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Angst davor geliebte Menschen zu verlieren

M@arlixp<osa0 hat die Diskussion gestartet


Frohe Ostern an alle!

Vor 1,5 Jahren hatte ich einen Autounfall, meine Mutter war gefahren und hat plötzlich die Kontrolle über das Auto verloren. Wir sind mit 130-140 gefahren und sie riss das Lenkrad plötzlich hin und her und schließlich sind wir in die Leitplanke geknallt. Das Auto war total hinüber. Aber viel schlimmer: Meine Mutter saß da, Kopf im Nacken, Schrammen im Gesicht vom Airbag und sie hat sich nicht gerührt und nicht geantwortet. Ich dachte, sie wäre tot.

Ich hab sie aus dem Auto gezerrt, da hat sie angefangen sich zu bewegen und ich wusste, ihr ging es einigermaßen gut. Es ist keinem ernsthaft etwas passiert, sie hatte nur vom Airbag einige Schrammen. Aber ich habe den ganzen Tag nur noch geweint und konnte nicht mehr aufhören. In der ersten Zeit danach hatte ich ziemliche Angst, wenn ich mit anderen im Auto gefahren bin, aber habe es mir möglichst nicht anmerken lassen.

Was jetzt erst danach kam und mich sehr mitnimmt: Immer wenn ich alleine bin, bekomme ich mehr oder weniger plötzlich panische Angst, dass ich geliebte Menschen verlieren könnte (Mama, Papa, Freund, Oma, Cousin etc.). Das Schlimmste daran für mich ist, dass es nicht sein KÖNNTE, sondern dass es früher oder später so weit sein WIRD. Und das ich nichts dagegen tun kann.

Immer wenn in einer Serie/einem Film jemand krank wird oder stirbt oder es nur um das Thema geht, fange ich sofort an zu weinen. Wenn ich ein traurigeres Lied höre oder einfach nur kein fröhliches, dann beginne ich nachzudenken und bekomme diese Angst und kann nicht mehr aufhören zu weinen. Das belastet mich so sehr.

Ich habe auch Angst meinen Freund zu verlieren. Aber nicht auf die eifersüchtige Art, dass es sich in jemanden anderen verliebt oder mich verlässt. Das könnte ich gut verkraften, schließlich liebe ich ihn und will nur, dass er glücklich wird. Ich habe aber Angst davor, dass er umkommen könnte. Dass er überfahren wird, mit dem Flugzeug abstürzt oder einfach einen anderen schrecklichen Unfall hat.

Ich dachte, es würde besser werden, wenn ich mit allen mehr schöne Zeit verbringen würde, aber es ändert nichts.

Ich frage mich, ob es nur mit so geht, ob es noch normal ist oder was ich dagegen tun kann.

Aber eigentlich WILL ich gar nichts dagegen tun, schließlich ist es doch berechtigt sich zu wünschen, dass man seine Mama für immer behalten kann? Ich weiß einfach nicht, was ich ohne sie oder ohne all die anderen Menschen, die ich liebe, machen soll.

Achja: Es ist nicht so, dass ich noch nie einen Menschen verloren hätte und erst jetzt drüber nachdenken würde. Ein Klassenkamerad, meine Uroma, meine eine Oma, mein einer Opa, mein Großonkel, meine Großtante (alles Menschen mit denen ich viel Zeit als Kind verbracht habe) sind alle gestorben als ich ein Kind oder Teenager war (jetzt 21) und ich war auf jeder Beerdigung, aber irgendwie habe ich es damals geschafft damit fertig zu werden.

Antworten
R(yBe


Du leidest HEUTE schon, weil du an Dinge denkst, die in ferner Zukunft passieren KÖNNTEN. Sie werden irgendwann sterben, das ist richtig, aber du wirst das auch eines Tages, vielleicht sogar vor ihnen - wer kann das wissen? Ich sage das nicht, um dir noch mehr angst zu machen, sondern um deine Ängste zu relativieren. Wir müssen begreifen und annehmen, dass wir nicht alles im Leben beeinflussen und kontrollieren können. Es ist nun mal so vorgesehen, dass wir nur begrenzte Zeit auf dieser Erde leben, und wenn du dich so sehr dagegen stemmst, dass du vor Angst nur beim DENKEN daran weinst, dann versäumst du es, JETZT zu leben, und das ist es - das einzige - was du - was wir tun können. Jetzt leben, jetzt lieben. Sei so lieb du nur kannst zu deinen Lieben um dich herum, nutze die Zeit mit ihnen, und du wirst vielleicht spüren, Zeit ist sowieso nur eine Illusion. Liebe bleibt, sie ist unvergänglich. Und selbst wenn wir zurückbleiben, tragen wir sie in unseren Herzen.

