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Psychisch labil und Umzug

Mdir|exya hat die Diskussion gestartet


Ich weiß gar nicht richtig, wie ich anfangen soll...

Vor 6 Jahren bin ich zum Studieren hierher in die jetztige Stadt gezogen. Am Anfang war es schwer, aber ich habe mich eingelebt und mich mittlerweile so richtig an die Stadt gewöhnt und sie lieben gelernt. 2 Jahre nach meinem Umzug kam auch mein damaliger Freund nach und wir haben geheiratet.

Vor 3 Jahren hab ich dann aus diversen Gründen eine Psychoanalyse angefangen, 3 x die Woche auf der Couch liegend. Ich war depressiv, stand ständig wegen meiner Ängstlichkeit unter Strom (hauptsächlich aber nicht nur in allen Sozialkontakten auftretend, die ich durch das Studium auch nicht vermeiden konnte), litt immer noch an einer posttraumatischen Belastungsstörung die ich aus der Kindheit mitgeschleppt hatte, Schlafstörungen, Selbstverletzendes Verhalten, latente Suizidalität (ständige fast schon zwanghafte Gedanken an Suizid), Essstörung.

Ich weiß nicht, wieviele hier die Erfahrung einer Psychoanalyse kennen. Es dauerte, aber es hat mir so unglaublich geholfen. Von der Symptomatik ist nicht viel übrig geblieben, alle psychischen Probleme treten - wenn überhaupt - nur noch sehr abgeschwächt auf. Selbstverletzt habe ich mich vor über 2 Jahren das letzte Mal, Suizidgedanken vor mehreren Monaten zuletzt, Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung treffen faktisch nicht mehr zu. Ich werde nur noch in entsprechend ausreichenden Situationen ängstlich. Die Depressivität ist vielleicht noch das größte Problem derzeit und essgestört bin ich wohl auch immer noch.

Natürlich ist bei dieser Art von Therapie auch die Intensität der therapeutischen Beziehung entsprechend. Ich liebe ihn aus tiefstem Herzen.

Er hat immer seine Grenzen gewahrt, er weiß es und wir haben schon zig mal darüber geredet.

Nun das Dumme: Mein Mann wird versetzt zum neuen Firmenstandpunkt oder es wird eine Kündigung aus betrieblichen Gründen ausgesprochen. (Es wurden bereits viele seiner Kollegen gekündigt).

Nicht nur der Umzug an sich, die ganze Veränderung die auf mich zukommt, der Umzug in eine Großstadt (!) in welcher ich noch nie gelebt habe, ich überhaupt noch nie annähernd in einer Großstadt gelebt habe, immer nur in Kleinstädten. Kürzlich war ich für eine Woche in Frankfurt und war einfach nur komplett überfordert, allein von den ganzen Eindrücken... U-bahn fahren, die Hölle! Die vielen Menschen, die Geräusche, die Lichter.... und der Gestank. {:(

Und dann natürlich muss ich mich von einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben verabschieden... kann ich das?

Wie soll das gehen?

Ich schwanke zwischen leere Gleichgültigkeit und Verzweiflung... Ist das unnormal?

Soll ich überhaupt umziehen? Wie soll ich das schaffen?

Antworten
sIchn`ecke1x985


Verständnisfrage:

Ziehst du wegen deinen Belangen (zum Beispiel Job) um, oder wegen der Versetzung deines Mannes?

Ich bin wegen dieses Satzes verwirrt:

Und dann natürlich muss ich mich von einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben verabschieden... kann ich das?

Heißt das, dass dein Mann dann nochmal an einem anderen Ort arbeitet?


Prinzipiell: Ich habe / hatte viele deiner Probleme. Lautet deine Diagnose zufällig Borderline? (nur aus Neugierde)

Ich selber habe Borderline und damit einhergehend einen Rattenschwanz an Anpassungsproblemen an die normale Umwelt. Das heißt, Veränderungen machen mir in erster Linie einfach nur pure Angst.

Ich habe aber nach und nach erkannt, dass ich diese anfängliche Angstreaktion besser in den Griff bekomme, wenn ich eine gewisse mentale "Gewöhnungszeit" durchlaufen kann. Das ist für mein Umfeld mitunter nervig und unverständlich, aber ich kann emotional halt nicht so schnell mit den Gefühlen hinterher, wie es vielleicht rationale / lebensweltliche / "normale" Parameter vorgeben. Ich kann mich z.B. über gewisse Entwicklungsschritte nicht freuen, die ich mir aber selber gewünscht habe. Weil ich halt auch immer irgendwie emotional am Hier und Jetzt festhänge und das Fremde als Bedrohlich fühle.

