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Mein Freund ist in der Psychiatrie, was erwartet einen dort?

Alias 717587 hat die Diskussion gestartet


Hi an alle erstmal.

Mein Freund ist seit kurzem stationär in einer offenen Psychiatrischen Klinik, er hat sich selbst dorthin begeben und sich die Klinik auch ausgesucht (ist in seiner Heimat 500 km weg von mir). Er schrieb mir nur das er dort hin geht, spielte schon einige Tage mit dem Gedanken, seitdem habe ich nichts mehr gehört von ihm. Habe mich aber bei seinen Eltern erkundigt wie es ihm geht soweit.

Ich kenne mich mit dem Thema überhaupt nicht aus, er leidet an Depressionen. Die vergangenen Monate kam es öfters zu Streit, er hat gleichzeitig wohl eine Persönlichkeitsstörungen, soll heissen er war immer auffällig in unserer Beziehung, was ich aber erst im nachhinein verstanden habe, warum. Natürlich habe ich Angst um ihn, dass er verändert zurückkommt, sich vielleicht von mir trennt usw.

Ich kann nichts tun, ausser abzuwarten, bis er sich meldet.

Wer von euch war schon mal in einer Psychiatrie und kann berichten wie es dort so abläuft?

Danke @:) *:) :)*

Antworten
Z}wa0chk4x4


Ich, ist schon lange her, wurde rein medikamentös behandelt. Jeden Morgen eine Infusion mit Antidepressivum, danach in Schlaf gefallen, von der Visite dann aus dem Tiefschlaf gerissen, danach Briefe geschrieben, Mittagessen, wieder schlafen (Die ADs waren sehr sedierend; in der Klinik sind höhere Dosierungen möglich als bei ambulanter Behandlung); Folge: Gewichtszunahme. Nach 6 Wochen ausgeschlichen. Prof war noch nicht zufrieden, also Medikamentenwechsel und das ganze noch einmal von vorn. Entlassung nach insgesamt 3 Monaten und sofort arbeitsfähig.

Deine Angst ist unbegründet. Er soll idealerweise wieder der gleiche Mensch sein wie vor seiner Krankheit. Ich habe damals die Diagnose mit großem Unverständnis erlebt. Man weiß nicht, wie man an die Krankheit gekommen ist, und hat deshalb auch keine Vorstellung davon, wie man sie wieder loswird. Die Ärzte hüllen sich in Schweigen, was die Behandlungsdauer angeht, weil jeder Patient anders reagiert. Das führt zu einer großen Verunsicherung des Patienten, weil ihm das, worüber er sich definiert hat, unter den Füßen weggezogen wird. Wird er jemals wieder seinen Beruf ausüben können, wird die Beziehung zerbrechen, wird ihn überhaupt jemand verstehen, wie werden ihn die Kollegen nach dem klinischen Aufenthalt wieder aufnehmen? Wird er für immer stigmatisiert sein? Das sind so die Gedanken, die mich damals beschäftigt haben; Zeit zum Nachdenken hat man ja genug. Kurz: Wenn es keine Antidepressiva gäbe und ich meine Frau nicht gehabt hätte, würde ich heute hier nicht mehr schreiben. Sollte die Depression auf ein erkennbares Trauma zurückgehen, wird die Behandlung wahrscheinlich Psychotherapie einschließen.

Alias 717587


Oh da hast du ja einiges mitgemacht.

Bei ihm ist es die zweite schwere Depression, er hatte das vor unserer Zeit genauso schon einmal. Bei ihm sind die Auslöser "Krisen", Trennungen, Arbeitslosigkeit, was eben so im Leben passiert.

Die letzten Wochen verliefen unschön, es kam eben zu Streit, weil er wirres Zeug redete, unsere Beziehung in Frage stellte, sich seiner Gefühle nicht sicher war, sich zurückzog, mich ablehnte, aber gleichzeitig auch wieder meine Nähe suchte. Ein Hin und Her war es. Es wäre sich nicht sicher ob er mich liebt, solche Sätze kamen z.B.

für mich war das alles schwierig, man ist ratlos, wenn man jemanden liebt, er sich so verändert und man ihm eigentlich helfen möchte..aber jedes Wort wurde umgedreht. Mal war er der schuldige, alles tat ihm Leid, dann war ich wieder diejenige die böse ist und es ginge ihm wegen mir noch schlechter.

Grosses Chaos. Aber wie erwähnt, seine jetzige Depression, dafür hat es einen anderen Auslöser, als Beziehung. Er steckt grade in einer Lebenskrise, ihm wurde gekündigt, anfangs nahm er es noch locker..dann schlich sich die Depression ein..extreme Einsamkeitsgefühle, obwohl Leute da waren, Wertlosigkeitsgefühle, obwohl man ihm sagte von verschiedenen Seiten, er sei toll usw..

S*carxo


Zwack44, das klingt ja echt nicht toll... Warum durftest du denn nur schlafen und Medikamente bekommen?

Zjwbacxk44


Ganz einfach: Weil man keine Ursache fand. Hat ja auch so geklappt > Wer heilt, hat recht.

sPchnecike1985


@ Alias

Oh je :)_ :)_ :)_

Ich möchte allerdings Zwack widersprechen: Im Idealfall kommt der Mensch nicht genauso zurück, wie er reingegangen ist. Ist ja auch logisch, denn: Die vorherigen Verhaltensweisen / Gefühle / Charakterzüge haben ja in die Krankheit geführt. Eine Veränderung ist deshalb für den Patienten wünschenswert, damit er seine Verhaltensweisen / Gefühle händeln kann und wieder am normalen Leben teilhaben kann.

Ich kann mir vorstellen, dass das für dich als Partnerin sehr schwierig ist. Du hast sicher gerade einen Haufen Fragen im Kopf, Zweifel und Ängste :°_ :°_

Meiner Meinung nach kann aber nur die Zeit zeigen, ob und was sich während des Aufenthaltes bewegt hat. Ich bin nach einem Suizidversuch in die Psychiatrie gekommen, wurde dort medikamentös besser eingestellt, hatte verschiedene Therapien und bin nach 3,5 Wochen als neuer Mensch rausgegangen. Zumindest war ich die schweren Depressionen los und meine Persönlichkeitsstörung hat sich stabilisiert, meiner Beziehung und mir hat das ganze wirklich sehr gut getan und viel Ruhe reingebracht. Natürlich war ich danach nicht rundumerneuert, ich habe immer noch Probleme in vielen Bereichen, aber ich komme ganz gut klar. Der Arzt in der Psychiatrie war ein Glücksgriff, er war wirklich mein "Partner in crime" und hat mir sehr weitergeholfen x:) :-x

Auch, wenn es für dich sehr schwer ist: Ich empfehle dir, abzuwarten. Mir hat es sehr gut getan, dass ich mich im beschützten Umfeld nur mal auf mich konzentrieren konnte und der Alltag ausgesperrt war, dadurch blieb viel Zeit zum Nachdenken und zum Austausch mit Mitpatienten.

Nur schlafen / Sedierung war bei mir allerdings nicht. Ich habe zwar starke angstlösende (und müdemachende) Medis gekriegt, ich wollte allerdings (freiwillig) an so vielen Therapieangeboten / positiven Tätigkeiten wie möglich teilnehmen. Sei es nun Monopoly im Patientenzimmer, zeichnen, Tagebuch schreiben usw. usw.. Auch hier denke ich: Die Mischung macht's. Ein paar Wochen, die nur aus Schlafen bestehen, ändern nicht wirklich viel. Ein paar Wochen, die vollgepackt mit Tätigkeiten sind, wären für einen schwer Depressiven aber auch mehr Belastung als Hilfe.

Alias 717587


Danke Schnecke.

Es ist die Kontaktsperre (die hat er selbst so gewählt, er hat Telefon auf dem Zimmer, nur er telefoniert nicht mit mir, sondern einer anderen Vertrauten Person), die Sehnsucht, es ist wie als wenn es aus wäre, einfach so nichts mehr hören voneinander, mit ungewissem Ausgang. Wie lange es dauert weiss man nicht, ich gehe aber davon aus, dass es einige Wochen werden . Eventuell darf er bald über das Wochenende nachhause. Ja ich kann nur abwarten, ist auch eine quälende Zeit für mich, ich spiele alle "Ausgänge" durch, unter anderem auch das es ganz aus ist. Ich muss mit allem rechnen. Natürlich versuche ich mich auf mich zu besinnen und schaffe es zwischendurch auch zu lachen und fröhlich zu sein etc. trotzdem kommen die Gedanken an ihn, was er wohl grade macht, wie gehts ihm, wie fühlt er sich usw.

fZalc;oV pelHegrienoidxes


Zwack schrieb, dass man im Idealfall so raus kommt, wie man vor der Krankheit war. :-)

L}ieybemixt50


Hallo, mein Partner ist seit Ende März in der Klinik und wird u.a. auch wegen seiner grossen Verlustangst therapiert. Seitdem haben wir keinerlei Kontakt, die Therapeuten haben eine "freiwilige" Kontaktsperre verhängt, ich stehe im Alltag und weiss seit Monaten nichts von ihm. So etwas wünsche ich niemandem, vor allem was soll den werden, wen er wieder in normale Leben zurück kommt? Ich werde streckenweise noch blöde!

mDond+s<ternxe


Warum schreibst Du das jetzt, hier und heute?

Alias 717587


Hallo, ich schreibe nach langer Zeit mal wie es ausgegangen ist. Also wir sind nicht mehr zusammen, ich habe das genau so befürchtet, nachdem ich auch in diverseren anderen Foren gelesen habe das es oft zu Trennungen nach einem Psychiatrieaufenthalt kommt. Und exakt wie es überall steht kam es auch. Ich bin deswegen auch der Überzeugung, dass dort eine Art Gehirnwäsche stattfindet und die Therapeuten den Leuten eintrichtern das sie alles stehen und liegen lassen sollen.

Es fing genauso an wie es beschrieben steht in zig Berichten im Netz. Er hat Mitpatienten kennengelernt, seinen Bettnachbarn, ein Mann im gleichen Alter und die beiden haben sich verständicherweise gestützt. Er hat sein Handy wieder mitbekommen und hatte 2 Stunden am Tag zur Verfügung. Wir schrieben, es wurde täglich weniger, er war ständig online und schrieb mit seinem neuen Freund, den er auch so gleich auf Facebook addete. Da waren dann auch Bilder zu finden von gemeinsamen Freizeitausflügen am Wochenenden mit diesem neuen Freund. Spricht ja nichts dagegen wie gesagt (!), zu dem neuen bestem Freund gesellte sich noch der ein oder andere. Seine Welt bestand ab sofort nur noch aus diesem neuen Typen, der versteht ihn, ich nicht (!).

Irgendwann nach total eingeschlafener Kommunikation zwischen uns, schrieb ich ihm, ob er denn wiederkommt. Er antwortete mit nein. Und von da an löschte und blockierte ich ihn.

Ich konnte mich in der Zeit wo er in der Psychiatrie war von ihm innerlich verabschieden, denn ich wusste das es so kommen wird. Klingt jetzt doof, aber ich hatte eine Vorahnung das er nicht zuückkommen wird. Und so war es dann auch.

@ liebemit50

ich möchte dir keine Angst machen, es geht wie gesagt nicht darum das andere Frauen dahinter stecken, daran habe ich bei mir nie gedacht, war auch nicht der Fall. Aber die Menschen werden dort so dermaßen verändert, das es den Therapeuten ein leichtes ist, den einfachsten Weg vorzuschlagen, ein neues Leben zu beginnen. Das ist deren Therapieerfolg. Nichts auseinandersetzen mit dem alten Leben, sondern neu starten.

Du hast vielleicht auch schon in anderen Foren gelesen, zu 80% ist der Partner danach weg. Ich weiss das sind schlechte Nachrichten, es muss nicht so kommen..aber die Wahrscheinlichkeit ist leider gross.

L^iebCemitx50


Hallo Alias,

vielen Dank dafür, dass Du geschrieben hast. Ich setze mich seit zug Monaten auch schon damit auseinander, dass die Trennung wohl bevorsteht und das was du schreibst, habe ich verinnerlicht, auch wen es weh tut! Mein Partner hat übrigens auch einen Freund auf der Akutstation kennengelernt, die Freundschaft wird von ihm gepflegt, weil die ihm wichtig ist. Das wäre "eine andere Ebene"... Na ja, ich weiss was kommen wird und bin vorbereitet. Ich würde mich auch wundern, wenn er sich überhaupt noch einmal bei mir meldet, er hat es ja jetzt monatelang nicht getan. Und ich auch nicjt, allerdings wollte ich ihn bei seiner Arbeit unterstützen, habe mich eben an die "Anordnungen" gehalten. Es ist so schade, dass ich über 7 Jahreum diesen Mann gekämpft habe und alles dann so ein Ende nimmt, er war damals mein Traummann, aber es sollt wohl nicht sein.

m^ond+stxerne


Es geht um Verantwortung. Ihr seht die Verantwortung für Eure Trennung beim Partner/bei den Therapeuten.

Alias 717587


@ liebemit50

Das tönt nach dem gleichen Ablauf wie es bei uns der Fall gewesen ist. Vor allem erfahren die untereinander und durch die Therapie einen wahnsinns Energieschub. Sie bestärken sich wie gesagt gegenseitig enorm darin, das ist auch so gewünscht in der Therapie, ein miteinander. Ich merkte selbst das er mich nie fragte wie es mir ginge etc. es drehte sich nur um ihn. Als ich ihn fragte, bestätigte er mir das auch noch. Es dreht sich grade nur um ihn und er konzentriert sich auf nichts anderes, sprichwörtlich zum Egoisten. Ich sage das jetzt nicht im Zorn, nicht falsch verstehen, es geht ja um deren Gesundheit und das sie wieder hergestellt werden, es ihnen besser geht, denn schliesslich ging es ihnen sehr mies, keiner kommt umsonst dorthin.

@ mond+sterne

Irgendwoher muss es aber doch kommen, die Foren sind wirklich voll davon das nach Therapien, oder psychosomatischen Kuren die Partner sich trennen. Mit mal haben sie einen enormen Energieschub, könnten Bäume ausreißen, wollen nicht mehr ins alte Leben zurück, weil das alles krank gemacht hat. Für mich klingt das nach einer so einfachen Therapie, sein Leben einfach reseten, Neustart. Es klingt nicht danach als hätte man sich mit den wirklichen Problemen auseinandergesetzt und diese gelöst.

bclvue xheron


Ich kann verstehen, dass es für alias gerade schwer auszuhalten ist und sie verbittert ist. Aber bei dir, Liebemit50 ist es noch nicht zu spät und gerade mit dieser Einstellung nimmst du dir m.E. jede Chance, dass es klappen kann.

Was die draussen-gebliebenen in meinen Augen oftmals nicht verstehen ist, dass so ein Aufenthalt mit all den Therapien unglaublich anstrengend und schmerzhaft ist. Man hat mitunter einfach nicht die Kraft für die Menschen zu Hause. In einer Krise, die so schwerwiegend ist, dass es stationärer Hilfe bedarf, sollte es um die betroffene Person gehen und nichts sonst. Und natürlich ist es für die psychische Gesundheit der Betroffenen oft erstrebenswert, nicht so herauszukommen, wie man hinein gegangen ist. Denn oft sind es alte Handlungsmuster, die zu psychischen Erkrankung beigetragen hat.

Was also wichtig ist, wenn man die Beziehung weiterführen möchte ist, die Veränderung des anderen zu akzeptieren und zu zu lassen. Das ist allerdings für viele nicht so einfach, weil sich dann zwangsläufig auch ihr Leben ein bisschen verändert.

Das andere ist, dass man dort mit Mitpatienten auf einer Ebene jenseits allen Smalltalks reden kann. Sie kennen den Schmerz des anderen und fürchten sich in der Regel nicht davor. Das Gefühl, dass man auch diese Abgründe teilen kann, ist ein sehr wichtiges. Natürlich möchte man es nicht aufgeben.

Die Rückkehr in das normale Leben und bestehende Beziehungen erfordert also auch eine gewisse Offenheit und Beweglichkeit des Umfeldes. Angst vor Schmerz, Wahrheit und Co helfen nicht weiter. Du kannst deinem Partner aber vermitteln, dass du bereit bist, diesen Weg zu gehen und ihn anzuhören.

Bei mir hat es übrigens gut funktioniert mit der Rückkehr. Die meisten Menschen um mich haben versucht meinen Prozess zu verstehen und sind meine Veränderung mitgegangen und die Beziehungen sind eher intensiver geworden als zu vor. Mit denen, die es nicht aushalten, ist der Kontakt tatsächlich immer weniger geworden...

Ich wünsche dir und deinem Partner alles Gute!

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