S4arahx87


Das klingt nach generalisierter Angststörung und kann schon außerhalb des üblichen Rahmens liegen.

Es geht nicht darum, dass du dir keine Sorgen, um deine Verwandten machst und sie nicht verlieren willst, sondern eher dass du dir darüber nicht ständig Gedanken machen musst. Wenn es dich sehr belastet geh doch mal zu einem Psychotherapeuten. @:)

M7ariKpo8sa0


@ Rye:

Das hast du schön gesagt. Und irgendwie hilft es auch, aber andererseits auch wieder nicht. Manchmal denke ich soweit, dass ich HOFFE, dass ich früher sterbe, damit ich das alles nicht miterleben muss. Aber dann fühle ich mich auch schon wieder schuldig, weil ich das meiner Familie eigentlich nicht antun will, dass sie mich verliert. Als Teenager kam ich mir eigentlich nur vor wie eine Last und als wäre es für alle besser, wenn es mich nie gegeben hätte. Aber dann hat mein Vater an einem Tag, als er zu Besuch war nur geweint, weil meine Schwester versucht hatte sich umzubringen. Ihn so zu sehen und daran zu denken, macht mich richtig fertig.

Wäre dieser blöde Unfall nicht gewesen, würde ich vllt ganz anders denken. Aber meine Mutter so in dem Auto zu sehen als ich dachte, sie wäre tot... ich weiß auch nicht.

Es geht mir auch besser, wenn ich viel schöne Zeit mit meiner Familie verbringe. Ich versuche möglichst wenig zu streiten, aber das funktioniert nicht immer und dabei bin meist nicht ich die, die damit anfängt. Ich habe zudem das Gefühl, dass eigentlich niemand wirklich glücklich ist. Mein Vater wirkt zumindest nie so: Wenn er zu Besuch ist, dann ist er gestresst von der Arbeit oder hat Ärger mit seiner neuen Freundin oder Schmerzen. Meine Mutter ist sowieso immer im Stress, ärgert sich über alles mögliche, hat ziemliche Schmerzen etc. Meine Oma ist viel allein (ich versuche schon möglichst viel bei ihr zu sein, aber das ist während meines Studiums kaum möglich) und hat auch Schmerzen in ihren Armen. Mein Cousin hat sein Studium abgebrochen, weil er mit Depressionen zu kämpfen hat. Meine Tante kam wegen Depressionen nicht zu meinem Geburtstag, meine Schwester als Borderlinerin hat nur selten gute Tage und mein Freund, der wirkt irgendwie nie glücklich, behauptet aber es zu sein. Wie soll ich glücklich sein, wenn es irgendwie sonst keiner ist.

Und wenn ich dann mal alleine bin und mich sehr glücklich fühle, dann schlägt das immer plötzlich in die Panik,Angst,Trauer, was auch immer um. Ich kann es einfach nicht abstellen oder aufhalten. Seit einer Stunde habe ich 2,5 Päckchen Taschentücher aufgebraucht.

Tut mir Leid für die langen Texte, aber ich fühle so viel gleichzeitig und kann das nicht so kurz in Worte fassen. :-(

MLaripo;sxa0


@ Sarah87:

Ich habe schonmal in einer psychotherapeutischen Praxis angerufen, aber da hieß es, ich müsste allein zur Vorstellung ca. 6 Monate warten und für eine richtige regelmäßige Gesprächstherapie müsste ich dann nochmal viel länger warten. Außerdem pendle ich zur Uni ca. 2Stunden früh + 2h abends nach Hause und muss meist von 8-18 Uhr dort sein, weil die Stundenpläne so blöd sind, dazu jede Woche Prüfung und im Sommer Staatsexamen. Da ich sowieso ewig warten muss, warte ich ab, wie die Stundenpläne nach dem Staatsexamen aussehen.

S&arah8x7


Vielleicht würde für eine erste Abklärung auch schon mal die psychologische Studentenberatung reichen? Da hättest du auch keine großen Wege, weil es ja eh schon an der Uni ist. :)

Wäre dieser blöde Unfall nicht gewesen, würde ich vllt ganz anders denken. Aber meine Mutter so in dem Auto zu sehen als ich dachte, sie wäre tot... ich weiß auch nicht.

Musst du eigentlich oft an den Unfall denken? Kriegst du Herzrasen beim Gedanken daran? Hast du Alpträume davon oder kannst nicht aufhören über den Unfall nachzugrübeln? Vermeidest du es Auto zu fahren?