Deshalb meine Anregung: Vielleicht hilft es dir, wenn du dich täglich mit deiner neuen Heimat beschäftigst? (Zum Beispiel per Internet U-Bahn-Linien studieren, Sehenswürdigkeiten heraussuchen, Veranstaltungen / Konzerte / Initiativen ansehen, an denen du teilnehmen möchtest).

Und vielleicht gleichzeitig aktiv (wie in einem Trauerprozess) Abschied von deiner jetzigen Heimat nimmst? Deine Lieblingsplätze noch einmal besuchst, Freunde, dir anschaust, was an eurer aktuellen Wohnung doof ist und was du in der neuen besser machen willst? Vielleicht sogar auch mal gezielt die negativen Erinnerungen an deinen jetzigen Wohnort rausholen, anschauen, und merken, dass es gut ist, Dinge hinter sich zu lassen? Vielleicht sogar gewisse Abschiedsrituale installieren, die Raum zur Freude und zur Trauer gleichzeitig lassen?

Festhalten ist per se nichts Schlechtes, aber das (moderne) Leben ist halt nun mal nicht so. Wir müssen uns bewegen, und letztlich hält uns die Bewegung auch jung, gibt neue Ziele, neue Herausforderungen, neue Horizonte vor.

Wie gesagt: Mir hilft ein gedankliches Herantasten, ein erneutes Anschauen des Für und Wieder und des großen Ganzen (wo man als Paar hin möchte) immer ganz gut. Aber das geht bei mir nicht sofort. Ich bin prinzipiell ein Mensch, der am besten mit Veränderungen klarkommt, wenn ich eine gewisse Nachdenk- / Trauerfrist habe, dann an einem Tag aufstehe und sofort (wenn ich noch im Schlaftran bin ;-) ) in etwas Ungewohntes starte. So, wie mir der Schlaftran morgens hilft, helfen dir vielleicht auch gewisse Strategien, damit das Emotionale auf den Stand des Rationalen kommt?


By the way: Ich sehe es als großes Mako der Psychoanalyse, dass es dort eben in erster Linie um geistige / emotionale Vorgänge geht. Das ist in gewissen Phasen der Verarbeitung sicher wichtig und richtig :)^ andererseits kann man in einer Verhaltenstherapie (zusätzlich) Strategien für den Umgang mit dem eigenen, täglichen Wahnsinn lernen. Auf der Handlungsebene, sozusagen. Dazu zählen Rituale, Skills, Arbeitslisten usw. usw.

Nur so als Anregung ;-)

:)* :)* :)_ :)_

SWuSn3flowe{r_7x3


Und dann natürlich muss ich mich von einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben verabschieden... kann ich das?

Ich befürchte, Du meinst Deinen Therapeuten?!

DAS ist ein echtes Warnsignal. Therpaie soll immer helfen und freier machen - und nicht abhängig. Es ist von Anfang an klar, dass es ein Ende geben wird. Auch bei einer intensiven Analyse. Hast du GENAU DIESEN Satz mit Deinem Analytiker besprochen?

Wenn Du nicht in die Großstadt magst: Vielleicht gibt es einen Kompromiss. D.h. Wohnen im Umland. Aber all diese Dinge kannst Du erst angehen, wenn Du Dich aus der Abhängigkeit zum Analytiker löst!

mausimcusx_65


Am Anfang war es schwer, aber ich habe mich eingelebt und mich mittlerweile so richtig an die Stadt gewöhnt und sie lieben gelernt.

Es ist doch gut möglich, daß es am neuen Wohnort wieder so abläuft. Wenigstens bis zum Stadium "Gewöhnung". Licht und Schatten gibt es ja überall... Wenn Du nach einem Jahr sagen kannst "Es ist zwar nicht der schönste Ort der Welt, aber insgesamt komme ich damit zurecht und fühle mich hier einigermaßen wohl", ist das auch schon einiges wert!

