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" Lieblingskinder "

S<hxojo


Mich macht das sehr traurig denn ich würde die Große natürlich auch gerne mal satt machen und ihr das Gefühl geben das es gut ist, aber ich weiß nicht wie.

Ich glaube, das kannst Du nicht. Sie ist da mit sich selbst und der Welt nicht ganz im Reinen, sie ist ein kluger, lebhafter, rastloser Mensch, sie sieht sehr viel und hat tausend Fragen und findet schwer Geborgenheit oder oft auch gar nicht. Ich glaube, Du solltest überlegen, ob Du nicht damit aufhörst, es als Deine verantwortung zu sehen, das zu "heilen". Vielleicht ist sie einfach so, und es ist nichts, was repariert und geändert werden müsste. Du hast schon ein paar Mal geschrieben, dass es ihr große Angst macht, dass Du mal sterben könntest - oder ein anderer, den sie liebt -, und vielleicht wird ihre Angst eher stärker, wenn Du sehr versuchst, diejenige zu sein, die alles für sie auffängt. Denn was, wenn Du dann irgendwann nicht mehr da bist und sie dann plötzlich ganz allein?

Hast Du sie schon mal gefragt, was sie in solchen Momenten gern möchte? Und ihr mal gesagt, dass Du glaubst, dass sie es einfach sehr schwer hat mit dem Sattwerden? Vielleicht ist es für sie wichtiger, dass Du sie so annimmst, wie sie ist, so ein rastloses, seltsames Kind mit unendlich viel Kraft und unendlich viel Angst, als dass Du irgendetwas Konkretes unternimmst, um diese Angst - die ich, wenn ich ehrlich bin, für etwas halt, das niemand von außen auflösen kann - zu beschwichtigen?

Ich glaube, dass es sie ein Leben lang begleiten wird. Was sie daraus macht, wird man sehen. Aber sie muss etwas daraus machen, nicht Du. Du bist nur die Mutter.

S[hXojo


Nur seh ich die Verantwortung halt bei mir und nicht bei ihr. Ich weiß das es bei anderen Eltern anders ist und sie dann sagen:"Nun, Kind ist eben so zickig, da muss es sich nicht wundern."

Das ist ja auch gemein, das ist ja auch so ein "Sie ist falsch, sie empfindet falsch, selber schuld". Sie hat ja wirklich große Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit.

Mir hat es früher seltsam tief geholfen, dass mein Vater sich mal nach einem besonders üblen Wutanfall zu mir gesetzt und gesagt hat: "Es ist manchmal so schwierig, so schnell so wütend zu werden und danach so traurig. Ich weiß auch nicht immer, wie ich das aushalten soll. Bin nur froh, dass es Schafskäse und Weißbrot gibt. Gibt es irgendwas, was dir dann ein bisschen hilft, es besser auszuhalten?" Soweit ich mich erinnere, hatte ich damals keine Antwort darauf, aber später habe ich herausgefunden, dass es mir am meisten hilft, lange zu rennen und dann irgendwo auf einem berg oder Hügel, Hauptsache, irgendwo ein wenig erhöht und draußen, zu sitzen, rings um mich ein großer Radius aus Leere, kein Mensch in der Nähe, nur ich und der in solchen Momenten deutlich fühlbare Pulsschlag der Erde. Das ist etwas, das mein Vater mir nicht geben konnte. Aber er hat mir ein wenig dabei geholfen, es zu finden.

L1ichtPAmHoRrizonxt


@ Shojo

Aber eigentlich hat er Dir ja gegeben, was Du brauchtest. Nämlich Verständnis.

Auch wenn das hier gerade etwas Off-Topic wird, finde ich.

LdichtAmLHorihzont


Und Rückhalt und Kraft.

Shhoxjo


Ja. Linderung, nicht Heilung. Und das Gefühl, dass es nicht schlimm ist, wenn ich traurig bin, sondern nur schwer für mich, das hat mich unendlich erleichtert.

LkichtAImHorizxont


Heilung ist unmöglich. Jemand, der das erkennt, hat ziemlich viel Größe.

Ein Kind kann das nicht unbedingt mit dem Verstand begreifen, aber fühlen, wenn es ihm so vermittelt wird.

Ich hatte mal einen Lehrer, der mich in einem Fach, in dem ich nicht gut war, so aufrichtig und ehrlich für meine Leistung in meinem Rahmen gelobt hat (kein Geschleime, kein Vorgaukeln ich sei die Beste usw.), dass ich zur selben Zeit verstand, ich bin nicht gut (im Sinne eines Einser-Kandidaten), aber ich bin gut wie ich bin. Das hat mich berührt. Das kannte ich vorher nicht (von meinen Eltern). Leider finde ich gar nicht die passenden Worte zu beschreiben, was ich damals empfand, aber ich habe an diesem Tag nach der Schule zu Hause vor Glück geheult. Und zugleich vor Traurigkeit darüber, dass dieses Gefühl nicht von meinen Eltern kam.

