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Borderline und Depression

eospta1 hat die Diskussion gestartet


Ich habe 3 Therapien und einen Klinikaufenthalt hinter mir, momentan bin ich in der vierten Therapie. In meinen Therapien ist viel schief gelaufen. Da ich auch viele Psychologiebücher lese um mir selbst zu helfen, wurde mir in den letzten 2 Jahren immer deutlicher das ich eine Borderline-Störung habe, was mir mein Therapeut auch bestätigt hat.

Jetzt bin ich Mitte 40 und in meinem Leben ist so viel schiefgelaufen, besonders im zwischenmenschlichen Bereich, viele Freunde verloren oder selbst Kontakte abgebrochen. Meine Depression ist inzwischen chronisch.

Zum einen bin ich so frustriert darüber das ich die Diagnose nicht früher bekommen habe, dann hätte ich mir vielleicht schon eher selbst helfen können und wer nicht immer wieder in die gleichen Lebensfallen getappt. Und langsam lässt meine Kraft auch immer mehr nach, diese ewige Kämpferei macht mich fertig.

Vielleicht habt Ihr ja noch mal Lust Euch mit mir über Borderline auszutauschen oder habt Tipps, über ein geeignetes Forum oder alles Mögliche was das Thema so hergibt.

Danke fürs Lesen @:) !

Antworten
Fjizzl2ypu3zzxly


Ich habe vorerst eine Frage: Wenn Du schon 3 Therapien gemacht hast und jetzt in der vierten bist, welche Diagnosen wurden zuvor gestellt? Wieso hast Du die Diagnose Borderline gestellt und nicht der Therapeut?

Ich hatte über eine längere Zeit Kontakt mit einer an Borderline erkrankten Person. Diese Menschen sind zeitweise überaus liebenswert in ihrer Art, und werden dann unglaublich anstrengend. Ist das bei dir auch der Fall?

Wenn Du magst, tausche ich mich hier gerne mit dir aus.

enstxa1


Ich habe vorerst eine Frage: Wenn Du schon 3 Therapien gemacht hast und jetzt in der vierten bist, welche Diagnosen wurden zuvor gestellt?

In der ersten Therapie hieß es "Persönlichkeitsstörung", damals konnte ich damit nichts anfangen das Internet war damals auch noch nicht so aussagekräftig, die Therapie habe ich abgebrochen.

Ansonsten ging es um meine Depression und die vielen psychosomatischen Probleme (Magenschmerzen, Stimme weg) die ich hatte und mein nicht vorhandenes Selbstwertgefühl . Die Therapeuten haben aber auch mit mir nie konkret über die Diagnose gesprochen und ich habe mir damals nicht getraut zu fragen. An Borderline habe ich nie gedacht, weil ich das immer mit ritzen in Verbindung gebracht habe, das mache ich nicht.

Wieso hast Du die Diagnose Borderline gestellt und nicht der Therapeut?

:-D Ich habe nicht die Diagnose gestellt, ich habe nur beim Lesen von solchen Büchern gedacht, krass wie sehr das auf mich zutrifft, das war aber nur so für mich, innerlich. Der Therapeut hat dann die Diagnose gestellt, unabhängig von meinen Gedanken.

Ich hatte über eine längere Zeit Kontakt mit einer an Borderline erkrankten Person. Diese Menschen sind zeitweise überaus liebenswert in ihrer Art, und werden dann unglaublich anstrengend. Ist das bei dir auch der Fall?

Ja, aber ich habe auch schon dazu gelernt. Wenn die anderen meine anstrengenden Phasen überstehen und dem nicht soviel beimessen, kann ich dann auch wieder sehr liebenswert werden längerfristig, weil ich einmal akzeptiert wurde. Aber oft ist es so das das Gegenüber nicht vergisst, das ich auch schnell mal ausflippen kann und dann wird mir das schon vorher unterstellt und dann bin ich angepisst, naja eins führt zum anderen...

F!izzzSlypduzzxly


und dann wird mir das schon vorher unterstellt und dann bin ich angepisst

Hast Du ihnen denn genau erklärt, wie sich Borderline bemerkbar macht/machen kann?

Wer nicht direkt oder indirekt davon betroffen ist, kaum oder keine Erfahrungen damit hat, kann auf Dauer damit auch nicht umgehen. Was wird dir denn schon vorher unterstellt?


