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Nach Verabredungen geht es mir immer schlecht

n.inirlein87 hat die Diskussion gestartet


Hey :-)

Ich leide seit ca. 10 Jahren unter Depressionen. Ich hatte schon viele Therapien (kognitive Verhaltenstherapie, Vergangenheitsaufarbeitung, etc.) sowie auch vieles in Sachen "Alternativmedizin" (TCM, etc.) gemacht. Leider hat mir nichts wirklich geholfen. Vor ca. 1 Jahr habe ich das Lesen als meine Leidenschaft entdeckt. Ich verschlinge die Bücher regelrecht (Romane, psych. Bücher, etc.). Mir gehts durchs Lesen schon viel besser. Seit ich lese, kommt es echt äussert selten vor, dass ich mal schlecht gelaunt bin oder mich meine Vergangenheit wieder einholt. Mir gehts gut, solange ich alleine bin.

Nun ist es aber so, dass ich zwei Freunde habe, die regelrecht darauf bestehen, mich zu sehen. Mir würde es schon reichen, diese über die Mittagspause zu treffen. Ich mag sie wirklich, aber ich brauche keinen Kontakt am Wochenende oder abends. Leider kann ich die Verabredungen kaum umgehen. Ich fühle mich verpflichtet, sie zu treffen. Und ich muss ehrlich gestehen, dass die Treffen meistens auch gut laufen. Ich fühle mich wohl und amüsiere mich gut, aber mein Hauptproblem ist mein Gefühl danach: ich werde aus mir unerklärlichen Gründen depressiv. Ich werfe mir vor, in gewissen Situationen falsch reagiert zu haben. Oder wenn unerwarteter Weise Leute dazustossen, die ich nicht kenne, frage ich mich danach, ob ich "hübsch oder sympathisch genug gewesen bin". Ich bin kein oberflächlicher Mensch. Ich bin es wirklich nicht. Aber wenn es um mich kennt, mache ich mir die grössten Vorwürfe, wenn etwas nicht perfekt sitzt oder ein Satz nicht lustig oder intelligent genug formuliert wurde. Mein Mann muss mir nach jedem Treffen bestätigen, gut ausgehen zu haben, "real" genug gewirkt zu haben, in gewissen Situationen nicht falsch reagiert zu haben, usw.

Mich belastet es enorm. Und ja, ich sollte mich lieben und mit mir im Reinen sein. Dies bin ich - solange ich mich nicht mit anderen treffe.

Vielleicht kennt es jemand oder evt. hat jemand gute Tipps?

LG

Antworten
u9nabhäJngige__Var9i.able


ich kenne diese Fragen und Belastungen aus meiner depressiven Zeit... also ich weiss komplett was du meinst...

dieses "sich in Frage stellen" und das Kreisen der Gedanken...

mir hat es geholfen, mich klarer abzugrenzen und zu mir selbst zu stehen... also die Gedanken an "was wäre wenn ich NICHT so und so (kompetent, selbstbewusst etc.) gewirkt habe etc." komplett abzuspalten... mich weniger von der Wahrnehmung von außen abhängig zu machen sondern den Fokus bei mir selbst zu lassen... im Grunde kann es mir komplett egal sein wie andere die ich nicht kenne, über mich denken oder urteilen, gerade wenn man sich nicht kennt, sagt dies mehr über die betroffene Person aus als über einen selbst...

in dem Sinne gibt es kein Falsch oder Richtig, nur situationsgebundene Reaktionen und deine Freunde würden ja nicht so oft den Kontakt suchen, wenn sie dich nicht wertschätzen würden :)^ :)_

und sich schwach zu fühlen ab und an das ist menschlich.... also ich denke nicht dass du permanent so wirkst, aber selbst wenn, wäre es nichts schlimmes - warum bist du so hart zu dir selbst? @:)

plaraz$ell~nusxs


Wenn du dich genug liebst, dann erlaube dir auch Fehler zu machen. Mein Gott, was ist denn schon dabei nicht perfekt zu sein? Sobald man anfängt sich mit anderen zu vergleichen hat man doch schon verloren. Warum fällt es den Menschen so schwer Fehler zu machen? Kein Mensch, aber auch kein Mensch ist perfekt. Man hat seine Vorzüge und seine Macken. So ist das halt. Menschlichkeit.

Mensch sein heißt, nicht perfekt zu sein. Wenn du dich liebst, dann verzeihe dir deine Fehler. Oder bist du bei anderen Menschen in deinen Beziehungen genau so hart in deinen Urteilen? Vermutlich nicht.

