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Der ewige Kampf gegen die Essstörung.

A@squry?na hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

Angeregt von dem Faden zum Thema 'Übergewicht' möchte ich kurz meine eigene Geschichte anreißen. Ich hoffe auf Tipps, Mitstreiter, aufmunternde und mutmachende Worte.....

So lange ich denken kann, habe ich kein normales Verhalten zum Essen. In meinem Elternhaus gab es selten was, weil Zigaretten wichtiger waren. (Das Gejammer über Misshandlungen und Gewalterfahrung lasse ich hier mal weg.) Eine warme Mahlzeit täglich gab es nach der Schule bei der Großmutter. Frühstück und Abendessen fielen aus, entsprechende Mengen gab es beim Mittagessen. Taschengeld ging für Süßkram drauf. Alles, was mir an Essbaren in die Hände fiel, würde gegessen. So nahm ich zu und nahm zu und nahm zu. Sport gab es nicht. Als ich alleine lebte, holte ich alles nach und aß und aß und aß. Und nahm zu..... Bis ich Mitte 20 war und fast so schwer wie in Zentimetern hoch. Ich wollte abnehmen und begann max.. 500 kcal am Tag zu essen. Ein Refeed-Tag pro Woche. Und ich nahm ab. Irgendwann konnte ich nicht mehr, die Disziplin fehlte und ich aß wieder. Ich nahm zu. Ich fing an, das Abendessen zu erbrechen. Das Gewicht stagnierte. Es entwickelte sich zu einer ausgewachsenen Bulimie, die ich über Tage mit Essen und Erbrechen ausleben kann.

Mittlerweile bin ich übrigens fast normalgewichtig, habe mich halbiert, aber einfach keine Kraft mehr, zu hungern oder zu erbrechen. Ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr. Es soll sich nicht mehr alles um Essen drehen. Letzte Woche habe ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und einer Beratungsstelle geschrieben, aber die antworten nicht. Ich habe mir vorgenommen, heute abend weitere Stellen hier im Umkreis zu kontaktieren. Nach fast vier Wochen mit täglich 4-5 Anfällen, hatte ich gestern erstmals wieder einen guten Tag, aber es war hart. Der heutige Tag ist auf dem besten Weg.

Vielen Dank für euer Interesse, falls ihr bis hierhin gelesen habt. Ich habe mich nie jemandem geöffnet, aber vielleicht bietet die Anonymität des Internets ja einen Anfang, der das Ganze erleichtert...

Antworten
AVsur9ynxa


In meiner Stadt gibt es nur diese eine Beratungsstelle, musste ich feststellen. Habe noch einmal geschrieben.

die nächste Stelle ist in der Nachbarstadt, aber irgendwie macht die mir Angst, da sie vorwiegend wohl stoffgebundene Suchtkranke berät. Die Beratung meiner Hochschule erwähnt Essstörungen auch nicht in ihrem Angebot. Alle anderen Stellen sind über 50km weit weg.

Vielleicht ergibt sich ja was bei der städtischen Stelle jetzt.

A+pfe6lwein:82


Bis ich Mitte 20 war und fast so schwer wie in Zentimetern hoch. Ich wollte abnehmen und begann max.. 500 kcal am Tag zu essen. Ein Refeed-Tag pro Woche.

Ein Schwank von einem Extrem ins andere. Das Hauptproblem sind wohl die Umstände die zu diesem Verhalten überhaupt erst führten und um das aufzulösen benötigt es einen Psychotherapeuten.

A>suryxna


Danke, Apfelwein. Darum habe ich mich an die Beratungsstelle gewandt, um einen Anfang zu machen. Diese hat sich aber nach über einer Woche immer noch nicht gemeldet. Finde ich schon ein bisschen frech, aber gut, die haben bestimmt ihre Gründe.

Montag hole ich mir einen Termin bei der anderen Beratungsstelle, obwohl mir die unsympathisch ist. Unsympathisch vor allem deswegen, weil die von der selben Institution geführt wird, in der ich in einer anderen Abteilung ehrenamtlich tätig bin. Habe ein bisschen Angst, da jemand Bekanntem zu begegnen.

Fühle mich im Moment total schlapp und müde, bin aber ein bisschen happy, weil ich die letzten drei Tage drei geregelte Mahlzeiten gegessen und nicht erbrochen habe. Zumindest ein kleiner Anfang.

Ahpfelwzein892


Wenn sich von der Beratungsstelle noch niemand gemeldet hat würde ich nochmals hin schreiben oder besser wäre anrufen. Wenn du dich in der anderen Beratungsstelle nicht wohl fühlst würde ich das lassen. Das ist sicher nicht Sinn und Zweck der Sache. Du solltest dich bestenfalls ja auch gut beraten und aufgehoben fühlen.

Schlapp und müde wirst du vermutlich sein weil der Körper durcheinander ist vom erbrechen vom viel zu wenig essen, das schlägt auf das Herz-Kreislaufsystem, auf den Stoffwechsel...etc. Es wäre dir natürlich zu wünschen wenn die Phasen der geregelten Mahlzeiten länger anhalten und der Körper wieder auf gesunde Weise seine Speicher füllen kann.

Rxye


Klingt nach einem echten Leidensweg, den du da beschreibst.

