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Sind Borderliner wirklich so schlechte Menschen?

dTie Txorte


selbst ein ganz normaler Satz wird dann schon mal als aggressiv bezeichnet, man hat keine chance.

jaa, das problem kenne ich nur zugut.

aber ich habe in den letzten 10 jahren auch viel dazu gelernt. heute würde es niemand bei mir vermuten ..

wIeighnac\htsst0ernchenx3


selbst ein ganz normaler Satz wird dann schon mal als aggressiv bezeichnet, man hat keine chance.

Naja, man kanns ja auch irgendwie nachvollziehen, oder? Je nachdem ist man ja vllt schon öfter mal mit der Axt auf die Seele des Anderen los. Danach dann die Augen zu schließen, durchzuatmen und zu sagen "Ok, ich gebe dir eine Chance, es anders zu machen" und nicht zu verurteilen und vorallem nicht beim ersten Fehltritt wieder wegzulaufen ist schon nicht gerade einfach.

Das können nicht viele Menschen. Ich erlebe das gerade auch - es gibt zwei Menschen aus meiner Vergangenheit, die sagen "Hey, ich sehe, da ist Reue, da versucht jemand, etwas anders zu machen und das honoriere ich." Es gibt aber auch welche, die sehen egal wie sie mich ansehen immer nur das Ich, das sie kennengelernt haben: das, das verletzt und nicht aus seiner Haut kann. Also ich verstehe da schon beide Seiten. Und das ist für beide Seiten zumindest anfangs auch ein Sprung über den eigenen Schatten. Und wer könnte das nicht besser nachvollziehen als der Borderliner selbst...?

Ich bin aber auch der Meinung, dass man kaum von einem Menschen positiver überrascht werden kann, als von einem sich in Behandlung befindenden und zur Veränderung bereiten Borderliner. Oder auch Depressiven, etc. Weil die wollen etwas verändern, und dann können ganz tolle und faszinierende Seiten zum Vorschein kommen.

W=M 2V014


Ich finde die Bezeichnung "schlechter Mensch" ganz heikel.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist so immens vielschichtig und oftmals auch sehr individuell, weshalb man ohnehin pauschal kein Urteil darüber treffen kann.

Ich habe in meiner Zeit in der Psychiatrie (wg. Depressionen) ganz viele Borderliner kennengelernt, die mit mir in Therapie waren. Und genau wie bei gesunden Menschen auch, waren da halt ebenfalls charakterlich "nette" und nette Leute dabei.

Die Frage, die man sich stellen sollte, ist, was ist im Leben dieser Menschen passiert, dass sie diese furchtbare Störung entwickelt haben. Und was ich da mitbekommen habe, hat mich sehr erschrocken. Vielen sind solch furchtbare Dinge widerfahren, und meist von Menschen, auf die man sich eigentlich verlassen können sollte (Eltern, Großeltern, etc.).

Von Menschen, die dich um deiner selbst Willen lieben sollten, und zwar bedingungslos, haben sie Ablehnung erfahren. Und das bereits im frühen Kindheitsalter. Worin das Ganze dann bei ihnen geendet ist, habe ich mitbekommen. Verlustängste, Selbstzerstörung, etc..

Ein Leben mit Borderline ist wahrlich kein Zuckerschlecken; Trigger lauern immer und überall. Sie müssen dermaßen achtsam durchs Leben gehen, um Frühzeit erkennen zu können, wann sie skillen müssen, um sich wieder runterzuholen, bevor es zu spät ist. In unserer Klinik haben alle am DBT Programm teilgenommen. Die meisten haben dadurch enorme Fortschritte gemacht.

kKeinSstxein


Nein, die Einteilung "schlechter Mensch" ist wirklich nicht sinnvoll! Ein Borderliner handelt nicht, wie er handelt, weil er anderen Böses tun will. Das ist überhaupt nicht die Wurzel seines Handels. Er ist aber seiner (verzerrten) Wahrnehmung nach derjenige, dem permanent Unrecht angetan wird - entsprechend schlägt er zurück.