Eine sehr große Rolle spielt vermutlich die Qualität der Wohnung selbst und das unmittelbare Umfeld. Da solltest Du mit Deinem Mann überlegen, was am wichtigsten ist (z.B. eine eher ruhige Wohnung, Parkmöglichkeiten, ÖPNV-Anbindung, Fahrrad- oder Kinderwagenstellplatz, Fahrzeit zur Arbeit, Supermarkt in der Nähe...) und was es maximal kosten darf.

Im übrigen sieh es doch als eine Chance, die vielleicht etwas zu stark gewordene Bindung an den Therapeuten zu lösen / zu lockern. Falls Du weiterhin - oder irgendwann wieder - therapeutische Unterstützung brauchst, könnte sich in der neuen Stadt auch ein passender Psychologe finden.

Was die Liebe zum Analytiker angeht, wäre es denkbar, daß Dein Mann sich freut, davon künftig etwas abzubekommen. ;-)

MPir2eya


@schnecke1985

Ziehst du wegen deinen Belangen (zum Beispiel Job) um, oder wegen der Versetzung deines Mannes?

Ich bin wegen dieses Satzes verwirrt:

Und dann natürlich muss ich mich von einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben verabschieden... kann ich das?

Heißt das, dass dein Mann dann nochmal an einem anderen Ort arbeitet?

Nein, ich ziehe zusammen mit meinem Mann wegen der Versetzung meines Mannes um. Ich meinte damit tatsächlich den Analytiker.

Lautet deine Diagnose zufällig Borderline?

Nein, ich hab keine emotional instabile Persönlichkeitsstörung. @:)

Ich kann mich z.B. über gewisse Entwicklungsschritte nicht freuen, die ich mir aber selber gewünscht habe. Weil ich halt auch immer irgendwie emotional am Hier und Jetzt festhänge und das Fremde als Bedrohlich fühle.

Ich weiß nicht, ob es wirklich so sehr das Fremde/Bedrohliche ist. Ja, sicherlich auch. Veränderung macht mir immer etwas angst. Aber was den Umzug an sich angeht, denke ich, dass ich mich zwar umgewöhnen muss aber einzig und allein mit dem Wechsel nach und nach zurecht kommen werde. Ich glaube ich mache mir mehr Sorgen darum, dass ich umziehe und dann gefühlsmäßig nicht klar komme oder in ein großes Loch rutsche.

Andererseits fällt mir wirklich der Abschied schwer.

Es ist irgendwie merkwürdig, das so zu sagen aber ich habe zu dieser Stadt hier wirklich eine emotionale Bindung aufgebaut - soweit man das eben zu einem Ort haben kann. Bei meinem Heimartort hatte ich das Problem nie, der ist hässlich und grau und spießig und überhaupt nicht annähernd toll. Den habe ich nie vermisst.

Das hier ist jetzt der erste Ort an dem ich längere Zeit gelebt habe und den ich wirklich mag.

Und vielleicht gleichzeitig aktiv (wie in einem Trauerprozess) Abschied von deiner jetzigen Heimat nimmst? Deine Lieblingsplätze noch einmal besuchst, Freunde, dir anschaust, was an eurer aktuellen Wohnung doof ist und was du in der neuen besser machen willst? Vielleicht sogar auch mal gezielt die negativen Erinnerungen an deinen jetzigen Wohnort rausholen, anschauen, und merken, dass es gut ist, Dinge hinter sich zu lassen? Vielleicht sogar gewisse Abschiedsrituale installieren, die Raum zur Freude und zur Trauer gleichzeitig lassen?

:°( :°( :°( Das ist eine großartige Idee. Danke, ich denke sowas in die Richtung werde ich auf jeden Fall machen. :)_

Festhalten ist per se nichts Schlechtes, aber das (moderne) Leben ist halt nun mal nicht so. Wir müssen uns bewegen, und letztlich hält uns die Bewegung auch jung, gibt neue Ziele, neue Herausforderungen, neue Horizonte vor.

*seufz* Ich halte eigentlich selbst nicht mal wirklich viel davon das ganze Leben an einem Ort zu verbringen. In meinem Heimatort ist das größtenteils wirklich so. Die werden dort geboren, leben dort ihr ganzes Leben und sterben da. %:| %:| %:| Das wollte ich nie. Und ich habe ja auch feststellen können, wie gut mir der Umzug hierher getan hat. Ich mein gut, da spielen auch das Selbstständigwerden und eine entgültige Abnabelung von den Eltern eine Rolle..

