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OPs und Ärztemarathon im 1. Lj - Trauma für das ganze Leben?

Alias 719284 hat die Diskussion gestartet


Hallo *:)

Ich habe lange überlegt, ob ich das unter Alias posten soll oder nicht, aber letztlich ist es besser.

Ich habe eine Frage, die mich seit längerem schon beschäftigt. Ich war lange in Therapie wegen Depressionen, Angst- und Panikstörung, auch SVV. Die Therapie habe ich 2014 beendet; es ist nicht so, dass alles weg wäre, aber in erträglichem Maße, so, dass ich es relativ gut händeln kann. Den ursprünglichen Auslöser jedoch haben wir nie gefunden.

Demletzt kam jedoch von einer Bekannten mal die Sprache darauf, was der Auslöser könnte. Und zwar wurde ich in meinem ersten Lebensjahr mehrfach operiert, war viel bei Ärzten wegen zwei Erkrankungen, die es nicht häufig gibt. Meine Bekannte meint, dass dies ein Trauma gewesen sein kann, das sich im Unterbewusstsein manifestiert hat und sich noch heute auf meine Psyche auswirkt. Ich habe darüber nie wirklich nachgedacht. Ich weiß aus Erzählungen, dass ich lange Abstand zu Männern gehalten habe, das habe ich dann schon darauf zurückgeführt, ja. Ich hatte bisher auch noch keine Beziehung, kann Nähe nicht so besonders gut ertragen. Die Depressionen und Angststörung habe ich schon sehr lange, ja, im Grunde schon seit meiner Kindheit, das hat nur nie jemand als solche diagnostiziert. Heute weiß man ja, dass Kinder anders leiden und andere Symptome zeigen. Aber letztlich ist es ja nicht relevant, wann die Diagnose das erste Mal gestellt wurde.

Kann es sein, dass meine Bekannte recht hat? Kann mich mein erstes Lebensjahr für den Rest meines Lebens (also "Rest meines Lebens" im Sinne von "bis jetzt" ;-) ) traumatisiert haben? Ist das möglich? Ist sowas bekannt? Gibts darüber Berichte?

Liebe Grüße

von einer Userin ;-) @:)

Antworten
fJalc;o pelegErinxoides


Hallo,

es kann sehr wohl sein, daß durch die vielen OPs ein Trauma ausgelöst worden ist. Ich kenne dazu aber keine Berichte. Ist denn in deiner Therapie nie das Thema angesprochen worden? Für ein Kleinkind, das laufend ins Krankenhaus muss, ist es nicht verständlich was ihm da geschieht, es ist weg von den Bezugspersonen, weiß ja gar nicht warum, fühlt sich verlassen und hat durch die OPs Schmerzen.

Vielleicht solltest du eine Traumatherapie machen und das aufarbeiten. Wahrscheinlich erinnerst du dich nicht einmal mehr daran aber im Gehirn ist es gespeichert. Du verstehst dann gar nicht als Erwachsene, warum du auf gewisse Weise reagierst.

Ich rate dir noch einmal eine Therapie zu machen, bei einem Therapeuten, der sich damit auskennt. Meine Psychologin, erklärte mir, daß bei Kindern nicht nur Missbrauch und Gewalt Traumata auslösen, sondern viele andere Dinge auch und dazu zählen auch natürlich viele Krankenhausaufenthalte. Und wenn es nur einmal gewesen wäre, wäre es genauso möglich.

Lg @:)

U!rlaub^er,in15


Hallo Alias,

mich beschäftigt ein ähnliches Problem.

Ich bin seit meiner letzten Op vor einem Jahr psychisch ziemlich aus dem Lot.

Die Op davor war für mich extrem schlimm, da einiges schief ging.

Ob man nach so langer Zeit ein Trauma "nach" entwickeln kann weiß ich nicht. Bei mir steht eine Diagnose noch aus. Da ich allerdings erhebliche Probleme habe zum Arzt zu gehen denke ich schon, dass ich einen Knacks weg habe. Krankenhaus geht mal überhaupt nicht.

