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Keine Hilfe annhemen wollen, aus Angst vor "Verbindlichkleiten"

mxeyneaxs hat die Diskussion gestartet


Hallo, da ich zur Zeit einen längeren Krankenhausaufenthalt habe, merke ich, wie schwer es mir fällt Hilfe anzunehmen. Damit meine ich nicht die Hilfe der Pflege und Medizin, sondern die der Familie, Freunde und Kollegen.

Also, das jemand kommt und mir frische Wäsche bringt,meine dreckige Wäsche Wäscht oder sich um meine Wohnung kümmert, nach der Post schau, usw usw..

Es fällt mir sehr sehr schwer diese Hilfe anzunhemen, in mir sträubt sich alles dagegen. Ich habe immer das Gefühl, mit jeder Hilfe, die ich annheme, versinke ich immer Tiefe in einem Netz aus Verbindlichkeiten.

Die Leute, die mir jetzt Helfen erwarten doch auch das man die Hilfe zurück bekommt, die man gegeben hat. Und das gefällt mir nicht, ich will niemandem etwas schuldig sein! Ich habe das diffuse Gefühl, ich für diese Hilfe irgend wann eine gesalzene Rechnung erhalten werde und das mir dann die Pistole auf die brust gehalten wird.

"ich hab dir damals viel geholfen, jetzt musst du mir Helfen"

Warum bin ich so misstrauisch?

das ist ein schlimmes Gefühl! Warum fühle ich so etwas.

Antworten
S^. wallhisiai


Warum fühle ich so etwas.

Gute Frage, aber willst du das wirklich wirklich wissen? (Nicht dass ich es dir sagen könnte, aber die genaue Tiefe dieses wissen-wollens bestimmt wahrscheinlich ob du sie dir selbst beantworten kannst)

Es fällt mir sehr sehr schwer diese Hilfe anzunehmen, in mir sträubt sich alles dagegen. Ich habe immer das Gefühl, mit jeder Hilfe, die ich annheme, versinke ich immer Tiefe in einem Netz aus Verbindlichkeiten.

Dem ist vielleicht auch so, Beziehungen sind ja eh an sich schon Verpflichtung, nicht nur erst mit Hilfeannahme sondern generell. Das kann man jeweils so eingehen wollen (dann wäre Verpflichtung vielleicht sogar ein zu hartes Wort) oder nicht, und wenn man eigentlich nicht will kann dadurch solches innerliches Sträuben, die Verpflichtungen noch potentiell zu vertiefen, ausgelöst werden. Muss aber nicht so sein, es gibt auch noch andere Gründe und es können auch mehrere beteiligt sein. Z.B. der unterbewusste Glaube solcherlei Zuwendung nicht verdient zu haben. Und/oder Scham darüber hilfsbedürftig zu sein, Angst vor Schwäche usw... Selbstwertmängel und ihre Auswüchse halt. Oder ganz direkt sozusagen eine Verpflichtungsphobie, da ginge es hauptsächlich wirklich um das verpflichtet sein und den entsprechenden Unwillen - dein Fettgedrucktes deutet darauf hin aber das kann täuschen oder auch dir selbst als Täuschung dienen.

Die Leute, die mir jetzt Helfen erwarten doch auch das man die Hilfe zurück bekommt, die man gegeben hat.

Nicht zwangsläufig aber kann natürlich sein.

Sprich deine Gefühle vielleicht mal an, du wirst sehr sehr wahrscheinlich eine Versicherung erhalten deshalb zu nichts verpflichtet zu sein und möglicherweise ist es auch wirklich so gemeint, vielleicht beruhigt dich das ja ein bißchen - aber das eigentlich interessante an solcher Konfrontation sind deine Gefühle die du dabei hast, Scham könnte sich hierbei z.B. entlarven.

Hast du das Gefühl jemand will dich durch Hilfe sozusagen in ein tieferes Beziehungsgeflecht verwickeln als dir lieb ist dann lehne doch ab, übertrage den Hilfeauftrag vielleicht an jemand bei dem du ein besseres Gefühl hast oder komm irgendwie alleine klar.

Mir geht's teilweise ähnlich und es ist schon schwierig denn einerseits trügt ein solches Gefühl oftmals nicht (manchmal aber schon) aber andererseits hat's möglicherweise aufräumungswürdige Gründe warum man da so extrem allergisch/unwillig drauf reagiert. Sonderlich gesellig im Sinne tieferer Beziehungen macht sowas natürlich auch nicht gerade^^

myenexas


also, deine Beitrag finde ich sehr interessant

Autonomie ist mir sehr wichtig. darum empfinde ich es als unerträglich, so hilflos zu sein!

Ausserdemhabe ich eine leicht misanthoropische Weltanschauung und es gefällt mir nicht, das ich anderen Menschen, etwas schuldig bin Die Hilfe, die Ich jetzt annehmen muss, empfinde ich wie einen Kredit, dessen Zinssatz ich nicht kenne! Und später muss ich den Kredit UND die Zinsen irgendwie zurückzahlen.