By the way: Ich sehe es als großes Mako der Psychoanalyse, dass es dort eben in erster Linie um geistige / emotionale Vorgänge geht. Das ist in gewissen Phasen der Verarbeitung sicher wichtig und richtig :)^ andererseits kann man in einer Verhaltenstherapie (zusätzlich) Strategien für den Umgang mit dem eigenen, täglichen Wahnsinn lernen. Auf der Handlungsebene, sozusagen. Dazu zählen Rituale, Skills, Arbeitslisten usw. usw.

Das Ding ist, dass das nicht meine erste Therapie ist. Wenn man nur die ambulanten Therapien mitzählt, die ich längerfristig gemacht habe (und nicht frühezeitig abgebrochen habe), ist das meine 4.

Mit 16 hatte ich eine Verhaltenstherapie gestartet. Ja, geholfen hat sie auch, aber irgendwie nicht langfristig. Damals hatte ich es dann damit auch schonmal geschafft mich nicht mehr selbstzuverletzen, aber 1 Jahr aus der Therapie heraus und es fing wieder an. Zumal ich da nie den Eindruck hatte, dass ich mich innerlich davon lösen konnte. Es war mehr so ein ständiges Bemühen es nicht zu tun, obwohl der Drang da war. Zugegebenermaßen musste die Therapie nach 1 1/2 Jahren abgebrochen werden, weil mein damaliger Therapeut den Wohnort gewechselt hat.

Auch die anderen 2 Therapien waren eher.. dürftig? Die 2. war tiefenpsychologisch fundiert über 2 1/2 Jahre. Begleitend hat sie mir sicher geholfen. Aber auch hier war das Problem, sobald sie zu Ende war (sie ist damals dann mit meinem Umzug hierher geendet, wobei allerdings eh das Stundenmaß der Krankenkasse erschöpft war), nach und nach wieder die Probleme anfingen, bzw. durch die Therapie eben nicht gelöst waren. die dritte systemisch knapp 1 Jahr, die fand ich vom Lösungansatz sehr spannend und bei begrenzten Problemen ist sie sicher sehr hilfreich. Aber nach knapp einem Jahr war der Therapeut mehr oder weniger "durch" mit seinem Programm und war dann der Meinung mir hätte es besser zu gehen. Was im Gegenteil so war. Mir ging es dann eigentlich immer schlechter, weil er nichts mehr zu machen wusste (im Sinne von "Ja, was wollen sie denn noch? - Was haben sie denn noch?") und auch nicht wollte und ich relativ hoffnungslos auf der anderen Seite.

Danach fing ich dann die Psychoanalyse an. In diesem Sinne und auch was meine Symptomatik angeht und alles, war die jetzt hilfreicher als alle Behandlungen vorher zusammengenommen. Auch mit meinem jetztigen Therapeut bin ich übrigens nochmal Skills durchgegangen usw. Nur weil man nicht grundlegend verhaltenstherapeutisch arbeitet, heißt das ja nicht, dass man nicht auch verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze mit einbeziehen kann.

@Sunflower_73

DAS ist ein echtes Warnsignal. Therpaie soll immer helfen und freier machen - und nicht abhängig. Es ist von Anfang an klar, dass es ein Ende geben wird. Auch bei einer intensiven Analyse. Hast du GENAU DIESEN Satz mit Deinem Analytiker besprochen?

Ich finde das etwas hart gesagt von dir. "Therapie soll..." Wer sagt denn was Therapie soll?

Ich bezweifle stark, dass meine Abhängigkeit von der Therapieschule abhängt. Wie schon oben geschrieben habe ich auch schon andere Therapieschulen hinter mir. In der Verhaltenstherapie war die Abhängigkeit zum Beispiel gleich schlimm. Nachdem er weggezogen ist habe ich Rotz und Wasser geheult und war mehrere Wochen ziemlich schlimm beieinander. Nur damals war eben nicht ich diejenige die wegging und ich hatte auch nicht die Entscheidungsgewalt darüber, ob er geht oder nicht, denn es war nun mal so.

