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" Lieblingskinder "

Sg. walBlisii


wieso muss ein Vergleich zum Ausdruck gebracht werden? Ich kann mir die Motivation dahinter nicht erklären und in meinen Augen hat das weder für das/die Kind(er) noch für die Mutter irgendeinen Mehrnutzen, eher etwas Schädliches, also: Wozu einem Kind sagen, dass es das "Lieblingskind" ist?

Bei uns (Mutter, Schwester, ich) gab's das nicht, also dass das gesagt wurde, eher im Gegenteil. Meine Schwester hatte allerdings schon den Eindruck dass ich das "Lieblingskind" war, das kann ich auch verstehen und etwas seltsam hat sich das meiner Schwester gegenüber schon angefühlt.

Verstehen kann insofern auch diesen Faden denn sowas muss offenbar auch gar nicht erst gesagt werden um son bißchen schlechtes Gewissen zu machen. Rein rational und küchenpsycholgisch gedacht würd ich auch meinen damit (mit dem sagen) bringt man sein Kind in eine gewisse Zwickmühle, mein Erfahrungswert deutet eher darauf hin dass das vielleicht doch nicht sonderlich entscheidend ist.

Ich könnte auch nicht sagen, dass ich eine unserer beiden Katzen mehr liebe als die andere, ich empfinde einfach für beide etwas ganz unterschiedliches. Und gerade bei der Liebe zu einem Menschen, einem eigenen Kind, sind doch die Gefühle so komplex und weit und uferlos, wie kann man das denn auf die Waagschale legen und quantitativ bewerten

Das ist der moralische Ausweg aus Elternsicht, der hat auch durchaus was für sich und ist natürlich sowieso besser als eine Tabuisierung (sich selbst gegenüber) - Das zum Ausdruckbringen dieser Verschiedenheit der Liebe im Alltag (und das dürfte wohl deutlich entscheidender sein als "Lieblingskind" oder so zu sagen/benennen) finde ich aber schon gewissermaßen heikel denn die Kindersicht ist nunmal völlig anders. Da kann man sowas (z.B. "ich liebe euch beide auf verschiedene Weise unermeßlich") schon sagen und spricht damit meistens wohl auch wirklich die Wahrheit, aber Kinder vergleichen trotzdem und wenn wie bei uns einfach offensichtlich ist(war) dass mit einem Kind eine größereres, einfacheres Miteinander da ist dann mag dem anderen Kind das verständlicherweise vielleicht schon wie substanzloses Gelaber vorkommen oder gar wie eine Lüge.

Ich glaub aber nicht dass man sich hier als Eltern überhaupt sozusagen perfekt verhalten kann außer die Umstände sind einfach besonders günstig so dass es auch keine große Kunst darstellt. Schätzungsweise passiert bei leichten Liebes-Ungleichgewichten i.d.R. auch gar nichts wirklich tiefgreifend schlimmes. Hin und wieder halt schon, aber da kommt vermutlich schon auch immer mehreres zusammen. Es kann u.U. ja auch sogar andersrum laufen: ein Kind ist besonders schwierig oder krank und bekommt dementsprechend die nötige Aufmerksamkeit und das Kind mit dem die Eltern dann eigentlich ja besser klar kommen (es fühlt sich interessanterweise schon falsch an das nur so zu formulieren, genauso wie "Liebes-Ungleichgewicht"^^) fühlt sich eventuell vernachlässigt oder ungeliebt.

ac.fijsh


Und gerade bei der Liebe zu einem Menschen, einem eigenen Kind, sind doch die Gefühle so komplex und weit und uferlos, wie kann man das denn auf die Waagschale legen und quantitativ bewerten, und das nicht nur für den Moment, sondern ganz weitreichend?

Shojo

Nun, es denken vielleicht auch nicht alle Menschen so geordnet und reflektiert über ihre eigenen Gefühle nach. ;-) Oder spüren sie überhaupt so differenziert. Da nennt jemand größere Nähe, intuitives Verstehen oder auch größere Sorge um ein Kind vielleicht "mehr lieben".