Was machst du, wenn es eine üble Überschwemmung gibt? Passt du dann auch auf, dass deine Frisur sitzt, wenn du dich schwimmend retten musst? Und suchst du dir erst deinen besten Badeanzug raus, bevor die Fluten deine Unterkunft wegspülen?

Und vergiß dein Schminktäschchen bitte nicht. Es könnte ja wer in den Fluten schwimmen der besser aussieht. Ein Perfektionist, zum Beispiel...

f!roe#sc=hcxhen97


Kenn ich. Hab das ganz besonders, wenn ich mich u. a. mit Leuten treff, die mir wichtig sind, in deren Gegenwart ich aber so gehemmt bin, weil ich alles richtig machen will etc.

Ich dachte ja bis jetzt, die Einzige zu sein, der es nach einem netten Abend grundlos richtig scheiße geht, aber scheinbar ist es wohl doch "weit verbreitet". Ich kann dir auch gar nicht sagen, was dagegen hilft - wüsste es selber gern. Mir steht bald wieder so ein Abend bevor.

TEestrralxe


Du hast jedenfalls eine Beziehung, bist verheiratet, für mich ist das völlig unvorstellbar.

Ich bin auch gerne allene, weil ich mir dann kaum Gedanken machen muss, wie ich wirke. Unter Menschen vergleiche ich mich entweder ununterbrohen oder ich bin nach kürzester zeit von anderen Menschen gelangweilt und /oder genervt.

Obwohl ich mir eine monogame Beziehung wünsche, scheint es mir unvorstellbar und unerreichbar. So als würde ich mir wünschen zum Mars zu fliegen, beiden ist für mich gleich unerreichbar.

nDinimlrein87


Mir tut es leid, dass euch so geht. Aber irgendwie beruhigt es mich auch enorm zu wissen, dass ich nicht "alleine" bin.

Ja, ich bin verheiratet und wirklich glücklich mit meinem Mann. Aber auch ich hatte einen schweren Leidensweg hinter mir. Ich war 1 ganzes Jahr alleine, hatte wirklich zu keiner Menschenseele Kontakt, der über den Einkauf oder dem Gang zum Psychologen hinausging. Dann hatte ich jahrelang flüchtige Kontakte, also wirklich keine ernsthaften, tiefgründige Freundschaften. Die meisten Freundschaften zerbrachen nach nur wenigen Wochen. Davor, also in meiner Kindheit, hatte ich mit einem Vater zu kämpfen, der in mir ein "Objekt der Begierde" und nicht seine Tochter sah und eine Mutter, die unter Depressionen und enormer Unsicherheit (offensichtlich vererbbar) litt. Ich will nicht auf die Tränendrüse drücken, möchte aber nur zum Ausdruck bringen, dass es echt mal Zeit wurde, ein Wunder zu erleben. Und ich hoffe, dass jeder Leidensgenosse dieses Wunder erleben darf / wird.

Und wie schon gesagt: Durch das Lesen und Schreiben weiss ich endlich, was "Lebensqualität" bedeutet. Nur wenn diese SCH**-Treffen nicht wären.... Das Gefühl danach ist unbeschreiblich besch***. Und ich mache mir die grössten Vorwürfe, dass ich so fühle. Ich versuche ernsthaft und mit aller Kraft mich zu lieben. Dies gelingt mir, solange ich nicht unter Leuten bin.

Und auch was Testrale geschrieben hat: Der ständige Vergleich ist sowas von ermüdend. Es ist auf gut Deutsch zum Kotzen. Ich versuch mich so zu nehmen wie ich bin. Es gelingt mir in den meisten Fällen aber nicht.

Lqewiixan


ninilein87

Dazu, dich selber positiv anzunehmen, gehoert auch, dass du diese Eigenheit von dir akzeptierst. Im Moment bist du halt so (wenn auch vermutlich nicht fuer immer).

Kannst du ueber dich selber lachen?

Wir Menschen sind irgendwie komische Tiere; die meisten Menschen haben irgendwelche seltsamen Macken, die sie loswerden wollen aber nicht so einfach loswerden koennen, und deshalb muessen sie mit ihnen leben, wenigstens fuers Erste mal.

Waerest du in der Lage, dir zu sagen, wenn du das naechste Mal in dieser Situation bist, dass du stolz auf dich sein kannst, dass du dich trotzdem mit anderen getroffen hast; dass du durch all dieses durch gehst und nicht bloss vermeidest? Das finde ich naemlich ganz schoen stark von dir. :)^ Es macht dir grosse Schwierigkeiten, aber du tust es trotzdem. Sieh es als Herausforderung. Mit der Zeit wird das vielleicht/vermutlich besser, aber jedenfalls laesst du dich nicht kleinkriegen. Bitte befehde dich nicht selber deswegen.

n;inilLeinx87


Lewian

Vielen Dank für Deine Antwort.