Zum eigenen Erstaunen habe ich mich nicht in diesen Lehrer verliebt - allerdings war ich zu anderen Gelegenheiten oft denen nachgelaufen, die mir die Illusion von möglicher Heilung durch sie vorgegaukelt hatten…

Was will ich damit sagen? Weiß ich selbst nicht so genau… Passt nicht richtig zum Thema, oder vielleicht doch? ":/

S^hojo


Heilung ist unmöglich. Jemand, der das erkennt, hat ziemlich viel Größe.

Ich finde, es ist sogar noch mehr, und etwas Ähnliches hast Du ja auch geschrieben:

dass ich zur selben Zeit verstand, ich bin nicht gut (im Sinne eines Einser-Kandidaten), aber ich bin gut wie ich bin

Heilung ist also nicht nur unmöglich, sondern auch gar nicht nötig. Es ist nur beim eigenen Kind schwer auszuhalten, wenn man es leiden sieht. Mir geht das mit dem Kleinen auch manchmal so, weil er sehr darunter leidet, dass Leute gemein zueinander sind, er versteht das nicht. Ich kann nicht ändern, dass Menschen sind, wie sie sind, und ich kann nicht ändern, dass es für ihn schmerzlich ist, also muss ich es aushalten. Und seit ich nicht mehr versuche, ihn zu trösten, wenn er traurig deshalb ist, sondern einfach mit ihm drüber rede und mir denke, warum soll er denn nicht einfach traurig sein dürfen, wenn das doch auch eine eigentlich ganz vernpnftige Reaktion darauf ist, kommt es mir vor, als fühle er sich damit zumindest etwas weniger allein.

SdhNojxo


Ich habe das Ü und das P übrigens ganz genau gleich lieb, ich bevorzuge nie das eine vor dem anderen.

Lzicht7AmTHorPixzont


;-D

Ich hätt's gar nicht gemerkt, musste eben suchen...

L9ich}tAKmHoriczognt


Und nein, das ist keine Oberflächlichkeit beim Lesen Deiner Beiträge, die stets meine volle Aufmerksamkeit haben, sondern die eingebaute Autokorrektur im Gehirn.

SGhgojo


Die gottverdammte und zugleich so dankenswerte, die kenn ich auch allzu gut. ;-D

d}ana}e8x7


Das ist für mich ein guter Gedanke, denn meine Ma ist schon an der Aufgabe des immer hungrigen Kindes gescheitert. ;-) Ich hab es ja auch geschafft meinen Weg zu finden. Und genau das meinte ich, ich bin einfach nicht drauf gekommen was es sein könnte was ich bieten kann damit sie das für sich auflösen kann. Bei uns zu Hause war es ein:"Ich hab dir alles gegeben was ich kann, wenn du mehr brauchst hast du Pech." und ich war trotz all der Aufmerksamkeit einsam. Danke für das Demontieren des Brettes vor meinem Kopf. Und, um den Bogen zurück zufinden, es ist in meinen Augen ein gutes Beispiel dafür wie man bei aller Liebe und trotz aller Aufmerksamkeit die man gibt vielleicht einfach das falsche gibt und so das Gefühl von nicht genug erzeugt. Und wie mani m ständigen Kampf selbst das Gefühl von Liebe ein wenig aus den Augen verlieren kann weil man müde und ausgesaugt auf dem Bett liegt.

SJhEoxjo


Oh, schön, wenn der Gedanke Dir nützlich ist! Ich finde Deine Große so absolut wunderbar, aber ich kann mir gut vorstellen, wie schnell es einen auslaugt, wenn man sich dafür verantwortlich fühlt, Ordnung in ihr wildes Wesen zu bringen, damit sie ein bisschen die Füße auf den Boden kriegt. Und wie hart es manchmal ist, zuzusehen, wie sie sich abstrampelt. Aber dass Du es selbst geschafft hast, dass Du es also kennst und weißt, dass man das mit genügend Zeit sogar allein/ mit selbstgewählter Unterstützung außerhalb der Familie hinkriegen kann, das ist rundum großartig. Für Dein Vertrauen in Deine Tochter und weil Du ihr da wirklich glaubhaft vermitteln kannst, dass auch harte Brocken zu schaffen sind und es tatsächlich leichter werden kann, mit sich und der Welt zurechtzukommen - dass Du aber auch weißt, wie es sich manchmal anfühlt.

