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Meine komplexe Gefühlswelt

s@uns=etinnmysouxl hat die Diskussion gestartet


Gute Nacht, liebe Med1-User!

Nach langen Überlegungen habe ich mich nun zu dieser Uhrzeit entschlossen, mir in diesem Forum einiges von der Seele zu schreiben. Ich brauche es schlichtweg.

Zu mir: Ich bin ein 22-jähriger, in seiner eigenen Welt lebender junger Mann. Ich bin ein Einzelgänger, distanziert und hatte auch noch nie eine Freundin; dafür schäme ich mich nicht (es ist auch nicht der Grund, weswegen ich hier schreibe).

In jungen Jahren habe ich meinen Vater verloren, was - entgegen meiner vorherigen Meinung - zutiefst gesessen hat. Als Kind begreift man solche Verluste nicht wirklich; erst im Nachhinein wird einem klar, was für eine große Leere man doch in seinem Leben hat. Im Laufe der Zeit habe ich mich abgeschottet, bin in die Welt der Bücher, Sonnenuntergänge und Gefühle geflüchtet.

Ich habe eine große, herzensliebe Familie. Würde man meine Mitmenschen nach mir befragen, hieße es sicher: lieb, nett, der gute Junge von nebenan. Nun, mein allzeit aufgesetztes Fake-Lächeln und das Bestreben, sowenig meiner seelischen Verfassung nach außen hin abzugeben wie nur möglich, nähren diese Meinung sicher. Aber dem ist nicht so...

Ich empfinde tiefe Gefühle, bin äußerst empfindlich und zerbrechlich, reagiere auf kleine Reize meiner Umgebung extremst (seelisch, versteht sich) und ich bin sehr melancholisch. Früher war ich eher depressiv, habe mit Suizidgedanken gespielt und mich mit dem Tod angefreundet. Heute ist es eher so, dass ich in einer Parallelwelt lebe: Der Student, der später einiges aus sich machen möchte - wie die Masse meiner Mitmenschen - versus der Junge, mit der gebrochenen Seele.

Meine Stimmung schwankt manchmal unkontrollierbar stark. Bei dem Anblick von Sonnenuntergängen spühre ich eine tiefe Sehnsucht nach Freiheit. Die Nacht, der Sternenhimmel und der Mond machen mich traurig und glücklich zugleich und die Tatsache, dass ich solche und weitere Sachen nicht teilen kann, machen mich traurig.

Wie gesagt, ich bin ein Einzelgänger, sowohl privat als auch in der Universität. Ich schaue mir aufmerksam meine Mitstudierenden an, meine Mitmenschen, sogar Familienmitglieder - teilweise wirken diese Menschen um mich herum oberflächlich. So, als hätten sie kein Interesse, keine Zeit und keine Lust für diese kleinen, aber Wesentlichen, wichtigen und schönen Dingen des Lebens. Manche sind schlichtweg blind und sehen dies einfach nicht, wie Exupéry zu schreiben pflegte: "Man muss mit dem Herzen schauen, mit dem Herzen suchen"...

Ich sehne mich nach einer Person, nach einem Herzensfreund/in, mit der/dem ich auf einer Wellenlänge bin. Eine Person, die mich versteht, wenn wir uns nur anblicken.

Ich bin manchmal sehr schlecht gelaunt, antriebslos, lustlos, leide dann unter Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Ich tue immer so, als wären es nur Kopfschmerzen, damit meine Umgebung nichts mitkriegt, aber dem ist nicht nun mal nicht so.

Ich weiß nicht, ob die Ursache für diese Gefühlsexplosionen meine Vaterlosigkeit ist.

Ich bin ohne ein "männliches Vorbild" aufgewachsen und bin daher auch etwas anders, als die anderen Jungen in meinem Alter. Sie gehen alle feiern, versuchen so viele Mädchen wie möglich abzuschleppen, um so ihre dödelige Männlichkeit zu unterschreiben, aber mich reizen solche 0815-Vorgehen nicht. Ich weiss nicht, warum ich so bin wie ich bin.

Manchmal würde ich gerne sterben, aber das würde ich nie machen. Die großen Religionen verbieten es und der liebe Gott wäre traurig, wenn eines seiner "Kinder" so etwas anstellt.

Muss ich mich ändern? Fällt mir das Erwachsenwerden so schwer oder was ist es, das mein gebrochenes Herz nicht in Ruhe, meine Seele nicht in Frieden ruhen lässt?

Ich suche keine "Lösung" nach dem Schema F, sondern Meinungen, Erfahrungen, Tipps, Weisheiten etc. Ich brauche es.