Borderliner können (je nach Grad der Betroffenheit allerdings) auch keine Nettigkeiten und liebevollen Zuwendungen annehmen, weil sie dahinter Verarsche wittern. Zu Unrecht natürlich, aber das sehen sie nicht. Sie behandeln darum dennoch einen Menschen, der ihnen nur Gutes will, wie den größten Feind.

Einfach jeder ist der Feind, weil das schlechte Selbstwertgefühl auch übertragen wird.

Das ist für beide Seiten natürlich anstrengend.

Trotz allem leidet eben auch das Umfeld bei Borderlinern enorm.

Beispiel in unserem Bekanntenkreis: Tochter kennt ihre Mutter seit Jahren mit BL. Sie hält zu ihr, macht ihr oft kleine Geschenke. Die Mutter findet es komisch, wenn sie ihr gelbe Blumen mitbringt. Gelb, das war doch auch die Lieblingsfarbe ihrer verhassten eigenen Mutter, die Schuld an ihrer Lage ist? GElb, die Farbe der Lebensfreude, obwohl es ihr doch so schlecht geht? Völlig klar, das kann ja nur als Kränkung gedacht sein. Die Blumen kommen in den Müll und der Tochter wird es mit völligem Liebesentzug heimgezahlt. Sie beklagt sich zudem, dass die Tochter nicht im Haushalt hilft. Tochter bindet sich mehr ein, übernimmt 70% der anfallenden Aufgaben. Die Mutter überwacht das Geschehen und sondern Kommentare ab wie: ,,So macht man das doch nicht!", ,,Du Versager!", ,,Du kannst echt gar nichts richtig machen?!" Tochter wendet sich gekränkt ab.

Für Muttern auch eine Bestätigung: Ich kriege keine Hilfe im Haushalt. Die lässt mich alles machen! Ich bin ihr Heimchen am Herd, sie will mich klein halten!

Überall im Dorf erzählt sie herum: ,,Meine Tochter ist faul und hilft mir gar nicht. Die lässt mich einfach zu Hause schuften!" Die Dordbewohner ahnen natürlich nichts von der BL.

Damit ist die Tochter schonmal abgeschnitten von sämtlichen sozialen Kontakten. Die Tochter wundert sich, warum sie überall schief angeguckt wird.

Schließlich sieht die Mutter ein, dass eine Therapie notwendig ist.

Sie erzählt dem Therapeuten: ,,Meine Tochter macht mich seelisch kaputt!"

Wenn man mit einem BL zusammen leben will, muss man echt lernen, sich abzugrenzen und ständig gegenzusteuern. Oder aber man entzieht sich der Situation, bis er in fester Behandlung ist. Ich finde, anders kommt man mit diesen Menschen nicht zurecht, wenn keine Krankheitseinsicht da ist, und sie können ihr Umfeld ebenfalls seelisch stark in Mitleidenschaft ziehen und deren Selbstwertgefühl auf den Kopf stellen.

dSanae8x7


Weihnachtssternchen

Also ich verstehe eine gewisse Vorsicht, aber ich wollte darauf hinaus das viele Leute mehr als nur bereit sind jede Kritik an ihnen komplett undurchdacht abblitzen zu lassen wenn sie wissen das ihr Gegenüber eine Schwachstelle hat. Wenn man aber gesund und stabil ist, dann kann man sich Kritik anhören und in dem Moment entscheiden ob sie gerechtfertig ist oder übers Ziel hinausschießt und nur anteilig richtig oder total neben der Spur ist. Das man da achtsamer ist wenn jemand eine Störung hat, geschenkt, dass es aber ganz abgebügelt wird? Das ist nur bequem.

