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Ich bin ein missgünstiger Mensch

Alias 721741 hat die Diskussion gestartet


ich habe lange überlegt ob ich einen Faden zu dem Thema eröffnen soll. Ich schreibe unter einem Alias weil ich mich für meine Gedanken sehr schäme.

Es geht darum, dass ich immer wieder an mir beobachte, dass wenn anderen etwas gutes passiert, sie Erfolg haben oder sonst sich über irgendetwas freuen, ich oft neidisch bin :(v dabei kann es sich um Themen, Bereiche und Sachen handeln die ich zB bereits "erreicht" habe oder auch habe. Beispiel: ich bin seit einem glücklich Jahr verheiratet . Mein Bruder und seine Freundin heiraten nach langen hin und her nach 7 Jahren Beziehung jetzt auch. Auf der einen Seite freue ich mich ehrlich für die beiden, auf der anderen Seite denke ich mir "muss das jetzt sein?!" Und genau für solche Gedanken schäme ich mich und finde sie widerwärtig an mir. Es wurde nie so weit gehen, dass ich diese missgünstigen Gedanken ausspreche oder zeige, aber ich finde es schon schlimm genug, dass ich es meinem Bruder tief in mir drin irgendwo nicht gönne obwohl ich bereits mein Glück gefunden habe und bereits verheiratet bin.

Anderes Beispiel: ich habe einen sehr starken kinderwunsch (mein Partner könnte theoretisch nach 1-2 Jahre warten, aber ich will so schnell wie möglich ein Kind)

Meine beste Freundin ist jetzt schwanger und ich Fieber mit ihr mit und freu mich und alles . Aber eine fiese kleine Stimme in mir sagt "das hätte ich auch gerne" ich missgönne es ihr also auch wieder. Das gleiche war als mein Bruder und seine Freundin sagten, dass Kinder jetzt doch bei Ihnen evtl ein Thema wird. Er wollte jahrelang keine Kinder und mir tat seine Freundin leid, weil ich wusste dass sie unbedingt ein Kind will.

Jetzt wo es ein Thema wird, kann ich mich auf einmal nicht für sie freuen und beneide sie.

Was ist nur los mit mir ??? Ich hasse diese Gedanken und Gefühle. Wie kann ich diese Gedanken anstellen? Die machen mich zu einem schlechten und missgünstigen Menschen und das will ich nicht sein :|N

Antworten
L,aRuc}olxa


Ich denke, die Motivation hinter solchen missgünstigen Gefühlen bzw. dem hemlichen Wunsch, dem anderen möge es etwas schlechter gehen, ist ein eigener Schmerz, und das Gefühl, dass man nicht so gerne alleine mit dem eigenen Elend sein will. Wenns einen schlecht geht ist das schon mies, aber wenns dann auch noch allen anderen gut geht und man quasi der einzige ist, der leidet, ist das wirklich fürchterlich.

In Dir ist also sicherlich irgendein seelisches Leiden oder eine massive Unzufriedenheit. Vielleicht eine tiefe Kränkung in der Vergangenheit oder Kindheit, die immer und immer wieder für miese Gefühle sorgt, egal wie unangemessen die sein mögen (wo es Dir an sich ja gut zu gehen scheint).

Also, finde heraus, was die Quelle all dessen ist, dann kannst Du daran arbeiten.

kxrankgQemdelxdet


Liebe Alias,

ich finde das ganz normal und mir geht es nicht anders.

LaRucola hat es schon schön erklärt, warum es so ist.

Du brauchst Dich da auch nicht widerwärtig zu fühlen.

Kannst diese Eigenschaft ruhig an Dir akzeptieren.

Ein Mensch hat ein Recht auch auf unschöne Eigenschaften. Das ist normal.

Und ich finde es ehrlich von Dir, es zuzugeben.