Ich danke allen, die sich durch diesen Monster-Beitrag gelesen haben und wünsche euch noch eine erholsame Nacht!

Antworten
kwatz<en}stern


Hallo,

mir fällt auf, du schreibst in Gedanken des Verlusts oder der Unvollkommenheit.

Wenn du mal alle Hindernisse ausblenden würdest, wie würde denn dann dein perfektes Leben aussehen?

Du schreibst von Sehnsucht nach Freiheit.

Was hindert dich an deiner Freiheit?

Was würdest du tun, hättest du diese Freiheit?

Wäre dein Leben dann anders? Wie wäre dein Leben, hättest du diese Freiheit?

Pslüschbhiest


Du schreibst, du gehst nicht gerne feiern.

Hast du wirklich keine Lust zu so etwas oder geht es schon in Richtung Sozialphobie?

Des weiteren schreibst du ,ich zitiere mal

Ich bin manchmal sehr schlecht gelaunt, antriebslos, lustlos, leide dann unter Schlafstörungen und Kopfschmerzen.

Das klingt schon ein wenig nach einer Depression.

Man muss nicht zwingend Suizidgedanken haben, um die Diagnose Depressionen zu erhalten.

C^omrxan


Nun, mein allzeit aufgesetztes Fake-Lächeln und das Bestreben, sowenig meiner seelischen Verfassung nach außen hin abzugeben wie nur möglich, nähren diese Meinung sicher. Aber dem ist nicht so...

Ich bin manchmal sehr schlecht gelaunt, antriebslos, lustlos, leide dann unter Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Ich tue immer so, als wären es nur Kopfschmerzen, damit meine Umgebung nichts mitkriegt, aber dem ist nicht nun mal nicht so.

Mir gehen nur zwei Gedanken durch den Kopf: die Seelenverwandten von dir gibt es sicherlich. Aber was, wenn sich im Alltag niemand von euch zu erkennen gibt? Alle ihre Gefühle zurückhalten? Dann werdet ihr euch nie finden. Du musst versuchen, ein Stück weit ehrlicher zu werden. Gerade die vor Männlichkeit strotzenden und Mädels abschleppenden Kerle sind es doch normalerweise, die solche Gefühle verbergen, damit sie nicht als weich gelten. Aber so einer bist du ja nicht und möchtest du nicht sein. Ich glaube, du gehst kein Risiko ein, wenn du ein bisschen mehr von dir preisgibst. Vielleicht fühlst du dich dann auch wohler in deiner Haut, denn Verbergen ist extrem anstrengend.

Der nächste Gedanke ist, dass jeder Typus sein spezielles Umfeld hat, in welchem er sich wohl fühlt. Dir ist es z.B. gelungen, hier in der Anonymität sehr frei zu schreiben. Auf Studenten-Parties ist vermutlich nicht der richtige Ort, um sich so zu outen - es sei denn, man hat einen sehr netten und empathischen Gesprächspartner gefunden und es "fließt" einfach in diese Richtung. Aber nach deinen Schilderungen könnte ich mir gut vorstellen, dass du mit Menschen gut klarkommst, die vielleicht Literatur und Kunst mögen. Vielleicht schaust du mal, welche Orte und Peergroups es noch gibt, wo du genau diese Menschen finden könntest?

Ich kann dir nur empfehlen: sei ehrlicher zu dir selbst und versteck dich nicht völlig. Du hast Angst, als Freak wahrgenommen zu werden. Ich weiß aber aus bald 50 Jahren Lebenserfahrung, dass "Freaks" ((ich meine das jetzt nicht als Schimpfwort)) durchaus akzeptiert und integriert werden, wenn sie in der Lage sind, zu ihrem Wesen zu stehen und dies ohne Groll auch zugeben können.

squnsetIinmyasouxl


Hallo zusammen!

Vielen Dank, dass Ihr euch die Zeit genommen und mir eine Antwort hinterlassen habt.

So, nun der Reihe nach:

@ katzenstern

Weißt Du, ich bin ständig in Unruhe und kämpfe nahezu täglich mit mir. Immer wenn ich in den Spiegel schaue ist es so, als schaue ich durch mich durch. Ich sehe mich nicht, oder so wie ich mich sehen will. Unvollkommenheit, ja das begleitet mich ständig.

Vollkommenheit, Perfektionismus - das strebe ich andauernd an. Die Art wie ich mich kleide, wie ich mich verhalte, wie ich speiße, Bücher lese, mein Zimmer aufräume oder lerne - alles muss "perfekt" sein. Nie bin ich zufrieden; immer unglücklich, immer fehlt etwas. Das macht mich manchmal kaputt und die Ergebnisse meiner Taten sind dann sehr viel schlechter als erwartet.

