» »

Wegen Psyche Krank geschrieben, wie damit umgehen?

T}ingi$lingxi hat die Diskussion gestartet


Liebe Foren Mitglieder, Ich brauche euren Rat!

[...] In meiner Kindheit und Jugend hatte ich mittelschwere Depressionen mit Suizidgedanken, Auslöser war die schwierige Familiensituation.

Die ganze Schulzeit in der Oberstufe bis zur Matura habe ich mich geritzt und hatte schwer mit Depressionen zu kämpfen. Gehe jetzt seit [einigen Jahren] in Psychotherapie. Nach der Matura war ich ein Jahr arbeitslos weil ich mich als so Wertlos empfand das ich mich nicht mal bewerben konnte, bis ich etwas fand wofür ich wieder kämpfen wollte- [meine Ausbildung]. In der Zeit begannen Psychosomatische Probleme, ich hatte ständig Durchfall, mit der Zeit kam Sodbrennen und gelegentlich Übelkeit dazu, zusätzlich habe ich seit meiner Kindheit Schlafstörungen, die bei Stress stärker werden (ich wache um 2h auf und schlafe trotz Erschöpfung nicht mehr ein).

Ich habe einen starken Drang alles immer perfekt zu machen und setze mich ständig enorm unter Druck zu funktionieren. Die ganze Ausbildungszeit war enorm Stressig. Ich habe mit Ausgezeichnetem Erfolg Abgeschlossen und dachte zuerst ich schaffe es überhaupt nicht durch die Prüfungen.

Jetzt wo ich endlich arbeiten gehe, muss ich wieder viel dazu lernen was Konfliktbewältigung angeht z.B.. Ich mache mir selbst viel Leistungsdruck weil ich schnell alles können will.

Vor einem Monat wäre ich fast von einem Zug überfahren worden, weil ich vor lauter Panik meinen Zug einmal zu verpassen und 5min. zu spät zu kommen, über die Gleise gerannt bin in meiner Panik.

Seitdem habe ich einen Gefühlsausbruch nach dem anderen.

Meine Therapeutin freute sich das ich endlich meine Traurigen Gefühle zulassen kann. Nach der Therapiestunde letzte Woche ging es erst so richtig los- mir ist permanent schlecht und oft könnte ich weinen und tue es auch. Ich fühle mich zum kotzen und gleichzeitig versuche ich mich nicht dafür zu hassen das ich nicht funktioniere. (Das habe ich die ganzen Jahre unterdrückt um weiter machen zu können)

Jetzt empfiehlt mir meine Therapeutin erst mal zwei Wochen in Krankenstand zu gehen, um meine Traurigkeit ausleben zu können und mich in meine Angst - nicht zu funktionieren- zu treiben, um zu beginnen sie zu lösen.

Ich war zuerst dagegen, weil ich in der Arbeit gebraucht werde [...], aber sie meinte ich muss lernen das ich nicht sterbe oder meine Existenz verliere wenn ich einmal aussetze.

Dann war ich heute damit beim Hausarzt der das Ganze ein wenig belächelte und meinte es würde mir vielleicht ja sogar besser gehen wenn ich arbeiten gehe, aber er macht was ich will.

Was sagt ihr zu meiner Situation, wie sind eure Erfahrungen mit Krankenständen wegen der Psyche?

Ich hab so Panik und ich hasse mich so dafür nicht zu funktionieren und ich fühle mich total lächerlich.

Fühle mich total dämlich und wie der letzte Trottel. Tut es mir gut wenn ich zuhause bleibe oder bin ich ein elender Simulant?!? - Ich traue mir selbst nicht. %:|


(Anm. d. Moderation: Beitrag auf Wunsch der FS anonymisiert.)

Antworten
_WParlvatix_


So dumm finde ich den Vorschlag der Therapeutin nicht. Zum einen kannst du durch eine Krankschreibung lernen, dass sich auch ohne dich die Welt weiter dreht und zum anderen kannst du lernen dich nicht schlecht zu fühlen, wenn du aus gesundheitlichen Gründen ausfällst.