Aber vermutlich sage ich das nur, weil ich ein erklärtes Lieblingskind bin. Mir hat das ehrlich gesagt kein Kopfzerbrechen bereitet, ich habe das als Gefühlsäußerung so angenommen, es hat mich gerührt, aber ich habe dem dann emotional und auch gedanklich keine größere Beachtung mehr geschenkt. Vielleicht war es eine Momentaufnahme, vielleicht war es der Versuch, in einem sonst manchmal etwas distanzierten Verhältnis Nähe zu schaffen, vielleicht war und ist es so - dann ist es eben so. Ich finde das nicht schlimm oder verwerflich.

EFhemalNigeOr NutzDer (#52[8611x)


Ich finde so eine Liebeshierarchie ganz generell total strange, besonders bei den eigenen Kindern. Mich mal oder in bestimmten Belangen dem einen Kind näher fühlen - okay. Es deshalb mehr, ein anderes also weniger lieben? Verstehe ich nicht, ehrlich gesagt.

Ich ehrlich gesagt auch nicht. Wie kann man überhaupt ein Kind mehr als das andere lieben?

Das erschließt sich mir nicht.

In bestimmten Bereichen kann ich es nachvollziehen, aber so generell?

ich war übrigens eines von den weniger geliebten Kindern

dyanQae87


Wenn es so ist, die Mutter es nicht sagt, die Kinder es aber doch spüren, wo ist der Unterschied, ob sie etwas sagt oder nicht?

Nun, ich finde es ist viel realer, viel greifbarer und steht im Raum und damit müssen alle irgendwie umgehen. Ich würde sowas nie von mir aus ansprechen sondern höchstens wenn ein Kind ankommt und fragt. Meine Große hat mich zum Beispiel gefragt ob ich die Kleine mehr lieb habe. Als ich gefragt habe wie sie darauf kommt meinte sie ich würde sie halt mehr schimpfen. Da wurde eben ganz viel mit in "Liebe" reingepackt das da gar nichts mit zu tun hat. Ich muss bei ihr häufiger was sagen weil sie eben auf mehr Blödsinn kommt und noch dazu reagiert sie eben auf strenge Ansagen nicht, während die Kleine da dann eher sofort nachgibt. Und natürlich ist sie größer und ich erwarte von einer fünfjährigen auf einigen Gebieten mehr als von einer zweijährigen. All das ist der Großen natürlich nicht präsent.

Da haben wir dann drüber geredet, bestimmte Situationen durchgesprochen und irgendwann strahlte sie mich an und meinte:"Es ist also weil ich eben ein Kämpfen-Mädchen bin und deshalb haben wir höfter streit, aber du hast mich trotzdem dolle lieb!"

Und ich vermute, wie a.fish, das nicht alle Erwachsenen das für sich auseinander sortieren und so zu Hierachien kommen.

Dazu gibt es natürlich auch einfach Menschen die Leistung und Liebe verwechseln oder die starre Erwartungen an ihre Kinder hatten und wenn die dann enttäuscht wurden wird das Kind fallen gelassen weil es eben nicht als Mensch sondern als Erfüllungsgehilfe interessant war.

Ich versteh ja auch nicht wieso die Leute darauf beharren man könne nur einen Mann/Frau lieben. Für mich ist es nicht nachvollziehbar wie man die Gefühle zu Menschen vergleichen kann, wo doch die Personen sich so unterscheiden und daher auch meine Gefühle zu ihnen.

a;.fixsh


Und ich vermute, wie a.fish, das nicht alle Erwachsenen das für sich auseinander sortieren und so zu Hierachien kommen.

Oder vielleicht ist es für viele Menschen auch einfach so. Ich weiß nicht, wie sich Liebe und Lieben für einen anderen Menschen anfühlt. Ich könnte nicht einmal für mich selber klar sagen, woraus sich dieses Gefühl, das man dann ja wohl als Liebe bezeichnet, zusammensetzt. Ich tendiere auch eher dazu, zu sagen: ich liebe meine Nächsten so unterschiedlich, das kann man nicht vergleichen, aber vielleicht ist das auch wirklich nur ein Euphemismus.

d^anaxe87


Und vielleicht gibt es auch beides.

S}üntxje


ich kenne es bei meinen drei Kindern auch, dass mir mal eines näher ist, als das andere und dann wieder ein anderes. Und manchmal bin ich gleichzeitig unheimlich stolz auf das Kind, was mir gerade nicht so nahe ist weil es etwas sagt, macht tut, was ich unglaublich gut finde. Daher kann ich dies:

Oder was soll denn die Aussage: Das ist mein Junge! sonst aussagen, dass er an dem Tag, an dem er irgendwo gewonnen hat oder eine gute nach Hause gebracht hat, ihn liebenswerter macht, als ohne dieser guten Note bzw. guter Leistung.