Das ist manchmal zwanghaft. Ich würde gerne die Freiheit spüren, die Ketten reißen, die Unruhe, die Angst besiegen; einmal ohne Gedanken einschlafen und so schön ausschlafen. Ich bin meistens ünermüdet, aber auch schon wieder daran gewöhnt.

Das Erwachsenwerden fällt mr nicht leicht. Ich kann mich nicht in fünf oder zehn Jahren sehen. Als berufstätiger Mann, oder als Vater. Ich komme nicht mit mir zurecht, wie soll ich eine Familie gründen, versorgen, behüten und beschützen?

@ Plüschbiest

Ich war wenige Male male Feiern, mit Cousinen und Cousins. Das war schön, es waren Leute um mich, die ein Plätzchen in meinem Herzen haben. Wir hatten Spaß und es sind wirklich schöne Erinnerungen geblieben. Das war nur zwei-, drei Mal. Das reicht auch. Ich habe nicht das Bedürfnis nach exzessiven Partys, täglichem Shisha-Gerauche, Zigaretten, Gras etc. So etwas ist nicht meins. Ich würde gerne mt Leuten, mit denen ich mich gut verstehe - die mich gut verstehen - gerne etwas Essen gehen, etwas Trinken, den Abend ausklingen lassen, über Gott und die Welt reden und so weiter... Ich habe schon so einige Menschen kennengelernt. Einige sind überhaupt nicht mein Fall, andere sind wieder eigenartig, meistens aber leider negativ. Ich fühle mich dann oft fehl am Platze.

@ Comram

Angst, als Freak angenommen zu werden habe und hatte ich nie. Ich wirke zemlch normal, achte auf mein Äußeres und bin nicht jemand, den man mal kurzerhand in die "Nerd-" etc. Schublade stecken kann. Dieses Schubladen-Denken gefällt mir übrigens überhaupt nicht.

Ich habe öfters auch Minderwertigkeitskomplexe und denke, dass ich wertlos bin (manchmal).

Ich bin nicht wirklich im Reinen mit mir.

Ich wünsche mir öfters, dass ich die Zeit zurückdrehen könnte und mit meinem jetzigen Wissen und meinen Erfahrungen von vorne beginnen könnte.

Es gibt so einige Momente, da fühle ich mich manchmal unbeschreiblich. Weder gut, noch schlecht. Es ist einfach unbeschreiblich. Wenn ich zum Beispiel Piano spiele. Dann verstummen mein Körper und die Menschen mit ihren Erwachsenenproblemen. Dann beginnt meine Seele zu sprechen...

Cyomr#axn


Wenn ich zum Beispiel Piano spiele. Dann verstummen mein Körper und die Menschen mit ihren Erwachsenenproblemen. Dann beginnt meine Seele zu sprechen...

Dann möchte ich dich nochmal ermutigen, vergleichbare Peergroups aufzusuchen, wo man diese Eigenschaften zu schätzen weiß und dich besser versteht. Du scheinst ein sehr sensibler Mensch zu sein, auch mit dir selbst. Nicht nur in Bezug auf deine Umwelt. Vielleicht ist der ruhige abseitige Gang das richtige für dich. Vielleicht blühst du aber auch auf, wenn du ein kompatibles Umfeld findest. Und sei es nur, wo du über die Musik zu den Leuten sprechen kannst, bevor du verbal Nähe zulässt.

P lüschb3iest


Mit feiern gehen meinte ich jetzt nicht exzessive Trinkgelage und Drogenkonsum.

Meine Frage zielte daraufhin ab, ob du überhaupt unter die Leute gehst.

Muss ja nicht die Disco sein.

So jemand wie du scheint mir in der städtischen Bibliothek besser aufgehoben, als im neusten Tanztempel.

Vielleicht findest du in der örtlichen Volkshochschule oder in einem literarischen Zirkel Gleichgesinnte?

sPunsaet!inmxysoul


Hallo nochmal!

Eigentlich gibt es an einer Universität hunderte von Stellen, an die man sich wenden kann/bei denen man eintreten kann. Das führt sicher dazu, dass man zwangsläufig Kontakte knüpft.

Aber wir alle wissen, dass die meisten dieser Kontakte nur oberflächlich aufgebaut werden und mit großer Wahrscheinlichkeit auch so bleiben.

Wahre, tiefe Freundschaften sind jene, die im Kindesalter geschlossen werden. So denke ich jedenfalls. Sicherlich wird man im Leben immer neue Gesichter sehen und kennenlernen. Aber diese werden leider bis zu einem gewissen Punkt immer fremd bleiben.