Ist es nicht verständlich, dass mein jetztiger Therapeut so viel für mich bedeutet? Sich mehr als 3 Jahre lang 3x wöchentlich zu sehen, soviele persönlichste Dinge zu besprechen, soviel von meinem Leben mit ihm zu teilen und gleichzeitig dass es mir so unglaublich geholfen hat, ist es da nicht völlig verständlich, wenn man eine starke emotionale Bindung aufbaut?

Das er einer der wichtigsten Menschen für mich ist, habe ich sicher schon mal angesprochen. Er meinte auch nur, dass es sehr verständlich ist, dass ich so empfinde. Da ich nicht zu wirklich vielen Menschen überhaupt Vertrauen habe und eine Bindung aufbaue, ist das letztendlich auch nicht wirklich verwunderlich.

Er ist wie der Vater für mich, den ich nie hatte. Natürlich fällt es mir nun schwer zu gehen und löst allerlei Gefühle in mir aus. Ich weiß, dass er nicht aus der Welt sein wird und wenn ich es endlich mal schaffe, den Umzug bei ihm anzusprechen werden wir sicher auch eine Übergangslösung finden, aber letztendlich ist und bleibt es ein Abschied. Da kann ich mir nichts vormachen. Es wird nicht mehr so sein, wie es ist und war. Und solang ich nicht zufälligerweise wieder hierher zurückziehe, war es das.

M,ire!ya


@musicus_65

Es ist doch gut möglich, daß es am neuen Wohnort wieder so abläuft. Wenigstens bis zum Stadium "Gewöhnung". Licht und Schatten gibt es ja überall... Wenn Du nach einem Jahr sagen kannst "Es ist zwar nicht der schönste Ort der Welt, aber insgesamt komme ich damit zurecht und fühle mich hier einigermaßen wohl", ist das auch schon einiges wert!

Die größte Befürchtung wäre wohl umzuziehen und dann zu sehen "Scheiße, das war es alles nicht wert."

Was die Wohnung angeht, werden wir uns auf jeden Fall Zeit lassen und was schönes suchen. Hier im Ort war der Wohnungsmarkt leider immer so fürchterlich, dass wir in nem Kabuff gelandet sind. ]:D

Im übrigen sieh es doch als eine Chance, die vielleicht etwas zu stark gewordene Bindung an den Therapeuten zu lösen / zu lockern.

Aber vielleicht will ich das auch gar nicht? :°(

Falls Du weiterhin - oder irgendwann wieder - therapeutische Unterstützung brauchst, könnte sich in der neuen Stadt auch ein passender Psychologe finden.

Einerseits bin ich kurz davor mir direkten Anschluss zu suchen. Hauptsächlich um einfach jemanden zu haben, zu dem ich gehen kann falls ich es brauche und der (oder die ;-D ) mich in der Übergangszeit auffangen kann. Andererseits frage ich mich, ob das dann nicht vielleicht etwas dolle überängstlich wäre. Und nochmal andererseits will ich ja auch zu gar keinem neuen. :°(

Was die Liebe zum Analytiker angeht, wäre es denkbar, daß Dein Mann sich freut, davon künftig etwas abzubekommen. ;-)

:-p Der bekommt auch jetzt schon was davon ab, keine Sorge.

Sounflowe0r_73


Ich finde das etwas hart gesagt von dir. "Therapie soll..." Wer sagt denn was Therapie soll?

Therapie ist "Hilfe zur Selbsthilfe". Daher zeitlich begrenzt. Es geht darum, mit Hilfe zu lernen, mit Dingen anders umzugehen, Dinge anders zu sehen, zu bewerten. Um dann ALLEIN klarzukommen.

Therapie ist KEIn Ersatz für Freundschaft oder sonstige Beziehungen.

Das Muster, dass Du IN einer THerapie Fortschritte machst und jedes Mal hinterher wieder in alte Muster/Probleme zurückfällst, spricht da so ein bisschen die sprichwörtlichen Bände. Was nimmst Du DAUERHAFT mit; was ist nur hingehen - Zuhörer haben - rausgehen - nix ändern?

Oder, wenn ich es zu hart formuliere: Was ist denn DEINE Erwartung an eine Therapie? Zumindest läuft etwas falsch, wenn bei einer verheirateten Frau der Analytiker die wichtigste Person im Leben ist!

Meirexya


Therapie ist "Hilfe zur Selbsthilfe". Daher zeitlich begrenzt. Es geht darum, mit Hilfe zu lernen, mit Dingen anders umzugehen, Dinge anders zu sehen, zu bewerten. Um dann ALLEIN klarzukommen.