BOirgi4t60


Wie schrecklich, wenn man so eine Einstellung hat! Hast du einmal darüber nachgedacht, dass die Menschen dir vielleicht gerne helfen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten? Anderen zu helfen und eine Freude zu machen ist für manche Menschen auch Freude! Du klingst kalt, empathielos und abweisend. Sei dankbar, dass du bei dieser Einstellung überhaupt noch Menschen hast, die für dich da sind. Und zu der Verpflichtung: wie wärs denn mal mit einem "Danke" oder wenn du aus dem Krankenhaus bist mit einem Blumenstrauß oder eine Esseneinladung für die Helfer. Und im übrigen wirst du dir auch keinen Zacken aus der Krone brechen wenn du diesen Menschen irgendwann auch mal hilfst. Überdenke deine Einstellung sonst wirst du irgendwann mal sehr sehr einsam sein

G:ejaghtersTiexr


Hmm...ein interessanter Beitrag.

Also, normalerweise ist es so, wie Birgit sagt, dass es irgendwie selbstverständlich ist, dann auch zurückzuhelfen usw..

ABER, ich verstehe Dich sehr gut und bin auch ehr der Typ wie Du, der komplett unabhängig sein möchte. Und ich kenne auch die Vorwürfe: "aber ich habe doch damals...."

Meine Beziehungen, vor allem auch familiär, waren immer derart schlecht (traumatisch), dass ich lieber gar keine Hilfe bekam und ohne auskommen wollte, bevor diese Leute mit der Hilfe anfingen...

Konsequenterweise kannst Du die Hilfe auch ablehnen und Dir verbitten, dass Dir was gebracht wird. Kann aber sein, dass die Helfer nicht drauf hören. So war es bei mir immer.

Dann gäbe es noch die Möglichkeit, ein einziges Dank-Essen oder eine andere Dank-Aktion zu verantstalten, nach der die Sache dann aber auch abgeschlossen sein muß und Du nicht in einer ewigen Dankbarkeitsschleife verharren mußt.

G]ejagt{esTixer


Ach nochwas:

Ist es nicht irgendwie möglich, für die Wäschebringerei und solche Dinge, offzielle Leute, die man dafür bezahlt, zu engagieren? Vielleicht macht die Caritas sowas, ich habe da wirklich null Plan. Aber nicht jeder hat Freunde und Bekannte, da muß es doch auch sowas wie -rent a buddy- geben, den man für Hilfestellungen bezahlt, etwas Seriöses, muß natürlich vertrauenswürdig sein.

npimude88


Bei uns in der Klinik konnten die Patienten selbst ihre Wäsche waschen... Vielleicht gibt's das bei dir auch?

m;eneaxs


ich bin hals nicht gewohnt, das mir jemand freiwillig Hilft, in meiner Jugend war ich ununterbrochen Mobbing und Schikanen ausgesetzt. Damals war es für mich essentiell, misstrauisch zu sein und keinerlei Schwäche zu Zeigen. Aufgrund meiner Jahrelangen traumatischen Erfharungen in der Schulzeit, empfinde ich die meisten Menschen als "Bedrohung" zu viel Nähe ist deshalb für mich nicht zu ertragen. ich kann einfach nicht glauben, das es jemand gut mit mir meint.

Liebe Brigitte60

nicht alle Menschen haben eine "normale" und Freundliche Kindheit und Jugend erlebt.

ich bin mit Sicherheit nicht so misstrauisch auf die Welt gekommen. im Gegenteil ich erinnere mich, das ich eine sehr sehr vertrauenvolles Kind war, immer fröhlich. Irgendwann wird dieses Vertrauen missbraucht und man erkennt , das Menschen nicht nur Freundliche und zuvorkommend sind.

S-tu5hlbeixn


... es gefällt mir nicht, das ich anderen Menschen, etwas schuldig bin Die Hilfe, die Ich jetzt annehmen muss, ...

* Was würdest du denn tun, wenn du diese Hilfe jetzt nicht hättest?

* Und was würdest du tun, wenn ein Freund von dir im Krankenhaus läge? Würdest du ihm deine Hilfe anbieten oder dir denken, dass er sich selber um seine Angelegenheiten kümmern soll?

... empfinde ich wie einen Kredit, dessen Zinssatz ich nicht kenne! Und später muss ich den Kredit UND die Zinsen irgendwie zurückzahlen.

Im Grunde kannst du den "Zinssatz" selbst bestimmen. D.h., du kannst entscheiden, wann und in welcher Form du deine "Schuld" begleichen möchtest. Du könntest dir sogar sagen, dass dir die Hilfe, die du bekommen hast, freiwillig gegeben wurde und nicht unter der Bedingung einer Gegenleistung. Das nimmt dir vielleicht das Gefühl der Verpflichtung.

GdejagtersTiher


Trotz allem könntest du vielleicht mal darauf eingehen, was dir die User hier als Lösungsvorschläge schreiben, anstatt nur auf die einzuhauen, die dich kritisierten.

m0e%neaPs


Also, ich bin in einer Inneren Zerissenheit, einerseits finde ich es sehr nett und freundlich, das man mir Hilft und meine Ratio ist damit ebenfalls im Einklang, weil ich eben durch eine Op Bettlägerig bin, bin ich gar nicht in der Lage autonom zu sein.

Andererseits ist da dieses difffuse Gefühl, das die "dicke Rechnung" noch kommt.

n:iPmuxe88


Aber ich schätze, das ist ein altes Gefühl in dir - dass du irgendwann schon noch bezahlen wirst.

Denk doch mal an deine Freunde, stell sie dir bildlich vor. Meinst du wirklich, die stehen in 2 Monaten bei dir auf der Matte und verlangen dann eine Gegenleistung von dir? Meinst du nicht, die tun das, weil sie dich einfach gern haben?

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