Ich denke man kann aus seiner Kindheit einiges entwickeln, vielleicht schneller als andere, wenn man eh schon anfällig ist?

Deine Krankheit kann an deiner Kindheit liegen, muss aber nicht.

Bei mir entwickelte sich eine Phobie aus dem Kindesalter heraus. (die ich gut im Griff habe, aber man weiß ja, dass man nur damit lernen kann zu leben ;-) ) Den Auslöser weiß ich ganz genau.

Liegt also wohl in meiner Natur einfach anfälliger zu sein, nicht so stark wie andere?

Möglich, dass es dir auch so geht?

Therapie wäre natürlich sinnvoll. Je länger du wartest umso schwieriger wird es das ganze aufzuarbeiten und gesund zu werden @:)

GUejpagAtesTiexr


Ja, dass kann sehr gut an den Erfahrungen im 1. Lebensjahr liegen. Man sagt, dass Traumen innerhalb der ersten 5 Lebenjahre besonders schwere Auswirkungen haben.

Ist ja auch logisch. Je jünger das Kind, um so weniger kann es Geschehenes einordnen, sondern nur fühlen und auch missverstehen.

SYunDflowle r_73


Schwierige Frage. Zum einen sind Krankenhaus & OP nicht zwangsläufig "traumatisierend". Traumatherapie JETZT macht auch wenig Sinn, solange keine konkreten Erinnerungen da sind. Womit soll man dann arbeiten?

Zudem muss man sagen: Wenn es in dem Alter so belastet hätte; bspw. die wichtigen Bindungsfähigkeiten beeinflusst worden wären, wärst du mit großer Wahrscheinlichkeit als Kind auffällig geworden: Trennungsängste, Schulangst, Angst vor Ärzten,... und und und. Davon schreibst Du nichts.

Und letztlich: Man erkennt seltenst DEN Auslöser für psychische Probleme. Meist sind es viele Puzzlesteinchen, die zusammenwirken: Umwelt, Charakter/Persönlichkeit, Genetik, Lebensereignisse. Viele Menschen ohne "krasse" Vorerfahrungen bekommen Panik oder Depressionen - und umgekehrt bekommt nicht jeder, der als Kind im Krankenhaus war, Panik und Depressionen.

Was würde sich für Dich durch das Erkennen eines vermeintlichen Grundes ändern?

Alias 719284


Ist denn in deiner Therapie nie das Thema angesprochen worden?

Jein. Es wurd mal kurz erwähnt, aber nie näher drauf eingegangen. Ich selbst erachtete es nicht für wichtig. Habe eigentlich nicht wirklich darüber nachgedacht.

Zudem muss man sagen: Wenn es in dem Alter so belastet hätte; bspw. die wichtigen Bindungsfähigkeiten beeinflusst worden wären, wärst du mit großer Wahrscheinlichkeit als Kind auffällig geworden: Trennungsängste, Schulangst, Angst vor Ärzten,... und und und. Davon schreibst Du nichts.

Ja, richtig, ich schrieb davon nichts, weil ich gar nicht darüber nachdachte, dass es damit zusammenhängen könnte. Trennungsängste/ Verlustängste, die gab (und gibt es) mehr als genug. Wenn ich bei Freunden eingeladen war, musste meine Mutter meistens dabei bleiben, es sei denn, es war meine beste Freundin, bei der blieb ich auch alleine, allerdings wohnte sie auch gerade um die Ecke. Im späten Kiga-Alter/ Grundschulalter war das anders, da blieb ich auch alleine bei meinen Freunden. Wenn meine Eltern zum Elternabend mussten und meine Oma (wohnte einen Stock tiefer) passte auf uns auf, war das ein Riesendrama für mich. Spontan einsetzende Bauchschmerzen und starke Übelkeit machten mir den Abend zur Hölle, da konnte Oma auch nicht helfen. Wenn meine Eltern wiederkamen, war der Spuk vorbei. Übernachtet habe ich nirgendwo anders, das ging nicht. Klassenfahrten waren für mich echt schlimm. Ich habe die Lehrer auf Trab gehalten, mit Übelkeit und Bauchschmerzen. Ich wollte, dass "mein Papa kommt und mich abholt". Meine Lehrerin rief zu Hause an und mein Papa wäre auch sofort gekommen, doch meine Mutter sprang dazwischen und verhinderte das (war ja auch richtig so). Auch auf der Klassenfahrt in der 10. Klasse ging es mir teilweise noch sehr schlecht.