Posttraumatischer Stress ist nicht zu unterschätzen. :)*

MOari3posa0


@ Sarah87:

Ich muss mich mal umgucken, wo es sowas bei uns gibt. Gibt es sowas an jeder Uni? Habe davon nämlich noch nicht gehört.

Also ich denke öfter an den Unfall, eben immer auch, wenn ich Angst habe jemanden zu verlieren. Dann sehe ich immer meine Mutter bewusstlos in dem Auto sitzen. Herzrasen krieg ich nie, ich fange auch nicht an zu schwitzen etc., Alpträume habe ich auch keine. Ich war, wie gesagt, am Anfang nur sehr ängstlich in Autos. Ich habe mich im Auto festgekrallt und gehofft, dass alles gut geht und den Fahrer häufiger kritisiert oder auf eine rote Ampel aufmerksam gemacht und furchtbar genervt. Aber mittlerweile hat es sich gelegt. Ich kann nur im Auto die Augen nicht mehr zu machen. Ich muss immer nach vorne gucken und die Lage kontrollieren, aber nicht bewusst. Es ist mir nur SO unangenehm etwas in meiner Tasche zu suchen oder von der Straße wegzusehen um das Radio einzustellen. Ich selbst fahre gar nicht mehr Auto, weil durch den Unfall ja das Auto einen Totalschaden hatte und meine Mutter noch kein neues Auto gekauft hat.

Seit es da neulich diesen schlimmen Zugunfall gegeben hat, fahre ich aber auch nicht mehr gerne Zug. Und seit dem Flugzeugabsturz letztes Jahr mache ich mir immer Sorgen, wenn mein Freund fliegt (der Absturz letztes Jahr war nämlich genau einen Tag nachdem er mit seinem Vater weggeflogen ist).

Ob es vllt auch z.T. von meinem Studium mitbeeinflusst wird? :[]

pNaraZzellxnuss


@ Mariposa0

Du frägst, ob sich deine Angst auf dein Studium niederschlagen könnte. Ich denke schon. Wenn du nichts dagegen unternimmst, dann könnte dies der Fall sein. Meiner Ansicht nach hast du schon eine generalisierte Angststörung. Es kommt immer auf den Leidensdruck an, den ein Mensch verspürt. Bei dir ist offensichtlich ein größerer Druck vorhanden.

Es gibt Anlaufstellen und Hilfe für solche Fälle. Die erste Hürde hast du ja schon genommen, da du über dein Problem sprichst. In jeder Stadt gibt es ein Sorgentelefon. Die helfen oft gut weiter. Der SPDI hilft auch und die CARITAS hat Anlaufstellen und helfen weiter. Wichtig wäre meiner Meinung, dass du wen hast mit dem du ständig reden kannst und der dir zuhört.

Du hast dich ja schon um psychologische Hilfe bemüht. Das ist gut.

Es kann immer etwas passieren in der Welt. Etwas das mich, oder uns, oder dich betrifft. Das ist eben so in dieser Welt. Aber es kann (und das tut es meistens) auch viel Positives passieren. So wie deiner Mutter: Sie ist mit ein paar Schrammen aus dem Wagen gekommen. Und du auch. Und das ist gut so.

M{aripxosa0


@ parazellnuss:

Ehrlich gesagt nein. Ich frage nicht, ob es sich auf mein Studium auswirkt, sondern ob mein Studium sich DARAUF auswirkt. Ich studiere Medizin und lerne immer mehr was mit dem Körper nicht stimmen kann, ich habe ein halbes Jahr lang an einem toten Menschen herumgeschnitten, was an und für sich kein Problem für mich war. Aber vllt male ich mir immer mehr Horrorszenarien aus, was mit meiner Familie passieren könnte (die sowieso schon genug Krankheiten und Leiden haben) je mehr ich darüber lerne. Ich weiß auch nicht.

Ich kümmere mich mal um diesen Uni-Psychologen oder wie auch immer man das nennt. Mal sehen ob ich da jemanden finde.

Freunde habe ich keine (einen besten Freund, den ich aber nur 3x im Jahr ca. sehe) und ansonsten nur meine Familie und meinen Freund. Mit meinem Freund kann ich über viel reden, aber nicht über alles. Ich weiß, dass was mich besorgt ihm noch mehr zu schaffen macht, weil er denkt, dass er kein guter Freund wäre, wenn er es dann nicht schafft mir die Sorgen zu nehmen.

SfarPah87


Liebe Mariposa,

das wäre natürlich möglich, dass dein Studium dich beeinflusst. Nicht umsonst, fangen Medizinstudenten manchmal an, Krankheiten an sich zu sehen, die sie gerade im Studium durchnehmen und eigentlich gar nicht haben.