Du hast recht. Ich könnte wirklich stolz auf mich sein, denn es braucht echt viel Überwindung mich mit anderen zu treffen... :(v

Ich kann gut über mich lachen. Generell halten mich viele für witzig und auch geerdet, da ich gut über mich selbst lachen kann (und es ist nicht nur gespielt). Aber die doofen Gedanken, was andere über mich denken könnten und dass ich nicht gut genug gewesen bin, schmeissen mich aus der Bahn. Ich wünschte mir, ich wäre anders.

LDewiaOn


ninilein

Du koenntest es dir als Aufgabe stellen, beim naechsten Mal, hinterher, wenn die Gedanken einsetzen, dir bewusst zu sagen, dass du stolz darauf sein kannst, dass du es trotzdem gemacht hast, und dich dafuer irgendwie zu belohnen.

ag.fipsh


Ich könnte wirklich stolz auf mich sein, denn es braucht echt viel Überwindung mich mit anderen zu treffen... :(v

Du hast wohl versehentlich den falschen Smiley dahin gesetzt, da müsste ein " :)^ " hin. :-) Es kostet Dich viel Überwindung, aber Du tust es! Das ist gut und nichts, wo es etwas zu kritisieren gäbe.

Den Post-Gesellschafts-Kater kenne ich auch sehr gut. Wie viele eigentlich schöne Treffen habe ich mir schon hinterher durch Grübeln und negative Gedanken in Horrorszenarien umgedichtet, in denen ich mich fürchterlich zum Affen gemacht habe. Es ist erschöpfend und ermüdend und man sitzt echt in der Falle, weil man sich das auch wieder hervorragend selber vorwerfen kann. Wie undankbar man ist, wie defekt und verkehrt verkabelt.

Den einen brandheißen Tipp habe ich nicht. Es ist tatsächlich schleichend besser geworden, je mehr ich von diesen Selbstvorwürfen wegkomme. Je mehr ich versuche, das als eben die Art zu sehen, wie mein Gehirn halt funktioniert. Mein Gehirn denkt offenbar sehr karmisch: Schöne Treffen müssen mit großem Geheule am nächsten Tag ausgeglichen werden, kosmische Balance und so.

Dann kann ich das eher mit Humor nehmen, kann mir eher sagen: Ach, da sind sie wieder, die alten Bekannten, a.fish, Du bist schon son komischer Vogel... da die Härte rausnehmen, weißt Du, mehr Vergebung und Nachsicht für sich selber. Ich weiß nicht, ob Liebe etwas mit Kraft zu tun hat, zumindest die Liebe sich selber gegenüber. Ich habe da bessere Erfolge, meine ich, seit ich mehr auf butterweichen Schmusekurs setze und versuche, so eine ganz gnädige Love, Peace and Harmony-Instanz in meinem Kopf zu installieren, die immer erstmal beschwichtigend für mich Partei ergreift, wenn die Selbstzerfleischung los geht.

Es gibt sie immer noch, die Abstürze danach. Die Tage, an denen es sich grundfalsch anfühlt, etwas Gutes für mich anzunehmen oder gar nachsichtig zu sein. Da hilft mir - wo möglich - der Abgleich mit anderen, am besten mit jemanden, der auch dabei war. Mein Partner ist eingeweiht, der wundert sich nicht, wenn ich frage, wie ich wann gewirkt habe und wie er die Reaktion von irgendjemandem einschätzen würde usw. Oder ich schildere fragliche Situationen anderen Freunden und hole mir da Feedback. Das steht natürlich auf wackeligen Füßen (deren Ansichten basieren ja nur auf erzähltem Wissen), aber oft hilft es schon, einfach mal drüber gesprochen zu haben, um aus dieser Gedankenspirale und der Grübelei auszubrechen.

aV.fiqsh


Ach und was auch geholfen hat, wofür ich aber leider auch keine Anleitung habe: lernen, dass es vorüber geht. Dass es die Treffen nicht entwertet oder in etwas an sich negatives verkehrt, nur weil ich später schlecht darüber gedacht habe. Dass es keine weitere negative Erfahrung war, sondern eine gute! Es war schön. Kennst Du Achtsamkeitsübungen? Ich finde es ganz hilfreich, mir während der Treffen bewusst zu machen, wie ich mich gerade fühle und dass alles okay ist - das Gefühl kann man manchmal ein bisschen konservieren und später bei Zweifeln wieder hervorholen.

b9ellaxgia


Ich kenne das auch. Mal schlimmer, mal weniger schlimm.