überhaupt nicht bestätigen.

Ich habe schon oft darüber nachgedacht und kann gar nicht festmachen, woran das jeweils liegt.

Trotzdem glaube ich nicht, dass ich sie unterschiedlich stark liebe, sie wurden nicht gleich behandelt, das funktiniert nicht bei so unterschiedlichen Persönlichkeiten, aber wenn ich nur eines retten könnte, dann würde ich wahrscheinlich keines retten weil ich die Entscheidung nicht treffen könnte

K~leixo


Trotzdem glaube ich nicht, dass ich sie unterschiedlich stark liebe, sie wurden nicht gleich behandelt, das funktiniert nicht bei so unterschiedlichen Persönlichkeiten, aber wenn ich nur eines retten könnte, dann würde ich wahrscheinlich keines retten weil ich die Entscheidung nicht treffen könnte

Ich habe damals mit meiner Mutter diese Diskussion geführt, als ich den Film gesehen habe. Sie hat auch gemeint - dann beide nicht, weil ich die Entscheidung nicht treffen könnt. Aus meiner Sicht ist das genauso eine Entscheidung und die würde dazu führen, dass es beide trifft, weil das subjektive Gefühl gleich gewertet wird oder gleich empfunden wird oder beides.

Da hat Monika auch eine gute Formulierung geschrieben - ist mir näher und das kann ich für mich ganz einfach feststellen, wer mir näher ist. Aber vielleicht können das nicht alle bzw. haben andere wirklich mehrere Personen, die ihnen gleich nahe sind. Das Gefühl ist schon eine Wertung in sich. Jemand der mir am nächsten ist, den liebe ich am meisten und der ist für mich somit auch am wichtigsten.

Rfight$Noxw


Ich habe Jahre sehr darunter gelitten, dass mein Vater einen meiner Brüder zu seinem Lieblingskind erklärt hatte. Er hat es nicht Mal gesagt, sondern es war sein Handeln und die Worte die oft im Streit fielen. Ich war halt eben nicht das Mädchen, dass er sich gewünscht hatte. Meine Mutter hingegen machte keinerlei Unterschiede. Und bei uns Geschwistern gab es auch nie Probleme deswegen. Wir reden da ganz offen drüber und lieben uns gleich noch mehr ;-D

Erst im Erwachsenenalter konnte ich für mich auseinander bauen warum mein Vater solche Unterschiede gemacht hat. Er kannte es halt selbst nicht anders. Aber unser Verhältnis ist dadurch trotzdem nachhaltig geschädigt. Leider ist mein Vater nicht so ein Mensch mit dem man über sowas reden kann ohne dass er sich nicht direkt angegriffen fühlt. Lieber wird sowas tot geschwiegen. Ich habe damit mehr oder weniger für mich abgeschlossen. Ich bin meinem Vater auch nicht mehr böse drüber. Ich weiß nur dass ich es bei potentiellen Kindern anders machen werde.

qpuaCcaksaDlberexi


Ich könnte nicht einmal für mich selber klar sagen, woraus sich dieses Gefühl, das man dann ja wohl als Liebe bezeichnet, zusammensetzt.

Ja. Und gerade weil ich nicht mal annähernd klar sagen könnte, was für mich Liebe ist, passt auch ein Vergleich nicht. Klar habe ich auch mal so spontane Gedanken, einen Menschen mehr zu mögen als einen anderen, das passiert aber nur bei Leuten, mit denen ich nur sehr oberflächlich zu tun habe und zu denen die Beziehung somit weit weniger komplex ist als zu engen Personen. Bei näherstehenden Menschen ist mir ein klares Gefühl und ein pauschaler Gedanke/Aussage "X liebe ich mehr als Y" nicht möglich, das kratzt an allen Ecken und Enden.

S>üEntj>e


Jemand der mir am nächsten ist, den liebe ich am meisten und der ist für mich somit auch am wichtigsten.

Ist das für dich so?

Bei mir nicht. Mir kann eines der Kinder besonders nahe stehen, weil wir gerade irgendetwas teilen, was die anderen nicht betrifft, oder weil ich mich seiner Gedankenwelt entweder besonders nahe oder besonders fremd fühle, oder, oder oder...