Traumatischer Stress kann nach potenziell traumatischen Erlebnissen immer da sein. Das ist erstmal nichts pathologisches, sondern völlig normal. Man ist schreckhafter, denkt häufiger dran, ist gestresster, hat mehr Angst, schläft schlechter usw.

In vielen Fällen vor allem bei so isolierten Ereignissen baut sich das langsam ab, d.h. der Körper/die eigene Psyche heilt sich da faktisch selbst. Erst wenn es nicht besser wird oder man nicht wieder auf den Zustand kommt den man vorher hatte, spricht man von pathologischem posttraumatischen Stress.

Wegen der psychologischen Beratung: Das haben eigentlich wirklich fast alle Universitäten. In manchen Fällen geht es dabei hauptsächlich um eine "Studienfachberatung" die von Psychologen durchgeführt wird, manche bieten auch psychologische Beratung (im Rahmen von ca. 10-20 h) bei außeruniversitären Angelegenheiten durch. Hauptsächlich geht es dabei darum den Studenten zu ermöglichen mit ihrem Studium fertig zu werden, nicht einfach abzubrechen oder aus dem Raster zu fallen bei Problemen. Es ist aber bei jeder Universität ein wenig anders.

In jedem Fall sollte es für dich möglich sein für allermindestens 1-2 h für eine Abklärung dorthin zu gehen, im optimalen Fall sogar für mehr.

Frag am besten mal bei einer administrativen Zentralstelle nach psychologischer Beratung für Studenten, die sollte dir dann weiterhelfen können. :)*

paarlaze1lln`usxs


Jo. Du machst dir zu viele Sorgen. Auch wieder in deinem Antwortpost. Allerdings war meine falsche Annahme bezüglich deiner Frage wegen deines Studiums so falsch auch wieder nicht. Deine Ängste können sich auf das Studium durchaus auswirken, wenn du nichts dagegen unternimmst. Und du brauchst wirklich dringend anderweitige Sozialkontakte. Kontakte die dir erlauben, offen über deine Ängste zu sprechen. Je mehr und je offener du darüber sprichst, desto eher kannst du deine Situation verbessern. Am besten wäre es natürlich, wenn du erst einmal mit deinem Freund oder einer Freundin darüber reden könntest.

MHari5p{osxa0


@ Sarah87:

Danke für deine Hilfe :) Ich werde mich informieren.

M~ariBposxa0


@ parazellnuss:

Wie gesagt, Freundinnen gibt es in meinem Leben nicht. Und allgemein Freunde eben auch nicht, das wollte ich so und bin auch damit ziemlich zufrieden. Ich hab den Kontakt zu allen Schulbekanntschaften abgebrochen und verschwende keine Gedanken mehr an diese Menschen, ich vermisse nichts. Ich war nie jemand, der viel unterwegs gegangen ist. Wenn ich mal was mit Freunden gemacht habe, war ich genervt und hatte keine Lust und wollte möglichst schnell, dass es vorbei ist. Das ist wirklich etwas in meinem Leben worüber ich sehr glücklich bin. Ich verbringe meine Zeit viel lieber mit meinem Freund oder alleine. Ich mach Yoga, lese, lerne, für Freunde hätte ich nicht mal Zeit, weil ich eigentlich das letzte Jahr über nur gelernt habe in meiner Freizeit. Mein Studium kriege ich bisher super hin. Alles bestanden, ich mache mir nur Sorgen um mein Staatsexamen, da es einfach verdammt viel Stoff in verdammt kurzer Zeit ist. Aber irgendwie werde ich das schon geregelt kriegen.

Vllt finde ich ja bei uns an der Uni so einen Psychologen, der sich Zeit für mich nimmt. Alleine werde ich daran nichts ändern können, schätze ich.

S1arqahx87


Ich kenne das! Ich habe auch nur wirklich wenig enge Bezugspersonen und bin gern allein. In Gesellschaft schnell genervt und sehen mich dann nach der nächsten ruhigen Ecke und einem guten Buch. ;-D

Prinzipiell ist das okay, dir fehlen dann aber essenzielle soziale Ressourcen, die in solchen Belastungszeiten Rückhalt geben. Dadurch kannst du anfällig sein. Darüber solltest du dir klar sein.

Mraripo:sax0


Also ich habe diese Beratungsstelle bei uns gefunden. Allerdings liegen die Sprechstunden genau während meiner Praktikumszeit (die verpflichtend für alle Studenten ist) und man muss jede Stunde selbst direkt bezahlen. Vllt fällt mal an einem Tag eine Veranstaltung aus, dann schau ich da mal vorbei.

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