Therapie ist KEIn Ersatz für Freundschaft oder sonstige Beziehungen.

Das Muster, dass Du IN einer THerapie Fortschritte machst und jedes Mal hinterher wieder in alte Muster/Probleme zurückfällst, spricht da so ein bisschen die sprichwörtlichen Bände. Was nimmst Du DAUERHAFT mit; was ist nur hingehen - Zuhörer haben - rausgehen - nix ändern?

Das spricht also sprichtwörtlich Bände? Und das ich seit meiner Kindheit an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten habe, die vorher nie ein Therapeut behandelt hat ist also völlig vernachlässigbar in diesem Zusammenhang? Ja natürlich ich hätte das wohl ändern sollen, Flashbacks usw. einfach abstellen sollen. Und ja, die haben alle davon gewusst. Bei jedem einzelnen Therapeuten stand die Diagnose wieder mit drin im Kassenantrag.

Was die Beziehung zu meinem Analytiker angeht, so sehe ich es so, dass ich diese enge Bindung gebraucht habe. Anders wäre die PTBS gar nicht aufzulösen gewesen, weil ich nie so sehr vertraut hätte bei jemandem bei dem ich diese Bindung nicht aufgebaut hätte, als dass ich überhaupt erst angefangen hätte den Mund wirklich aufzumachen und alles zu erzählen.

"Hilfe zur Selbsthilfe" kann ich auch nicht 100%ig nachvollziehen. Das mag z.B. für die Verhaltenstherapie zutreffen, á la hier hast du dein Werkzeug und dann Arschtritt und raus mit dir. So ist es mir zumindest gegangen in Verhaltenstherapie und systemische. Ich habe die Psychoanalyse dringend notwendig gehabt. Vorher wollte sich nie jemand damit auseinandersetzen. Weil man sobald man halbwegs Vertrauen gefasst hat, wieder vor die Tür gesetzt wurde, mit genau den gleichen Argumenten: kein Ersatz für reale Beziehungen, zuviel Abhängigkeit, sie haben doch alles was sie brauchen.

Ich finde diesen Ansatz fürchterlich. Für einen bestimmten Anteil an Patienten mag es zutreffen und aber eben nicht alle.

Ich habe und hatte auch niemals vor die Psychoanalyse bis in alle Ewigkeit weiterzuführen. Ich hatte sowieso schon mit dem Gedanken gespielt, sie in 1-2 Jahren zu beenden. Aber bisher hatte ich noch zuviele Sachen die für mich ungeklärt waren und noch besprochen werden sollten. Hätte ich von mir aus irgendwann sagen können "Ich brauche es nicht mehr, ich komme jetzt alleine klar." würde mir ein Abschied auch sicher einfacher fallen, als diesen Druck von außen zu haben.

Oder, wenn ich es zu hart formuliere: Was ist denn DEINE Erwartung an eine Therapie?

Heilung.

Zumindest läuft etwas falsch, wenn bei einer verheirateten Frau der Analytiker die wichtigste Person im Leben ist!

Ich sagte "einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben", nicht die wichtigste.

Aber selbst wenn es so wäre, fände ich das bei einer Psychoanalyse zumindest phasenweise akzeptabel.

Was wäre so schlimm daran?

Was hälst du eigentlich von der Psychoanalye generell? Ich habe nicht den Eindruck, dass die bei dir besonders hoch im Kurs steht.

Weißt du eigentlich wie sie funktioniert? Hast du schonmal eine gemacht/begonnen/ausprobiert o.ä.?

Bei der Psychoanalyse spielt doch die therapeutische Beziehung die tragende Rolle. Ich verstehe nicht, was da so deswegen gewettert wird.

S:unIfloweXr_73


Nur kurz, da Du doch etwas angriffslustig-angegriffen fühlend rüberkommst: Es gibt eine feine Grenze zwischen Therapiebedarf und Abhängigkeit vom Therapeuten.

Manche Erinnerungen und deren Folgen kann man lernen, zu beherrschen - aber eben nicht vollständig löschen.

Es wird IMMER "relevante" Themen im Leben geben, aber auch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass immer Therapiebedarf besteht.