Aber darum ist es nicht am wichtigsten für mich

K1leWio


Ist das für dich so?

Ja, ich bin da sehr einfach gestrickt, zumindest aus meiner Sicht. ;-D

Bei mir nicht. Mir kann eines der Kinder besonders nahe stehen, weil wir gerade irgendetwas teilen, was die anderen nicht betrifft, oder weil ich mich seiner Gedankenwelt entweder besonders nahe oder besonders fremd fühle, oder, oder oder...

Das ist für mich die Sachebene/Vernunft. Da habe ich eine Gleichwertung. Ein Gedanke ist genausoviel wert wie ein anderer. Ein Gedanke ist für mich nicht liebenswerter als ein anderer und die Person, die sie denkt wird nicht liebenswerter, näher oder wichtiger, weil sie auf eine bestimmte Art und Weise denkt oder etwas bestimmtes tut.

Aber darum ist es nicht am wichtigsten für mich

Für mich sind meine Gefühle die einzig natürliche Werteskala. Großes Gefühl wichtig, weniger Gefühl, weniger wichtig oder unwichtig.

K\l&eio


Ja. Und gerade weil ich nicht mal annähernd klar sagen könnte, was für mich Liebe ist, passt auch ein Vergleich nicht.

Deswegen wäre es auch hier wichtig zu wissen, was die Mutter der TE darunter verstanden hat. Ich habe darüber schon oft diskutiert und jede Definition hat unterschiedliche Dinge mit in dieses Wort Liebe berücksichtigt. Für viele ist es nicht nur die Gefühlsebene.

d2anPae87


Jemand der mir am nächsten ist, den liebe ich am meisten und der ist für mich somit auch am wichtigsten.

Für mich sind das auch emotional ganz verschiedene Dinge, aber ich weiß das viele das nicht so getrennt fühlen. Manchmal fühle ich gerade dann wenn eines meiner Kinder mir sehr fern ist so einen Anstrum von Liebe das es mich fast aus den Latschen haut.

d$an8ae8x7


Ich hab nochmal mit meiner Schwester gesprochen und das bizarre war das sie dachte ich sei das Lieblingskind weil ich durch meine Art mehr Aufmerksamkeit generiert habe und ich dachte sie sei das Lieblingskind weil ich mehr Schimpfe bekommen haben. Ich selbst wüsste und weiß auch nicht wie man das besser machen kann. Gerade stecken ich irgendwie in einer ähnlichen Situation. Der Großen scheint es nie genug zu sein, egal wieviel ich gebe und leiste und mache und tue. Da kommt so gut wie nie das Gefühl zurück das es einfach gut ist und sie "satt". Immer muss noch was, muss mehr, muss lesen, muss basteln und und und. Wenn nicht freiwillig, dann in dem sie einen riesen Aufstand macht, sich aus dem Kindergarten tragen lässt, sich nicht anzieht, mich oder ihre Schwester angreift, schreit, was immer Aufmerksamkeit verspricht.

Bei der Kleinen dagegen sehe ich deutliche Kampfanwandlungen wenn ich mit der Große viel Auseinadersetzungen habe. Bei ihr aber habe ich das Gefühl das sie irgendwann man genug hat. Dann hat sie keinen weiteren Bedarf an Aufmerksamkeit und geht ihr Ding machen. Und das ist am Ende einfach schöner. Ich liebe beide unendlich, habe kein Lieblingskind, aber Zeit mit der Kleinen verbringen ist einfach leichter weil sie nicht ohne Ende nimmt, weil ich mich nicht mit Kraft, ja manchmal schon sehr rabiat, abgrenzen muss damit sie aufhört zu fordern und zu wollen. Da kommt auch mal von alleine "Mama L. lieb. L. Mama lieb." und ein Küsschen oder sie sagt das sie genug gekuschelt hat und nun spielen geht.

Mich macht das sehr traurig denn ich würde die Große natürlich auch gerne mal satt machen und ihr das Gefühl geben das es gut ist, aber ich weiß nicht wie. Nur seh ich die Verantwortung halt bei mir und nicht bei ihr. Ich weiß das es bei anderen Eltern anders ist und sie dann sagen:"Nun, Kind ist eben so zickig, da muss es sich nicht wundern."

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