Das Du dich angepisst fühlst, ok. Ist mMn aber der härtere Weg, den Du für dich dadurch gehst. Erwartest Du das jeder auf dich Rücksicht zu nehmen hat, oder fragst Du auch mal wie sich gerade dein Gegenüber fühlt?

Oftmals nehmen Menschen in länger andauernden schwierigen Situationen, andere Menschen in ihrem Alltag und in deren eigenen Problematik nicht mehr wahr. So habe ich es jedenfalls für mich erlebt und mich deshalb von diesem Menschen getrennt. Sonst wäre ich nicht mehr auf die Beine gekommen.

e6sIta1


Erwartest Du das jeder auf dich Rücksicht zu nehmen hat, oder fragst Du auch mal wie sich gerade dein Gegenüber fühlt?

Also ich versuche mich in die andere Person einzufühlen, ich entschuldige mich auch, wenn ich mal über das Ziel schieße. Ich glaube das Problem ist das die anderen mein Verhalten nicht einordnen können, ich kann es ja manchmal selber nicht. Beispiel: Neulich war ein Kumpel bei mir, er hat die ganze Zeit rumgeeiert, bis ich geschnallt habe was er wollte. Er wollte sich etwas ausleihen von mir. Ich habe dann zu ihm gesagt, warum fragst Du nicht einfach direkt, ist doch kein Problem ich leihe Dir das. Da meinte er das hätte er sich nicht getraut, weil wenn man mich etwas fragt, müsste man auch die Antwort aushalten können. Da war ich baff, warum sollte ich ausflippen, weil mich jemand was direkt fragt ???

Oftmals nehmen Menschen in länger andauernden schwierigen Situationen, andere Menschen in ihrem Alltag und in deren eigenen Problematik nicht mehr wahr.

Im Alltag höre ich mir oft die Probleme von anderen an, ich erzähle von mir selbst selten etwas. Das mit der Borderline-Störung habe ich noch niemanden erzählt. Ich will mich da auch nicht in so eine Ecke zwängen lassen. Meine Depression verstehen auch nur Leute die das selber kennen.

FXizzl+ypu4zxzly


Da war ich baff

Wäre ich auch gewesen. Mein Motto: Klare Frage, klare Antwort. Damit scheint der Kumpel wohl Probleme zu haben. Für dich würde ich dir raten, diese Situation nochmal zu "überprüfen". Villt steckt ja ein Körnchen Wahrheit drin. Anders gesagt, Du hast die Möglichkeit evtl. durch diese Situationen etwas für dich zu verändern. Denn in der Therapie begleitet uns der Therapeut durch die Stunde. Umsetzen können und sollten wir das im Alltag.

Im Alltag höre ich mir oft die Probleme von anderen an

Das ist ok und gehört auch dazu. Allerdings solltest Du - in deinem Interesse - darauf achten, dass Du mit deren Problematik nicht überrollt wirst.

Das mit der Borderline-Störung habe ich noch niemanden erzählt

Verständlich, auch weil es oftmals ohne darüber nachzudenken von einigen, aus welchen Gründen auch immer einfach mal so raus posaunt wird. Wenn sie es nicht wissen, führt das u.U. aber auch zu Irritationen aufgrund deines Verhaltens.

Hast Du denn jemanden, dem Du dich anvertrauen würdest?

Wenn nicht, denke ich, wirst Du wohl mit deinen Reaktionen und den Gegenreaktionen erst mal alleine klar kommen müssen, und die Situationen so akzeptieren wie sie sind. Im Moment fällt mir nichts Besseres ein.

vKaamp2x8


Hallo :)

Das ist nicht schön, erst Jahre später die richtige Diagnose gestellt zu bekommen. Ich kenne das auch, aber mit einer anderen Diagnose. Ich hätte viel früher mich besser verstehen können und besser therapiert werden können. Unter anderen hab ich auch die Borderlinestörung. Vielleicht wäre die DBT Therapie etwas für dich. Nicht jedem hilft diese Therapie, aber es ist eine extra Behandlung gegen Persönlichkeitsstörungen. Man lernt besser mit seinem Problemverhalten umzugehen, Skills einzusetzen usw.

Mir selbst hat die Therapie jetzt nicht so geholfen, das lag aber daran, das bei mir mehr die PTBS und die Dissoziative Störungen ausgeprägt sind und langfristig finde ich die DBT auch nicht sehr hilfreich. Da sie eben nur am Verhalten arbeitet, aber nicht zum Ursprung des Problems geht. Solange nicht die Ursache behandelt wird, wird es immer wieder zu Rückfällen kommen. Da hilft langfristig nur eine Traumatherapie, ist eben meine Meinung.