Strange finde ich ehr diese Leute, die sagen und sich in Tasche lügen: "Nein, also Neid kenne ich ja GAR nicht...ich gönne den anderen immer alles von Herzen, auch wenn ich mit beiden Beinen im Sumpf stecke..."

Solche Leute sind mMn verlogen.

ZPi1tronUex86


Ich finde deine aufgezählten Beispiele haben mit Missgunst nichts zu tun. Im ersten Fall klingt es so als würdest du dir einfach Gedanken machen ob eine Hochzeit bei deinem Bruder "nach langem hin und her" die richtige Entscheidung ist. Also eher Zweifel.

Und im zweiten Beispiel ist es einfach Neid auf etwas was du gerne willst aber im Moment nicht hast. Finde ich auch relativ normal. Du schreibst ja dass du dich auf der einen Seite auch für beide freust...

Das hat mit Missgunst in den beiden Situationen so wie du sie beschreibst nicht so viel zu tun ;-)

LgaRukcola


Also mir gehts auch oft so.. klar versuche ich mich, mein Handeln nicht von sowas bestimmen zu lassen, aber hin und wieder eine gewisse emotionale Erleichterung, wenns wem anders eher doof als gut geht, kenne ich auch. Man kann das nur als Gradmesser für die eigene Zufriedenheit betrachtet, oder auch die Art, wie man die eigene Situation bewertet.

von Hirschhausen hat mal gesagt, der einfachste Weg zum glücklich sein wäre Dankbarkeit. Das hilft hier in der Tat auch. Sich bewusst machen, wofür man dem Leben dankbar sein kann.

C#omEraxn


Du scheinst dich über Vergleiche zu definieren. Das tun Menschen beiderlei Geschlecht mal mehr mal weniger. Das kann im Konsumsinne passieren (eher bei Männern zu finden), wie z.B. die hochwertigere Wohnungseinrichtung, das bessere Auto, das größere TV usw.. Aber auch im gesellschaftlichen Sinne, wie z.B. Familiengefüge, Größe des Freundeskreis, angesagte Accessoires und Mode. Letzteres können meist Frauen besser.

Eine Standortanalyse, wo man steht, macht eigentlich jeder Mensch. Nicht insgesamt, sondern für zig Attribute. Unbewusst, hierzu gab es mal einen schönen Faden, warum Menschen vergleichen. Es gibt Menschen, die sind total entspannt, wenn sie sich in paar Punkten im hinteren Drittel befinden, weil ja nicht alles jedem gleich wichtig ist. Wichtig ist, dass man selbst zufrieden ist - nicht, dass man seinen Nachbarn toppt.

Und da ist der Ansatz, der dich wohl irgendwie beißt und von hinten an deinen Kopf klopft. Es reicht dir nicht, zufrieden zu sein. Es gefällt dir, zu führen, damit dein Umfeld deine Zufriedenheit auch merkt. Es ist dir nicht genug, glücklich in einer stabilen Beziehung verheiratet zu sein. Wenn das andere Menschen in deinem Umfeld auch tun, verlierst du die exponierte Position und dein Zustand wird zum gewöhnlichen Mainstream. Genauso der Kinderwunsch. Offenbar kommst du besser damit klar, dass dein Partner noch bisschen warten kann, als dass andere hier vorpreschen und dich überholen.

Wie stellt man so was ab? Kümmere dich mehr um dich als um andere. Werde achtsamer und nicht so getrieben. Das Leben ist kein Wettstreit, sondern jeder schmiedet sich sein Glück. Vor allem merkt man diese Art unterdrückten Neids doch irgendwie unterschwellig an, was schlimmstenfalls das Miteinander belastet, Freundschaften zerstört und dich einsam machen kann. Es wird immer jemanden geben, der dir was voraus hat. Das Leben ist kein Wettstreit - wenn du das akzeptieren kannst, wirst du auch mehr Gelassenheit finden und zu deinem persönlichen Glücksbewusstsein zurückkehren.

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