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Freund ist in Klinik wegen schweren Depressionen

Alias 717267 hat die Diskussion gestartet


Wir haben derzeit keinen Kontakt, da die letzten Monate auch zwischen uns wegen seiner Erkrankung problematisch verliefen (aber unwissentlich, die Depression entwickelte sich über Monate hinweg und stand bis dato nicht fest). Nun stelle ich mir die Frage, wer er sein wird, wenn er aus der Klinik irgendwann raus kommt? Ich hatte damit noch nie zu tun, es war schon "erschreckend" für mich zu sehen wie er die Monate abbaute und immer kränker wurde und alles Verständnis für ihn nichts half, egal was man ihm gutes tat, oder Zusprache etc.. Bevor er in die Klinik kam die letzten Wochen, wurde nur noch alles falsch verstanden, wobei es eben zu Streitigkeiten kam usw. Ich las aber im Internet davon das viele Pärchen damit Probleme haben und es ist ja auch wirklich nicht einfach einen Depressiven Partner an seiner Seite zu haben.

Er beichtete mir auch vor kurzem erst, dass er vor sehr vielen Jahren schon mal depressiv war und in der Klinik.

Könnt ihr mir vielleicht berichten, Angehörige, wie war das als die Person rauskam?

Danke euch @:)

Antworten
GM.TrSetexn


So wie du das beschreibst, hört es sich an, als wäre ein Depressiver die unheimliche Begegnung der dritten Art.

Er kommt als die Person da wieder raus, die er immer war. Er wird sein Ich nicht verlieren, nur seine Laune wird hoffentlich besser sein und er wird besser mit den Dingen und Widrigkeiten des Lebens umgehen können, wenn alles glatt läuft. Das meiste wird er eh nach dem Aufenhalt noch lernen müssen. Im Krankenhaus wird er wohl zunächst nur auf Medis eingestellt.

nlothofkag^a


Ich schließe mich meinem Vorredner/-scheiber an und als Selbstbetroffene (bin grade selber wegen Depressionen in einer psychosomatischen Klinik) kann ich dir sagen, dass es sicher als Partnerin nicht einfach ist, einen Depressiven zu verstehen.

Vielleicht sind dir die BÜCHER von Matthew Johnstone eine Hilfe beim Verständnis

"Mit dem schwarzen Hund leben" heißt das eine, den Titel des anderen hab ich grad nicht parat. Findest du bestimmt im Netz.

Mach dir nicht zu viele Sorgen. Dein Freund ist ja nun erstmal in guten Händen. Es kann sein, dass der Kontakt nach Hause erstmal eingeschränkt ist/wird, aber das soll dem Patienten helfen, erstmal in Ruhe in der Klinik anzukommen. Sei einfach da, wenn er um Hilfe bittet, aber dränge dich nicht auf.

Ich wünsche dir viel Kraft und Zuversicht.

Alias 717267


Danke für eure Nachrichten :-)

Nein eine unheimliche Begegnung der dritten Art ist es nicht. Und es wäre gut wenn man es besser versteht, Danke für den Buchtipp, dass werde ich mir besorgen.

Aufdrängen werde ich mich nicht, ich belasse es erstmal dabei, dass wir keinen Kontakt haben, wenn er Kontakt möchte, dann kann er sich melden, jederzeit. Ansonsten frage ich in 14 Tagen mal bei seinen Eltern nach, wie es ihm geht, da er weit weg in einer Klinik ist. Denke das sollte machbar sein.

Depressionen hat er aufgrund von Arbeitslosigkeit, wobei er wie er mir sagte sehr an seiner Arbeitsstelle hing (mobbing führte letztendlich zur Kündigung), er trauert dem sehr nach und fühlt sich gleichzeitig sehr einsam, weil er seine Kollegen nicht mehr um sich hat und diese auch alle weiter weg leben nun. Die Arbeit war sein Leben. Darüber kommt er nicht hinweg. Versagensgefühle, Wertlosigkeit, keine Perspektiven usw usw.

Alias 717267


Hatte mir echt Sorgen gemacht, dass ich mit mal einen komplett neuen Menschen da vor mir haben werde :-o .

Dachte mir so, nachher haben die Ärzte dort sein ICH wegtrainiert und er ist anders wie sonst, fröhlicher soll er sein, zufriedener, aber Bitte nicht ein total anderer.

Man merkt, ich kenne mich in dem Umfeld überhaupt nicht aus.

Gelesen hatte ich schon, dass die grosse Probe noch bevorsteht, wenn man aus der stationären rauskommt und wieder mit seinem Alltag konfrontiert wird und ja auch mit den Problemen, die dadurch ja nicht weg sind. Dann wird sich zeigen, ob der Aufenthalt gefruchtet hat. Hoffen wir es.

nhotho8fagxa


Ach, das kommt mir ja nur zu bekannt vor. Ich hatte auch schon früher eine depressive Episode und aktuell bin ich da wieder reingerutscht, weil ich im Febr. 2015 meinen Arbeitsplatz verloren habe. Für "uns" Depressive ist das Vorhandensein von Struktur und geregeltem Tagesablauf denke ich sehr wichtig....damit die Depression nicht die Überhand gewinnt. Denn sie ist, in vielen Fällen ( das wirst du auch bei Matthew J. lesen) ein treuer Begleiter . Eben der "schwarze Hund". Aber man kann aus dem bedrohlichen Riesenschnauzer mit Hilfe von Therapie, Medikamenten, Ursachenforschung, Achtsamkeit und mit viel Übung (d.h. auch Rückschlägen) einen kleinen Zwergpinscher machen, den man gut an der Leine auf Abstand halten und erziehen kann. Und man sollte auch nicht vergessen: Die Depression will uns etwas sagen. Man muss nur bereit sein, in sich hineinzuhorchen und sich mit sich auseinandersetzten wollen. Aber alles in kleinen Schritten, bloß keine Überforderung.

Alias 717267


Da hast du etwas wichtiges geschrieben, mein Freund war immer schon auffällig sage ich jetzt mal (wo du grade schreibst die Depression als Treuer Begleiter), seit ich ihn kenne, war da immer etwas und die Antworten habe ich die letzten Monate erhalten, warum "so", trotzdem Liebe ich ihn. Und ja ich merke jetzt wie wichtig es ist für ihn eine Struktur zu haben, dass fing schon damit an, da fiel er gleich ins Loch, was gar nicht von mir beabsichtig war, einfach nur etwas an der Routine geändert, eine Ausnahme, nichts aussergewöhnliches. Da merkt man den "Begleiter", die Verletzlichkeit, bloss nichts anders machen, es könnte sich etwas ändern. Vor allem es gleich persönlich zu nehmen, da klärte ich erstmal auf, dass es rein gar nichts mit ihm zu tun hat. Dennoch bleibt Enttäuschung seinerseits zurück, Worte müssen behutsam gewählt werden, Aussicht auf andere Dinge gelenkt werden usw.

Einfach ist es nicht, aber mich hat es nicht gestört und jetzt noch weniger, da ich von seinen Problemen weiss.

@:)

Alias 717267


Das Buch ist interessant was du vorgeschlagen hast @:) .

Wenn ich schon nur die Beschreibung lese, dann sehe ich da Verhaltensweisen, die Zurückweisung durch ihn, was mir die Monate echt zu schaffen machte und ich manches mal selbst weinen musste. Jetzt weiss ich warum und ich ärgere mich fast ein bischen, dass ich davon vorher nicht wusste..aber woher sollte ich?

Ich hätte anders darauf einwirken können, es wäre zu weniger Stress gekommen. Aber ich wusste nichts von seiner Erkrankung und wunderte mich eben warum er mich wegstieß, keine Nähe mehr zuließ usw.

nkoth\ofagxa


Einen kleinen Einblick in die Welt der Depressiven bekommst du vielleicht auch durch die Doku "Im Schatten von Robert Enke" (weiß immer nicht, wie das mit der Verlinkung geht ) auf youtube.

n*othEofaxga


Richtig muss es heißen "Der Schatten von Robert Enke".

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