Ich glaube, ich habe in dieser Hinsicht einfach nur Pech.

Aufgrund meines Verlustes im Kindesalter ist bei mir einiges nicht so gelaufen wie es sein sollte.

Das lässt aich auch nicht ändern. Auch wenn ich eine großartige Mama habe, welche sowohl Mama als auch Papa ist, bleibt diese Leere ein Leben lang. Und sie zieht einen runter.

Immer wenn ich Kinder/Jugendliche mit ihren Vätern sehen zittert mein Herz. Wenn sich Papa und Sohn umarmen, wenn er voller Stolz seinem Sohn beim Abiball den Arm um die Schulter legt, wenn beide zusammen am schönen See in der Nachmittagssonne eines heißen Sommertages joggen, wenn beide eine Spritzfahrt machen...

Ich bin mehrheitlich unter Frauen aufgewachsen. Daher bin ich auch sehr pingelig und wählerisch bezüglich Mädchen geworden.

Hätte ich die Möglichkeit, meinen Vater zu besuchen, würde ich ihm so viel erzählen. Ich hätte eine Menge zu erzählen. Aber leider ist er im Ausland begraben. Das macht alles nur umständlicher.

Ich wünschte, ich könnte mit Blumen sein Grab aufsuchen und einfach bei ihm bleiben. Denken, einen klaren Kopf kriegen. Ich fühle mich so mies.

Übermorgen schreibe ich eine Prüfung, jedoch grenzt die Konzentration gegen Null.

C:oAmraxn


Wahre, tiefe Freundschaften sind jene, die im Kindesalter geschlossen werden. So denke ich jedenfalls.

Das ist falsch. Ich habe z.B. mit niemandem mehr aus meiner Kindheit Kontakt. Meine zur Zeit besten Freunde habe ich mit Mitte 20 bzw. auch erst über 40 kennengelernt. Ich würde sogar sagen, dass viele enge Freunde im Laufe der Zeit einem Wandel unterliegen. Lebenswege ändern sich ja auch immer mal wieder und niemand gibt einem Garantien, dass man mit dicken Freunden tatsächlich ein Leben lang unterwegs sein kann.

Du zitierst immer wieder den Verlust des Vaters. Es mag sein, dass du als junger Erwachsener (der ja selbst erst "kürzlich" zum Mann geworden ist) anfängst, hier Dinge aufzuarbeiten, die lange zurück liegen oder tief in dir verborgen. Es wäre vielleicht gut, mit einem Therapeuten das Thema "Vater" und deine Kindheit nochmal aufzuarbeiten. Er kann dich anleiten, deine Gefühle richtig zu sortieren, und vielleicht fühlst du dich danach freier?

Wo ist denn dein Vater begraben? Deinen Wunsch, dort zu sein und ihm alles zu erzählen, kenne ich. Das habe ich ein Jahr nach dem Tod meiner Mutter auch gemacht. Wenn es dir ein Herzenswunsch ist, mal bei ihm zu sein, dann findest du vielleicht einen bezahlbaren Weg? Du fühlst ja, dass es gut für dich wäre. Dann wäre das auch eine wichtige Sache, die du in Angriff nehmen solltest. :)_

szunset/inmyswoul


Da ich Türke bin (und die Türken ihre verstorbenen Familienmitglieder zum größten Teil in der Türkei beisetzen) ist es für mich leider schwer, einen Besuch bei ihm abzustatten. Ich meine, man kommt leicht dahin. Aber ob es leicht ist dies zu verheimlichen?

Ich habe ihn noch nie alleine besucht. Immer waren Familienmitglieder dabei. Die beten, versuchen einen zu trösten etc... Ist ja alles gut gemeint, aber es nervt. Ich möchte alleine bei ihm sein. Alleine an ihn denken, fühlen, mit ihm reden. Das kann ich nicht in Ruhe, wenn Menschen dabei sind. Obwohl meine Familie sehr verständnisvoll ist, bleibt da trotzdem eine Blockade.

Ich habe schon länger vor, ganz "heimlich" in die Türkei zu fliegen. Wenn auch nur für ein knappes Wochenende. Die Zeit völlig nutzen, mit ihm. Ich wüsste nur nicht, welche Lüge ich zu Hause erzählen soll. Lügen tue ich nie. Ich hasse Lügner und das Lügen an sich. Aber hier muss ich es machen. Etwas wie "bin bei einem Freund", geht nicht. Das würde merkwürdig wirken.

Ich glaube, so ein Besuch würde meiner Seele sehr gut tun...

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