Ansonsten:

Ich sehe die Psychoanalyse durchaus nicht unkritisch; maße mir aber nicht annähernd an, angesichts Deiner wenigen Beschreibungen ein Urteil zu fällen, ob sie in Deiner Situation angemessen ist oder nicht. Fakt ist letztlich, dass der Gesetzgeber nun mal unterschiedliche Höchstgrenzen für die versch. Therapieformen vorsieht (was so manchem nicht schmeckt und was auch z.T. absurd ist).

MNirQeya


Fakt ist letztlich, dass der Gesetzgeber nun mal unterschiedliche Höchstgrenzen für die versch. Therapieformen vorsieht

Der Gesetzgeber?

Du meinst wohl eher die Krankenkassen.

Das ist für mich kein wirkliches Argument. Vor kurzem entschieden sich die Krankenkassen, dass es ja eine klasse Idee wäre, Patienten für wenige Stunden zu zulassen und danach sollten diese erstmal eine Pause von x Wochen machen bevor sie weitere Stunden in Anspruch nehmen und ähnliche Scherze.

Regelungen der Krankenkasse machen nicht immer Sinn.

LKilli%_Anne


Natürlich ist bei dieser Art von Therapie auch die Intensität der therapeutischen Beziehung entsprechend. Ich liebe ihn aus tiefstem Herzen.

Er hat immer seine Grenzen gewahrt, er weiß es und wir haben schon zig mal darüber geredet.

Du liebst Deinen Therapeuten? ":/

K/leixo


Mireya

Ich finde das etwas hart gesagt von dir. "Therapie soll..." Wer sagt denn was Therapie soll?

Sehe ich kritisch, es sei denn Du selbst findest, dass Therapie abhängig vom Therapeuten machen soll? Ist ja wohl nicht Dein Ziel gewesen, oder?

Regelungen der Krankenkasse machen nicht immer Sinn.

Und es macht mehr Sinn sich einem Therapeuten so zu verschreiben, den man dafür bezahlt?

Ist es nicht verständlich, dass mein jetztiger Therapeut so viel für mich bedeutet? Sich mehr als 3 Jahre lang 3x wöchentlich zu sehen, soviele persönlichste Dinge zu besprechen, soviel von meinem Leben mit ihm zu teilen und gleichzeitig dass es mir so unglaublich geholfen hat, ist es da nicht völlig verständlich, wenn man eine starke emotionale Bindung aufbaut?

Es ist verständlich, nur würde ich mir keinen Vater kaufen wollen. Insofern finde ich diese Projektion verständlich, aber sie zeigt doch, dass Du noch einiges zu arbeiten hast. Bezüglich Therapeut wäre es wohl gar nicht schlecht, ihn zu wechseln, egal ob Du umziehst oder nicht.

Aber vielleicht will ich das auch gar nicht?

Ja gut, das solltest Du schon wissen, bevor Du umziehst. Was willst Du also? Da sind ja einige Entscheidungen fällig.

LhichtATmHoMrizoxnt


@ TE

Hast Du keine Arbeit (oder Studium), dass Du Deinem Mann einfach so hinterher (bzw. mit ihm) ziehen kannst? Wäre eine (vorübergehende) Wochenendbeziehung eine Option - bis zum Beenden der Therapie?

M6ireyxa


@ Sunflower_73

Was sollte man deiner Meinung denn machen - auf Therapie bezogen - wenn es gravierende Störungen in der Persönlichkeit gibt?

Ja, ich bin ein "schwer gestörter Patient" wie es im Fachjargon wohl heißen würde. Und ja, ich fühle mich dann angegriffen, dass mir eine dringend notwendige Behandlung als Abhängigkeit vom Therapeuten unterstellt wird.

Wie lange es noch dringend notwendig ist/wäre - kann ich nicht voraussehen. Fakt ist dass ich mich seit gerade mal 3 Monaten überhaupt zum ersten Mal im Leben halbwegs als gesund wahrnehme. Da ist es doch logischer und auch pragmatischer, mich nicht sofort wieder "vor die Tür zu setzen" so wie es im Krankenkassenbereich wäre und "mal zu schauen" ob's was wird alleine, anstatt die Behandlung lieber noch ein wenig weiterzuführen und mal zu schauen, ob man die Problematik nicht mal langfristig beheben kann.