Eine Beratungsstelle ist bei Bulimie, die zu den härtesten und hartnäckigsten ES gehört, ein Anfang, und Gratulation, dass du den Mut gefunden hast! :)=

Aber was du brauchst, ist mit Sicherheit mehr: eine richtige, lang andauernde therapeutische Hilfe. Bleib am Ball, wenn du es wirklich willst, dass dir endlich geholfen wird, dann findest du irgendwann so etwas.

A:suYrynxa


Naja, ich denke mir irgendwie, wenn die schon auf zwei Emails nicht antworten, wie zuverlässig können die dann sein?! Ich arbeite mit Sozialarbeitern in einem anderen Kontext zusammen und deren oberste Priorität ist der Kontakt mit den Hilfe suchen den. Außerdem will ich denen nicht hinterher rennen, was ein bisschen kindlich trotzig ich, denn schließlich will ich ja was von denen, nicht andersrum.

Naja, ich schaue mir die andere Stelle einfach mal an, wenn die sich zurück melden. Denn an den offenen Sprechstunden muss ich arbeiten. Wobei erstere Beratungsstelle eigene Therapeuten hat, was wohl Wartezeiten extrem verkürzt. Vielleicht Montag doch mal anrufen...

Bin sehr gespannt, was die mir sagen.

A[sBuryxna


Rye, danke für deine Worte. 'Leiden' ist relativ. Ich glaube, vielen anderen erging es schlimmer.

RTye


Das klingt nach Kraft und Hoffnung, Asuryna, und diese Wendung ist schon toll.

Manchmal brauchts mehrere Anläufe, aber wer nicht aufgibt, wird am Ende fündig.

Abs'uxryna


Das ist vor allem eine Einstellung, mit der man durch das Leben kommt, wenn man es denn muss. Stehe auf eigenen Beinen seit ich 14 Jahre jung war und irgendwie musste ich mein Leben ja am Laufen halten. Und jammern bringt ja nix.

Seit einigen Jahren habe ich einen Partner an meiner Seite, der mir immer eine starke Schulter zum Anlehnen bietet. Das ist schon unendlich viel wert. Er weiß auch von meinem Problem, als einziger und versucht mich zu unterstützen, wo es nur geht.

A>sulryna


Hm, also ich bin ja ein bisschen enttäuscht, dass die Beratungsstelle Kontaktaufnahme per Mail wünscht, aber auch auf die zweite Mail nicht reagiert.

Ich nutze Ende der Woche dann die offene Sprechstunde einer anderen Beratungsstelle, damit der Stein endlich ins Rollen gelangt. Wenn sich das zu lange zieht, dann werde ich ungeduldig.

PKowerxPuffi


Ich litt auch jahrelang an einer ES und das, was in den Beratungsstellen gesagt wurde, war nie so wirklich hilfreich. Erst in einer Verhaltenstherapie wurde es besser, ohne, dass es wirklichen Bezug zu meiner Essstörung hatte.

Sie ist lediglich das Symptom eines anderen Problems.

Am besten wendest du dich sofort an einen Therapeuten. Plätze sind rar. Je schneller du dich um einen Platz kümmerst, desto besser ist es.

A>suEryxna


Ich erhoffe mir von der Beratungsstelle in erster Linie, dass die etwas Licht in diesen Nebel bringen - also aufzeigen, welche Möglichkeiten ich habe und wo ich Fragen stellen kann.

Ich habe zB immer wieder gelesen, dass stationäre Therapien bei Bulimie sehr viel erfolgversprechender sind als ambulante Formen. Aber was wäre dann mit dem Job? Wie lange dauert sowas? Wie würde eine ambulante Behandlung laufen? Muss man vllt erst ambulant probieren, bevor man überhaupt stationär gehen kann?

Fragen über Fragen, sicher ist bisher nur: ich habe ein Problem und will da was gegen tun. Kann so nicht mehr und will so nicht mehr.

Tjebi


Hallo Asuryna,

dein Beitrag zur Essstörung hat mich angesprochen, deshalb schreibe ich dir. Mir geht es ähnlich, bin 35 und seit ich 13 bin, habe ich eine Essstörung. Angefangen hat es mit einer Magersucht, dann kamen nach dem ersten Klinikaufenthalt die Essanfälle. Während meines Examens 2008 war ich kurze Zeit leicht übergewichtig, seitdem relativ normalgewichtig, so zwischen 62 und 65 Kilo bei 1,75. Klingt nicht so schlecht, aber ist teuer erkauft. Unter der Woche esse ich wenig bis normal, Freitag und Samstag sind Essanfälle "fest eingeplant", zum Stressabbau, zur "Entspannung" - irgendwie habe ich das Gefühl, darauf angewiesen zu sein und das WE anders nicht zu überstehen. Sonntag und manchmal auch MOntag esse ich dann nichts.

Derzeit frustriert es mich sehr, dass es immer wieder dasselbe Hamsterrad ist, in dem ich mich drehe. Dass so viel Energie (gedanklich, emotional, körperlich) für die Essstörung draufgeht. Diesen Gedanken habe ich auch aus deinen Texten herausgelesen.

Naja. Ich würde gerne mein Essverhalten normalisieren, etwas aufbauen und es dann am Wochenende nicht wieder einreißen. Nur hab ich wenig Hoffnung, das dauerhaft zu schaffen. Aber deshalb gar nicht mal anzufangen, ist natürlich auch keine Lösung.

Wenn du magst, schreib zurück!

Viele Grüße

Tebi

A.sur{yxna


Danke für deinen Beitrag, Tebi. @:)

Ich habe dir privat geantwortet.

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