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Menschenhass. Vorsicht: Beitrag eines "Möchtegern-Misanthropen"

MKeerlNancVholie hat die Diskussion gestartet


Einen wunderschönen guten Tag zusammen,

Ich entschuldige mich jetzt schon einmal für Rechtschreibfehler und dergleichen, da ich leider momeentan nur noch mein Tablet nutzen kann.

Wie schon im Titel erwähnt: Ich hasse Menschen.

Vermutlich denkt nun jeder an einen pubertären, kleinen Teenie, den gerade sein ganzes Leben ankotzt und deshalb nun die Schuld den "bösen" Mitmenschen in die Schuhe schieben will und das kann ich wohl niemandem verübeln. Ganz so ist es dann doch nicht. Ich bin mittlerweile 21 und ziemlich einsam, ja das gebe ich offen zu. Paradoxerweise bin ich dies', weil ich es so will. Ich lehne beinahe jeden Kontakt zu anderen ab, sei' es körperlich oder auch kommunikativ. Unter anderem langweilen mich Menschen sehr schnell, schon nach zwei Minuten Gespräch bekomme ich oft das Gefühl mich einfach in Luft auflösen zu wollen, um nicht noch länger dem oberflächlichen Bullshit zuhören zu müssen. Es strengt mich richtig an dann nicht die Beherrschung zu verlieren, in sozialen Netzwerken ist das ja kein Problem, aber in der Realität sieht das Ganze dann verständlicherweise anders aus (zumal manche Konversationen eben unvermeidbar sind). Ich versuche so gut es geht den Worten meines Gegenübers zu lauschen, allerdings drifte ich dann eben schnell in meine eigene Welt ab und lächle bloß gezwungen.

Anfangs war es bloß Ablehnung, die ich empfunden habe, wie man sich also vorstellen kann, hatte ich nie Freunde oder eine Beziehung. Es gab mal ein paar Bekannte, mit denen ich dann aber auch schnell abgeschlossen habe, nachdem ich vom feinsten belogen wurde. Meine Schulzeit war ein einziger Spießrutenlauf, ich war wie man so schön sagt "das Opfer" und das auf jeder meiner 6 weiterführenden Schulen, unglaublich aber wahr. Wenn es an einem Tag bloß Beleidigungen waren, war das ein guter Tag. Meine Ablehnung hat sich von dieser Zeit an manifestiert, ich habe noch nie verstanden, was gerade "cool" ist und eben schon immer mein eigenes Ding durchgezogen. Wenn ich versucht habe mich anzupassen, kam nur noch mehr Gelächter. Allerdings habe ich nie jemandem etwas getan, sondern bloß still da gesessen und beobachtet, was alle wohl mit "Schüchternheit" verwechselten. Ein gefundenes Fressen für all diejenigen mit mickrigem Selbstwertgefühl, gegen einen kann man sich wehren, aber nicht gegen ganze Gruppen, zumindest nicht, wenn man allein da steht.

Diese Mobbingerfahrungen trugen wahrscheinlich sehr zu diesen Hass-Gefühlen bei, doch ich glaube nicht, dass das die Ursache ist. Schon als Kind war ich gerne für mich und habe kein Interesse an der Interaktion mit anderen gehabt, sprich an Kindergeburtstagen war ich froh, wenn ich niemanden einladen musste (meine Mutter hat mich an manchen leider dazu gezwungen) und auch körperliche Nähe, wie kuscheln oder Umarmungen waren mir zuwider. Im Grundschulalter litt ich an einer starken Emetophobie und diversen Zwängen, die mir die Kontaktaufnahme mit anderen erschwerte. Ich blieb also in meiner eigenen Welt, ich hatte eine blühende Fantasie, malte mir in Gedanken ganze Universen zusammen und spielte Rollenspiele für mich allein.

Nun ist es mittlerweile so, dass ich wahrhaftige Amoklauf-Gedanken hege, sobald ich mich mit einer Gruppe Menschen auseinandersetzen muss. Alles treibt mich zur Weißglut, besonders (wenn auch unbeabsichtigte) Berührungen und vollkommen oberflächliche Gespräche, die diese Person betreffen. Wenn ich ohne danach gefragt zu haben Informationen bekomme, möchte ich aufstehen und ihnen den Kopf abschlagen, ja es klingt total übertrieben, ist dennoch die Wahrheit. Das Denken der meisten Menschen ist mir absolut fremd, was es mir total erschwert mal ein Gespräch zu führen, was mich interessiert und fordert. Es gibt durchaus Menschen, die ich ansprechend finde, doch meistens habe ich auch da keine Lust auf eine Kontaktaufnahme. Wenn mich Leute beispielsweise bei Facebook anschreiben, ignoriere ich sie nach zwei Sätzen bereits wieder (falls ich überhaupt antworte).