Nun bin ich nicht mehr die Jüngste, mit zunehmendem Alter wurde es besser. Evtl. zum Teil auch dadurch, dass man "seine Leute" irgendwann kennt.

Das sind die, für die man nicht perfekt sein muss. Die tatsächlich nach jedem Treffen, nach dem ich mich selbst zermürbt habe trotzdem wieder da waren.

Im Moment versuche ich mir immer wieder vor Augen zu halten, dass es gerade nicht die Menschen sind, welche ein perfektes Auftreten haben, die zu echten Freunden werden.

Was mag ich an meinen Freunden? Ein aalglattes Auftreten? Perfektes Styling?

Nein, tatsächlich mag ich es, dass ich ihre Macken kenne. Und dass mich die nicht stören.

Ich mag es, dass wir auch mal unterschiedlicher Meinung sein können und auch mal streiten können und uns trotzdem noch gern haben.

Ich mag das Gefühl, wenn sie sich zeigen wie sie sind. Ohne Maske. Das gibt echte Nähe.

Und nun muss ich nur noch lernen, mir all das selbst zu gestatten, was ich meinen Freunden gestatte. Das klappt mal besser und mal schlechter.

Es sind übrigens nur einige wenige.... aber das passt schon so.

nAinil]emin8x7


Eure Ratschläge sind super. Ich nehme mir sie wirklich zu Herzen. Den Tipp "Gefühle konservieren und später wieder hervorholen" werde ich mir merken und versuchen, in die Tat umzusetzen!

Ich frage mich, ob ich nach wie vor in Anbetracht meines Problems Freunde zu treffen als depressiv gelte oder dies einfach bloss ein Charakterzug ist, der durch die Depression entstanden ist und nun Teil meines Lebens bleiben wird.

F(aSoyLa


Ich frage mich, ob ich nach wie vor in Anbetracht meines Problems Freunde zu treffen als depressiv gelte oder dies einfach bloss ein Charakterzug ist, der durch die Depression entstanden ist und nun Teil meines Lebens bleiben wird.

Ich kenne mich mit Depressionen nicht aus, kann deshalb auch nicht sagen, ob es damit zusammen hängen könnte. Aber auf mich wirkt es so, als wäre es um dein Selbstwertgefühl nicht so gut bestellt. Wenn du mit dir alleine bist, merkst du es nicht so, weil der Vergleich fehlt. Aber in Gesellschaft bist du offensichtlich dein größter Kritiker. Am Selbstwertgefühl kann man arbeiten und du versuchst es anscheinend ja auch. Sowas braucht aber auch Zeit. Überleg mal wieviele -prägende- Jahre du dem schädlichen Einfluss deines Elternhauses ausgesetzt warst. Das verschwindet nicht so schnell.

Und ich mache mir die grössten Vorwürfe, dass ich so fühle. Ich versuche ernsthaft und mit aller Kraft mich zu lieben. Dies gelingt mir, solange ich nicht unter Leuten bin.

Ich glaube, ein wichtiger Schritt wäre, wenn du akzeptierst, dass du diese Gefühle derzeit hast und dich nicht dafür verurteilst oder tadelst. Klar fühlt es sich doof an, aber momentan hast du während/nach Treffen eben gemischte Gefühle. Nichts, wofür du dich grämen müstest.

Ich bin mir sicher, dass sich diese Gefühle automatisch legen, wenn es dir besser gelingt, dich selbst zu lieben. Was ich schon mal gemacht habe und derzeit auch mache, ist folgendes: Bei mir zuhause hängen an gut sichtbaren Stellen Zettel mit netten Botschaften von mir für mich. In deinem Fall könnte sowas stehen wie "ninilein87, ich mag dich wie du bist", " ninilein87, du bist gut so wie du bist ", ... Das, womit du haderst positiv formuliert. Und wichtig ist, dass du vorweg deinen Namen aufschreibst. Klingt vielleicht bescheuert, aber dadurch, dass man es ständig sieht und liest und die Botschaft direkt an einen adressiert ist, setzt sich das im Idealfall irgendwann gedanklich fest. Als Gegenstück zu den fiesen Gedanken.

Vielleicht kann ansonsten auch Konfrontation helfen, also (für eine Weile) bewusst häufig deine Freunde treffen? Damit es nicht überfordert in einer Stammumgebung, am besten an einem Stammplatz. Oder bei Aktivitäten, die dir vertraut sind und wo du dich gut und sicher fühlst.

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