Angst vor Ärzten? Ja, vor allem, wenn sie einen weißen Kittel trugen. Ohne Kittel ging es gerade so. Ich habe die Praxis dann nicht zusammengebrüllt, aber mich hinter Mama versteckt. Schlimmer waren die Zahnärzte (mal abgesehen von den beiden, die mich wirklich grob behandelten). Zahnärzte waren furchtbar, vor allem, wenn sie mit ihrem Spiegelchen kamen. Es musste nicht mal der Bohrer sein, nein, der einfache Spiegel reichte schon, dass ich das Würgen anfing, bevor auch nur annähernd den Gaumen berührt hätte. Ich konnte nichts in meinem Gesicht und schon gar nicht in meinem Mund ertragen.

Im ersten Schuljahr hatte ich 36 Fehltage... Übelkeit und Bauchschmerzen, manchmal wurde ich wieder nach Hause geschickt, kurz nachdem ich angekommen bin.

Was mir noch einfällt: Eine Zeit lang hielt es sich in Grenzen mit den Trennungsängsten. Ganz schlimm wurde es mit den Bauchschmerzen und der Übelkeit, nachdem mein Opa plötzlich verstarb. Ich war 5 Jahre alt. Ich trug ein türkisfarbenes, kurzämliges Nachthemd mit weißen Sternen drauf, als das Telefon klingelte. Meine Mutter nahm ab, redete anschließend kurz mit meinem Vater, der kurz darauf wegfuhr. Es war schon Abend, ich war bettfertig, ging dann schlafen. Was am Telefn gesprochen wurde, bekam ich nicht mit. Am nächsten Tag erzählte Mama mir, dass mein Opa jetzt im Himmel sei und von dort auf mich aufpasst. Meine kleine Welt brach zusammen. Meinen Opa, den ich noch am Tag zuvor gesehen hatte, würde ich nie wieder sehen. Ich habe wohl geweint, aber dann war es wohl nach außen hin "ok". Ein paar Tage später stand ich im Garten und brüllte hysterisch "Meinen Opa! Ich will meinen Opa wieder haben! Gib mir meinen Opa wieder!!!" ...

Und Krankenhäuser sind für mich heute noch ein rotes Tuch. Leider muss ich aber genau da regelmäßig hin. Kleines training für zwischendurch ;-)

Was würde sich für Dich durch das Erkennen eines vermeintlichen Grundes ändern?

Tja, gute Frage. Wenn dies tatsächlich der Kern der ganzen Geschichte ist, würde ich da vielleicht doch nochmal näher draufschauen. Da nochmal ein bisschen dran arbeiten. Vielleicht geht es mir dann allgemein doch noch etwas besser als jetzt. Vielleicht verstehe ich mich und meine Reaktionen auf bestimmte Dinge besser. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass meine Therapeuten darauf beharrten, dass es irgendwann mal einen Auslöser gegeben haben muss. Deshalb war ich dann da irgendwann selbst hinterher. Eine Bewegungstherapeutin meinte mal, ich solle vielleicht mal eine Traumatherapie machen, da ich wohl diverse Verhaltensweisen und -muster inne hätte, die einem traumatisierten Patienten entsprächen ":/

Aber was und ob sich was ändern würde, das weiß ich nicht :-/

F|rende*rikeFrvosch


Wir haben mit unserer Tochter (4 Monate alt) auch gerade eine Ärzteodyssee hinter uns und auf meine Nachfrage, ob diese vielen Krankenhausaufenthalte (auch die, die uns noch bevorstehen), Auswirkungen haben, sagte der Chefarzt der Kinderklinik zu uns: alle medizinischen Eingriffe bis 1,5 Jahre haben keine Verankerung im Gedächtnis und auf der Gefühlsebene der Kinder.

aryMaisha


Dass Ereignisse im Alter von unter 1,5 Jahren von dem Kind später nicht erinnert werden können, stimmt auf jeden Fall; das heißt aber nicht, dass Stress, Angst und Schmerzen bei ganz kleinen Kindern keine Spuren hinterlassen.