Allerdings bin ich kein Narzisst, wie mancher vielleicht denken mag, ich mag mich selbst auch nicht. Es ist kein Hass, sodass ich mir etwas Schlimmes antun würde, dennoch hasse ich die Art und Weise, wie ich bin, eingeschlossen meinem Aussehen. Ich wollte schon immer am liebsten wer anders sein, habe ungern in den Spiegel geschaut und das Antisoziale in mir abgelehnt. Das Paradoxe ist aber, dass ich neidisch auf all' die Leute bin, die einen tollen Freundeskreis haben und viel erleben. Ich sehne mich im Grunde schon nach jemandem, der mir zeigt, dass er mich mag und der auch meine Aufmerksamkeit benötigt. Gerade an meinem Geburtstag oder Weihnachten fällt mir auf, dass ich dann doch einsam bin.

Kann man von Natur aus einfach nicht für andere Menschen gemacht sein? Kann man da über haupt psychologisch was machen? Vielleicht hat jemand auch ähnliches Denken?

Vielen Dank schon einmal, dass ich ihr euch den etwas langen Text durchgelesen habt.

Antworten
E4hemasliger QNutz=er (#5t78x069)


Meerlancholie

Ich wollte schon immer am liebsten wer anders sein, habe ungern in den Spiegel geschaut und das Antisoziale in mir abgelehnt.

Wie würdest du gerne sein?

Kann man von Natur aus einfach nicht für andere Menschen gemacht sein? Kann man da über haupt psychologisch was machen? Vielleicht hat jemand auch ähnliches Denken?

Jein. Ich denke, dass du mit dem "Durchschnittsmenschen" unserer Gesellschaft einfach nichts anfangen kannst. Das wird sich kaum ändern lassen. Aber es gibt Menschen, die ähnlich ticken wie du. Somit hast du sicher die Möglichkeit Beziehungen aufzubauen, wenn du das möchtest.

Psychologische Hilfe könnte sinnvoll sein, damit du besser mit Menschen umgehen lernst und dein Privatleben in eine neue Richtung lenken kannst.

Du wirkst sehr intelligent. Erzähl doch mal was von dir. Welche Interessen hast du? Was machst du beruflich? Welche zwischenmenschlichen Beziehungen würdest du gerne haben?

M5o8n{sti


Ich bin Asperger-Autistin und kenne viele Deiner Erfahrungen und Gedanken von mir - nur diesen Hass kenne ich nicht. Ich fühle mich oft wie ein Alien, der auf dem falschen Planeten lebt. Smalltalk, Berührungen durch fremde Menschen, Telefonate, Einkäufe in überfüllten Supermärkten, Menschenmengen, um nur einiges zu nennen ... als dies ist mir ein Gräuel. Am liebsten bin ich für mich alleine, meinen besonderen Interessen nachgehend. Dabei vergesse ich alles um mich herum und fühle mich super wohl. Allerdings habe ich einen Partner gefunden, der mit der Zeit gelernt hat, mit meinen Eigenarten gut umzugehen. Er selbst ist auch eher Individualist.

Was das Asperger-Syndrom betrifft, so lässt sich bei Erwachsenen nur bedingt etwas tun. Autismus ist angeboren und nicht revidierbar. Ich habe es aber aus unterschiedlichen Gründen geschafft, einigermaßen gesellschaftstauglich zu sein. Einer der Gründe: Ich bin als älteste von sechs Kindern aufgewachsen und habe deshalb schon frühzeitig gelernt, dass ohne Kompromisse und Anpassung gar nichts geht. Aber bis heute scheitere ich in Gruppen. Ich kriege einfach nicht mit, was sich unter den verschiedenen Leuten abspielt. Und: Ich stehe stets außerhalb, was ich aber längst akzeptiert habe.

mMond9+st#ernEe


Du möchtest gern ein Misanthrop sein. Du bist es nicht, weil Du Dich nach jemand sehnst, der Dich mag, weil Du gern einen tollen Freundeskreis hättest.

Soviel meine ich verstanden zu haben. Aber mehr im Grunde auch nicht.

Ich habe keine Vorstellung davon, was für ein Mensch Du von Deiner Persönlichkeit her bist. Deshalb kann ich auch nicht im entferntesten einschätzen, ob sich da psychotherapeutisch etwas machen ließe.

Kann man von Natur aus einfach nicht für andere Menschen gemacht sein?

Auch wenn Du anscheinend "schon immer" so warst, hast Du im Innern doch auch eine Sehnsucht. Deshalb glaube ich nicht, dass Du von Natur aus nicht für andere gemacht bist.

@:)

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