Ich hab so Panik und ich hasse mich so dafür nicht zu funktionieren und ich fühle mich total lächerlich.

Du bist ein Mensch und kein Roboter der rund um die Uhr zu funktionieren hat. Menschen können krank werden und auch Fehler machen. Das ist völlig normal.

Blenit3aB.


Es liegt an der Einstellung, an dem Entschluß: Ich mach mal gar nichts und ich habe das Recht, jetzt und hier die Füße hochzulegen.

Dein Denken suchst Du Dir selbst aus. Statt 1000 mal die Schallplatte mit Sprung aufzulegen: ich bin nichts wert, könntest Du 2000 x mit einem STOOPPPPPPP belegen. Sofort. Und immer wieder. Und eine neue Schallplatte auflegen: das ist alles gut so, sogar besser.

Nur Du entscheidest, das nicht zu denken sondern die alte Gewohnheit zu pflegen. Fakt.

Machen mußt Du das selbst, üben, die Gedanken neu zu ordnen: mußt Du selbst. Irgendwann wirst Du sehen, die Dinge ändern sich, wenn die Einstellung sich geändert hat.

Gelassen sein heißt: ge(hen) lassen sein.

Du bestimmst, welchen Wert Du hast. Hier und jetzt. Du stellst die Waagschale ein.

Was würdest Du einer Freundin in dieser Lage erzählen: du dumme wertlose bekloppte Kuh, bist nur zu faul für alles im Leben... Wäre es das, was Du ihr ans Herz leben würdest?

Nö?

Welche unterstützenden Worte würdest Du für sie finden?

Warum bist Du Dir selbst bislang nicht die beste Freundin sondern eigentlich die wildeste Feindin ???

Txing#ilKinxgi


Danke für eure Denkanstöße!

Ich hab jetzt alles für den Krankenstand organisiert, meine Chefin war zwar nicht begeistert und wollte genau wissen was ich habe, ich habe für mich gelogen (ich kann in dem Betrieb leider nicht die Wahrheit sagen, dort zerreißen sich alle übereinander das Maul).

Einerseits bin ich erleichtert dass ich mich mal ausruhen kann und dann ist da noch die andere Stimme die ich versuche abzuschwächen.

Habt ihr das Haus verlassen bei solchen Krankenständen, hätte Paranoya das mich wer sieht, aber nur in der Wohnung macht mich irre!?

C7o"mUran


Was sagt ihr zu meiner Situation, wie sind eure Erfahrungen mit Krankenständen wegen der Psyche?

Auch im Sinne des Arbeitgebers ist die Gesundung eine hohe Priorität, denn lieber fällst du 2 Wochen aus, als dass du permanent zerbrechlich bist.

Und in deinem Sinne ist es selbstverständlich eine ratsame Sache, damit du auch lernst, an dich zu denken und dir nicht immer nur Druck von außen zu machen. Auch psychische Erkrankungen sind Erkrankungen, und wenn die vorübergehende Arbeitsunfähigkeit dabei hilft, dann sollte man nicht scheuen, sie in Anspruch zu nehmen.

Ein Kollege in meinem Bereich war übrigens 1,5 Jahre weg wegen psychischer Erkrankung (war aber ein schwererer Fall als bei dir). Und soll ich dir was sagen: ich war als Vorgesetzter froh, dass er endlich was für seine Genesung tut, weil seine Probleme auf der Arbeit spürbar waren. Mittlerweile ist er wieder hier, hat seine Wiedereingliederung durchgezogen und hat sich fast wieder auf sein gesundes altes Niveau raufgearbeitet. Natürlich haben wir den Ausfall gemerkt, aber hätte er das nicht gemacht, hätte es schlimmer kommen können.

