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Hilfe, mein Bruder ist Schizophren!

G`lüc3ksbGärch/i12 hat die Diskussion gestartet


Ich weiß gar nicht, ob ich hier richtig bin, aber ich hoffe es kann mir jemand helfen.

Hallo, mein Bruder ist 33 Jahre und Schizophren. Ich weiß das, meine Mama weiß das,meine Schwester weiß das, eigentlich jeder. Nur er nicht.

Er fühlt sich verfolgt, jeder der ihn anguckt will etwas von ihm und am schlimmsten ist es mit der Nachbarin, denn die ist nicht allen schuld. Seiner Meinung nach, hetzt sie jeden auf ihn und beschlauscht ihn. Er hat das Gefühl, dass sie in der Nacht extra Lärm macht, damit er nicht schlafen kann und harmlose Jugendliche, die unten vor dem Haus stehen und miteinander reden, sind da um ihn zu belauschen.

Dies geht schon seit ein paar Jahren so, aber wurde die letzten Monate erst richtig schlimm. Meine Mutter ist für ihn die einzige, die noch übrig geblieben ist. Jeder hat sich von ihm abgewendet, weil dieser Verfolgungswahn Ausmaße genommen hat. Meine Schwester und er verstehen sich nicht. Jeder hasst jeden.

Nach langem hin und her und vielen anrufen bei dem psychosozialischem Dienst, haben wir es geschafft ihn einzuweisen. Jetzt sitzt er seit 4 Tagen in der Klinik und wird mit Medikamenten gefüttert und droht wieder rauszukommen, weil er sich dort sehr gut benimmt (sonst hohes aggressionspotenzial).

Meine Mama spielt die verständnisvolle und meine Schwester die böse, denn wir sind uns sicher, dass wenn meine Mama sich gegen ihn stellt und er rauskommen würde, er sich das Leben nehmen würde. Auf jedenfall wurde seitdem er dort ist , nicht ein mal mit ihm geredet, sondern er sitzt dort nur rum. Wenn er morgen rauskommt, dann fängt das ganze wieder von vorne an.

Muss denn erst was passieren, bis jemand eingreift ? Kennt sich jemand damit aus und kann mir helfen ?

Ps: es existieren viele Aufnahmen von Gesprächen zwischen meinem Bruder und meine Mutter, wo er ihr Geschichten erzählt, wo er "verfolgt" wurde.

Antworten
n+imue788


Es ist leider/zum Glück so, dass Menschen nicht festgehalten werden können, solange sie sich oder anderen nix antun. Bei schizophrenen Patienten ist es leider oft so, dass sie keine Notwendigkeit für Medikamente sehen, da sie ihre Wahrnehmung ja für die Realität halten.

Was sagen denn die Psychiater in der Klinik dazu?

UonPirdixsch


Muss denn erst was passieren, bis jemand eingreift ?

Leider sind unsere Gesetze in D so. Auch bei einer Diagnose wie paranoider Schizophrenie.

PS: Ich schicke Dir morgen eine PN, weil ich heute nicht mehr so viel Zeit habe.

L*ucix32


Also, paranoid Schizophrenie ist immer schwierig. Warum? Weil Medikamenten werden im Krankenhaus eingestellt. Draußen werden sie wieder abgesetzt. Entweder geht es denen gut - die Meds bauen sich sehr langsam ab (2 Monaten). Oder sie denken sie werden vergiftet.

4 Tage Krankenhaus ist viel zu kurz. Richterliche Beschluss im Eilverfahren holen - deine Mutter sollte seine Betreuerin werden. Im Krankenhaus beim Sozialdienst wird ihr unterstützt. Ihr reicht einen Antrag beim Familiengericht ein. Die schicken ein Gutachter. Geht am gleichen Tag. Dann besteht erstmal 72 Stunden zwangseinweisung. Kann man leicht verlängern.

Suizid begehen, tun die meisten Schizophreniker nicht. Allerdings geraten sie oft in gefährliche Situationen. Erlebte Beispiele: Patient geht nachts auf der Autobahn spazieren. Patient setzt sich im Brand. Hatte aber auch Patoenten die andere Leute schwere Verletzungen zugefügt haben. Paranoid Schizophrenie ist das gefährlichsten Art. Unvorhersehbar.

Die Aufnahmen die ihr habt. Zeige sie ihm, wenn er medikamentös eingestellt und rational ist. Er wird sich selbst erschrecken. Andere Verwendung haben sie nicht wenn ohne seine Einwilligung gemacht. Höchstes den Gutachter zeigen. Ziel ist Unzurechnungsfähigkeit zu beweisen. D.h. Betreuerin reguliert medizinische Behandlung.

Zwangseinweisung wegen unmittelbare Gefahr - wird nicht funktionieren. Muss etwas handfestes passiert sein - Körperverletzung oder ernsthafte Suizidversuch.

Daantxe


Dieses Verhalten ist für Schizophrene typisch.

Dein Bruder braucht dringend eine ordentliche Behandlung mit Psychopharmaka.

Schizophrenie lässt sich sehr gut behandeln. Dieses "mit Tabletten vollstopfen und ruhig stellen" ist ein altes Klischee.

Mit der richtigen Medikamentierung verschwindet auch der Verfolgungswahn, und der Patient kann oft selbst nicht mehr verstehen, was er da alles so lange geglaubt hat.

Schitzophrenie ist eine recht häufige, gut erforschte und gut behandelbare Störung des Gehirns.

Einen guten Arzt und die richtigen Medikamente vorausgesetzt, kann man damit in den meisten Fällen gut leben.

Viel Glück!

E5hemaYligert Nuhtzer (#5$78069)


Versucht euch in euren Bruder hineinzuversetzen. Natürlich glaubt er das, was er wahrnimmt, wirklich.

Insofern wäre es sinnvoll, sehr empathisch und verständnisvoll mit ihm umzugehen - und ihn vielleicht sogar mit anderen Mitteln von der Medikation überzeugen. Zumindest habe ich mal in einem Buch gelesen, dass sowas funktioniert kann.

Auf jeden Fall solltet ihr euch als Familie Unterstützung holen, um besser mit der Situation umgehen zu können.

Alles Gute! @:)

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