Ich entpuppe mich damit als sehr schlichtes Gemüt, und es gibt auch viele bessere Beispiele für das Prinzip, aber mir hat in "Avatar" dieses "I see you" wirklich gut gefallen. Ich sehe dich - so, wie du bist, und so ist es in Ordnung, ich will dich nicht ändern, sondern wahrnehmen, dich sehen, wissen, wer du bist.

Und, um den Bogen zurück zufinden, es ist in meinen Augen ein gutes Beispiel dafür wie man bei aller Liebe und trotz aller Aufmerksamkeit die man gibt vielleicht einfach das falsche gibt und so das Gefühl von nicht genug erzeugt. Und wie mani m ständigen Kampf selbst das Gefühl von Liebe ein wenig aus den Augen verlieren kann weil man müde und ausgesaugt auf dem Bett liegt.

Das ist ja oft auch schlicht das quälende Gefühl von Unzulänglichkeit, oder? Und ich glaube, das trifft Eltern dann aus unterschiedlichen Gründen. Mal bei dem "schwierigen" Kind, zu dem man nicht so leicht einen Draht findet, weil man einen anderen Anspruch an sich hat und eigentlich ein inniges Verhältnis zum Kind will, weil man das so richtig findet. Und bei anderen Eltern sind es die schwierigen Kinder, die am meisten geliebt werden, oft weil die Eltern sich dann am meisten gebraucht fühlen. So oder so ist es erstaunlich oft auch eine Egofrage. Wo sich Menschen nicht gebraucht oder geschätzt fühlen, ziehen sie sich oft zumindest innerlich zurück. Ich finde es beim eigenen Kind wirklich wünschenswert, diesen Egokram einigermaßen links liegen zu lassen, dem Kind das zu geben, was man geben kann und will, und sich daran zu erfreuen, dass man dabei sein darf, während so ein Mensch heranwächst. Also - so möchte ich es. Sein Ego streicheln kann man mit allem möglichen, wenn man das möchte, aber bei der Liebe zu einem Kind und der Freude daran, dass es auf der Welt ist, empfinde ich solchen Egoscheiß als wirklich lästig und hinderlich.

dVanaeo8x7


Das ist ja oft auch schlicht das quälende Gefühl von Unzulänglichkeit, oder?

Ja, aber manchmal ist es auch einfach das Gefühl leer zu sein. Da hat man dann mehr gegeben als man eigentlich konnte und wollte ohne sich zu verausgaben und es kommt nichts ausser der Bestellung nach mehr zurück. Da fehlt dann irgendwann einfach die Energie und Kraft noch Liebe zufühlen oder Wut oder irgendwas ausser Resignation. Das erinnert dann verdächtig an Babyzeit, man füttert, putzt und wiegt und kriegt nichtmal ein Lächeln sondern nur Geschrei weil mehr gebraucht wird. %:|

Sdhojxo


Wäre es machbar, früher eine Grenze zu setzen und zu sagen, dass Du jetzt gerade nicht mehr willst, ehe Du sagen musst, dass Du nicht mehr kannst? Bei mir ist es ja so, dass ich immer schlecht gemerkt habe, wann meine Akkus sich der vollständigen Entladung nähern, und dann war es immer sehr hässlich und plötzlich und mit gähnendem Abgrund - für den Kleinen und mich selbst gleichermaßen sehr erschreckend. In den letzten drei Jahren habe ich sehr daran gearbeitet, das zu spüren, da ein besseres Gefühl zu entwickeln, und sage jetzt oft, während ich noch könnte: Ich will gerade nicht. Dann ist der Kleine oft empört und sauer (allerdings zunehmend weniger, er kennt es ja inzwischen), da muss ich dann aushalten, dass er mich total doof findet, aber es tut uns beiden besser, wenn er jemanden vor sich hat, der sich ihm widersetzt und doof ist, als wenn er sich jemandem gegenübersieht, der ausgebrannt ist und unverhältnismäßig aggressiv wird - das hat ihn wirklich sehr verunsichert. Und wenn ich so ausgebrannt bin, neige ich dazu, ihm die Verantwortung zuzuschieben ("Siehst du mal, was du davon hast, wenn du mich so weit bringst, selbst schuld!"), während sie ganz bei mir bleibt, wenn ich bei 50% Akkuleistung sage: "Ich brauche jetzt Zeit für mich." Und dann sind da auch noch stabile und belastbare Reserven, falls es mal nicht reibungslos geht, und ich plumpse nicht so rasch über die Kante. Das hat bei uns wirklich ganz viel verändert.

Zorry for da reichlich offtopic!

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