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Schlafwandeln

MVarti0n_20 hat die Diskussion gestartet


Hi ihr da draußen,

ich bin seit meiner Kindheit Schlafwandler. Inzwischen bin ich 28 und es hat sich nichts daran geändert. Es ist nicht wirklich gefährlich, aber es ist mitunter schon störend - vor allem für meine Freundin, die dann aus Panik teilweise stundenlang nicht mehr einschlafen kann. Das Problem ist, dass ich mich immer an alles erinnern kann, solange es länger als ca. 10 Sekunden dauert. Meistens entsteht es aus einem Traum heraus. Ich fühle mich dann wach und alles um mich herum ist wie im Film - ausgetauscht durch die Traumwelt. Was nicht passt, wird von meinem Hirn passend gemacht. Ich kann den Unterschied zur Realität einfach nicht begreifen, es ist mir in dem Moment absolut unmöglich.

Leider sind es meistens sehr unangenehme Dinge, die ich da träume und auslebe. Oft habe ich Angst und renne vor etwas weg. Ich habe meine Freundin im Schlaf bereits verletzt, als ich sie "beschützen" wollte, z.B. vor einem ausbrechenden Vulkan. Da ich mich in dem Moment wach fühle und genau so denke/handle, als wäre die Situation real, kommen auch Sätze wie dieser hier vor: "Schatz...Schatz, wach auf! Ich weiß, du denkst jetzt, dass ich schlafwandle, aber du musst mir glauben...da ist ein Einbrecher in unserer Wohnung und er hat eine Waffe!". Ihr könnt euch vorstellen, dass das gleich zwei Probleme mit sich bringt. Erstens werde ich nie in der Lage sein meine Freundin tatsächlich mal nachts vor etwas zu warnen. Zweitens: selbst wenn ich es in den Griff bekomme, würde ich in einer ernsten Gefahr nicht mehr reagieren, weil ich denken würde, ich schliefe.

Gott sei Dank hat meine Freundin gelernt, wie sie mit mir umzugehen hat. Ich bin ein friedlicher und sehr ruhiger Mensch, aber nachts bin ich aggressiv und stinkig. Früher hat sie mit mir diskutiert und mich wach gerüttelt. Es heißt ja immer, man soll schlafwandelnde Menschen nicht aufwecken. Das kann ich nur bestätigen...es ist ein absolut ätzendes Gefühl von Hilfslosigkeit. Mit der Einsicht kommt eine unbändige Scham. Inzwischen sagt sie nur noch Dinge wie "ach, echt? Super, dass du mir das gesagt hast. Schau mal, leg dich da nochmal hin und mach kurz die Auge zu, ich kümmer mich schon". Auf die Ruhe in ihrer Stimme scheine ich zu reagieren und schlafe direkt wieder ein - dan besteht auch die Chance, dass ich es am nächsten Tag vergessen habe (sie erzählt es mir dann manchmal).

Wem geht es ähnlich? Wer hat einen Trick (à la Inception) um zwischen Realität und Traum unterscheiden zu können?

Antworten
M$artinx_20


P.S.: manchmal meine ich, ansatzweise verstehen zu können, wie sich eine Paranoia oder Schizophrenie anfühlt. Ich war Zivi im Altersheim und die Demenz- oder Alkoholkranken waren sehr sehr anstrengend. Oftmals auch aggressiv. Nicht, weil es ihrer Natur entspricht, sondern weil sie sich und die Welt nicht mehr verstehen. Die Emotionen funktionieren noch (stärker sogar als normal), aber das Gehirn kann einfach nicht mehr so arbeiten, wie es das will. Die Vorstellung die meiste Zeit des Tages in diesem Dämmerzustand zu sein, Stimmen zu sehen und zu hören, Leute zu sehen von denen man nicht sagen kann, ob sie existieren oder nicht...das muss der absolute Horror sein. Mir reichen die paar Sekunden nachts voll und ganz aus.

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