Ich hab auch jahrelang nur DBT oder Stabilisierung gemacht, hatte mehr Krisenaufenthalte in Krankenhäuser, DBT Stationär und ambulant. Im Endeffekt hat es mich nicht weiter gebracht, es hat mich immer nur auf einen Level gehalten. Erst jetzt durch die ambulante Traumatherapie mache ich langsam Fortschritte. Aber es wird noch sehr lange dauern, bis ich die Trauma Konfrontation machen kann. Bei mir hat sich eben auch vieles chronifiziert und alles ist doch komplexer als man dachte. Daher starte ich quasi bei null.

Es ärgert mich auch sehr, dass kein Therapeut oder Psychiater da näher hingeschaut hatte, was eigentlich los ist mit mir. Hätte früher jemand mal eine viel genauere Diagnostik gemacht, sowie meine jetzige Therapeutin, hätte man mir viel früher helfen können. :|N Bei mir hat es jetzt natürlich nicht so lange gedauert wie bei dir, aber es ägert einen trotzdem um die verschwendeten Jahre. >:(

Aber besser spät als nie...ist zwar kein Trost, aber naja. Ich hoffe du wirst jetzt richtig behandelt und lernst damit besser umzugehen. Was macht denn dein Therapeut mit dir für eine Therapie? Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologische Fundierte Therapie?

Lg Vamp28

e_sta1


Fizzlypussy

Damit scheint der Kumpel wohl Probleme zu haben. Für dich würde ich dir raten, diese Situation nochmal zu "überprüfen".

Ich habe es für mich dann so gedeutet, das die Leute mein Verhalten nicht verstehen und es dann auch zu Fehl-Interpretationen kommt.

Allerdings solltest Du - in deinem Interesse - darauf achten, dass Du mit deren Problematik nicht überrollt wirst.

Ich ziehe mich dann meistens zurück, das führt wieder zu Einsamkeit...naja blöder Kreislauf.

Im Moment fällt mir nichts Besseres ein.

Danke für den Austausch, hat mir irgendwie gut getan :)z .

vamp28

Es ärgert mich auch sehr, dass kein Therapeut oder Psychiater da näher hingeschaut hatte, was eigentlich los ist mit mir. Hätte früher jemand mal eine viel genauere Diagnostik gemacht, sowie meine jetzige Therapeutin, hätte man mir viel früher helfen können. :|N Bei mir hat es jetzt natürlich nicht so lange gedauert wie bei dir, aber es ägert einen trotzdem um die verschwendeten Jahre. >:(

Es tut so gut zu lesen, dass das mal jemand versteht. In meiner Selbsthilfegruppe (ich gehe nicht mehr hin), kamen so Sachen wie: "Du kannst es ja jetzt nicht mehr ändern", "Therapeuten sind auch nur Menschen". Das stimmt natürlich auch, aber mich ärgert es doch auch sehr, zumal ich mich immer verändern wollte, nur nie wusste wie, was und warum. Einer von den Therapeuten der mir eher geschadet hat, als geholfen hat, hat sogar noch gejammert wie wenig Geld er verdient. Da fragt man sich doch echt, erfüllt nicht mal seine Aufgabe und jammert noch die Patienten voll.

(PS.: Ich habe auch nette und kompetente Therapeuten erlebt ;-) )

e.stax1


Vamp28

Vielleicht wäre die DBT Therapie etwas für dich. Nicht jedem hilft diese Therapie, aber es ist eine extra Behandlung gegen Persönlichkeitsstörungen. Man lernt besser mit seinem Problemverhalten umzugehen, Skills einzusetzen usw.

Die hat mir mein Therapeut nahe gelegt. Und vor paar Jahren wäre das sicher für mich ne gute Sache gewesen, aber im Moment will ich das nicht.

Ich verletzte mich auch nicht selbst. Ich hatte eher Probleme mit Alkohol, habe aber aufgehört mit dem Trinken. Und 3 Monate auf der Arbeit fehlen möchte ich auch nicht.

v\am^p2D8


Die DBT Therapie kann man auch ambulant machen, zusätzlich mit ambulanten Skillsgruppen. Alkohol trinken im übertriebenen maßen gehört auch zum Selbstschädigendem Verhalten dazu. SVV ist nicht nur sich Wunden hinzufügen, sondern auch andere Dinge die einen Selbstschädigen zutun. Z.B. Hungern, sich absichtlich übergeben, Medikamentenmissbrauch, Drogen, Schlafentzug, Riskantes Verhalten z.B. im Straßenverkehr oder im Intimleben usw. Also waren nur ein paar Beispiele. Ich denke es wäre schon hilfreich für dich es auszuprobieren. :)^

FOi0zzlynpuxzzly


Ich ziehe mich dann meistens zurück, das führt wieder zu Einsamkeit

Bist/fühlst Du dich einsam oder allein?

Mir wurde diese Frage während einer Therapie gestellt. Es dauerte ziemlich lange, bis ich das für mich klären konnte. Einsam war ich als Kind und in meiner 1. Ehe. Einsam und alleine, weil ich niemanden um mich hatte nach meinem völligen Zusammenbruch. Irgendwann erkannte ich den Unterschied. Grund: Aus Angst nirgendwo mehr dazu zu gehören, dann habe ich ja niemanden mehr, habe ich mich lieber mit Menschen umgeben, die nicht gut für mich waren. Nach einem radikalen Schritt von meiner Seite war ich nicht mehr einsam. Alleine ja, aber das für mich zu erkennen und auch zu fühlen war umwerfend, und von diesem Augenblick an ging es mir besser.

Zu deiner Abnabelung von der Selbsthilfegruppe, Therapeuten kann ich nur sagen :)^ .Mir ist es auch so ergangen, ich fühlte mich ständig ausgegrenzt. Da war ich doch lieber alleine.

FCizzl*ypRuzzxly


ausgegrenzt = :|N , ausgebremst ist hier richtig :)D

e:sxta1


Mir wurde diese Frage während einer Therapie gestellt. Es dauerte ziemlich lange, bis ich das für mich klären konnte. Einsam war ich als Kind und in meiner 1. Ehe. Einsam und alleine, weil ich niemanden um mich hatte nach meinem völligen Zusammenbruch. Irgendwann erkannte ich den Unterschied. Grund: Aus Angst nirgendwo mehr dazu zu gehören, dann habe ich ja niemanden mehr, habe ich mich lieber mit Menschen umgeben, die nicht gut für mich waren. Nach einem radikalen Schritt von meiner Seite war ich nicht mehr einsam. Alleine ja, aber das für mich zu erkennen und auch zu fühlen war umwerfend, und von diesem Augenblick an ging es mir besser.

Zu deiner Abnabelung von der Selbsthilfegruppe, Therapeuten kann ich nur sagen :)^ .Mir ist es auch so ergangen, ich fühlte mich ständig ausgegrenzt. Da war ich doch lieber alleine.

Ja genauso kenne ich das auch! Ich bin auch lieber alleine, als einsam unter Menschen. Aber ich merke halt das so immer nur Energie herausgeht, weil auf Arbeit muss man ja auch gute Mine machen und nie Energie herein kommt. Und ja ich wünsche mir manchmal Menschen mit denen ich auf einer Wellenlänge bin, aber kann man natürlich nichts erzwingen. Geht es Dir nicht so, das Du den Wunsch nach Menschen hast die Dir gut tun?

F6izzPlypxuzzly


Geht es Dir nicht so, das Du den Wunsch nach Menschen hast die Dir gut tun?

Na klar. Ich habe diese Menschen auch gefunden, sogar eine sehr gute Freundin ist dabei. Diese Freundschaft hält schon über 10 Jahre, mit einer Unterbrechung von ca 1 Jahr. Danach hatte ich ihr auch gesagt, warum die Trennung für mich wichtig war. Vorher verstand sie immer nur Bahnhof, aufgrund ihrer Situation. Nach Klärung vor zwei Jahren funktioniert das wieder. Halt wie im richtigen Leben - ein auf und ab. Über meine Therapie habe ich gelernt, wie wichtig das für mich ist. Das ich jetzt diese Menschen um mich habe war ein langer, harter Weg, weil zuerst musste/wollte ich begreifen was mit mir nicht stimmte. Deshalb auch der radikale Schnitt meinerseits. Auf meinem Weg konnte ich kein - stell dich nicht so an, mich mit deren Problematik auch noch befassen usw. - nicht gebrauchen. War zur damaligen Zeit in der Situation meine beste Entscheidung .... für mich.


Schau mal, was für dich im Momemt am wichtigsten ist und ob Du dich damit gut fühlst. Niemand muss gleich radikale Entscheidungen treffen, kleine Schritte tun es auch.

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