meine Chefin war zwar nicht begeistert und wollte genau wissen was ich habe

Strenggenommen geht das die Vorgesetzten nichts an, wenn man eine Bescheinigung vom Arzt hat. Krank ist krank. Meistens weiß man es aber doch, entweder weil die Kollegen bei der Krankmeldung es freiwillig dazu sagen (wir haben hier aber auch alle ein gutes Verhältnis), oder weil man es auf der Arbeit schon vorher wahrnimmt. Die Frage selbst ist aber nicht gerechtfertigt und du kannst genauso gut sagen, dass du das nicht an die große Glocke hängen möchtest (eröffnest dabei natürlich auch Raum für Spekulationen, so dass die Aussageverweigerung auch dumm laufen kann).

Habt ihr das Haus verlassen bei solchen Krankenständen, hätte Paranoya das mich wer sieht, aber nur in der Wohnung macht mich irre!?

Du bist arbeitsunfähig geschrieben und hast keinen Hausarrest. Du darfst all das machen, was deine Genesung nicht gefährdet. Du darfst einkaufen, spazierengehen usw.. Dein Verhalten sollte natürlich kein Widerspruch zu deiner Notlüge auf der Arbeit sein. Wenn du denen erzählst, du hättest Grippe, dann solltest du nicht beim Schlittenfahren gesehen werden.

f#alcro pemlegrinxoides


Normalerweise braucht man seinem Chef nicht zu sagen was man genau hat. Nur wenn deine Krankschreibung über längere Zeit wäre, müsste er informiert werden, dass du so schnell nicht wieder kommst, damit er sich um eine Aushilfe kümmert.

Wenn man wegen psychischen Erkrankungen wie, Depression, Angst, etc krankgeschrieben ist, sollte man gerade rausgehen. Aber ich verstehe dich da, denn ich traue mich das auch nicht, obwohl mir Ärzte gerade gesagt haben, dass es sogar wichtig ist, damit man nicht noch weiter abrutscht. Versuche rauszugehen, wann immer du nur kannst. Hab einen geregelten Tagesablauf. Also immer zur selben Zeit aufstehen, regelmäßig und gesund essen. Beschäftige dich mit schönen Dingen. Das wird am Anfang schwer sein aber es ist wirklich wichtig. Außerdem sollte dein Hausarzt das nicht belächeln, er ist kein Therapeut oder Psychiater.

g.raxum


Einerseits bin ich erleichtert dass ich mich mal ausruhen kann und dann ist da noch die andere Stimme die ich versuche abzuschwächen

Das ist wichtig. Da streiten sozusagen deine zwei Ich's. Dein "normales" Ich , das sich nach Ruhe sehnt und dein "pathologisches" Ich, das dich antreiben will zu funktionieren und das dich über die Gleise treibt um ja noch den Zug zu erwischen.

Ich war wegen einer Depression fünf Wochen krank geschrieben. Das war gut so. Nein ein schlechtes Gewissen sollte man sich nicht machen.

Tiingiylingxi


Ich habe den Krankenstand auf meinen Magen geschoben und gesagt:"es ist noch nicht sicher was ich habe, ich bekomme eine Magen-Darm Spiegelung und dann weiß ich mehr"(was auch der Wahrheit entspricht nur das es ziemlich sicher psychosomatische Ursachen hat).

Vor allem von einem Chef zu hören das er lieber seine Mitarbeiter in solchen Fällen unterstützt als sich Maßnahmen zu überlegen sie los zu werden tut mir gut!

Ich fühle mich schon etwas besser!

