» »

Ich habe Angst

W>inte'rwibnd hat die Diskussion gestartet


Hallo...

Es fällt mir sehr schwer, das hier niederzuschreiben, aber ich muss es endlich einmal aussprechen...

Ich bin vor knapp zehn Jahren plötzlich erkrankt und nun schwer behindert, so dass ich meine schulische Laufbahn kurz vor dem Abitur komplett abbrechen musste und heute - ich bin nun 25 - völlig ans Haus gebunden bin.

Ich bin vollkommen auf die Hilfe meiner Mutter angewiesen. Sie sorgt für mich und hilft mir bei den alltäglichen Tätigkeiten, wo es nötig ist (Aufstehen, Essen usw.).

Zu Anfang meiner Krankheit war ich natürlich sehr traurig darüber, dass mein Leben sich mir plötzlich so perspektivlos darstellte. Ich konnte nicht verstehen, warum sich alle Türen vor mir schlossen und sich keine neuen öffneten, egal, wie sehr ich mich auch anstrengte.

Doch in letzter Zeit habe ich einfach eine schreckliche Angst und da mir in meinem Alltag nichts Postives widerfährt, verschlimmert sich diese immer mehr.

Ich habe fürchte mich schrecklich davor, dass meiner Mutter etwas Schlimmes passiert, dass sie krank werden könnte oder Ähnliches. Ich habe Angst, wenn sie zur Arbeit geht oder sie mal etwas später nach Hause kommt.

Ich habe Angst, wenn sie Bauchschmerzen hat (ihre Mutter hatte Darmkrebs) oder sie mal etwas vergisst (sie ist 63 und sowohl ihre Mutter als auch ihre Großmutter litten an Demenz).

Letzten Herbst war sie dann wirklich krank und lag für kurze Zeit im Krankenhaus. Seitdem ist es noch schlimmer geworden; ich bin ständig in Panik. Wenn ich kurz einnicke, wache ich oft schreiend auf. Sie fragt dann, was denn los war, und ich kann ihr nicht darauf antworten.Zum Einen möchte ihr nicht noch mehr aufbürden, als sie ohnehin schon zu tragen hat. Es schmerzt mich, dass ich keine normale Tochter sein konnte, die selbstständig ist und ihre Mutter unterstützt (nicht andersherum) und ich kann mir kaum vorstellen, wie das für sie sein muss, vor allem wenn sie die Kinder ihrer Bekannten sieht, die alle nützliche Mitglieder der Gesellschaft sind.

Zum Anderen weiß ich, rein logisch betrachtet, dass es nicht normal ist, dass ich mich so ängstige.

Ich weiß bloß nicht, was ich dagegen tun soll.

Ich versuche, mich bewusst auf andere Dinge zu konzentrieren, die Gedankenstopp-Technik anzuwenden oder an etwas Positives zu denken. Aber es funktioniert einfach nicht... Meine Mutter sagt immer, man müsse heutzutage trotz widrigster Umstände zufrieden sein, wenn man ein Dach über dem Kopf und genügend Nahrungsmittel hat und das ist sicherlich wahr, aber - auch auf die Gefahr hin, schrecklich egozentrisch zu klingen - es ist doch irgendwie nicht genug, um mich von meinen kreisenden Gedanken abzulenken.

Ich habe eine unglaubliche Angst davor, sie zu verlieren, meine einzige Bezugsperson, oder mitansehen zu müssen, dass es ihr schlecht geht. Ich hoffe ständig, nicht mehr lange genug zu leben, um dies zu erleben. Ich weiß, dass auch das ichbezogen und gemein klingt, aber ich kann es nicht anders ausdrücken...

Es tut mir Leid, dass ich eine solche Litanei geschrieben habe..

Antworten
LBaRDucolxa


Vielleicht wärs besser Du würdest doch ein wenig selbständiger im Leben werden.. z.B. vielleicht durch einen Umzug in eine betreute WG.

R3acixsa


Ich würde mich LaRucolas Vorschlag anschließen. Vielleicht wäre eine andere Lebenssituation, die nicht nur von deiner Mutter abhängig ist, sinnvoll.

Außerdem scheint die Situation für dich ja schon so belastend zu sein, dass du dir professionelle Hilfe dafür suchen solltest. Ein Therapeut könnte dir sicher mit der Angstbewältigung helfen und dir praktische Tipps geben, wie du dich in solchen Situationen aus der Panik holen kannst.

pJaraTz#ellnxuss


Hallo Winterwind. Melde dich doch mal beim örtlichen SPDI - Sozialpsychiatrischer Dienst-

Die helfen in solchen Situationen sehr gut. Vor allen Dingen helfen sie dir und wenn nötig deiner Mutter. Also der Gesamtsituation. Die sind auch psychologisch geschult. Die können dir bei deinen Ängsten gut helfen und auch weiterführende Ideen unterstützend verfolgen.

m5usi2cus_6x5


ich bin ständig in Panik. Wenn ich kurz einnicke, wache ich oft schreiend auf.

Das ist schon ziemlich extrem... Ein Zusammenhang mit der schwierigen Lebenssituation ist zu vermuten, aber das muss keineswegs die einzige Ursache sein.

Du schriebst im Oktober 2012, daß Du dich mehr oder weniger vegan ernährst (und daß die Einnahme eines bestimmten Vitamin-B-Präparats erhebliche negative Effekte hatte). Ich weiß nun nicht, wie Deine Ernährung in den letzten Jahren aussah. Fakt ist aber, dass vegane Ernährung zu einem erheblichen Mangel an Vitamin B12 führen kann, und dieser kann sich negativ auf die Psyche und das Nervensystem auswirken. [[www.vitaminb12.de/mangel/symptome Symptome des B12-Mangels]]

Um B12-Mangel festzustellen, sollte vor allem der Blutwert [[http://www.medical-tribune.de/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/b12-im-labor-wertlos.html Holo-TC]] geprüft werden.

Ebenfalls häufig ist Vitamin-D-Mangel. Sollte ggfs. auch gecheckt werden. (Diverse Studien weisen auf mögliche Zusammenhänge mit psych. Problemen hin.)

C~omrxan


Hallo Winterwind! Ich möchte dich wie LaRucola schon schrieb ebenfalls darin bestärken, selbständiger zu werden und damit dich unabhängiger zu machen und deine Mutter zu entlasten. Du bist vor einigen Jahren erkrankt, als du gerade deine Teenager-Zeit beendet hattest. Während andere draußen ihre ersten Schritte als erwachsene Menschen machen konnten, bist du leider aus dem Zuständigkeitsbereich deines Elternhauses nicht herausgekommen. Die Krankheit ist sicherlich tragisch, aber die Nebenwirkungen deines eingeschränkten Soziallebens sind vermeidbar. Du musst es nur etwas schwerer lernen als andere, die sich ohne fremde Hilfe durchs Leben bewegen. Dafür gibt es aber Experten und Hausarzt oder sozialmedizinischer Dienst sind deine Ansprechpartner, die dir Kontakte herstellen können und dich beraten können. Auch Kontakt zu anderen Betroffenen über Selbsthilfegruppen (vielleicht erst mal online?) kann hilfreich sein, dass du dich mit ihnen austauschst und Tipps bekommst.

Wenn du mehr Vertrauen in ein eigenständigeres Leben bekommst, dann wird das dir psychisch auch gut tun. Und so verbunden eine Pflege innerhalb der Familie ist, eine institutionelle Unterstützung kann professioneller arbeiten und du musst dir keine Gedanken machen, wenn da jemand Bauchschmerzen bekommt oder mal was vergisst. Deiner Mutter wird das auch gut tun, sie wird mehr Energie für ihr Leben aufbringen können und davon sicherlich einen Teil zurückgeben (durch regelmäßige Besuche, Erledigungen usw..).

EMhemaligjer Nutzxer (#538913)


Hallo Winterwind,

du erzählst fast 1 zu 1 meine Lebensgeschichte; es war gerade ziemlich seltsam, das alles zu lesen.

Ich bin zwar einige Jährchen älter als du, aber ansonsten ist bei uns fast alles identisch abgelaufen. Ich bin auch noch während der Schulzeit, vor dem Abi, krank geworden, musste die Schule abbrechen und durch immer weitere Folgeerkrankungen und auch psychische Probleme bin ich nie mehr richtig auf die Beine gekommen. Psychisch geht es mir nun seit ein paar Jahren gut, aber die körperlichen Erkrankungen sind nicht in den Griff zu bekommen, ich bin austherapiert.

Seit ca. einem Jahr bin ich nun zu 90% bettlägerig, schlafe viel, brauche die Ruhe auch. Ich stehe nur noch für die "Aktionen" im Bad auf, für alles andere fehlt mir die Kraft.

Ich habe auch nur meine Mutter und ja, es macht Angst, dass dem einzigen Menschen, den man hat, auf den man angewiesen ist, etwas passieren könnte. Sie ist nicht mehr die Jüngste, hat auch ein paar kleine Erkrankungen (nichts Dramatisches, aber wer weiß, wie es sich noch entwickelt). Es fühlt sich für mich an wie auf einem Pulverfass zu sitzen, mein (Über-)Leben ist komplett von ihrem abhängig, auch finanziell. Diese Angst, dass ihr etwas passiert, begleitet mich jedenfalls schon eine ganze Weile. Je älter ich werde (und sie wird), desto schlimmer wird es - eigentlich logisch.

Für mich ist das so auf Dauer auch nicht mehr möglich fortzuführen, rein emotional. Ich war immer sehr selbständig (solange es mir noch möglich war) und ich bin jemand, der die Unabhängigkeit und Freiheit so sehr liebt und jetzt schmerzlich vermisst und diese ständige Angst und Unsicherheit in Hinblick auf die Zukunft, frisst mich immer mehr auf. Hinzu kommt natürlich, dass ich merke, wie sehr ich meiner Mutter oft zur Last falle und sie selbstverständlich gerne ihr eigenes Leben hätte. Da sich bei mir gesundheitlich nichts mehr verbessern wird, bin ich vor ein paar Jahren Mitglied in einem Sterbehilfe-Verein geworden. Leider habe ich nur den Zeitpunkt verpasst, mir auf diese Weise helfen zu lassen, da es ja nun leider seit kurzem das neue Gesetz gibt. Allerdings läuft eine Verfassungsklage (gegen das Gesetz), mal sehen, wie das ausgeht. So sieht zumindest langfristig mein Plan aus. Ich finde mein Leben einfach grundsätzlich nicht mehr lebenswert, ob nun mit oder ohne meine Mutter.

Irgendwelche tollen Tipps habe ich leider nicht für dich, aber ich wollte dich gerne wissen lassen, dass es jemanden gibt, der in einer ähnlich misslichen Lage steckt wie du.

Ganz liebe Grüße an dich @:)

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH