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Mein Freund ist in der Psychiatrie, was erwartet einen dort?

Lfu|naBilaxnca


@ Alias

Zuerst wünsch ich dir und deinem Freund viel Kraft und hoffe, dass ihr die Zeit gemeinsam übersteht.

Ich selber war auch in einer offenen psychiatrischen Klinik, mit der Diagnose Borderlibe (wobei diese Diagnose sehr fahrlässig ist und ich müsste neue Tests machen, da ich diese Diagnose mit 16 Jahren bekam und der Charakter nicht voll entwickelt ist). Insgesamt habe ich dort 3 Monate verbracht, wobei die länge eines Aufenthaltes stark variiert von Person zu Person, der Diagnose und von der Tiefe des Problems. Ich bekam die höchstdosis von Antidepressiva.

Der Tag wär eigentlich klar durchstrukturiert, verschiedene Arten von Gruppentherapien (Wahrnehmungstherapie, Zielegruppe u.a.). Dienstag und Donnerstag durfte man die Klinik am Nachmittag verlassen und in die Stadt gehen.

Es gab feste Essenszeiten und feste Aufstehzeiten. Sport war ein muss, wir hatten täglich Sport, manchmal zweimal am Tag.

Deine Ansprechsperson ist der Therapeut und wenn er nicht da ist, dann jemand des Personals, es gab auch einen "Notfall"-Therapeuten.

Ich selber kann sagen, dass mir der Aufenthalt sehr geholfen hat, ich habe seitdem nicht mehr an Selbstmord gedacht, mich nicht mehr geritzt und schaffe es gut selber aus den Tiefs rauszukommen. Auch das Antidepressiva brauche ich nicht mehr.

Meist wenn man dann aus Klinik entlassen wird, wird man einem neuen Psychologen (o. Psychiater) begleitet der einem weiter hilft bzw. Hilfestellung geben soll um in das normale Leben zu recht zu kommen.

Aber ich würde auch niemals behaupten, dass ich zu 100% geheilt bin. Ich sehe meine Krankheit als etwas was mich mein Leben begleiten wird, aber mit der richtigen Therapie lernt damit zu leben.

Als letzten Punkt, für mich war mein Umfeld sehr wichtig für die Genesung. Meine Familie, Freunde und Kollegen standen alle hinter mir und haben mich unterstützt. Ohne Rückendeckung ist es schwer und die Familie und Freunde sind wichtige Punkte gesund zu werden.

Übrigens ging ich nach dem Aufhalt in der Klinik nur noch für drei Monate zu einem Psychologe. Danach habe ich keinen mehr gebraucht, bis letzten November (2 Jahre lang keine Behandlung nötig, da ich es schaffte mich selbst oben zuhalten) aber auch nur weil ich in ein neues Land gezogen bin, ohne meine Familie und Freunde.

Man kann es schaffen, aber man muss an sich selbst glauben und kämpfen und man braucht Unterstützung. Rückschläge gibt es immer, aber das gibt es auch im normalen Leben.

Ich wünsch dir noch viel Kraft, wie auch deinem Freund @:) o:)

mBondO+stPerne


Ich habe während meiner stationären Psychotherapie nach einiger Zeit ebenfalls keinen Besuch mehr empfangen und keinen Kontakt mehr nach draußen gepflegt. Bei mir hatte es den Grund, dass ich mich ganz auf mich selbst und die Therapie konzentrieren wollte. Das wurde auch respektiert.

@ Alias 717587

Irgendwoher muss es aber doch kommen, die Foren sind wirklich voll davon das nach Therapien, oder psychosomatischen Kuren die Partner sich trennen.

Weil es oft vorkommt. Ich finde es auch ganz natürlich, weil man sich in einer Therapie viel mit sich selbst auseinandersetzt, und zur Auseinandersetzung mit mir selbst gehört natürlich auch die Auseinandersetzung mit meinen Beziehungen zu anderen. Da kommt es dann natürlich oft vor, dass man bestehende Beziehungen in Frage stellt.

Dabei spielen natürlich auch die Therapeuten eine Rolle. Manchmal sehen sie es als ein Therapieziel an, sich aus ungesunden Beziehungen zu lösen. Manchmal sehen sie es als ein Therapieziel an, Beziehungsarbeit zu leisten. Es kann auch sein, dass Beziehungen in der Therapie keine Rolle spielen, und es lediglich um den Patienten für sich genommen geht.

Bei mir ging es in der Therapie leider nur wenig um Beziehungen. Kein Therapeut hat mir in irgendeiner Weise nahegelegt, eine Beziehung zu beenden. In einer Partnerschaft habe ich damals allerdings schon lange nicht mehr gelebt.

TXhis T]wiligdht Gxardxen


Aber die Menschen werden dort so dermaßen verändert, das es den Therapeuten ein leichtes ist, den einfachsten Weg vorzuschlagen, ein neues Leben zu beginnen. Das ist deren Therapieerfolg. Nichts auseinandersetzen mit dem alten Leben, sondern neu starten.

Du hast vielleicht auch schon in anderen Foren gelesen, zu 80% ist der Partner danach weg. Ich weiss das sind schlechte Nachrichten, es muss nicht so kommen..aber die Wahrscheinlichkeit ist leider gross.

Zum Teil hast du sicherlich Recht; habe es auch ähnlich bei einer damaligen Freundin erlebt: die hat sich stark verändert nach 3 Monaten Therapie: erst zum Guten (Tagesstruktur, nicht mehr kiffen, gut für sich Sorgen) aber gerade der letzte Punkt ist dann irgendwann ins exzentrische umgeschlagen. Irgendwann kreiste sie nur noch um sich, sich, sich. Es gab nur noch sie und ihren Kosmos. Alles andere wurde kalt und gnadenlos eleminiert.

Zum Anderen klingt es etwas nach Opfer: Gehirnwäsche kann nur erfolgreich sein, wenn derjenige das auch mitmacht. Der Patient selbst hat in der Hand, was er aus seinem "alten" Leben mitnehmen will.

LuunaBEianxca


Zu dem Thema Beziehung noch....

Ob eine Beziehung es übersteht hängt sehr von den Personen selber ab und auch der Therapeut durchleuchtet gemeinsam mit dem Patienten das Umfeld, da auch das Umfeld das Problem verstärken kann.

Bei mir fand man zum Beispiel raus, dass zwei Leute die ich als Freund sah, keine Freunde im Endeffekt waren, sondern mich immer weiter in die Depressionen gesteuert haben (wenn auch unbewusst).

Am Anfang und auch manchmal während der Therapie kann es eine Phase geben, wo man niemanden sehen will, da man erstmal zu sich selber finden muss und umso näher man einer Person steht die einem Besuchen will, umso schwerer wird es da Leute unbewusst oft einen Einfluss auf das eigene "Wesen" haben.

Wie wäre es wenn du deinem Freund vorschlägst, dass ihr gemeinsam eine Therapiestunde nehmt bei seinem Psychologen? Natürlich muss jeder dafür bereit sein (auch der Psychologe).

Alias 717587


Genau das ist es, nur noch um sich kreisen, man läuft eventuell Gefahr das man nur noch sich selbst wahrnimmt und für enorm wichtig hält. Denn genau darum geht es ja bei diesen Therapien. Und manch einer legt das dann nicht mehr ab. Weil wie gesagt, mein Exfreund konnte nicht mal mehr fragen wie es mir geht, er fragte eigentlich gar nichts mehr. Es drehte sich nur um ihn. Sowas kann ich dann nicht verstehen. Ich habe wie gesagt keinen Kontakt mehr zu ihm.

TShis Tw~ilighFt Gardxen


Ja, so habe ich es damals auch bei meiner Freundin erlebt. Hochegozentrisch... eine Freundschaft die aus geben und nehmen besteht war mit ihr nicht mehr möglich. Da ging es nur noch ums nehmen :(v

_8Parv'ati_


Bezüglich Beziehungsende nach Klinikaufenthalt: Ich war ja selbst mal stationär in einer psychosomatischen Klinik. Einige Mitpatienten hatten u.a. auch Beziehungsprobleme und diese haben sich dann auch zum Großteil von ihrem Partner getrennt. Aber eben nur, weil es schon vor dem Klinikaufenthalt in der Beziehung nicht mehr gut lief. Aber die meisten haben eben erst in der Therapie gemerkt, dass sie in einer Beziehung stecken, die ihnen nicht gut tut.

Stabile Beziehungen überstehen aber so einen Klinikaufenthalt ganz gut. Ich habe mich ja auch nicht von meinem Mann getrennt - warum auch?

Was ich ebenfalls getan habe ist, dass ich Klinik und mein Leben außerhalb der Klinik strikt voneinander trennte. Klar, man hat sich mit den Mitpatienten z.T. sehr gut verstanden, hat sich gegenseitig unterstützt und manche wollten gern mit mir befreundet sein, aber da habe ich dankend abgelehnt. Ich wollte die Klinik nicht mit nach Hause nehmen. Wenn ich Freundschaften geschlossen hätte, hätte ich aber genau das getan.

bBlue heMron


mein Exfreund konnte nicht mal mehr fragen wie es mir geht, er fragte eigentlich gar nichts mehr. Es drehte sich nur um ihn.

Das ist natürlich Mist...und tut mir leid für dich.

f%alco pwel!egrninoides


@ LunaBianca,

ging dein erster Beitrag wirklich an Alias? Wenn das so ist, ließ dir ihren Beitrag nochmal genau durch und deine Antwort darauf. Falls es aber für Liebemitte50, hast du die Namen verwechselt. Bei ihr weiß man ja noch nicht den genauen Ausgang.

Liebe Grüße

LuiebRemixt50


Hallo Blue Heron,

ich danke Dir für die aufmunternden Worte. Du hast auch mit allem Recht, was Du schreibst. Natürlich geht es momentan in meinem Leben hauptsächlich um ihn, obwohl er gar nicht körperlich anwesend ist. Und ich weiss auch, wie anstrengend die Therapie für ihn ist. Alles richtig was ich mache - Aushalten, Abgrenzen, mich um mich kümmern, Stärke zeigen... alles aus Liebe zu ihm. Dennoch fange ich an, dass mir auf den letzten Metern die Luft ausgeht - ich habe ihn seit Februar nicht gesprochen und gesehen, das macht mürbe und tut sehr weh. Natürlich sollte er sich verändert haben, denn das war ja unser beider Wunsch - so wie es war durfte es nicht weitergehen, vor allem seine Verlustangst hat uns mürbe gemacht, dazu oder daher kam dan die Depression. Mir macht diese monatelange Kontaktsperre zu schaffen, ich habe sogar schon zwei Therapeuten danach gefragt - keiner von beiden hatte das schon einmal so gehört, dass die Angehörige so komplett aus dem Geschehen geschmissen wird. Vor allem weiss ich nicht einmal, wie lange das alles noch dauert - mit Akutklinik jetzt schon fast 6 Monate, dass ist wirklich hardcore! Aber Dein Bericht hat mich wirklich beruhigt, vor allem weil Du geschrieben hast, das es bei Dir toll geklappt hat. Das baut mich auf!

Alias 717587


Bei ihm kam noch hinzu das er schon immer Beziehungsgestört war und das krankhaft, also er hatte mit der Beziehung an sich ein Problem und dazu noch ein weiteres grosses. Da spielte vieles mit rein. Der Hammer war, als er entlassen wurde, hat er sich sofort auf die Suche nach einer neuen Partnerin gemacht. Obwohl er damit Probleme hat, da frage ich mich natürlich auch, ob er da so sehr viel mitgenommen hat aus der Therapie. Was mich aber jetzt wie gesagt nicht weiter interessiert.

_"Parqvaxti_


@ Liebemit50

Ich finde, dass die Kontaktsperre außergewöhnlich lang ist. Ich würde mich mal mit der Klinik in Verbindung setzen und fragen ob das tatsächlich notwendig ist und ob du deinem Freund nicht wenigstens mal einen Brief schreiben könntest.