Sich austauschen tut gut! @:)

JVoll6yRoggers


ich leide zeitweise selber unter depressionen und unkontrollierten gefühlsausbrüchen. mir geht es ähnlich wie dir.

weihnachten und silvester waren sehr schlim für mich und letzte woche hatte ich einen sehr schlimmen tag. ich fing während der arbeit so an zu weinen (ich pflege einen schwerstbehinderten jungen und begleite ihn im täglichen leben. an dem tag war ich mit ihm in der schule) die klassenlehrerin war total erschrocken. wir zogen uns kurz zurück. nachdem ichmich beruhigt hatte, erzählte ich ihr das ich krank bin. sie nahm mich daraufhin in den arm. fragte mich warum ich es nie erzählt habe.

anfangs habe ich mich geschämt. dann merkte ich irgendwann das es gut tat darüber zu reden und das viele es wirklich ernst genommen haben. bis ich einmal an die falsche geraten bin. sie wollte keinen "psycho" im team haben. musste den job wechseln. seitdem halte ich es wieder geheim.

einen rat geben, kann ich dir nur soweit, das du tun must, was dir gut tut. bei mir sind es sachen die mir spass machen. ich gehe mit meinen kindern in freizeitpark. gehe in einen kletterwald. gehe in die sauna, bastel was, kaufe mir was schönes.

als ich einen anfall hatte und krankgeschrieben wurde, fragte mich meine cheffin auch was los sei. ich antwortete ihr nur, das ich darüber nicht sprechen möchte. sie hat es akzeptiert. muss sie auch.

TyingiXlingxi


Genau, ich habe auch nie mit jemandem geredet, außer mit meiner Therapeutin und mit meinem langjährigen Lebensgefährten. Ich habe mich isoliert und einsam gefühlt obwohl ich Freunde habe, weil ich nie darüber geredet habe. Die Woche habe ich zum 1. mal einer Freundin von meiner Situation erzählt und sie war total lieb und verständnisvoll zu mir, das tat sehr gut. Den Donnerstag werde ich eine andere Freundin treffen und auch ihr werde ich es erzählen. Meine Therapeutin hat mir heute einen Befund über meinen Zustand geschickt, für den Hausarzt, erst wenn ich es schwarz auf weiß sehe wird mir bewusst das ich mich doch ernst nehmen sollte dabei und das ich nicht simuliere. Aber ich habe halt Angst was meine Chefin und Kollegen von mir denken, aber das sollte ich auch üben zu überwinden.

Tjhis lTwi!ligyht Gardexn


hm, meinst du der Job ist der richtige für dich?

Ich meine, [...] es ist ein echt sehr herausfordernen Beruf, vor dem ich hochachtung habe...

[...]

Natürlich ist es besser, wenn du dich erstmal auf dich konzentrieren kannst, aber meinst du eine Auszeit von 2 Wochen genügt da? Was kommt danach?

TUingnilixngi


Es ist der richtige Job, da brauchst du dir keine Sorgen machen. Andere [...] sind ständig wegen gesundheitsproblemen im Krankenstand, die halt körperlicher Natur sind und dafür werden auch Lösungen gefunden (öfter als ich). Ich hab ein Riesen Einfühlungsvermögen [...] und ich bin üblicherweise auch belastbar, [...]

TNing$ilinDgi


Und noch was: ich [...] habe immer gute Arbeit geleistet. [...] Es wäre meiner Meinung nach ein Verlust für die Branche wenn ich gehen würde. Trotz meiner Probleme.

f,alco cpelPegrinoxides


Der Auslöser deiner Depression ist ja ein Familienproblen und nicht dass du mit Stress nicht umgehen kannst. Viele Menschen haben einmal im Leben eine Depression. Manche Menschen haben allerdings psychische Erkrankungen bei denen sie Stress meiden sollten aber das ist bei dir nicht der Fall, deshalb hast du sicherlich den richtigen Beruf erwählt.

Es ist gut, dass du deiner Chefin nichts genaues gesagt hast. Gelogen hast du auch nicht, denn. du hast wirklich ein Magenproblem.

:)*

fAalcko peQlegrinoidexs


Oh, ich sehe gerade, dass ich deinen Beitrag nicht mehr richtig in Erinnerung hatte, das tut mir Leid. Du hattest mit Depressionen zu kämpfen, da kann Stress wirklich kontraproduktiv sein.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH