Monaten wieder absetzte und die Therapie abbrach.

Im zweiten Semester fand ich endlich den Mut von zuhause auszuziehen und mein eigenes Leben zu beginnen, was das erste halbe Jahr aber auch recht holprig war. Einen Job zu suchen habe ich mich nicht getraut und so lebte ich von Erspartem und dem Geld was meine Eltern mir pro Monat dazu gaben. Allerdings hat es dann gottseidank klick im Schädel gemacht und ich lernte mich selbst zu akzeptieren und mit dem was ich habe und kann selbst etwas erreichen zu wollen. Ich wurde sehr selbstbewusst, fand endlich Freunde und habe nun im dritten Semester es endlich geschafft mich für mein Fach zu begeistern. Bisher mit großem Erfolg, ich habe mich jetzt sogar getraut Bewerbungen zu schreiben und habe bisher auch gute Feedbacks und ab nächstem Monat Bewerbungsgespräche als Werkstudent. Generell habe ich das Gefühl, dass es endlich bergauf geht. Ich habe ein Ziel gefunden und möchte dieses erreichen. Früher lag ich tagelang im Bett und verdaddelte Zeit im Internet oder zockte, mittlerweile motiviere ich mich selbst zum Lernen, Haushalten und Hobbies. Ich bin ein Spätzünder und das ist okay. Lieber jetzt als nie und auf dieser Basis muss ich mein weiteres Leben aufbauen. Wahrscheinlich habe ich durch meine früheren Erfahrungen einen leichten Dachschaden davon getragen, ich traue mich auch immer noch nicht meinen BaFög Antrag abzugeben und erwische mich immer wieder dabei wie ich Geschichten beschönige erfinde usw. wenn ich mit anderen Leuten rede. Ich hoffe, dass ich das dieses Jahr in den Griff bekomme

So viel Lebensgeschichte, nun wieder zu meinem Problem: Wenn ich nach Hause fahre meine Eltern besuche rede ich viel mit meinem Bruder, zu dem hatte ich immer ein sehr gutes Verhältnis, er kommt mich auch öfter mal besuchen. Ich schaffe es sogar meine Mutter herzlich zu umarmen wenn ich sie sehe und blocke nicht mehr alles ab und wir können uns gut unterhalten.

Mein Vater blockt aber leider bei allem ab, reagiert aggressiv oder gar nicht.

Ich habe verstanden, dass Ich mich teilweise selbst verbaut habe aber auch durch meine Erziehung viel falsches Gelernt habe und möchte dies nun anders umsetzten. Deswegen bin ich meinen Eltern nicht böse und würde mir eigentlich wünschen ein gutes Verhältnis zu ihnen zu haben. Eigentlich habe ich meinem Vater gegenüber großen Respekt, er hat uns die letzten Jahre im Alleingang ernährt und nichts anderes getan als zu arbeiten. Ich werde ja auch ohne Widerworte finanziell unterstützt nur leider nicht emotional von ihm, nur weiß ich auch nicht wie und ob ich das überhaupt klarmachen kann. Gegenüber meinen Eltern habe ich leider doch noch eine mittelgroße Blockade. Ich weiß auch leider nur sehr wenig über meinen Vater, Freunde hat er wenige, Hobbies außer Arbeiten irgendwie gar keine und wenn man mit ihm redet ist es halt immer eine Qual. Hat jemand vielleicht eine Idee wie ich es endlich schaffe ein Verhältnis zu ihm aufzubauen?

Antworten
T}rhaum)straMnxd


Eigentlich weiß ich garnicht so recht, was ich schreiben möchte, aber da ich deinen Text gelesen habe und so so viel geschrieben hast, find ich es einfach richtig, dir irgendwas, vielleicht auch etwas hilfreiches zu schreiben.

Erstmal toll, dass du dich wieder einigermaßen gefangen hast.

Du hast ja scheinbar schon vieles erlebt, was natürlich nicht toll ist.

Deine Studienzeit war sicherlich auch nicht ganz einfach, aber dafür ist es ganz toll, dass du aus deiner dunklen Ecke gekrochen bist.

Du hast nun schon viel erreicht, was du früher nicht für möglich gehalten hast.

Klasse!

Du bist von zu Hause ausgezogen ect.

Tja, nun die Sache mit deinem Vater.

Vielleicht sprichst du ihn an, fragst, warum er sich so verhält, zu verlieren hast du ja nichts.

Oder ihn mal einladen, etwas trinken zu gehen, so könnt ihr gemeinsame Gespräche aufbauen.

Was ich auch wichtig finde, dass du weiterhin dich Therapeutisch behandeln lässt, vielleicht hat der Therapeut ja noch eine Idee.

g4r?aum


Das kommt mir bekannt vor:

Dein Leben , deine Noten , dein Selbstbewusstsein wurde besser als du dich von deiner Familie distanziert hast. Du sorgst offenbar für dich selbst besser als es deine Eltern getan haben.

Die Frage ist doch, ob dein Vater ein Verhältnis zu dir aufbauen möchte. Vielleicht passt es ihn so wie es ist.

Solchen Beziehungen eine neue Qualität zu geben ist nicht einfach. Ich denke das beste ist, du zwingst dich da zu nichts, kümmerst dich erstmal um dein Studium und gehst das dann mit deinen zukünftigen Therapeuten gemeinsam an.

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