Und ja, ich werde da emotional, weil diese angebliche "Effizienz"-fokusiertheit der Krankenkassen - die du aus welchem Grund auch immer zu verinnerlicht haben scheinst - mit ein Grund ist, warum sich das bei mir überhaupt so lange hingezogen hat.

Letztendlich ist es auch nicht mal wirklich effizient, Patienten "gerade so" zu therapieren, weil die dann sowieso wiederkommen. Das ist mit derart vielen andere Patienten ebenfalls der Fall und das bringt nicht mal eine Effizienz hinsichtlich der Kosten. Kosten sparen würde man langfristig, wenn man die Patienten langfristig psychisch gesund macht, so dass keine Klinikaufenthalte, Krankschreibungen und Frührenten notwendig sind.

@ Lilli_Anne

Ja, auch das ist nichts ungewöhnliches oder verwerfliches.

@ Kleio

Sehe ich kritisch, es sei denn Du selbst findest, dass Therapie abhängig vom Therapeuten machen soll?

Ziel nicht, aber ich denke es ist phasenweise unvermeidbar sich auch als "abhängig" - wenn man es denn so nennen will - zu erleben, bzw. kann phasenweise eine Begleiterscheinung sein.

Und es macht mehr Sinn sich einem Therapeuten so zu verschreiben, den man dafür bezahlt?

Was meinst du denn mit "so zu verschreiben"?

Es ist verständlich, nur würde ich mir keinen Vater kaufen wollen. Insofern finde ich diese Projektion verständlich, aber sie zeigt doch, dass Du noch einiges zu arbeiten hast. Bezüglich Therapeut wäre es wohl gar nicht schlecht, ihn zu wechseln, egal ob Du umziehst oder nicht.

Ich befürchte ich kann dir hier nun gar nicht mehr folgen. Ja, es gibt ein Arbeitsbündnis. Ja, ich bezahle ihn dafür. Aber ich bezahle ihn ja nicht dafür, dass er mir den Vater spielt. Ich bezahle ihn für die Behandlung die ich in ausgezeichneter Art und Weise und zu meiner vollsten Zufriedenheit erhalten habe und noch erhalte. Meine Gefühle auf ihn bezogen sind doch nur ein Nebeneffekt.

Projektion hin oder her, ich sehe es auch sehr kritisch wie viele Therapieschulen mit "Liebe ggü dem Psychotherapeuten/ der Psychotherapeutin" umgegangen wird. Ich habe schon oft gelesen, dass von Seiten der PsychotherapeutInnen ein direkter Therapieabbruch empfohlen wird - zumindest in nicht-analytischen Therapieschulen. Das mag in dem Sinne richtig sein, dass in einer Verhaltenstherapie gar nicht der Raum und die Zeit sind, um das alles zu bearbeiten und aufzulösen.

Aber was sollten denn z.B. Patienten machen, die dies als Muster immer wiedererleben? Die wären ja im Endeffekt langfristig "nicht therapierbar". Oder man würde es halt komplett verschweigen und dann erst recht nicht aufarbeiten können. Ja, es besteht eine Problematik in dem Sinne bei mir, das streite ich gar nicht ab. Aber die kann doch nicht mit "das ist falsch" oder Therapeutenwechsel gelöst werden?

@ LichtAmHorizont

Ich bin selbstständig und beruflich sehr flexibel. Kann also auch gut am Neuen Ort arbeiten. Eine Wochenendbeziehung können wir uns beide nicht sehr gut vorstellen.

L,ichtIAmHo(rixzont


Eine Möglichkeit, eine Therapie zu machen, ohne vom Therapeuten "abhängig" zu werden, wäre vielleicht sich einen zu suchen, der diese Vaterersatz-Gefühle gar nicht erst auslöst. Anstatt einem älteren Herren beispielsweise eine jüngere Frau… Oder wäre das bei Dir egal? Entsteht die Abhängigkeit automatisch, sobald Dich jemand auf bestimmte Art versteht? Alter und Geschlecht egal?

Wenn Du das Kapitel mit dieser Therapie/diesem Therapeuten unbedingt abschließen willst, würde ich dennoch zumindest über eine vorübergehende Wochenenendbeziehung nachdenken. Vielleicht stellst Du im Laufe dessen fest, dass es total bescheuert ist, Dich wegen eines Therapeuten unter der Woche von Deinem Mann zu trennen, und das Ganze heilt von allein…?

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