Es ging nicht darum ob man sich überhaupt wieder auf eine Bindund einlässt, da ist eine Ablehnung sehr verständlich wenn man schlechte Erfahrungen gemacht hat. Es geht darum wie man den Kontakt gestaltet wenn man ihn hält. Und da finde ich es wirklich zumutbar sich Kritik anzuhören, zu überdenken und dann gegebenenfalls abzulehnen oder zu relativieren, statt sich gleich auf:"Ah, du bist eh gestört, du kannst nicht Recht haben." zurückzuziehen.

Und in dem Beispiel von Nordie ging es um ein Beispiel im Arbeitskontext. Gerade da muss man zehnmal aufpassen bevor man sich entsprechend outet. Da ist es aber egal was man hat. Mit einer Depression hört man sich dann halt andere Klischees an und als Maniker gilt dann eben gleich alles als total überspannt. Menschen sind bequem und wenn der Andere offen eine Schwäche kommuniziert muss man damit rechnen das die anderen ihre Unzulänglichkeiten mit dem Fehler des Anderen erklären.

keinstein

Ich finde, anders kommt man mit diesen Menschen nicht zurecht, wenn keine Krankheitseinsicht da ist, und sie können ihr Umfeld ebenfalls seelisch stark in Mitleidenschaft ziehen und deren Selbstwertgefühl auf den Kopf stellen.

Das ist kein Privileg der Borderliner. So kann es einem auch mit allen anderen gehen, egal ob seelisch oder körperlich krank. Ob man sich dem jeweils aussetzt und wie kann man aber ja selbst entscheiden und wenn man es in einer tour tut, obwohl man sehr wohl die Wahl hätte, dann ist es höchst unfair dem Anderen die Schuld zu geben.

wZeihnMachztssteNrnczhexn3


Es geht darum wie man den Kontakt gestaltet wenn man ihn hält.

Ja, weiß ich, ich hab ja auch nichts anderes gemeint ;-D Also im Grunde kein Widerspruch, sondern ergänzt sich wunderbar ;-D

Und da finde ich es wirklich zumutbar sich Kritik anzuhören, zu überdenken und dann gegebenenfalls abzulehnen oder zu relativieren, statt sich gleich auf:"Ah, du bist eh gestört, du kannst nicht Recht haben." zurückzuziehen.

Kann aber in der Tat nicht jeder.

Und in dem Beispiel von Nordie ging es um ein Beispiel im Arbeitskontext. Gerade da muss man zehnmal aufpassen bevor man sich entsprechend outet.

Das ja sowieso. Das macht ja aber auch niemand freiwillig, es sei denn, er hängt sich die Zielscheibe gerne freiwillig um...

dLana1e8x7


Kann aber in der Tat nicht jeder.

Und das ist genau der Punkt. DAS ist dann nämlich nicht mein Problem sondern das der Anderen. Das nennt man Kritikfähigkeit und darf von jedem erwachsenen Mitmenschen erwartet werden.

Das ja sowieso. Das macht ja aber auch niemand freiwillig, es sei denn, er hängt sich die Zielscheibe gerne freiwillig um...

War ja aber Nordies Vorschlag um solche Situationen aufzuklären. Darauf bezog sich mein Beitrag und auch ich halte so eine Outing am Arbeitsplatz für sozialen Selbstmord.

e"sta1


Es geht darum wie man den Kontakt gestaltet wenn man ihn hält. Und da finde ich es wirklich zumutbar sich Kritik anzuhören, zu überdenken und dann gegebenenfalls abzulehnen oder zu relativieren, statt sich gleich auf:"Ah, du bist eh gestört, du kannst nicht Recht haben." zurückzuziehen.

Ja genau so ist es. Ich hatte manchmal sogar das Gefühl das das schon kam bei einfachen Meinungsverschiedenheiten, also die Person ist der Meinung A und ich bin der Meinung B. und dann kommt:"Ah, du bist eh gestört, du kannst nicht Recht haben."

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