Um das zu verstehen, muss man auch nicht ein traumatisiertes Unterbewusstsein bemühen, das ist reine Neurologie. Bei einem Säugling ist das Gehirn noch nicht "fertig", sondern da müssen sich noch jede Menge Hirnzellen und Verknüpfungen bilden. Wenn das kindliche Gehirn in dieser Zeit einem hohen Maß an Stress, Angst und Schmerzen ausgesetzt ist und ihm Gehirn dadurch sehr hohe Pegel an den entsprechenden Stresshormonen sind, kann sich das natürlich auf die Hirnentwicklung und die spätere Reizverarbeitung auswirken. Es werden dann z.B. quasi die Bereiche und Verknüpfungen für Stress und Angst viel "stärker" entwickelt als andere Gehirnareale und der Mensch ist später ängstlicher und nervöser. Ich finde es plausibel, dass das gerade bei der Entstehung von Depressionen und Angsterkrankungen eine Rolle spielen kann. Das beginnt übrigens nicht erst nach der Geburt. Es kann schon Auswirkungen haben, wenn die Mutter in der Schwangerschaft ein hohes Maß an Stress hat und dadurch das Baby schon im Mutterleib eine "Überdosis" an Stresshormonen abbekommt.

Aber es kommen bei der Persönlichkeitsentwicklung und noch viel mehr bei der Entwicklung von psychischen/ psychiatrischen Erkrankungen noch viel mehr Punkte zusammen. Genetische Prädisposition, angeborener Charakter, andere Erfahrungen in der Kindheit wie liebevolles, sicheres Zuhause und "gute" Eltern... es ist quasi unmöglich im Einzelfall rauszufinden, was sich wie ausgewirkt hat und was unter anderen Umständen anders gelaufen wäre. Wenn ein kleines Kind schwer krank ist und viele Eingriffe/Arztbesuche/Krankenhausaufenthalte mitmachen muss, gibt es viele Möglichkeiten, die Auswirkungen möglichst gering zu halten, so dass es sich natürlich in ganz vielen Fällen später nicht auswirken wird. Schon gar nicht heute, wo es die Regel ist, dass Eltern im Krankenhaus bei ihren Kindern bleiben dürfen.

Dementsprechend kann ich mir gut vorstellen, Alias, dass deine Krankengeschichte im 1. Lebensjahr eine erhebliche Rolle bei der Entstehung deiner Angststörung und der Depressionen gespielt hat. Inwieweit man daraus etwas für die Therapie ableiten kann, keine Ahnung.. Traumatherapie dürfte bei nicht erinnerten Traumata eher nicht helfen. Aber sich die Zusammenhänge verdeutlichen könnte schon helfen.

L ichJtADmHorizxont


Ich kann mir schon vorstellen, dass sich durch Krankenhausaufenthalte in so jungem Alter der Eindruck manifestiert hat, dass die Welt unsicher ist und Bezugspersonen einen im Stich lassen, weil sie zulassen, dass man in Krankenhäusern sein muss, bei Fremden, man weiß jedes Mal nicht, ob die Bezugspersonen einen da wieder herausholen etc., Fremde machen Sachen mit einem, die man nicht versteht und die manchmal auch weh tun… Und gerade weil einem als Kleinkind noch der Verstand fehlt, um zu verstehen, wozu das alles gut ist, gräbt sich das schlechte Gefühl umso tiefer ein.

Ob es alleinige Ursache ist, ist fraglich, aber für unbedeutend halte ich das nicht.

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