LFieb+emi(t50


Und an die anderen... das waren jetzt so viele hilfreiche Posts von Euch - die muss ich mal sacken lassen. Aber was ich schon schreiben kann: Unsere Beziehung war vor dem Klinikaufenthalt die gesamten 7 Jahre sehr liebevoll, erotisch und schön - sehr emotional. Wir haben uns damals beide von unseren Familien getrennt, um unser Leben gemeinsam zu leben - wir waren beide unglücklich mit unserem Leben. Von Anfang an bzw. nach einigen wenigen Monaten bekam ich mit, dass etwas nicht stimmte mit ihm. Seitdem leben wir mit seinen krankhaften Verlustängten und seiner seiner Eifersucht... andere Ängste gesellten sich immer mehr dazu. Es war gerade für mich eine harte Zeit, immer wieder Therapien/Reha - auf nichts hat er sich richtig eingelassen vielleicht hat er das nur für mich gemacht, ich weiss es nicht. Im Dezember dann der Zusammenbruch, so einen Leidensdruck hatte er noch nie und nun ist er in der Psychiatrie, allerdings scheint es ihm diesmal ernst zu sein, denn ich habe ihm gesagt, dass dieser Aufenthalt unsere letzte Chance ist. Ihr habt natürlich Recht mit Belastenden Beziehungen "draussen", da gibt es jede Menge für ihn, denn er ist z.B. auch nach all den Jahren immer noch verheiratet und finanziert ein Haus, das sind zwei Baustellen, die ich nicht mehr akzeptieren werde - ich habe das viel zu lange gemacht. Und nein - ich bin nicht nur seine Geliebte gewesen, wir haben auch schon 2x miteinander gelebt - hat wegen seiner Krankheit nicht funktioniert, leider. Im Moment kann ich wirklich nichts anderes tun als abzuwarten,ist kein schönes Gefühl zu wissen, dass ich der Grund bin dafür, dass es ihm schlecht geht. Obwohl... ich kann ja eigentlich nichts dafür, ich denke ich könnte auch eine andere Person sein und er würde sich genauso fühlen. Es ist an ihm, sich mit allem auseinanderzusetzen - aber das tut er ja momentan. Mein herzlicher Dank an Euch!!!

Lbieb*emit5x0


@ Parvati

Ich möchte von mir aus keinen Kontakt aufnehmen, ich habe Ende April eine lange Email von ihm erhalten, in der von mir vorher gestellte Fragen mehr oder weniger befriedigend beantwortet wurden. Ein Angehörigengespräch ist geplant, allerdings erst, wenn seine Therapeutin und er der Meinung sind, dass es soweit ist. Und auch die Therapeuten müssen zustimmen, wenn er sich bei mir melden "darf". Für mich war das eine klare Ansage, allerdings hat er mir versprochen, dass ich nicht bis Ende Juni auf ein Treffen warten muss... Nun, es ist ja noch nicht Ende Juni, ich befürchte aber, dass er sich mit diesem Zeitfenster zu weit aus dem Fenster gelehnt hat. Ich für meinen Teil sehe mich jetzt so aussen vor, dass ich nichts mehr starte, denn mein Part ist das nicht nach dieser Ansage. Was ich erwarte ist eine kurze Info, was nun nach Ende Juni passiert, wie es mit der Krankschreibung weitergeht etc. Wenn da dann gar nichts mehr kommt, hat sich wahrscheinlich ohnehin alles erledigt, denn eine Nichtmeldung seinerseits fände ich nach al den Monaten respektlos und da zieht auch nocht mehr seine "Kranken-Karte". So sollte man dann nicht mit seiner Partnerin umgehen, ist aber nur meine subjektive Meinung.

LDiebem%iPt50


@ Alias

Was Du von Deinem Ex-Freund schreibst ist schon krass. Ich weiss nicht wie alt Ihr Beiden seid, eigentlich spielt es auch keine Rolle, vielleicht nur was die Suche nach einer neuen Beziehung gleich nach der Entlassung zeigt. Mein Partner wird schon bald 57 Jahre und ob er sich jetzt von mir trennt, weil er eine anderePartnerin haben möchte... Hmmm, kann wohl immer passieren, aber da vertraue ich ihm und eigentlich denke ich, dass er andere Dinge im Kopf hat - jedenfalls zur Zeit. Mein Freund hat wirklich grosse Probleme gehabt, als er sich hat einweisen lassen, diese so zu bearbeiten, dass er damit leben kann, wird schwer genug werden.

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